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TOLERANZ, HALTUNG, OFFENHEIT

„Wir machen was“

Die Ausschreitungen in Chemnitz beschäftigen die deutsche Tagungsbranche. Zeit, Haltung zu zeigen, finden Viele. Initiativen von Osnabrück bis nach Berlin setzen Zeichen für Toleranz, Offenheit und Respekt.

„W
ir müssen einfach was machen.“ Als sich Susanne Frost und Axel Dittert morgens auf einen Kaffee treffen, sind sie aufgewühlt von Ereignissen, die sich im über 400 Kilometer entfernten Chemnitz zugetragen haben. Es ist der 3. September, und Frost und Dittert – beide Teil der 36-köpfigen Belegschaft des Osnabrücker Veranstaltungsgebäudes Osnabrückhalle – beschreiben ihre Gefühlslage rückblickend geprägt von einer Mischung aus Fassungslosigkeit, einer gewissen Ohnmacht und dem unbedingten Wunsch, etwas gegen diese Ohnmacht zu unternehmen und sich zu engagieren.


In der Woche zuvor kam es im sächsischen Chemnitz zu gewalttätigen Ausschreitungen, nachdem am 25. August während des Chemnitzer Stadtfestes ein Mann durch eine Messerattacke getötet und zwei weitere Männer schwer verletzt wurden. Die tatverdächtigen Syrer und Iraker waren im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 nach Chemnitz gekommen. Daraufhin hatten vor allem rechte und rechtsextreme Gruppierungen zu Demonstrationen aufgerufen, am 27. August gingen 6.000 rechte Demonstranten auf die Straße. Am 1. September – an dem vier Demonstrationen angemeldet waren – waren ganze 11.000 Demonstranten verschiedener Lager und 2.000 Polizisten vor Ort. Im Zuge dieser Demonstrationen griffen Rechtsradikale und Neonazis Migranten, Gegendemonstranten, Polizisten und Pressevertreter an. Die Polizei musste sich anschließend Vorwürfe gefallen lassen, die Situation unterschätzt zu haben.

Während dieser Tage flimmern tumultartige Szenen über die Fernsehbildschirme. Die internationale Presse blickt besorgt nach Sachsen: „Es ist beunruhigend, wenn ein rechter Mob in den Straßen einer Stadt randaliert. Doch aus offenkundigen historischen Gründen sind solche Szenen in Deutschland besonders erschreckend“, schreibt etwa der Guardian aus London. Und La Vanguardia aus Barcelona kommentiert: „Man darf nicht tolerieren, dass Ultrarechte auf Kundgebungen sich selbst zum ,Volk‘ ernennen, da die große Mehrheit der Deutschen eine ganz andere Sicht der Dinge hat.“

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Mitarbeiter der Osnabrückhalle organisieren „Wir machen was“, um sich für mehr Toleranz einzusetzen.
FOTO: OSNABRÜCKHALLE

Deutsche wie Susanne Frost und Axel Dittert. Sie entschließen sich während des gemeinsamen Kaffees dazu, ein Zeichen für Toleranz und Respekt zu setzen. „Es sind die ganz falschen Bilder, die hier transportiert werden. Es gibt eine ganz, ganz breite Mehrheit in Deutschland, die friedlich und tolerant miteinander lebt. Die ist nicht so laut und geht deswegen in der Öffentlichkeit ein bisschen unter. Darum wollten wir nicht einfach tatenlos zusehen, sondern etwas tun“, sagt Axel Dittert. Mit der vagen Vorstellung, ein Festival für Toleranz auszurichten, wenden sie sich an Geschäftsführer Jan Jansen, der sofort grünes Licht gibt und seinen Mitarbeitern jede Unterstützung zusagt. „Dann war es wirklich ein Selbstläufer, denn der Zuspruch seitens unserer Kollegen und von Partnern – Vereine, Veranstalter, die Stadt Osnabrück, Wohltätigkeitsorganisationen – war wirklich überwältigend. Dass wir etwas vorhaben, hat sich so schnell herumgesprochen, dass wir schon nicht mehr nach Partnern suchen mussten, sondern dass viele Institutionen auf uns zugekommen sind“, sagt Susanne Frost. So entsteht die Veranstaltung „Wir machen was!“, die nun am 21. Oktober 2018 in der Osnabrückhalle stattfindet.

Kurz bevor die Türen öffnen, sind Frost und Dittert nervös. „Es wäre toll, wenn wir so an die 1.000 Menschen mobilisieren könnten“, sagt Dittert zurückhaltend. Er sollte sich irren: Im Laufe des Nachmittags und Abends strömen über 4.000 Besucher in die Osnabrückhalle und erleben ein unglaublich buntes, lebendiges und vielfältiges Programm. Da gibt es Kinderschminken, Spiel- und Mitmachaktionen, Tanzvorführungen im Foyer und jede Menge Musik in den verschiedenen Veranstaltungsräumen: Von Elektro-Pop, Kirchenchor und Hip Hop über Jazz und Worldmusic bis hin zum Schlagzeugensemble oder Rock. Im Foyer präsentieren sich örtliche Verbände, Wohltätigkeitsorganisationen und Vereine, es gibt Lesungen, Diskussionsrunden, sprichwörtlich jede Ecke des Kongresshauses wird genutzt und bespielt.

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FOTO: LEIPZIGER MESSE

Mit dem besonderen Charakter von Tagungen geht ein Grundverständnis von Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt einher und das ist ein Grundpfeiler unserer täglichen Arbeit.

André Kaldenhoff, Geschäftsbereichsleiter Kongresse Leipziger Messe

„Was wir erreichen wollten, war eine Fläche zu schaffen, auf der man sich ungezwungen begegnen kann und die es Besuchern – Familien mit Kindern, Senioren, Vereinen, Migranten... wir wollten niemanden ausschließen – ermöglicht, ein friedliches Zeichen für Toleranz und Respekt zu setzen, ohne dass es „gegen rechts“ oder ähnliches gerichtet ist. Es war uns ganz wichtig, dass die sich die Veranstaltung ,für‘ etwas einsetzt, nicht ,dagegen‘“, betont Axel Dittert, der im Technikservice arbeitet. Und Susanne Frost, im Hauptberuf Projektleiterin Eventservices, fügt hinzu: „Wir sind begeistert, dass so viele Menschen Gesicht gezeigt haben und mit uns und allen Beteiligten ein großes Zeichen für ein friedliches Miteinander nach außen gesendet haben.“

Möglich war das Ganze durch die Unterstützung der Kollegen und vieler Helfer. „Nachdem wir unsere anderen Kollegen über das Vorhaben vor sieben Wochen eingeweiht haben, war der Zuspruch und die Bereitschaft mitzuhelfen wirklich überwältigend“, freut sich Geschäftsführer Jan Jansen. „Alle haben sich engagiert und die Organisation unterstützt, ehrenamtlich, in ihrer Freizeit.“ Bis auf wenige verhinderte Ausnahmen ist die gesamte Belegschaft am 21. Oktober vor Ort, kümmert sich um die Technik, Auf- und Abbau, schenkt Getränke aus und steht als Ansprechpartner für Kulturschaffende oder Besucher zur Verfügung. Auch ehemalige Kollegen unterstützen die Mitarbeiter der Osnabrückhalle. Insgesamt sorgen rund 200 Helfer für den vielfältigen Nachmittag, den Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert für mahnende Worte hinsichtlich aktueller gesellschaftlicher Strömungen nutzt: „Es ist höchste Zeit, sich wieder mehr für Respekt und Toleranz zu engagieren.“

STEP2MICE

Step2mice entwickelte sich aus dem Erasmus+ Projekt Event Industry Integration von EVVC e.V., GPOCS (Lichtenstein), IT University (Dänemark), ÖSB (Österreich) und VPLT. Ziel dieses gemeinsamen Projektes ist es, die Beschäftigung und Integration von Geflüchteten, Migranten und ausländischen Arbeitskräften in die MICE-Branche zu fördern. Schwerpunkte bilden die Fachbereiche Technik, Catering und Logistik. Step2mice unterstützt die Unternehmen dabei mit Bildungsplänen, Schulungen, Kompetenzfeststellungen sowie Mentoren- und Buddy-Programmen. Für die geplante Erstumsetzung von Step2mice im Frühjahr 2019 werden noch engagierte Praxisbetriebe gesucht. info@step2mice.eu



Ilona Jarabek, Präsidentin des EVVC (Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren), stimmen die aktuellen Entwicklungen „insbesondere in unserer Gesellschaft“ nachdenklich. „Das fordert geradezu zum Handeln auf“, sagt sie und begrüßt das Engagement der Osnabrücker ausdrücklich: „Unsere Häuser sind per se Orte der Begegnung und können daher einen wichtigen Beitrag zur Verständigung leisten, wenn wir uns darüber hinaus auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden.“ Gerade die Meetingindustrie könne Plattformen schaffen, um Menschen miteinander zu vernetzen und Impulse zum gegenseitigen Austausch zu geben. Jarabek ist zudem der Meinung, dass Köpfe der Branche auch persönlich öffentliche Auftritte und Statements für Plädoyers für eine tolerante und vielfältige Gesellschaft nutzen sollten.

Städten im Osten der Republik haftet im Zuge von Berichten über rechte Gewalt oder Versammlungen rechtsextremer Gruppierungen ein negatives Image an. „Die aktuellen Entwicklungen beschäftigen und fordern uns alle“, bestätigt Birgit Eißner, Leiterin Kongress- & Standortmarketing bei Dresden Marketing. „Die zunehmende politische Diversität in Deutschland ist auch in Dresden zu spüren. Seit fast vier Jahren demonstriert hier regelmäßig die Pegida- Bewegung.“ Auch wenn inzwischen an den Demonstrationen im Mittel nur noch etwa 1.000 bis 2.000 Personen teilnehmen und nicht mehr wie im Januar 2015 ganze 25.000 – „und nicht alle davon aus Dresden, wie die Veranstalter selbst immer wieder betonen“, sagt Eißner – leidet Dresden unter den Berichterstattungen. Dieses Bild möchte Eißner relativieren: „Dresden, und das ist eine unserer wichtigsten Botschaften, kann man eben nicht auf Pegida reduzieren: Es ist und bleibt eine offene und lebenswerte Stadt mit engagierten Bürgern“, erklärt sie.

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FOTO: DRESDEN MARKETING

Seit fast vier Jahren demonstriert hier regelmäßig die Pegida-Bewegung. Dresden, das ist eine unserer wichtigsten Botschaften, kann man nicht auf Pegida reduzieren. Wichtig ist für uns, glaubwürdig und authentisch die Vielfalt der Stadt Dresden und auch des ganzen Landes zu kommunizieren – und sich für die Werte eines friedlichen, respektvollen und solidarischen Zusammenlebens einzusetzen.

Birgit Eißner, Leiterin Kongress- & Standortmarketing Dresden Marketing

Apropos Pegida. Während „Wir machen was“ in Osnabrück stattfindet, feiert die Bewegung in Dresden ihren vierten Geburtstag und bringt zu diesem Anlass 5.000 Menschen auf die Straße. Doch an diesem Tag überlassen die Dresdener Bürger das Feld nicht den „Patriotischen Europäern“. Angeführt von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) versammelt die Demonstration „Herz statt Hetze“ rund 13.000 Menschen. „Ich bin hier nicht auf einer Gegendemonstration“, stellt der stellvertretende Ministerpräsident Martin Dulig bei einer Rede klar. „Ich bin hier, weil ich für etwas bin. Für Mitmenschlichkeit, für Menschenrechte.“ Wenig später am Rathaus ergreift Ministerpräsident Michael Kretschmer das Wort und bemängelt, dass es viel zu lange gedauert habe, den richtigen Umgang mit und die richtige Antwort auf Pegida zu finden. „Wenn die Mehrheit zu leise wird, wird die Minderheit zu laut“, findet er mahnende Worte.

Birgit Eißner nennt weitere positive Beispiele wie die Initiativen „Dresden.Respekt“ oder „#WOD – Initiative weltoffenes Dresden“, die für bürgerliches Engagement stehen. Letztere Initiative ist ein 2014 gegründeter offener Kreis von Dresdner Kulturinstitutionen wie dem Staatsschauspiel Dresden, der Dresdner Philharmonie oder dem „Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste“. Im September 2017 beschloss der Stadtrat zudem das Lokale Handlungsprogramm für ein vielfältiges und weltoffenes Dresden (LHP). „Mit dem LHP fördert die Landeshauptstadt bereits seit 2010 für den Zeitraum 2017 bis 2022 zivilgesellschaftliche Initiativen und engagierte Einwohnerinnen und Einwohner, die sich für die Stärkung von Demokratie, gegenseitigem Respekt und Weltoffenheit in Dresden einsetzen“, erklärt Eißner. Die Leiterin Kongress- & Standortmarketing bei Dresden Marketing ist überzeugt, dass die Dresdener Tagungsbranche ihren Teil für ein weltoffenes Dresden beisteuert. Maxime innerhalb ihres Unternehmens sei es, jeden Tag Toleranz und Gastfreundschaft gegenüber Menschen aus aller Welt vorzuleben; privat wie beruflich. „Die klare Haltung für Vielfalt und Offenheit prägt die Arbeit in unserem Segment. Wichtig ist für uns, glaubwürdig und authentisch die Vielfalt der Stadt Dresden und auch des ganzen Landes zu kommunizieren – und sich für die Werte eines friedlichen, respektvollen und solidarischen Zusammenlebens einzusetzen. Es geht darum, deutlich zu machen, dass möglichst jeder seinen persönlichen Beitrag dafür leisten muss.“


André Kaldenhoff, Geschäftsbereichsleiter Kongresse der Leipziger Messe, sieht eine weltoffenes tolerantes Klima gar als Geschäftsgrundlage: „Tagungen und Kongresse leben davon, dass Menschen sich persönlich treffen, sich austauschen, diskutieren, voneinander lernen – und das unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion“, erläutert er. Im Meeting-Geschäft stünden spezifische Themen und fachliche Expertise im Fokus. Die Auseinandersetzung mit Themen wie neue medizinische Behandlungsmethoden, digitale Entwicklungen oder die Zukunft des weltweiten Verkehrswesens fände komplett unabhängig vom tagesaktuellen Weltgeschehen statt. „Mit diesem besonderen Charakter von Tagungen geht ein Grundverständnis von Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt einher und das ist ein Grundpfeiler unserer täglichen Arbeit.“ Kaldenhoff erinnert an den Herbst 1989, als Menschen bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig für Freiheit, für freie Meinungsäußerung, Demokratie und Selbstbestimmung auf die Straße gingen und friedlich den Anstoß für die deutsche Wiedervereinigung gaben. „Für eine Haltung, die auf Weltoffenheit, Toleranz und Vielfalt basiert, stehen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Leipziger Messe und des Congress Center Leipzig.“

Berlin hat es vom Image her schon etwas leichter als etwa Dresden, Leipzig oder Chemnitz. „Wenn wie bei der #unteilbar-Demonstration gegen rechts 240.000 Menschen auf die Straße gehen, sendet das natürlich ein positives und ausdrücklich starkes Zeichen für Toleranz und Vielfalt nach außen“, weiß Iris Lanz, Leiterin des Berlin Convention Office (BCO) von Visit Berlin.


Ihr Unternehmen, das zum Beispiel die sich für ein vorurteilsfreies Arbeitsumfeld einsetzende Charta der Vielfalt unterschrieben hat, engagiert sich öffentlichkeitswirksam für Offenheit und Haltung. Zum Beispiel mit der „pink pillow Berlin Collection“. Darunter sind explizit schwulen- und lesbenfreundliche Hotels vereint. Gemeinsam mit den Berliner Hotels will Visit Berlin die Attraktivität der Stadt als Reiseziel für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle stärken. Zudem engagiert sich Visit Berlin seit 2009 im Projekt „Berlin braucht dich!“, einem beruflichen Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten in Berlin. „Und die Jobbörse für Geflüchtete, die nächstes Jahr zum vierten Mal von unserem Partner Estrel organisiert wird, spricht in diesem Zusammenhang für sich“, so Iris Lanz.

Die deutsche Meetingindustrie setzt sich in diesen Tagen intensiv mit dem Thema auseinander, zum Beispiel beim Hotelcamp des HSMA (Hospitality Sales & Marketing Association) im Oktober in Baunatal. Gleich die erste Session „Wieviel Haltung muss die Hotellerie wahren?“ behandelt den wachsenden Rechtsruck und steigende Intoleranz in der Gesellschaft. Auch beim Open Space während der EVVC-Management- Fachtagung im September in Regensburg rücken Haltung und Toleranz in den Mittelpunkt. Als die Geschehnisse von Chemnitz in die Diskussion geraten, ergreift Dr. Ralf Schulze das Wort, als Geschäftsführer der C3 Chemnitzer Veranstaltungszentren ist er unmittelbar betroffen. Er arbeitet an öffentlichen Diskussionsrunden und Plattformen zur Bürgerbeteiligung. Es müsse in Chemnitz selbst viel getan werden. „Wir müssen die Situation jetzt nutzen, um uns neu aufzustellen“, appelliert er. Das Chemnitzer Montagskonzert „Wir sind mehr“ am 3. September 2018 mit den Toten Hosen und Kraftklub hat sein Unternehmen übrigens als Organisator der Pressekonferenz und des Backstage-Bereichs in der Chemnitzer Stadthalle unterstützt, zudem sei Schulze auch selbst mit der Familie beim Konzert gewesen.

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FOTO: GCB, MICHAEL PASTERNACK

Als Spiegel und Impulsgeber wichtiger nationaler und internationaler Entwicklungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sollten Veranstaltungen den Austausch über Grenzen hinweg in einem weltoffenen Geist ermöglichen.

Matthias Schultze, Managing Director, German Convention Bureau

Wie auch Jürgen May, CEO der Agentur 2bdifferent, die Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit berät. „Ich wollte mir einfach mal vor Ort ein Bild von der Situation machen.“ Gemeinsam mit seiner 19- jährigen Tochter nimmt er von Mannheim aus fünf Stunden Fahrt in Kauf, um bei „Wir sind mehr“- dabei zu sein. „Natürlich war es großartig für mich ,alten Hasen‘ mit so vielen jungen Menschen beim Konzert dabei zu sein. Die Stimmung war großartig, friedlich und man hat die Haltung der Menschen förmlich spüren können. Für mich persönlich war es aber wichtig – neben der Tatsache ein Zeichen zu setzen – mit Leuten dort vor Ort ins Gespräch zu kommen“, beschreibt May seine Beweggründe. Seine Erfahrungen seien freilich nicht repräsentativ, aber dennoch sei er mit mehr als zehn Personen in einen persönlichen Austausch gelangt, um zu erfahren, was die Menschen in Chemnitz beschäftigt.

„Meine Begegnungen waren querbeet, decken aber eine breite Facette an Empfindungen ab. Die einen ärgert es, dass sie sich ständig pauschalisiert fühlen. Diese Leute wollen ernst genommen und gehört werden.“ Bei anderen würde man bemerken, dass sie mit gewissen Äußerungen und Haltungen ihrem Frust freien Lauf lassen. „Die suchen ein Ventil. Dann gibt es aber auch unglaublich engagierte Menschen, die auf der einen Seite die Wahrnehmung von Sachsen ändern wollen und auf der anderen Seite vor Ort etwas bewegen möchten, die Menschen aufrütteln wollen. Und dann ist bei einigen Menschen eine gewisse Lethargie und Gleichgültigkeit spürbar, die sehen gar nicht ein, warum und wofür sie sich engagieren sollten.“ Jürgen May begrüßt Initiativen wie in Osnabrück ausdrücklich und sieht eine große Notwendigkeit, Plattformen für Austausch zu schaffen. Er ist überzeugt, dass Veranstaltungshäuser hier gute Möglichkeiten haben, etwas zu bewegen. Für ihn hat sich der aufwändige Roadtrip mit seiner Tochter gelohnt. „Wenn man sich ein differenziertes Bild machen möchte, muss man so etwas einfach mal machen.“  CHRISTIAN FUNK
 

Umfrage: „Vielfalt in der Veranstaltungsbranche“

Der EVVC, Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V., plant 2019 eine Umfrage unter seinen Mitgliedern und Partnern in Kooperation mit der tw tagungswirtschaft. Die Ergebnisse sollen auf der nächsten EVVC-Jahreshauptversammlung am 02. April 2019 vorgestellt werden. www.evvc.org
Offene, ehrliche und angstfreie Diskussionen sind in diesen Zeiten wichtiger denn je. Dafür sollten wir uns stark machen, denn auch die weltoffene und tolerante Haltung in Deutschland war bisher auch ein wichtiger Baustein unseres weltweiten Erfolges als Meeting-Destination.
Ilona Jarabek, Präsidentin Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren
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