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FOOD WASTE

No show = Bioenergie

Lebensmittel sind wertvoll. Weniger wegzuwerfen ist für Caterer der wichtigste Aspekt, wenn es um Nachhaltigkeit geht.

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as zu tun ist, damit am nächsten Tag schönes Wetter ist, lernen schon kleine Kinder: den Teller leer zu essen. Im Erwachsenenalter ziehen dann andere Sprüche. „All you can eat“ scheint einer zu lauten, wenn ein Buffet als Höhepunkt eines Events angesagt ist. Das wird von manchen Gästen eher als Aufforderung zum Völlen denn zu Genuss verstanden. Das ist nichts Verwerfliches und jedem selbst überlassen. Schwieriger wird’s, wenn Augen und Teller größer sind als der Magen. Insgesamt landen in Deutschland im Jahr fast 13 Millionen Tonnen Essen im Müll. Privathaushalte werfen durchschnittlich 85,2 Kilogramm Essen im Jahr weg, inklusive der Abfallmengen von Landwirten, Lebensmittelverarbeitern, Handel und Gastronomie entsteht die Menge von insgesamt 12,7 Millionen Tonnen.

Gäste an diesem Punkt in die Verantwortung zu nehmen, hält Georg Broich für schwierig. „Die Gästestruktur auf Veranstaltungen ist sehr heterogen. Viele Besucher eines Events wollen sich an besonderen Abenden nicht mit dem Thema auseinandersetzen und sich satt essen. Das Event impliziert das und Essen ist ein Highlight“, sagt der Geschäftsführer des gleichnamigen Düsseldorfer Cateringunternehmens. Er beobachtet immer wieder, dass an solchen Anlässen auch Flexitarier Rinderfilet genießen. „Der Kunde ist das eine, der Gast das andere.“

Viel schlimmer findet er das Thema „no shows“, also Gäste, die trotz Zusage nicht erscheinen. Das sei ärgerlich für den Einladenden, aber auch Frust für das beauftragte Cateringunternehmen. „Da werden 1.000 Essen vorbereitet, es kommen aber nur 600 Personen. Das ist wirklich Food-Waste“, schnaubt er. „Weniger Lebensmittel wegzuwerfen ist für uns der wichtigste Aspekt, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Denn die nicht verzehrten Speisen werden entsorgt, werden Bioenergie. Das tut einem in der Seele weh.“ Sie an Hilfsorganisationen abzugeben, sei kompliziert geworden. „Sie müssen sich durch einen Dschungel von Vorschriften kämpfen. So viel Zeit haben Sie bei verderblicher Ware nicht“, ärgert er sich. Zusammen mit der Organisation Leading Event Caterer (LECA), der Vereinigung führender Event-Catering-Unternehmen Deutschlands, sei gemeinsam mit den Tafeln unlängst ein neuer Versuch gestartet worden, solche Speisenreste dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. „Wir sind wieder am bürokratischen Aufwand gescheitert“, bedauert er und verweist unter anderem auf das Produkthaftungsgesetz.
              
          
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Ein Caterer, der nicht nachhaltig wirtschaftet, wird auf Dauer nicht überleben, weiß Georg W. Broich.
FOTO: JOERG.KUESTER.COM

Wer eher in der Hand habe, Food Waste so minimal wie möglich zu halten, seien die Auftraggeber. Sie könnten sich überlegen, ob ein Caterer alle Speisen den ganzen Tag oder/und Abend vorhalten soll – oder auch eine auslaufen darf. Wenn eine Veranstaltung über den ganz Tag geht und nicht das Essen im Mittelpunkt steht, sondern Vorträge und Gespräche, dann könne er sich fragen, ob um 19.00 Uhr noch alles komplett sein müsse.

Ansonsten tue sich viel. „Bio, regional, saisonal – eine solche Anfrage war noch vor zehn bis 15 Jahren wirklich außergewöhnlich“, sagt er. Bio war rar, Lebensmittel in ausreichender Qualität und Menge kaum vorhanden, die Kosten lagen in 90 Prozent der Fälle nicht im Budget. „Wir kannten kaum Bauern oder Lieferanten, die wir ansprechen konnten. Die Situation heute ist eine komplett andere: Wir haben bei vielen Produkten grundsätzlich umgestellt.“ Bei Fleisch und Fisch sei die Beschaffung in Bio „in großen Mengen oft noch eine Herausforderung“.

Dazu kommt: Eine neue Generation von Menschen nimmt jetzt auf den Entscheiderebenen Platz. Sie weiß um die Bedeutung der Nachhaltigkeit. „Die Anfragen werden viel konkreter“, beobachtet Georg Broich. Und: „Die Jüngeren gehen mit dem Thema sehr verantwortungsvoll um.“
CHRISTIANE APPEL
„Wir haben bei vielen Produkten grundsätzlich auf bio umgestellt.“
Georg W. Broich
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