Editorial

Teil von etwas sein.
Etwas, das zählt

„E
ine erfolgreiche Konferenz gibt dem Publikum das Gefühl, dass etwas passiert, das zählt, und dass es Teil davon ist.“ Das sagt Monique van Dusseldorp. Als Felix Rundel, Programmleiter der Falling Walls Conference, ihre Worte im ITB MICE Forum an die Wand wirft, wird es hektisch: Eilig zücken die Zuhörer ihre Smartphones und fotografieren. Ich auch. Warum? Weil van Dusseldorp auf den Punkt bringt, wieso Menschen in Zeiten von Digitalisierung, von geteilten Welten und Gesellschaften noch immer oder immer mehr auf Veranstaltungen gehen: Sie wollen Teil von etwas sein. Etwas, das zählt. Bei der Falling Walls Conference bringen die Teilnehmer die Themen ein und treten in Verbindung zu einem Hauptthema, das den Sinn und Zweck (neudeutsch: Purpose) der Konferenz für die Community definiert. Und das auf Augenhöhe und ohne Hemmungen.

Nur wenn die Konferenz für die Teilnehmer bedeutsam ist, kommen sie. Bleiben sie. Kommen sie wieder. Wenn sich viele als Teil der Veranstaltung empfinden und sich einbringen können. Das beginnt mit dem Einsatz von Abstimmtools und endet in Eigenregie der Mitglieder wie beim Kongress des Chaos Computer Clubs. Für Veranstalter heißt das, dass sie offen sein oder sich öffnen müssen. Allzu oft bestimmen jedoch Vorstand oder Geschäftsführung Agenda und Ablauf und sichern ab, dass nichts schief geht. Als Mitveranstalterin der Konferenz „She Means Business“ verstehe ich das und will das Unvorhersehbare planend ausschließen. Dabei sind es die unerwarteten, die wahrhaftigen Augenblicke, die uns verbinden. Jene, in denen wir bei uns sind und wir selbst sind. Erst dann lernen wir uns kennen, und es entsteht eine Gemeinschaft.

Das wird – gerade in der digitalen Transformation unserer Gesellschaft – mit jeder neuen Konferenz, jedem neuen Event oder Festival wichtiger. Erfolgreiche Formate bauen auf einer Community auf oder bauen eine solche auf. „Man muss Vertrauen gewinnen“, sagt Philipp Westermeyer, Gründer der Online Marketing Rockstars. Er weiß, dass das Organische wichtig ist und Wachstum nicht käuflich. „Man braucht Geduld und einen langen Atem.“ In seinem Fall zehn Jahre. Die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis beantwortet er wie re:publica-Mitgründer Andreas Gebhard auf der Mexcon 2016: „Veranstalten Sie eine Konferenz, auf die Sie selber gehen würden.“ Wie muss diese sein, dass sie Ihnen das Gefühl gibt, dass etwas passiert, das zählt. Etwas, von dem Sie ein Teil sein möchten? Schreiben Sie mir oder erzählen Sie es mir.
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KERSTIN WÜNSCH
Chefredakteurin
tw tagungswirtschaft
wuensch@tw-media.com

FOTO: DFV MEDIENGRUPPE
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