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KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

„Nur wer seine Besucher versteht, kann sie begeistern“

Künstlicher Intelligenz (KI) kommt auch in der Veranstaltungsorganisation eine immer wichtigere Rolle zu. Beim Marketing angefangen über das Einladungsmanagement bis hin zum Matchmaking. Das testet jetzt die BOE International.

„I
ch glaube, dass künstliche Intelligenz (KI) in den nächsten Jahren ein Thema sein wird, das massiv an Bedeutung gewinnen wird“, antwortet Tilman Naujoks auf die Frage, womit sich Veranstaltungsplaner in Zukunft beschäftigen sollten. „Immer mehr Technologien werden sich einer KI bedienen und immer mehr Services werden über eine KI abgewickelt werden können“, ist der Projektleiter Workspace Innovation am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO überzeugt.

Welche Dienstleistungen das sind, weiß Sven Krüger, Berater für digitale Transformation und Co- Founder des Berliner KI-Startups Whoelse. Darüber spricht er am 5. Dezember 2019 auf dem Digital and Innovation Day (#DigiDay) des German Convention Bureaus (GCB) in Frankfurt. Der Titel seiner Keynote: „Why Bots are just better – AI and the Future of Everything“. „KI wird in der digitalen Transformation eine Vorreiterrolle übernehmen, sich aufgrund ihrer Skalierungseffekte weit über das heutige Prozesssteuerungs- Niveau hinaus entwickeln“, so Krüger. „Wir werden uns nicht weiter technisch unzulänglichen User Interfaces anpassen, sondern Technologie wird nahtlos und ergonomisch in unser Leben ,embedded‘ sein. Immer mehr Produkte lösen sich zu Services auf und KI kann umfassend und individuell eine echte Unterstützung für jedermann werden“, blickt er in die Zukunft.
                       
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FOTO: PANTHERMEDIA
              

#DIGIDAY19 RUND UM KI UND DIGITALE TOOLS

Der vierte „Digital & Innovation Day“ des GCB (German Convention Bureau) am 5. Dezember 2019 in Frankfurt dreht sich vor allem um das Thema künstliche Intelligenz (KI) bei der Organisation von Veranstaltungen. Unter dem Titel „Why Bots are just better – AI and the Future of Everything“ weist der Berater für digitale Transformation Sven Krüger in seiner einführenden Keynote auf Risiken und Chancen von KI hin. Im weiteren Programm des #Digi-Day19 beleuchtet das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO das Thema Plattformökonomie mit seiner Bedeutung für die Planung und Durchführung von Kongressen. Professor Felix Naumann vom Hasso-Plattner-Institut gewährt in einem Impulsvortrag Einblicke in das Thema Data Engineering. Zudem schauen die Teilnehmer einem White Hat Hacker live über die Schulter und erfahren so Cyber Security einmal ganz konkret. In den Sessions präsentiert das GCB-Team Anwendungen und technische Hilfsmittel zum Anfassen, angeordnet entlang ihrer Funktion in der „Customer Journey“ der Veranstaltungsplanung: Dazu zählen Programme zum Teilnehmermanagement in der Planungsphase sowie die Einlasskontrolle zu Beginn der Veranstaltung. Vorgestellt werden auch Tools, die während des Events zum Einsatz kommen: zum Beispiel Virtual Reality, Touch Tables oder Sprachassistenten. Und am Abend fasst der ZEUS Innovators Club den Tag im Rahmen eines Live-Podcasts zusammen. „Die Digitalisierung stellt uns alle vor Herausforderungen – sie bietet aber auch Chancen. Um diese zu nutzen, ist es entscheidend, dass alle Akteure Themen wie KI verstehen und sich mit ihren USPs entlang der Customer Journey positionieren,“ so GCB-Geschäftsführer Matthias Schultze. www.gcb.de

Bereits heute gibt es viele Anwendungsfälle künstlicher Intelligenz im Umfeld von Veranstaltungen. Von der Gesichtserkennung beim Einlass und dem dazugehörigen Badging oder von Chatbots haben die meisten schon gehört. Darüber hinaus wird KI, bzw. Machine Learning aber vor allem im digitalen Marketing eingesetzt, um festzustellen welche Mails, Newsletter und Posts in den sozialen Medien von bestimmten Personenkreisen gelesen werden, um die Zielgruppe für ein Event besser erreichen oder ein besonders gefragtes Thema definieren zu können. Das bestätigt das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von United Internet Media und der Hochschule der Medien in Stuttgart. Eingesetzt würde KI demnach vor allem, wenn es um Personalisierung geht. 89 Prozent der befragten Marketing-Experten sehen Personalisierung als die wichtigste Applikation für KI, 82 Prozent der Teilnehmer glauben zudem, dass mithilfe von KI das Targeting optimiert wird. Und 75 Prozent gehen davon aus, dass sich das Kundenerlebnis durch den Einsatz von Chatbots und digitalen Assistenten verbessern wird. Die Bereitschaft, für Technologien wie KI zu investieren, sei entsprechend hoch. Der Studie zufolge rechnen sechs von zehn Experten damit, dass Personalisierung und Kundenerlebnisse in den nächsten zwei Jahren mittels Investitionen verbessert werden.
             

Wie Personalisierung mit Hilfe von KI aussehen kann, weiß der Gründer und Geschäftsführer der Event-Plattform doo, Dr. Michael Liebmann, der in künstlicher Intelligenz und Machine Learning promoviert hat. „Bereiche wie der E-Commerce, in denen die Personalisierung längst erfolgreich eingesetzt wird, zeigen, wie wichtig die direkte Ansprache des Kunden ist: Insbesondere in Zeiten großer Konkurrenz um wertvolle Teilnehmer, entscheiden Teilnehmer rein nach Relevanz des Angebots. Was für den Einzelnen relevant ist, kann sehr unterschiedlich sein. Hier kommt Personalisierung ins Spiel.“ Die Personalisierung fange bereits bei den Einladungen an. Besucher einer Veranstaltung hätten die unterschiedlichsten Beweggründe und Ziele, die es von Anfang zu adressieren und auf die entsprechenden Angebote hinzuweisen gelte. „Um Ihre Events personalisieren zu können, ist es entscheidend, dass Sie die richtigen Daten Ihrer Teilnehmer nicht nur sammeln, sondern auch auswerten. Nur wer seine Besucher versteht, kann sie begeistern“, so Liebmann. Sein Unternehmen doo ist eine Teilnehmermanagement- Plattform, die alle relevanten Daten einer Veranstaltung zusammenführt und auswertet – in einem selbstlernenden auf Machine Learning basierenden Event-CRM.

„Nehmen wir das Beispiel einer Messe für Veranstalter mit rund 1.000 Ausstellern. Bereits im Vorfeld ist der Event-Manager gefragt, die Besucher anhand ihrer Interessen in Subsegmente zu sortieren“, erläutert Liebmann. Dafür könne man auf bereits ausgewertete Daten vergangener Events zurückgreifen oder die Interessen der möglichen Teilnehmer abfragen. Jedes Segment erhält dann eine eigene Einladung, die auf unterschiedliche Aspekte der Messe eingeht und verschiedene Aussteller hervorhebt: „Veranstalter, die auf der Suche nach einem Catering-Service sind, werden von anderen Angeboten angezogen als jene, die auf der Suche nach einer Location für große Firmenfeiern sind.“ Auch die Messe selbst könne personalisiert werden. „Der Event-Manager kann die Teilnehmer über eine personalisierte Agenda zu relevanten Ausstellern führen und sie an Seminare erinnern.“ Vorteile wären mehr Anmeldungen durch individuelle und relevante Ansprache, eine sinkende No-Show-Rate und eine aktive Einbindung der Besucher durch eine individuell gestaltete Teilnehmerreise sowie Matchmaking.
           

In der Praxis können sich Veranstaltungsplaner am 15. und 16. Januar 2020 bei der BOE International in Dortmund von dieser Herangehensweise überzeugen. „Bereits 2019 haben wir die Messe Dortmund beim Einladungsmanagement unterstützt. Basierend auf bestehenden Daten haben wir das Besucherfeld segmentieren und die Einladungen personalisieren können. Das Ergebnis ist, dass wir die No-Show-Rate um insgesamt 50 Prozent reduziert haben. Vor allem bei den Entscheidern waren wir erfolgreich“, freut sich Liebmann. Für die kommende Ausgabe der Messe arbeiten die beiden Unternehmen verstärkt an der Personalisierung der Teilnehmerreise und Matchmaking. „Mit doo entwickeln wir zusammen ein intelligentes Teilnehmermanagement. Die Messe der Zukunft verkauft nicht einfach nur Ausstellerfläche. Sie vereinfacht dank zeitgemäßer, digitaler Services auch die Planung und Organisation, bietet mehr Nähe zur Veranstaltung und ermöglicht schnellere Informationsflüsse, wertvolle Geschäftskontakte und Markenpositionierung“, erklärt Sabine Loos. Die Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe ergänzt: „Digitale Anwendungen unterstützen uns schon heute, Besucher- und Ausstellerinteressen zu bündeln. Ein moderner Marktplatz als Messestandort der Zukunft steigert so nicht nur das Erlebnis vor Ort. Um einen modernen Messestandort weiterhin wettbewerbsfähig für die Zukunft aufzustellen, ist es daher unabdingbar, die nächsten Schritte der Digitalisierung selbst voranzutreiben.“

3D-Teilnehmerprofil

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Durch eine einfache Segmentierung von Teilnehmerprofilen in Position, Schwerpunkt und Engagement konnte die BOE International die No-Show-Rate stark senken.
GRAFIK: DOO
    


Während die Nutzung künstlicher Intelligenz zweifelsohne viele Vorteile mit sich bringt – unzählige Studien sind sich einig, dass KI in signifikantem Umfang das weltweite Wirtschaftswachstum erhöhen wird und darüber hinaus das Potenzial hat, einen Beitrag zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel, Mobilität oder Gesundheit zu leisten – treten dadurch aber auch grundsätzliche philosophisch-ethische Erwägungen und rechtliche Fragestellungen zu Tage. Angesichts des schnellen Vordringens von KI in nahezu jedweden gesellschaftlichen Bereich, hat sich das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse und Informationssysteme IAIS zum Ziel gesetzt, im interdisziplinären Austausch eine Zertifizierung von künstlicher Intelligenz zu entwickeln. In Kooperation mit den Universitäten Köln und Bonn hat das Institut Handlungsfelder als Grundlage für den vertrauenswürdigen Einsatz von künstlicher Intelligenz definiert und in einem ersten Whitepaper veröffentlicht. „Für dieses große Zukunftsthema brauchen wir einen gesellschaftlichen Dialog über das Verhältnis von Mensch und Maschine sowie ein verlässliches ethisch-rechtliches Fundament“, sagt Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, der diese Initiative fördert.

Bertelsmann setzt sich indes für die Förderung digitaler Fachkräfte ein, die der Medien-, Dienstleistungs- und Bildungskonzern so dringend benötigt: „Besonders intensiv beschäftigen wir uns mit Chancen in den Feldern Cloud, Data und künstliche Intelligenz. Wir erachten es dabei als unsere Verantwortung, so viele Menschen wie möglich zu befähigen, in der digitalen Welt erfolgreich zu sein“, sagt Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. Dafür vergibt Bertelsmann für die kommenden drei Jahre 50.000 Stipendien für Online- Kurse auf der Weiterbildungsplattform Udacity in diesen Bereichen. Gemeinsam mit Google und Udacity – auch bekannt als „Universität des Silicon Valley“, an der der Gütersloher Konzern beteiligt ist, hat Bertelsmann bereits 12.000 Stipendiaten gefördert und dafür 2017 den „European Digital Skills Award“ erhalten. „Es gibt nicht genug Beschäftigte, die über Fähigkeiten in den Bereichen Cloud, Data und künstliche Intelligenz verfügen“, sagte Gabriel Dalporto, CEO von Udacity. „Deshalb fühlen sich Bertelsmann und Udacity gemeinsam verpflichtet, neue Talente in diesen spannenden Bereichen auszubilden. Ich bin zuversichtlich, dass sich Lernende mit dem Stipendienprogramm von Bertelsmann neue Kenntnisse aneignen können und sich so für die heute am stärksten nachgefragten Job-Positionen qualifizieren.“
                    

Wer sich praxisorientiert mit dem Thema KI für Veranstaltungen beschäftigen will, der hat dazu auf dem eingangs erwähnten #DigiDay Gelegenheit – denn dort wagt das GCB-Team den „Deep Dive“ zum Thema und präsentiert Anwendungen oder technische Hilfsmittel, angeordnet entlang ihrer Funktion in der „Customer Journey“ der Veranstaltungsplanung: Dazu zählen Programme zum Teilnehmermanagement in der Planungsphase, die Einlasskontrolle zu Beginn der Veranstaltung und digitale Tools, die während des Events zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel Virtual Reality, Touch Tables oder Sprachassistenten. Und was die Besucher in diesem Kontext überraschen könnte, davon hat Tilman Naujoks eine sehr genaue Vorstellung: „Dass mehr Services, als wir geglaubt haben, bereits über KI abgewickelt werden können.“
CHRISTIAN FUNK
                      
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„KI wird in der digitalen Transformation eine Vorreiterrolle übernehmen.“
Sven Krüger,
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