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INITIATIVEN

„Wir sind Chemnitz“

Seit den Vorkommnissen in Chemnitz Ende August leidet die Stadt unter einem Image-Problem. Googelt man „Chemnitz“, lautet der erste Vorschlag „Chemnitz Gewalt“. Jetzt formieren sich Initiativen, um ein positiveres Bild der Stadt Chemnitz zu zeichnen

„C
hemnitz ist weder grau noch braun“ setzt sich für ein buntes Chemnitz ein und stellt sich Hass, Gewalt und Intoleranz mit Offenheit und Vielfalt entgegen: „Chemnitz hat alles: seine guten Seiten und seine Probleme. Womit wir nicht leben können, sind Hass, Gewalt, Intoleranz und vor allem Wegschauen. Das ist der Nährboden, auf dem Demokratiefeindlichkeit wächst. Das macht Angst. Aber aus der entsteht der Mut, den es jetzt von uns Bürgern braucht“, heißt es auf der Seite der Initiative, die die Vereine „Industrieverein Sachsen“ und „Kreatives Chemnitz“ mit vielen ihrer Mitglieder ins Leben gerufen haben. #wedergraunochbraun entwickelt sich derzeit zu einem langfristigen Engagement. Bislang ist eine Unterstützersumme in Höhe von über 246.000 Euro zusammengekommen. Aktuell wird daran gearbeitet, Ideen und Projekte zu sammeln und auf die Beine zu stellen, die zu einem demokratischeren und offeneren Chemnitz beitragen.

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Die Kunstinstallation „Die Wölfe sind zurück?“ vor dem Chemnitzer Karl-Marx-Monument regt zur Diskussion an.
FOTO: WIKIMEDIA COMMONS (CC BY SA 2.0)

Einer der Unterstützer der Initiative ist die Technische Universität (TU) Chemnitz, die sich nach den Chemnitzer Ausschreitungen in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit richtet: „Wir sind angesichts der Ereignisse der letzten Tage stark erschüttert und tief betroffen“, erklären die Rektoren Prof. Dr. Gerd Strohmeier und Prof. Dr. Maximilian Eibl. „Die TU Chemnitz hat neben zahlreichen Beschäftigten verschiedener Nationalitäten bundesweit einen der höchsten Anteile internationaler Studierender. Damit steht sie für Weltoffenheit, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. Die Bilder der letzten Tage, geprägt von Gewalt, Hass und Hetze, stehen in einem diametralen Gegensatz zum Selbstverständnis und zur gelebten Kultur an unserer Universität. Chemnitz hat sich in den letzten Jahren in diversen Bereichen durch das großartige Engagement Vieler hervorragend entwickelt. Dafür steht neben der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung nicht zuletzt auch die Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Chemnitz und damit unserer Universität. Es hat uns schwer getroffen, dass die Ereignisse der letzten Tage dieser Entwicklung massiv zuwiderlaufen“, so die deutliche Botschaft.

Mit dem Video „Wir sind Chemnitz“ setzt die TU dann im Oktober ein klares Zeichen für Vielfalt und Weltoffenheit in ihrer Stadt.


Wie zum Beispiel Prof. Dr. Dr. Dietrich Zahn: „Die Wissenschaft lebt von der Vielfalt der Ideen und damit von der Vielfalt der Köpfe“, ist sein unmissverständlicher Beitrag. Mit rund 3.000 internationalen Studierenden, was einem Anteil von mehr als 25 Prozent entspricht, ist die TU Chemnitz die internationalste Universität in Sachsen und bundesweit mit an vorderster Stelle. In dem Video kommen Studierende und Beschäftigte der TU Chemnitz aus aller Welt zu Wort. „Sie zeigen damit ein anderes Bild unserer Stadt als das, welches in jüngster Zeit durch die Welt ging“, so Strohmeier. „Das ist unser Beitrag, um deutlich zu machen, dass Chemnitz weder grau noch braun ist“, so der Rektor in Anspielung auf die Chemnitzer Initiative. „Wissenschaft ist ohne Internationalisierung schlichtweg undenkbar. Deshalb setzen wir neben der regionalen Verankerung ganz bewusst auch auf die internationale Ausrichtung unserer Universität“, ergänzt Eibl.

Auch die Stadt Chemnitz wird aktiv. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig hat Ende September dem Stadtrat unter dem Titel „Gemeinsam handeln“ ein Sieben-Punkte- Papier vorgestellt als Antwort auf die Ereignisse Ende August und Ergebnis der Rückmeldungen aus der Bürgerschaft. „Bei wesentlichen Konzepten und Planungen in der Stadt wird Bürgerbeteiligung Bestandteil des Entscheidungsprozesses sein – Dialog gehört zum Selbstverständnis. Bei allen Formaten, bestehenden und neuen, setzen wir auf mehr Austausch“, erklärt Ludwig. Das Ziel ist ein gutes, friedliches Miteinander in der Stadt – durch mehr Sicherheit, Dialog und Integration. „Demokratie ist nicht selbstverständlich“, so die Oberbürgermeisterin. Dafür, dass sie in Chemnitz wieder selbstverständlich wird, stehen Initiativen wie #wedergraunochbraun und „Wir sind Chemnitz“.  CHRISTIAN FUNK
 

www.wedergraunochbraun.dewww.tu-chemnitz.de
„Die Bilder der letzten Tage, geprägt von Gewalt, Hass und Hetze, stehen in einem diametralen Gegensatz zum Selbstverständnis und zur gelebten Kultur an unserer Universität.“
Prof. Dr. Gerd Strohmeier,
TU Chemnitz
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