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RE:PUBLICA

Community Gardening

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Andreas Gebhard ist Geschäftsführer und Mitgründer der re:publica in Berlin, mit über 10.000 Teilnehmern Deutschlands größte Konferenz für die digitale Gesellschaft. Als Kolumnist der tw tagungswirtschaft schreibt er als Veranstalter, was ihn gerade beschäftigt.
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FOTO: RE:PUBLICA, GREGOR FISCHER (CC BY-SA 2.0)

Wir können davon also ableiten, dass man dem Ziel einer Community nur nahekommen kann, indem man die Rahmenbedingungen schafft, damit sich Systeme oder Subsysteme entwickeln können auf deren konkrete Ausprägung man selber allerdings keinen direkten Einfluss nehmen kann. Die sprichwörtlichen Leitplanken sind hier als Metapher gut verwendet. Wenn also eine treue und begeisterte Gruppe von Menschen in einen Kontext gebracht werden soll, dann klappt das nur mit der notwendigen Demut und dem Bereitstellen von Orten und Tools, an und mit denen sich die Beteiligten entfalten können. Wichtig ist, dass die Teilnehmer eingebunden werden, sie die Veranstaltung zu ihrer eigenen machen. Im Fall der re:publica sorgt dafür beispielsweise der „Call for Participation“. Zur diesjährigen #rp19 zum Leitthema „tl;dr“ – Internet-Sprech für „too long, didn‘t read“ haben wir über 1.000 hochkarätige Einreichungen bekommen. Davon haben wir 350 Vorträge und Sessions ins Programm genommen.
      

Es ist also die Kunst, Freiheit in einem Kontext zu ermöglichen, aber eben nicht erzwingen zu wollen. Nur durch Ehrlichkeit und der Liebe fürs Detail kann sich die verletzliche Pflanze „Community“ entwickeln. Das benötigt den behutsamen Spagat zwischen Identifikation und Abgrenzung, also der Zurverfügungstellung von Raum und dem notwendigen Respekt über die eigene Entfaltung. Natürlich ist das Loslassen erst einmal das Gegenteil von wirtschaftlicher Steuerung. Man gewinnt seinen Vorgesetzten schwerlich mit der Ansage, dass sich Dinge entwickeln müssen. Aber genau daran kranken viele Versuche das Community Buildings: an den Eigeninteressen der „Betreiber“. Doch nur wenn klargestellt ist, dass Freiräume vor Besuchersteuerung und Instrumentalisierung kommen, können nachhaltige Erträge erzielt werden. Zum Nutzen aller Beteiligten. Es gilt also Atmosphäre vor Profit. Eben wie im Garten. Sonst erhalte ich synthetisches Stückwerk. Und das kann ja niemand wollen.
     
„Es gilt also Atmosphäre vor Profit.“
Andreas Gebhard,
CEO und Mitgründer re:publica
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