Editorial

Nachhaltigkeit ist
 nicht verhandelbar

U
S-Präsident Donald Trump kündigt den historischen UN-Weltklimavertrag von Paris auf. Das Abkommen, das die globale Erderwärmung auf „deutlich unter zwei Grad“ im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzen will. Besonders im Kontext der letzten – von vielen Experten auf den Klimawandel zurückgeführten – Naturkatastrophen (zum Beispiel in den USA) und des gerade stattgefundenen Weltklimagipfels in Bonn wirkt dieser Beschluss befremdlich. Es ist kein gutes Zeichen für all jene, die vom Klimawandel besonders betroffen sind – vor allem Entwicklungsländer –, jene die sich für Umweltschutz einsetzen, und die die nachhaltig wirtschaften. Es zeichnet kein gutes Bild einer Politik weltweit, der immer wieder vorgeworfen wird, sich nur vordergründig mit dem positiv besetzten Thema Nachhaltigkeit zu schmücken, aber stets Taten vermissen lasse.

Das sieht auch Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung so: „Ich appelliere an alle Mitglieder der Bundesregierung und auch an das ganze politische Deutschland, sich wesentlich entschiedener zu engagieren: Vom Projekt zur Struktur. Von Bekenntnissen, dass man ja Nachhaltigkeit will, zum Beweis, dass man es auch kann“, sagt sie im Zuge der 17. RNE-Jahreskonferenz.

Ob und wie die Veranstaltungsindustrie Nachhaltigkeit kann, lesen Sie in unserem vorliegenden Sonderheft zum Thema. Etwa, wie die Branche von der seit Januar gültigen CSR-Berichtspflicht betroffen ist, welche Punkte der Veranstaltungsplanung für ein Green Meeting relevant sind oder was nachhaltigen Messebau ausmacht. Sie werden feststellen, dass grüne Veranstaltungen in der Praxis ziemlich konkret sind. Das würde Marlehn Thieme gefallen, die neben bundesweiten Investitionen in eine nachhaltige Infrastruktur sogar fordert: „Nachhaltigkeit gehört ins Grundgesetz!“

Ganz so weit geht Bundesumweltministerin Barbara Hendricks nicht, pflichtet Thieme aber im Kern bei: Es käme „mehr denn je darauf an, dass zum Verhandeln auch das Handeln kommt.“ Für die Tagungsbranche bedeute dies, „das Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung und die Nachhaltigkeitsziele bei Tagungen und Kongressen in die Tat umzusetzen.“ Sie blickt optimistisch in die Zukunft: „Die weltweite politische und wirtschaftliche Dynamik für den Klimaschutz ist inzwischen so stark, dass auch die Trump-Regierung diesen Trend nicht aufhalten kann.“

CHRISTIAN FUNK
Redaktion
christian.funk@dfv.de

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MAJA BAUMEISTER
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