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ATOUT FRANCE

„Bienvenue le group de travail“

Atout France hat im April zum MICE Workshop eingeladen, nicht zum Famtrip. Der Unterschied? Die Teilnehmer erarbeiten sich die Destination spielerisch etwa bei der Team-Challenge im TGV nach Straßburg und Lyon. Gäste und Gastgeber kommen in Fahrt.

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m Frankfurter Hauptbahnhof herrscht Betrieb. An Gleis 16 versammeln sich 24 Eventplaner aus Unternehmen und Agenturen und zwölf französische Partner. Auf Einladung von Atout France reisen sie mit dem TGV nach Straßburg. „Bienvenue le group de travail“ nimmt der „Train à grande vitesse“ mit einer personalisierten Ansage seine Fahrt auf. Die Reisezeit von zwei Stunden verkürzt die Team-Challenge auf gefühlt eine, denn in Wagen 11 ist das Spielfieber ausgebrochen. In fünf Gruppen aufgeteilt und mit einem Tablet an der Hand empfangen die Deutschen im 15-Minutentakt die Franzosen. Die zeigen Filme und Fotos und verstecken in ihren Vorstellungen die Antworten, die per „Drag & Drop“, Multiple-Choice oder Sechs-Sekunden-Frage den Sieg bedeuten. Die Google-Recherche per TGVWLAN „inoui“ ist erlaubt. Dass beim Wackeln des Schnellzugs das eine oder andere Kreuz verrutscht, amüsiert die einen und ärgert die anderen.

Die Privatisierung des Duplex-Waggons ermöglicht Beate Kohler von „alleo“, ein Zusammenschluss von SNCF und Deutsche Bahn. Sie begleitet die Gruppe und beobachtet mit Freude, wie Nathalie Birling von Office de Tourisme et des Congrès de Mulhouse et sa region fragt: „Wie heißt das digitale Ökosystem für Startups mit Co-Working- und Meeting-Spaces in Mulhouse?“ „Km0“, findet Gruppe 4 heraus und hat Fragen zur Vermietung. „Jeder kann die Tagungsräume nutzen, es muss keine Tech-Firma sein“, so Birling. Sie stellt nicht nur Kontakte zur Location her, sondern zu Einrichtungen wie der Société Industrielle des Mulhouse. Das kommt an. „Die Destination muss zu meinem Kunden passen, und der sucht das Neue“, sagt eine Agenturchefin. „Die Produktmerkmale müssen übereinstimmen – lieber digital als Fachwerk.“

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Bienvenue à Lyon: Am Westufer der Rhône erlebt das ehemalige Krankenhaus Hôtel-Dieu de Lyon seine Wiedergeburt als InterContinental Lyon. 
FOTO: ATOUT FRANCE
      
Und doch erfreuen sie und ihre Mitstreiter sich an den Fachwerkhäusern in Straßburgs UNESCO-geschützter Altstadt, der „Grande Île“. Der Plan von Jérôme Poulalier, Leiter der Abteilung Verkaufsförderung und des France Meeting and Convention Boards bei Atout France, geht auf: Das Eis ist gebrochen und der Redefluss von Gästen und Gastgebern groß. So groß, dass die Worte des Tourist Guide auf der Bootstour untergehen. „Wir hatten viel Spaß, haben viel gelacht und viel gelernt“, befindet ein Teilnehmer. Seine Nachbarin fügt hinzu: „Das Spiel hat in Minuten alle Schranken aufgehoben. Du weißt nach ein, zwei Runden, wer welche Stärken hat und welche Schwächen.“ „Das Spiel is cool”, bekräftigt Tiphanie Choin von Business Solutions by Disneyland Paris. „Es bezieht alle Teilnehmer ein und verbindet uns sofort.” Das hört Siegbert Mattheis gerne. Der Inhaber der Mattheis Werbeagentur ist mit Jérôme Poulalier der Kopf hinter der Challenge und verfolgt aufmerksam die Spieldynamik. Er weiß: „Jeder Partner darf nicht mehr als drei oder vier Fragen stellen, denn mehr können sich die Teilnehmer nicht merken.“ Andernfalls könne das zu Frust führen, der sich auf die Destination überträgt.

Das gelenkte Networking geht abends weiter. Beim Quiz „Wer bin ich?“ müssen die Planer ihre prominenten Gegenüber erkennen: Valérie Exposito-Coitte vom Paris Convention Bureau ist Jean-Paul Sartre und Mireille Dartus vom Strasbourg Convention Bureau Stadtreformator Jacques Sturm. Manuela Kaiser von Sogehô (Société de Gestion Hôtelliere) ist nicht nur Catherine Trautmann, Straßburgs erste Bürgermeisterin, sondern Gastgeberin in Les Haras. Das ehemalige königliche Pferdegestüt beheimatet heute ein Biocluster, Brasserie und Hotel mit 55 Zimmern und drei Räume. Bis Juni 2020 kommen 40 Zimmer und 90 qm für Meetings hinzu. „Sie sind im Herzen der Biotech-Branche“, sagt Dr. Nicolas Pellerin vom Economic Development Department Strasbourg zur Begrüßung. „Wir suchen neue Wege, um Leben zu retten.“ Ein Beispiel ist die Chirurgie mit Robotern. Pellerin: „Für Gruppen können wir VIP-Touren organisieren und alles über Medizinroboter erklären.“

Nach der Übernachtung im Sofitel Strasbourg Grande Ile teilt sich die Gruppe in „Incentives“ und „Großveranstaltungen“. Nachdem die Teilnehmer am Abend spielerisch die Bekanntschaft mit Jacques Sturm machten, besichtigen sie nun seinen Familiensitz. Die beiden Etagen der Villa Quai Sturm sind für je 200 Personen buchbar. Elegante Alternativen sind das Centre des Commerce de l‘Industrie für 100 Personen und die historische Aula der Université de Strasbourg für 400 Personen – jedoch erst nach Vorlesungsende. Für Kongresse und Messen empfiehlt sich das Strasbourg Convention and Exhibition Centre mit zwei Eingängen und zwei Bauabschnitten. 1975 eröffnet und 2016 renoviert und erweitert bietet es 44 Foyers und Hallen, Räume und Säle – manche in Farbe wie das lila Auditorium Schweitzer mit 1.182 Sitzen oder der rote Saal Marie Curie mit 446 Sitzen. „Die Franzosen mögen das“, kommentiert Laurent Kayali die fragenden Blicke der Deutschen. In der Nachbarschaft stehen zwei Hotels, ein Mercure und ein Hilton aus den 70er Jahren. In den nächsten zwei Jahren sollen ein Marriott hinzukommen und zwei Hallen.

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Team-Challenge im TGV: Die Teilnehmer verfolgen genau Laurent Kayalis Vorstellung vom Strasbourg Convention and Exhibition Centre. 
FOTO: TW TAGUNGSWIRTSCHAFT, KERSTIN WÜNSCH

Während Laurent Kayali mit nach Straßburg gefahren ist, steigt für die vierstündige TGV-Strecke nach Lyon Faustine Maugat von Lyon Tourism and Conventions zu und in die Team-Challenge ein. Ihre Stadt ist nicht nur gastronomische Hauptstadt, sondern Smart City Europe 2019 und hat nicht nur die Altstadt Vieux Lyon, sondern neu das Viertel Confluence am Zusammenfluss von Rhône und Saône. „Hier finden sich viele nachhaltige Bauten. Aus alten Gebäuden werden neue gemacht“, informiert Maugat. Ein Beispiel und eine richtige Antwort ist „H7“. Das Ensemble besteht aus einer Industriehalle mit 740 qm und 200 qm für Events, Gastronomiebereich und Accelerator für Startups. „Sie können hier machen, was Sie wollen“, verheißt Julian Boully. „Die Größe und das Industrieflair, genau das brauche ich für unsere Automobil-Events“, bemerkt ein Teilnehmer begeistert. An der Rhône liegt ein anderes neueres Stadtviertel, die Cité internationale. Sie umfasst das Centre de Congrès de Lyon mit Räumlichkeiten für 50 bis 19.000 Personen, Kinos, Restaurants und Hotels wie das Marriott.

Am Westufer der Rhône erlebt das ehemalige Krankenhaus Hôtel-Dieu de Lyon seine Wiedergeburt. Für viele ist es „die“ Neueröffnung in Frankreich – ja in Europa. „ Es ist eine Destination an sich“, sagt Laure Chazeau Deltombe vom InterContinental Lyon. Auf 42.000 qm finden sich die Cité de Gastronomie und ihr Hotel mit 144 Zimmern und Suiten, zwölf Tagungsräumen auf 1.500 qm und die Bar unter der Kuppel. Über deren Deckenhöhe staunen die Eventmanager erst im Zug, und später bei der Site Inspection. Im Dezember hat einen Block weiter das 5-Sterne Boscolo mit 136 Zimmern eröffnet. Seine Referenz an Lyon sind die Köpfe goldener Löwen an den Zimmertüren und der Kleine Prinz in Gold an den Schranktüren.

Das Gesehene und Erlebte sollen die Teilnehmer zum Abschluss in einer Kreativaufgabe für ein Incentive oder eine Konferenz verarbeiten. Das ist manchen zu viel, doch kein Pardon: Die Gruppe zieht sie mit. Naht doch die Siegerehrung im Marguerite Restaurant von Paul Bocuse. Dass Frankreichs Starkoch bei einer Frau, Eugénie Brazier, in die Lehre ging, erfahren die Teilnehmer in der Markthalle. Les Halles Paul Bocuse leben von ihren Geschichten wie denen der „Mères de Lyon“ (Mütter Lyons) und ihren Genüssen. 56 Stände mit feinen Terrinen, Käse von Mons und „Marrons au Sirop“. Ab 20 Uhr kann die Halle privatisiert werden. Das Minimum sind 500 Gäste, das Maximum 4.000. Zur Miete ab 2.500 Euro bis 5.000 Euro kommen pro Person 100 Euro. „Die Gäste können alles probieren, essen und trinken und bezahlen nichts“, erklärt Dominique Pilastre und ergänzt mit einem Grinsen: „Wir nennen es die ‚promenade gourmande‘”.
KERSTIN WÜNSCH
                              
www.atout-france.frde.meeting.france.fr/https://www.mystrasbourg.comhttps://events.lyon-france.com/en/Convention-Bureau

Die französischen Partner

• Sofitel Strasbourg Grande Ile • Strasbourg Convention Bureau • Mulhouse Convention Bureau • Hotel Hilton Straßburg • Kongresszentrum Straßburg (Strasbourg Evenements) • Business Solutions by Disneyland Paris • Barrière Hotels & Resorts • Paris Convention Bureau • Sogeho Hotels • DMC AGEM • Alleo • AirPartner • Lyon Convention Bureau • Boscolo Lyon • Pullman Cannes Mandelieu • Monaco Convention Bureau • èhôtels-Lyon • Intercontinental Lyon Hotel Dieu • Hotel de Paris Saint-Tropez • Agences de Voyages Fontana Tourisme – Ideal Travel • Grenoble Alps Convention Bureau
Wer bin ich? Valérie Exposito-Coitte ist Jean-Paul Sartre und Mireille Dartus Jacques Sturm.


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