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MEETGB

“Don’t mention the B word”

Beim Format MeetGB in Windsor treffen 96 internationale Veranstaltungsplaner auf Anbieter aus Großbritannien. Trotz des über allem schwebenden Brexits üben sich die Aussteller in Zweckoptimismus und setzen auf ihre Stärken.

“W
e are open for business” ist das Mantra der diesjährigen MeetGB am 11. und 12. April 2019 im englischen Windsor, einem Format, das 96 Einkäufer überwiegend aus den britischen Quellmärkten Europa und USA mit 80 Anbietern aus dem Meetingsektor des Vereinigten Königreichs zusammenbringt. In 15-minütigen Einzelgesprächen stellen Aussteller aus England, Nordirland, Wales und Schottland ihre Produkte und Dienstleistungen vor, um mehr Veranstaltungen und Geschäftsreisende ins Land zu holen. „Es ist unsere Botschaft an Veranstalter und Planer aus der ganzen Welt, dass wir natürlich offen bleiben, dass sich de facto noch nichts geändert hat für Veranstaltungen im Vereinigten Königreich“, erklärt Kerrin Macphie, Head of Business Events beim Veranstalter VisitBritain. Der bevorstehende Brexit ist selbstverständlich ein großes Thema auf der Veranstaltung. Und auch wenn in Anlehnung an John Cleese’s Kultserie Fawlty Towers „Don’t mention the B word“ zum Running Gag unter den Delegierten wird, liegt doch ein Stückchen Wahrheit an der augenzwinkernd ausgesprochenen Warnung. Die anhaltende Ungewissheit, welche Auswirkungen der Brexit denn nun für die Meetingindustrie haben wird und Fragen danach führen an einem oder anderen Tisch schon mal zu tiefem Einatmen oder verdrehten Augen.

Die Veranstalter geben 5.600 als Zahl im Vorfeld vereinbarter Meetings an. Diese Zahl wird vermutlich nicht ganz erreicht, aber viele Hosted Buyer sprechen von über 40 stattgefundenen Gesprächen. Ein straffes Programm, das alle Beteiligten pflichtbewusst absolvieren. Der Geräuschpegel in der Hanover Suite des historischen Anwesens „De Vere Beaumont Estate“ in Windsor ist hoch, über die zwei Tage herrscht geschäftiges Treiben. Die Stimmung ist trotz des leidigen Brexit-Themas allerdings sehr gut. Das liegt auch daran, dass die Veranstalter keine Kosten und Mühen gescheut haben, ein beachtliches Rahmenprogramm auf die Beine zu stellen.
                  
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“Events are great”: MeetGB‘s gala dinner in the medieval Great Hall of Hampton Court Palace, from the 16th to 18th century residence of English kings. 
FOTO: VISITBRITAIN

Unter dem Thema der britischen Königsgeschichte findet das Galadinner in der mittelalterlichen Great Hall des Hampton Court Palace statt, vom 16. bis 18. Jahrhundert Residenz britischer Könige. Der berüchtigte König Henry VIII. höchst selbst ist beim Bankett mitsamt seinen sechs Gemahlinnen zugegen, unter der 18 Meter hohen Decke prangt das VisitBritain-Logo. Im Vorfeld der Veranstaltung reisen die Hosted Buyer drei Tage auf neun verschiedenen Pre-Touren durch das ganze Land. „MeetGB ist für uns eine wunderbare Gelegenheit, Großbritannien als eine Weltklasse-Destination für internationale Geschäfte, Besuche und Veranstaltungen zu bewerben. Durch solche Veranstaltungen bauen wir neue globale Beziehungen auf, erhöhen die Investitionen in unsere Wirtschaft und präsentieren der Welt das Beste aus unserem Land“, bewertet Tourismusminister Michael Ellis.

Die Aussteller sind gut vorbereitet und versorgen die Planer, die zusammen insgesamt 1.775 Veranstaltungen pro Jahr organisieren, mit den wichtigsten und aktuellsten Informationen zum jetzigen Zeitpunkt: „Der Flugverkehr wird keinen Änderungen unterliegen“, bestätigt Kerrin Macphie. Entsprechende Verträge habe die britische Regierung mit Unterhändlern der Europäischen Union ausgehandelt – selbst bei einem ungeregelten Brexit. „Und alle EU-Bürger können auch weiterhin lediglich mit ihrem Personalausweis einreisen“, zerstreut sie etwaige Zweifel.

Die Hausaufgaben sind gemacht, die Planer spüren den Willen der britischen Anbieter, möglichst gute Angebote zu unterbreiten. Denn wie sich der Brexit in nackten Zahlen auf das Geschäft auswirken wird, wird die Zeit zeigen. Nach Ansicht der Travel-Manager großer deutscher Unternehmen allerdings negativ. Laut Ergebnissen der Geschäftsreiseanalyse 2019 des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) rechnet rund ein Drittel der Befragten nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs mit einem Rückgang der Geschäftsreisen auf die Insel. „Die Zahlen verdeutlichen, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU auch am Geschäftsreisemarkt nicht spurlos vorbeigehen wird“, sagte VDR-Präsidiumsmitglied Christoph Carnier bei der Präsentation der Studienergebnisse.
              
                
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FOTO: VISITBRITAIN

Die Anbieter üben sich in Zweckoptimismus und weisen auf mögliche positive Entwicklungen wie ein niedriger Wechselkurs hin und auf ihre Stärken, die naturgemäß in der Infrastruktur und der hervorragenden Konnektivität liegen. Macphie erinnert unter anderem an die im Winter geschlossene Partnerschaft zwischen den beiden Bahngesellschaften Eurostar und Virgin Trains. Die Partnerschaft gibt internationalen Veranstaltungsplanern die Möglichkeit, Multi-Stop-Reisen vom europäischen Festland zu britischen Zielen im Netz von Eurostar und Virgin Trains über ein Buchungssystem aus einer Hand zu buchen. Zudem wird durch das Abkommen die Anbindung zu Destinationen wie Manchester, Liverpool oder Birmingham verbessert.

Jene Destinationen, die bei MeetGB um Aufmerksamkeit buhlen. Interesse zeigen die Planer an der im Sommer kommenden Eröffnung des ICC Wales. Der 26.000 qm große Neubau bietet Platz für 5.000 Delegierte und umfasst eine 4.000 qm große Haupthalle, ein 1.500 Sitzplätze umfassendes Auditorium und zwölf flexible Konferenzräume. VisitScotland macht die Delegierten neugierig auf den Ted Summit, der von 21. bis 25. Juli 2019 in Edinburgh stattfindet, und weist auf seine „Innovate the Nation“-Kampagne hin. „Schottland hat mehr zu bieten als Haggis und Dudelsäcke“, scherzt Business Events Executive Heather McNee. Erfolgreich im Verbandsgeschäft sei die Destination vor allem aufgrund ihres Ambassador-Programms.

Penny Phillips, Business Events Officer bei Meet in Cardiff räumt ein, dass die Situation der Branche auf der Insel derzeit schwierig sei. „Wir müssen wirklich sehr viel mehr dafür tun als gewöhnlich, um Veranstaltungen anzuziehen. Die Schwebesituation durch den Brexit macht es uns nicht leicht.“ Ihr bliebe nichts anderes übrig, als die Stärken ihrer Destination hervorzuheben und zu hoffen, dass jetzt endlich einmal Klarheit darüber herrsche, wie es nach dem Brexit für die Meetingindustrie weitergeht. Dann darf man das B-Wort vielleicht auch wieder in den Mund nehmen.
CHRISTIAN FUNK

www.visitbritain.com/de/dewww.visitwales.com/dewww.visitscotland.com/de-dehttps://discovernorthernireland.com
"It's our message that we are of course open for business, that nothing at all has yet changed for events in the United Kingdom".
Kerrin Macphie, Head of Business Events, VisitBritain
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