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NACHHALTIGE HOTELS

Mehr als recyceltes Toilettenpapier

Nach wie vor geht das Gros der Konferenzen in Hotels. Meetingmanager und Teilnehmer von Messen und Kongressen, die im Zuge der Klimadiskussion ihren ökologischen Fußabdruck verringern wollen, finden in immer mehr Hoteliers Verbündete.

„K
limapositiv seit 2018 – energieautark bis 2025“, formuliert Michael Stober sein Klimaversprechen. Der Inhaber des Landgut Stober ist einer von 4.087 „Entrepreneurs For Future“. Das sind Unternehmer, die sich für das Anliegen der „Fridays For Future“-Bewegung und klimaschonendes Wirtschaften stark machen. Wenn freitags Schüler – darunter seine Kinder – für das Klima streiken, freut sich Stober, „weil die Bewegung das ausdrückt, was wir auf dem Landgut Stober fühlen“. Seit 2012 wird das Landgut Stober jährlich als nachhaltigstes Tagungshotel Deutschlands ausgezeichnet. Westlich von Berlin am Groß Behnitzer See bietet es auf 20.000 qm ein Bio-Hotel mit 300 Zimmern und 25 Veranstaltungsräumen. Die durch Schülerstreiks und heiße Sommer neu entfachte Diskussion über das Klima dringt durchaus zu Stobers Kunden durch: Jeder zweite bucht das Landgut Stober wegen seines nachhaltigen Betriebs. „Nachhaltiges Verhalten begrenzt sich nicht auf recyceltes Toilettenpapier, es geht um das Hinterfragen aller Produktionsprozesse“, weiß Stober.
              

Als er vor 19 Jahren das ehemalige Landgut der Familie Borsig kauft, saniert er nachhaltig. Seit 2018 sind Tagungen bei ihm klimaneutral oder -positiv. „Wir lassen uns jährlich extern prüfen von CO2OL“, sagt Stober. Doch der Hotelier hat nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen etwa „Ah, Sie sind öko – auf was müssen wir verzichten?“ oder „Oh, jetzt wird es aber teuer!“ Dabei bietet das Landgut Stober Vier-Sterne-Komfort und das – dank nachhaltigen Wirtschaftens – 4,6 Prozent günstiger. Dass nachhaltige Tagungen höhere Kosten verursachen, bezeichnet Stober schlicht als „Quatsch“.

„Die Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt der gesamten Unternehmensstrategie, Entwicklung und Innovation des Landgut Stober, es wird Ressourcenschonung ohne Komforteinbußen, mit dem Ziel des nachhaltigen Wirtschaftens und der Übernahme der sozialen Verantwortung, vorbildlich gewährleistet“, bestätigt Petra Naoum. Die Veranstaltungsmanagerin im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist eine von 16 Certified-Prüferinnen und resümiert in ihrem Prüfbericht: „Alle Qualitätsanforderungen der Zertifikate Certified Conference Hotel & Certified Green Hotel werden mit dem Ergebnis exzellent (Bestnote) erfüllt.“ Das Besondere am Gütesiegel Certified sind seine Prüfer: Business Travel und Meeting Manager. Durch ihre Prüfung nehmen sie Tagungsplanern quasi die Arbeit ab.

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Die Holzhackschnitzelheizung im Landgut Stober spart 60.000 Euro pro Jahr.
FOTO: LANDGUT STOBER

Kriterien für die bisher 105 Certified Green Hotels sind Energie (Welche regenerativen Quellen werden genutzt?), Wasser (Sind Durchflussbegrenzer vorhanden?), Abfall (Wird Müll getrennt?), Food & Beverage (Wie hoch ist der Anteil an ökologischen Produkten?), Anreise (Wird die Bahn empfohlen?), Corporate Social Responsibility (gibt es einen Verantwortlichen?), aber auch die Kommunikation und strategische Entwicklung. Seit Herbst ergänzt Certified die „Green“-Prüfung durch den CO2-Fußabdruck. Teilnehmer und Veranstalter erhalten einen Nachweis darüber, welcher CO2- Wert durch ihren Aufenthalt verursacht und gegebenenfalls kompensiert wurde.

Unter den Certified Green Hotels ist das Radisson Blu Park Hotel & Conference Centre in Dresden Radebeul. Die Radisson Group gleicht als einzige Hotelgruppe den CO2-Fußabdruck für jedes Meeting in ihren 1.100 Hotels aus – ohne zusätzliche Kosten. Derart werden in Kooperation mit First Climate pro Jahr mehr als 38.300 Tonnen CO2 kompensiert – das entspricht 8.300 Autos weniger auf der Straße. Hintergrund sind Umfragen von Radisson Meetings, denen zufolge 76 Prozent der Planer meinen, dass Events das Thema Nachhaltigkeit widerspiegeln müssten.
          

CERTIFIED GREEN HOTELS*

1. Landgut Stober in Nauen
2. Dorint Resort & Spa Bad Brückenau
3. Best Western Plus Palatin Kongresshotel und Kulturzentrum in Wiesloch
4. Scandic Hamburg Emporio
5. Mintrops Land Hotel Burgaltendorf in Essen
6. Hotel am Badersee in Grainau
7. Sofitel Munich Bayerpost
8. TUI BLUE Fleesensee in Göhren-Lebbin
9. Dorint Hotel Düren
10. Gräflicher Park Health & Balance Resort in Bad Driburg
www.certified.de

* Die Top Ten mit der höchsten Bewertung
                              


Eine entsprechende Entwicklung und Fragestellung beobachtet seit dem Pariser Klimaabkommen Inge Huijbrechts, Global Senior Vice President Responsible Business and Safety & Security: „Was muss der Privatsektor tun, um zur Erreichung dieses globalen Ziels beizutragen?“ Laut Huijbrechts müsse der CO2-Fußabdruck der Hotellerie bis 2030 um 60 Prozent reduziert werden und bis 2050 um 90 Prozent. Die Klimaschutzprojekte von Radisson stehen im Einklang mit den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen.

An der 2030 Sustainable Development Agenda der United Nations orientiert sich auch die CSRStrategie „Hilton’s Travel with Purpose“. Bis 2030 will Hilton Hotels seinen ökologischen Fußabdruck halbieren. Konkret heißt das: Reduzierung der Kohlenstoffemissionen um 61 Prozent und des Wasserverbrauchs und der Abfallmenge um 50 Prozent sowie die Verdopplung der Investitionen im sozialen Bereich wie Förderprogramme für Frauen. Und noch konkreter: Hiltons „LightStay platform” misst die CSR-Performance der 4.600 Hotels in 102 Ländern und hilft diesen bei der Zertifizierung nach der Umweltmanagement- Norm ISO 14001 und der Energiemanagement- Norm ISO 50001. Jedes Haus ist gefragt, nachhaltige Projekte einzubringen. Wie das Hilton London Bankside: Auf Wunsch der Gäste steht für diese eine vegane Suite bereit mit veganer Bettwäsche und Öko-Baumwollteppich – abgenommen von der Vegan Society.
     
          


Ein entsprechendes Engagement legen die Maritim Hotels mit ihrer „ProUmwelt-Richtlinie“ seit 2010 an den Tag. Sie deckt die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales ab und sechs Handlungsfelder: Energie, Abfall, Wasser, Einkauf, Mobilität und Mitarbeiter. Beispiel Energie: Maritim Hotels verwenden zum Heizen umweltfreundliches Erdgas oder Fernwärme statt Erdöl. Strenge Mülltrennung ist ein Muss. Die 4.000 Tonnen an Abfall, die bei Maritim pro Jahr anfallen, werden in den Wirtschaftskreislauf als neue Energie, Kraftstoffe oder Dünger zurückgeführt. Maritim hat den Nachhaltigkeitskodex „fairpflichtet“ der deutschen Veranstaltungsbranche unterzeichnet und damit die Anerkennung der zehn Leitlinien als qualitativen Standard und den Willen, Fortschritte zu dokumentieren. Maßnahmen, die bereits umgesetzt wurden, sind unter der Rubrik „Tagen“ auf der Seite des jeweiligen Hotels einsehbar.

Die Mitarbeiter werden zum Umweltschutz geschult, in jedem Hotel absolviert ein Nachhaltigkeitsberater die Schulung „Fit for green Meetings“ von German Convention Bureau und Deutscher Bundesstiftung Umwelt. In Videos berichten die Mitarbeiter über ihre Fortschritte etwa zur Energiegewinnung wie im Maritim Bonn Konferenzcenter der Technische Leiter Gerd Frings: „Mit unseren Photovoltaikanlagen produzieren wir im Jahr etwa 280.000 Kilowattstunden Strom, was einem Jahresverbrauch von 70 Haushalten entspricht.“
KERSTIN WÜNSCH
  
www.landgut-stober.dewww.certified.dewww.maritim.de

BOE IN 3 WORTEN

The BOE International is the meeting place of the event industry and of course everyone in the industry has their own view and opinion on the trade show. We were lucky enough to capture some statements, as we asked: What does the BOE International mean to you in three words? ⁣
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Die Radisson Group gleicht den CO2-Fußabdruck für jedes Meeting in ihren 1.100 Hotels aus – ohne zusätzliche Kosten.


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