DEUTSCHE BANK AG

„Unser Blau ist bunt“

Gernot Sendowski, Director Global Diversity & Inclusion bei der Deutschen Bank AG und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Charta der Vielfalt, über Vielfalt als ein Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg, den Deutschen Diversity-Tag, das Mitarbeiternetzwerk Väter@DB und LGBTIQ-Gleichberechtigung.

tw:Warum denke ich bei den Mitarbeitern der Deutschen Bank an weiße Männer in dunkelblauen Hosenanzügen?
Gernot Sendowski:
Ich denke bei Deutsche-Bank- Mitarbeitenden an Kollegen und Kolleginnen mit 149 Nationalitäten in 60 Ländern und aus vier Generationen. Ich denke an Bankkaufleute, Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und zum Beispiel Ingenieure und Geologen. Ich denke an hetero-, homo-, bi-, inter- und transsexuelle Menschen. Kurz gesagt: Unser Blau ist bunt.

Sie sind Director Global Diversity & Inclusion. Wie sieht Ihr Aufgabenfeld aus?

Wir sind ein weltweit aufgestelltes, kleines Expertenteam, und das Aufgabenfeld meiner Teamkolleginnen und mir ist so vielfältig wie die Bank. Es beinhaltet zum Beispiel die Entwicklung einer Strategie zu Vielfalt und Teilhabe (Diversity & Inclusion) mit dem Konzernvorstand, die Beratung der Divisionen bei der Umsetzung, die Beratung bei der Konzeption von Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen, die interne und externe Berichterstattung über unseren Fortschritt, die Umsetzung regulatorischer Anforderungen, die Zusammenarbeit mit und Unterstützung von unseren Mitarbeiternetzwerken sowie die Beratung bei Einzelfällen. Und es beinhaltet auch die Vertretung der Bank zum Beispiel in Deutschland bei der Charta der Vielfalt und der Prout At Work- Stiftung.

Die Charta der Vielfalt setzt sich für Diversity in der Arbeitswelt ein. Ihr Unternehmen war 2006 nicht nur unter den ersten Unterzeichnern, Sie engagieren sich persönlich im Vorstand. Und das ehrenamtlich, warum?
Die Deutsche Bank hatte die Charta der Vielfalt seinerzeit sogar mit begründet
. Ich halte es für wichtig, dass der wertschätzende Umgang mit Vielfalt in der Arbeitswelt als ein Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg und zur gesellschaftlichen Teilhabe angesehen wird. Vielfalt ist kein separates Thema, dessen man sich annehmen kann oder nicht. Die Vielfalt ist Teil der Realität, und wir haben die Chance und die Verantwortung wertschätzend und wertschöpfend mit ihr umzugehen. Und die Verantwortung, als großer Arbeitgeber und aktives Mitglied der Gesellschaft auch einen positiven Beitrag für diese zu leisten und Entwicklungen mit zu gestalten.

Gernot Sendowski spricht auf einer Veranstaltung des Stipendienprogramms „Geh deinen Weg“ der Deutschlandstiftung Integration.
FOTO: DEUTSCHLANDSTIFTUNG INTEGRATION

GERNOT SENDOWSKI...

... ist Director Global Diversity & Inclusion bei der Deutschen Bank AG. Europas führende Unternehmens- und Investmentbank beschäftigt rund 97.500 Mitarbeiter aus 149 Nationen in 60 Ländern. www.deutsche-bank.de

Überzeugen Sie mich: Wozu sollte ich als Unternehmen oder Verband die Charta der Vielfalt unterzeichnen?
Unternehmen und Institutionen, die die Charta unterzeichnen, zeigen, dass sie es ernst nehmen mit einem wertschätzenden Umgang mit Vielfalt. Künftige Talente, die Mitarbeitenden und die Geschäftspartner nehmen das wahr. Zum Beispiel fragen die Menschen mehr und mehr nach dem Grund, warum sie sich für einen Arbeitgeber entscheiden und engagieren sollen. Wie sie mit ihrer ganzen Identität und Persönlichkeit wertgeschätzt werden, wird ein immer wichtigeres Unterscheidungsmerkmal. Und, die Charta-Unterzeichner bilden ein Netzwerk, in dem viel Erfahrung ausgetauscht und Themen rund um Vielfalt und Teilhabe in der Arbeitswelt weiterentwickelt werden.


Können Veranstalter von Kongressen, die das Thema Diversität ins Programm nehmen wollen, Sie und Ihre Kollegen aus dem Vorstand oder der Geschäftsstelle der Charta der Vielfalt als Redner anfragen?

Selbstverständlich stehen wir im Rahmen des zeitlich Möglichen bereit, unsere Erfahrung zu teilen und Denkanstöße zu geben. So hatte ich zum Beispiel gerade auf dem „iCON Global Inclusion Seminar“ über die Weiterentwicklung der Einbettung von Vielfalt und Teilhabe in der Deutschen Bank berichtet und meine Sicht auf Aspekte des „Diversity-Managements“ der Zukunft diskutiert. Und ich habe kürzlich die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt durch den Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr e.V. mit einem persönlichen Grußwort begleitet.

In der Studie „Diversity in Deutschland“ zum 10. Geburtstag der Charta in 2016 kam heraus, dass zwei von drei Unternehmen auf die absehbaren Veränderungen durch eine vielfältige Arbeitswelt nicht vorbereitet sind. Welche Veränderungen kommen auf uns zu?
Diese Frage wäre ein eigenes Interview wert. Kurz gesagt: Es sind für mich insbesondere die „Drei D“: Digitalisierung, demografische Entwicklung und Diversity. Die multigenerationale und multikulturelle Zusammenarbeit in einem Umfeld mit immer kürzeren Entwicklungszyklen und einem Wandel hin zu einer Wissensgesellschaft. Hierarchien und Abteilungen zum Beispiel verändern sich mehr und mehr in Richtung von Teams, Netzwerken, die auf Zeit an einer Lösung arbeiten. Die Digitalisierung kann dabei helfen, flexibler zu arbeiten und damit die Teilhabe von zum Beispiel Eltern oder Pflegenden fördern oder ortsunabhängiger zu arbeiten. Sie birgt aber zum Beispiel auch Risiken mit Blick auf das „Work- Life-Blending“, das heißt die Verschmelzung von Arbeit und Privatleben. Die möglichen Arbeitsmodelle werden vielfältiger und erfordern in jedem Fall ein verändertes Führungsverständnis.



Wie kann die Charta Organisationen in ihrem Diversity-Management unterstützen?
In vielfacher Weise: Zum Beispiel durch laufend aktualisierte Publikationen auf ihrer Website, durch Workshops wie zum Beispiel die gerade laufenden interaktiven halbtägigen „CHALLENGE.Labs“ für junge Mitarbeitende und durch die jährliche Diversity- Konferenz mit dem Tagesspiegel. Auch durch zum Beispiel eine gemeinsame „Kaleidoscope“-Studie mit der TU München, die Ideen für kreative und originelle Konzepte zur Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf suchen wird. Und durch die öffentliche Unterzeichner-Datenbank und viele „Good Practice“-Beispiele, die zum direkten Vernetzen und Lernen einladen.

Sie sagen: „Das Diversity-Management der Deutschen Bank basiert auf der festen Überzeugung, dass vielfältige Teams die erfolgreicheren sind.“ Woran machen Sie das fest?
Das ist je nach Bereich spezifisch zu betrachten. In unserem internationalen Risk Center zum Beispiel hilft die kulturelle Vielfalt, Kreditrisiken oder -portfolien besser zu beurteilen. Die Mitarbeitenden dort verstehen nicht nur, was aus den jeweiligen Ländern geschrieben oder gesagt wird, sondern auch, wie es vor dem Hintergrund des jeweiligen Kulturkreises zu verstehen ist. Oder unsere Digital Factory, in der erfahrene Banker und junge IT-Talente gemeinsam erfolgreiche Online Banking-Lösungen entwickeln. Für beide Beispiele gilt, dass nur ein die Vielfalt wertschätzendes Führungs- und Teamverhalten zum Erfolg führt.


Die neue CSR-Berichtspflicht schließt Konzepte zu Diversität ein. Wird das ein stärkeres Bewusstsein für das Thema mit sich bringen?
Auf jeden Fall wird es die Transparenz und Vergleichbarkeit der unter die Richtlinie fallenden Unternehmen erhöhen. Deutsche Bank Research hat zum Beispiel „Angaben zur Diversität und ihre Auswirkungen an den Kapitalmärkten“ als einen von „13 potentiellen Wendepunkten 2018“ dargestellt.

Bewusstsein und Aufmerksamkeit für Diversität schafft die Charta der Vielfalt mit dem bundesweiten Diversity-Tag. Die Deutsche Bank nimmt seit 2013 daran teil. Wieso?
Der 
Deutsche Diversity-Tag
 ist für alle beteiligten Unternehmen eine gute Gelegenheit, das gemeinsame Ziel durch vielfältige Aktivitäten konzentriert auch nach außen dazustellen. Damit setzen wir gemeinsam auch ein Zeichen für den Standort Deutschland. Und außerdem bietet er eine weitere gute Möglichkeit, die wichtige Arbeit der Mitarbeiternetzwerke der Unternehmen wertzuschätzen und ihnen eine zusätzliche Plattform zu geben.

Zum letzten Diversity-Tag führten Sie 18 Aktionen durch. Welche lag Ihnen besonders am Herzen, und was planen Sie für den sechsten Deutschen Diversity-Tag am 5. Juni 2018?
Insgesamt lag mir die Vielfalt an Aktivitäten am Herzen. Es wurden die ganze Bandbreite der Dimensionen und ihr Zusammenspiel gewürdigt. „Miteinander. Vielfältig. Stark.“ war und ist unser Motto. Und es wurde auch der Bezug zu unseren Kundinnen und Kunden hergestellt. Wenn ich nur eine Aktion auswählen sollte, wäre es die offizielle Gründung unseres Mitarbeiternetzwerkes Väter@DB. Eine tolle Initiative mit viel Energie dahinter. Für dieses Jahr sind wir noch in der Kreativphase. Es wird wieder ein breites Spektrum an Aktivitäten geben – fachlich und Engagement-orientiert.

CHALLENGE.Labs: Für junge Berufstätige, die sich für Vielfalt einsetzen.
FOTO: CHARTA DER VIELFALT

Die Deutsche Bank beteiligt sich auch an Public Events wie dem Christopher Street Day und der BerlinPride – dort sogar mit einem eigenen LKW am Umzug. Warum ist es wichtig, bei diesen Veranstaltungen Flagge zu zeigen?
Durch die aktive Beteiligung der Mitarbeitenden der Bank, ihrer Angehörigen und auch von Kundinnen und Kunden zeigen wir gemeinsam, dass LGBTIQGleichberechtigung (Lesbian Gay Bisexual Trans Intersex Queer) für uns kein leeres Wort ist sondern integraler Bestandteil unserer Aktivitäten. Gegenüber LGBTIQ-Menschen gibt es immer noch zu viele Vorurteile, Vorbehalte, Stigmatisierung und leider auch Gewalt. Das ist mit unseren Werten und Überzeugungen nicht vereinbar. Und deshalb zeigen wir deutlich Flagge – in Deutschland und weltweit.

Was meinen Sie als Fachmann für Diversität: Wie wichtig ist Vielfalt bei Konferenzen?
Was für die besseren Ergebnisse in der Arbeitswelt gilt, gilt meiner Meinung nach auch für Konferenzen. Verschiedene Blickwinkel, ganzheitliche Betrachtungsweisen, unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen und unterschiedliche Meinungen beleben Konferenzen. Bei der letzten Diversity-Konferenz der Charta der Vielfalt mit dem Tagesspiegel hatten wir zum Beispiel Bischof i.R. Wolfgang Huber und den Mathematiker und Philosophen Gunter Dueck zu Gast. Beide hatten uns auf ganz unterschiedliche Art den Spiegel vorgehalten und zu einer konstruktiv- kontroversen Diskussion beigetragen. Nichts ist doch langweiliger, als eine Reihe von Rednern oder Panelisten, die sich untereinander und mit dem Publikum total einig sind.

Stichwort „White male panel“: Achtet Ihre Bank bei eigenen Veranstaltungen auf Vielfalt?
Hier gilt für mich, was ich zu Vielfalt bei Konferenzen sagte. Selbstverständlich haben wir ein Augenmerk auf vielfältige Beteiligte an unseren Veranstaltungen – auch mit Blick auf ihren möglichen Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung und auf die Kenntnisse, Erfahrungen und Blickwinkel, die sie mit einbringen.  KERSTIN WÜNSCH
 
„Wir haben ein Augenmerk auf vielfältige Beteiligte an unseren Veranstaltungen.“
Gernot Sendowski
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