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Die Mitgliedsversammlung 2019 des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren (EVVC) ist für Präsidentin Ilona Jarabek und Geschäftsführer Timo Feuerbach das erste Mal: Gemeinsam setzen sie Themen wie Digitalisierung und Diversität.

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rstmals in der 60-jährigen Geschichte des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren (EVVC) eröffnet die Jahreshauptversammlung eine Frau: Präsidentin Ilona Jarabek. Die Geschäftsführerin der Lübecker Musik- und Kongreßhallen GmbH ist zehn Monate im Amt und kommt gerade aus der Vorstandssitzung. „Wir sind auf einem guten Weg“, fasst sie zusammen. Zum einen wurde aus der Generalsekretärin zum 1. Januar ein Geschäftsführer, Timo Feuerbach, zum anderen gab es Wechsel in der Geschäftsstelle und im Vorstand. In diesen zieht Carsten Müller von JenaKultur ein, jedoch nicht mehr für den Bereich Marketing, sondern Kommunikation und Digitalisierung. Müller spricht vom Spannungsbogen zwischen Zukunft denken und jetzt machen. Er will „die Idee zum realistischen Sein werden lassen“ – von der Megaebene zur lokalen Ebene. Das kommt gut an bei den 150 Mitgliedern, die am 2. April 2019 nach Frankfurt zur Jahreshauptversammlung und Prolight+Sound gereist sind.

Ebendieser Spannungsbogen ist es, der Präsidentin Jarabek beschäftigt. Terroranschläge, Klimakatastrophen und politische Verwerfungen wie der Brexit, fasst sie zusammen mit „Wir leben in einer fragilen Welt“ und folgert: „Wir als Vertreter der Veranstaltungshäuser sind die Plattform für Dialoge, die die Menschen zusammenbringen. Wir stehen für Weltoffenheit, Begegnung und Diskurs – egal, ob große Arena oder kleines Bürgerhaus.“ Der Verband sei ein verlässlicher Partner für neue Diskurse. Für Jarabek eine Voraussetzung, um politisch Gehör zu finden. Sie betont: „Wir sind sichtbar und weit mehr als eine Ansammlung von ‚Vermietschuppen‘.“

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EVVC-Präsidentin Ilona Jarabek (rechts) fragt bei Anja Engelking nach den Erfahrungen von Pilotpartner Hannover Congress Centrum mit „Step2mice“. 
FOTO: EVVC

Von großer Bedeutung sind hierbei drei große Themen: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Fachkräftemangel. Für jedes Feld gelte die Folgen für die Mitgliedshäuser herauszuarbeiten. Dabei setzt der EVVC auf Partnerschaften wie mit dem German Convention Bureau (GCB) und bittet zum Thema Digitalisierung Geschäftsführer Matthias Schultze auf die Bühne. „Die Zukunft sieht gut aus, doch wir müssen uns alle radikal ändern“, macht Schultze klar. Aus diesem Grund haben GCB und EVVC einen Innovationsverbund mit dem Fraunhofer IAO geschlossen. Die gemeinsame Studie „Future Meeting Space“ behandelt nichts anderes als die Zukunft und in der gerade abgeschlossenen zweiten Phase zukünftige Bedürfnisse der Teilnehmer.

Zukunft heißt für Ilona Jarabek aber auch die Grundwerte in einer fragilen Weltgemeinschaft zu sichern. Dafür steht die Unternehmensinitiative „Charta der Vielfalt“. Ihre Unterzeichner, 3.000 Unternehmen, erkennen die Vielfalt in der Arbeitswelt an. Im Februar hat der EVVC die Charta unterzeichnet und die Umfrage „Vielfalt in der Veranstaltungsindustrie“ in Kooperation mit der tw tagungswirtschaft durchgeführt. „Es ging uns um eine erste Bestandsaufnahme“, so Präsidentin Jarabek. 88 der 327 EVVC-Mitglieder beteiligen sich. 38% meinen, dass sie auf die absehbaren Veränderungen durch eine vielfältige Arbeitswelt vorbereitet sind, 35,2% denken das nicht, 26,8% wissen es nicht. Jarabek: „Ich denke, dass wir das Thema weiter beobachten werden, denn es wirkt sich in verschiedenen Zusammenhängen aus.“ Etwa den Fachkräftemangel. Dieser ist für jedes zweite EVVC-Haus ein Hauptgrund, die Unternehmenspolitik vielfältig aufzusetzen und sich mit dem Thema Vielfalt zu beschäftigen.


                 
Überrascht haben Vorstand und Geschäftsstelle, dass 73,1 Prozent das „Step2mice“-Projekt nicht kennen, das der EVVC mit dem Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT) ins Leben gerufen hat. Entwickelt aus dem „Erasmus+ Projekt Event Industry Integration“ fördert es die Beschäftigung und Integration von Geflüchteten, Migranten und ausländischen Arbeitskräften in der MICE-Branche. Tommy Neumann von VPLT stellt das Projekt vor und betont als ein Ziel dem immer akuter werdenden Fachkräftemangel in der Veranstaltungsbranche vorzubeugen. Im Talk mit Pilotpartner Hannover Congress Centrum schildert Anja Engelking, stellvertretende Leiterin Veranstaltungstechnik, Messen, Ausstellungen, ihre sehr guten Erfahrungen mit Flüchtlingen und sagt: „Ich würde es empfehlen. Das lohnt sich auf jeden Fall.“

Um genau diese Art von Erfahrungsaustausch geht es dem neuen EVVC-Geschäftsführer Timo Feuerbach. „Das Netzwerk des EVVC ist im Vergleich zu den meisten anderen Verbänden wirklich herausragend und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal“, so Feuerbach. Dieses will er bewahren und weiter ausbauen. Den Mittelpunkt der Verbandsarbeit sieht er in der Arbeit für die Mitglieder. Feuerbach will das Dienstleistungsangebot weiter auszubauen und Lösungen finden, die den Mitgliedern in ihrer täglichen Arbeit helfen. Das Netzwerk, die Dienstleistung und Interessenvertretung sind die drei Säulen der Verbandsarbeit, die er mit dem Vorstand bearbeiten will. Den Verband sieht er als „Vertrauensraum“. „Wir bringen Menschen zusammen“, betont Timo Feuerbach wie zuvor Präsidentin Ilona Jarabek. „Dies ist das große Pfund, mit dem jedes Mitgliedshaus, aber auch der EVVC, wuchern kann. Diesen Vorteil zu bewahren und weiterzuentwickeln wird nach wie vor der Fokus unserer täglichen Arbeit sein.“
KERSTIN WÜNSCH
                         
www.evvc.orghttps://future-meeting-space.de
„Das Netzwerk des EVVC ist im Vergleich zu den meisten anderen Verbänden wirklich herausragend.“
Timo Feuerbach, EVVC-Geschäftsführer
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