INTERVIEW

„Wir brauchen Konferenzen über Internetsicherheit!“

Richard Franken, Executive Director des Hague Security Delta, über die Cyberanfälligkeit von Veranstaltungen, die Bedrohung durch Internetkriminelle und die Cyber Security Week in Den Haag.

tw: Bitte erläutern Sie unseren Lesern den Begriff Cyber Security.
Richard Franken:
Cyber Security befasst sich mit der Sicherung von Rechnern und Netzwerken gegen Eindringlinge. Diese Eindringlinge verursachen häufig riesige Probleme. Regierungen und Geheimdienste bestimmter Länder sind darauf aus, über die Computersysteme glaubwürdiger Organisationen Fake News zu verbreiten. Cyberkriminelle versuchen, große Mengen an Geld auf eigene Konten umzulenken oder erpressen ganze Systeme. Aktivisten dringen in Firmennetzwerke ein, um geheime Informationen zu hacken und durch deren Veröffentlichung gesellschaftlichen Druck auf die Unternehmen auszuüben. Darüber hinaus sind manche Scriptkiddies (Anm. d. Red.: Ein Scriptkiddie ist ein Stereotyp, das sich alltagssprachlich auf Personen aus dem Bereich der Computersicherheit bezieht) einfach nur darauf aus, einzudringen und möglichst viel Schaden anzurichten. Wer der Eindringling im Einzelnen ist, macht keinen Unterschied; auf jeden Fall führt es zu erheblichen finanziellen Verlusten und Rufschädigung aller betroffenen Unternehmen und Organisationen.

Warum ist Internetsicherheit derzeit ein so aktuelles Thema?
Die digitale Abwehr von Unternehmen und Organisationen hält häufig nicht Schritt mit der Entwicklung der drohenden Gefahren. Laut der jährlichen „Cybersecurityview Netherlands“ ergreifen Regierungsstellen, Unternehmen und die Gesellschaft viele Maßnahmen, um ihre digitale Verteidigung aufzurüsten, aber dies geschieht nicht schnell genug. Staatliche Stellen und Cyberkriminelle stellen die größte Bedrohung dar. Die Entwicklung des Internets der Dinge birgt neben vielen Chancen auch eine Menge Risiken. Viele Geräte haben Schwachstellen, aber es mangelt an Sicherheitsupdates, um diese zu beseitigen. Folglich sind Firmen und die Gesellschaft das Opfer von Cyberangriffen, bei denen Informationen oder Geld erpresst werden.

Richard Franken eröffnet die Cyber Security Week in Den Haag.
FOTO: CYBER SECURITY WEEK

Sollten Eventplaner ein Auge auf Cyber Security haben?
Ja, wie oben schon angedeutet, zählen Eventplaner ebenfalls zu den potentiellen Opfern von Cyberattacken. Schützen Sie sich gegen diese Angriffe! Viele Unternehmen lehnen aus Kostengründen einen umfassenden Schutz ab, aber ich kann Ihnen versichern, dass es wesentlich teurer ist, erlittene Schäden zu reparieren, und dabei rede ich noch gar nicht von der Rufschädigung und dem möglichen Verlust geistigen Eigentums, bei dem die eigene Wettbewerbsfähigkeit leidet. Ebenfalls kann ich mir vorstellen, dass Cyber Security ein interessantes Thema für Veranstaltungen ist. Es gibt da noch enorme Wissenslücken. Wir brauchen also nicht nur Kongresse und Seminare, sondern auch praxisorientierte Konferenzen, bei denen Experten echte digitale Sicherheitslösungen aufzeigen. Auf diese Weise erhalten Interessenten einen Überblick über die für ihr Unternehmen und ihre Organisation passenden Tools.

Was sind denn die (Cyber-)Anfälligkeiten bei der Organisation von Veranstaltungen?
Hier ist eines der bekannteren Problemfelder sicherlich die Online-Registrierung. Diese Formulare haben häufig Schwachstellen, die zum Angriff auf die Website genutzt werden könnten. Auf diese Weise können persönliche Daten der angemeldeten Teilnehmer gestohlen oder die ganze Webpräsenz lahmgelegt werden. Über die Website können Angreifer eventuell sogar auf das Firmennetzwerk zugreifen. Eine andere mögliche Schwachstelle ist die Verwendung des offenen Wifis an Veranstaltungsorten. Hier kann es ausreichen, einen Router mit identischem Netzwerknamen einzurichten, damit sich Teilnehmer versehentlich in das betrügerische Netzwerk einloggen.

Welche Aufgabe hat The Hague Security Delta?
Das The Hague Security Delta (HSD) ist das führende Sicherheitscluster in Europa. In diesem niederländischen Cluster arbeiten Unternehmen, Regierungen und wissenschaftliche Institutionen gemeinsam an der Innovation und Forschung in den Bereichen Cyber Security, nationale und urbane Sicherheit, Schutz von kritischen Infrastrukturen und Forensik.

SECURITY DELTA

Richard Franken ist Executive Director des Cyber-Security-Clusters The Hague Security Delta (HSD). Es unterhält Partnerschaften zu Unternehmen, Regierung- und Forschungseinrichtungen und fördert den Austausch mit Security-Clustern in den USA, Kanada, Singapur, Südafrika und Europa. Das Cluster arbeitet im Bereich der Sicherheit, des Schutzes kritischer Infrastrukturen und der Forensik. Kern des Netzwerks ist der HSD Campus, das nationale Innovationszentrum für Sicherheit in Den Haag. www.thehaguesecuritydelta.com

Beschreiben Sie uns ihre bereichsübergreifende Vorgehensweise bei der Zusammenarbeit mit anderen Ländern und Partnern?
Die Philosophie der HSD ist es, Verbindungen und Partnerschaften zwischen Regierungen, Unternehmen und Forschungsinstituten herzustellen, die sogenannte Triple Helix. Im Bereich der Cyber Security spielen sie alle eine wichtige Rolle. Als HSD bringen wir sie zusammen, damit sie interagieren können. Auf der internationalen Ebene arbeiten wir mit ähnlichen Organisationen wie der HSD zusammen. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist die Gründung der Global EPIC am 10. Oktober, in der wir mit 14 anderen Ecosystemen weltweit zusammenarbeiten. Global EPIC ist gegründet worden, um zunehmende weltweite Herausforderungen durch globale Zusammenarbeit zu überwinden und dabei lokale Cyber Security und wirtschaftliche Vorteile zu ermöglichen.

Was haben Sie als Veranstalter der Cyber Security Week bezweckt?
Die Cyber Security Week (CSW) war wichtig, um der Welt zu zeigen, welche innovative Energie und Expertise in den Niederlanden steckt, wenn es um Cyber Security geht. Die CSW fand in der gleichen Woche wie die Europol – Interpol Cybercrime Conference und die Global Cyberlympics Finals des Europarates statt. Im Verlauf dieser Woche war Den Haag der Nabel der Cyber-Security-Welt. Dutzende Veranstaltungen gaben Teilnehmern die Gelegenheit, wichtige Akteure zu treffen, die neuesten Entwicklungen zu diskutieren, Wissen zu teilen und den Markt für innovative Geschäftsideen zu sondieren.

Together we Secure the Future – das Motto der Cyber Security Week.
FOTO: CYBER SECURITY WEEK

Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?
Die wichtigste Herausforderung der Cyber Security Week bestand darin, das Bewusstsein von Regierungen, Unternehmen, Organisationen und der Gesellschaft im Allgemeinen über Cyberrisiken so weit zu schärfen, dass wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen werden, um deren Geschäfte und damit auch sich selbst zu schützen.

Was war denn Ihr persönliches Highlight?
Das war der Wettbewerb zwischen den besten Hackern der Welt an den Global Cyberlympics Finals während der Woche in Den Haag. Dies ist ein internationaler Online-Hackingwettbewerb, dessen Ziel es ist, das Niveau der nationalen Cyber Security anzuheben und internationale Kooperation zu stärken. Das niederländische Team „Hack.ERS“ war der strahlende Sieger. Die Global Cyberlympics bestehen aus einer Reihe von „ethical hacking“-Games, bei denen – nach über Monate laufenden Vorausscheidungen – 80 Teilnehmer aus acht Ländern von vier Kontinenten vor Ort in Den Haag in Teams um die Goldmedaille kämpfen.

Wie hat Sie das Hague Convention Bureau unterstützt?
Sie haben uns beim Location-Management unterstützt: Events für die Cyber Security Week akquirieren, Zuschüsse von staatlichen und städtischen Stellen sicherstellen, Veranstaltungen planen, Zimmer buchen, Getränke und Catering organisieren, Bustransfer zwischen Veranstaltungsorten sicherstellen und Transparente für die Cyber Security Week aufstellen. Daneben haben sie auch noch die Cyber Security Week im Veranstaltungsprogramm der Stadt Den Haag untergebracht. Das Convention Bureau hat uns unterstützt, indem es internationale Partner akquiriert, uns in Logistikfragen beraten und diverse Veranstaltungen auf seine Partner in der ganzen Stadt aufgeteilt hat. Daneben gehörte zu ihren Hauptaufgaben die Koordination der Werbung in der Stadt, Organisation des Shuttleservice und des Event-Equipments.



In 2015 hatten Sie 1.500 Teilnehmer – und in 2017 3.500. Wie viele werden es 2019 sein?
Cyber Security ist ein wichtiges Thema, bei dem man ständig am Ball bleiben muss. Wir planen die nächste Cyber Security Week für 2019. Ich bin sicher, dass Cyber Security nicht von der Tagesordnung verschwindet, sondern im Gegenteil, angesichts des Internets der Dinge, Roboter und künstlicher Intelligenz noch mehr in den Fokus rücken wird. Es würde mich nicht überraschen, wenn wir die Teilnehmerzahl von diesem Jahr wieder erreichen oder sogar übertreffen.

Was raten Sie Veranstaltungsplanern?
Cyber Security ist nicht nur ein Thema für IT-Abteilungen, es betrifft die gesamte Organisation auf allen Ebenen. Deswegen müssen Vorstände sich dieser Thematik annehmen und intern anleiten, weil es sich hier nicht nur um technische Maßnahmen, sondern auch rechtliche Fragen, PR, Finanzen, Kultur und Zugangsbeschränkungen handelt. Alle Unternehmen müssen Maßnahmen ergreifen, auch Veranstaltungsplaner. CHRISTIAN FUNK
 
„Regierungen und Geheimdienste bestimmter Länder sind darauf aus, Fake News zu verbreiten.“
Richard Franken,
The Hague Security Delta
„Eventplaner sind potentielle Opfer von Cyberattacken.“
Richard Franken,
The Hague Security Delta
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