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VIRTUELLE MESSEN

Lebhafter Austausch

Messen, das sind Marktplätze, auf denen von Angesicht zu Angesicht verhandelt wird – soweit das bisherige Verständnis. Digitale Technologien machen es möglich, virtuelle Plattformen zu schaffen, die bei entsprechender Ausgestaltung in der Verbindlichkeit der persönlichen Ansprache durchaus mithalten können.

K
lare Linen, großzügige Glasfassade und imposante Pfeiler – so präsentierte sich das Äußere der Messehalle im virtuellen Raum. Was wie ein Rendering aus der Feder eines Architekten oder ein Computerspiel anmutete, war der Eingang zur „Virtuelle Expo & Conference“ für die Event-Branche, kurz Vexcon. Viel Liebe zum Detail wurde in den visuellen Eindruck investiert, um optisch eine Messe nachzuempfinden. Ein Klick auf den Eingang brachte den Besucher in das Foyer. Und tatsächlich, es sah aus, wie es beim Betreten einer Messe aussieht. War das nun angenehm vertraut oder irritierend? Von beidem etwas.

Mit dem nächsten Klick konnte entweder die Ausstellerzone betreten oder die Konferenz aufgesucht werden. Elf Präsentationen standen am ersten Messetag auf dem Programm. Jeder Referent war mit einem Stand vertreten, um dort nach dem Vortrag weiterführende Fragen beantworten zu können. In der Ausstellung waren neben Veranstalter Xing Events somit weitere zehn Partner rund um die Themen Event-Technologie und -Vermarktung vertreten. Über die Bühne ging die Premiere am 5. und 6. Dezember 2017 und konnte sich über durchschnittlich 100 bis 150 Teilnehmer pro Vortrag freuen. „Wir freuen uns, dass die Veranstaltung so gut aufgenommen wurde“, sagt die bei Xing Events für die Organisation verantwortliche Antje Schwuchow. Die Idee entstand im September 2017, die erste Einladungswelle wurde am 26. Oktober versendet und löste 1.115 Registrierungen aus. Das Passwort hat mit 550 Interessenten rund die Hälfte angefordert, von denen letztlich 383 Personen an der Vexcon teilgenommen haben.

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Herzlich willkommen: Auch virtuell lässt sich ein persönlicher Empfang gestalten, wie bei der Vexcon 2017.
FOTO: XING EVENTS

Um Konzepte und Produkte zu präsentieren, dafür gibt es im Internet viele Möglichkeiten. Braucht es da zusätzlich noch virtuelle Messen als zeitlich begrenzte Plattformen? Unbedingt, wenn es nach Martin Schulz geht. Denn virtuelle Messen ersparen sowohl Besuchern wie auch Ausstellern und Referenten Reisezeit. Der Informatiker ist Inhaber von Ms Consult und bietet die technische Plattform für die Veranstaltung virtueller Messen. Expo IP heißt das Produkt aus Darmstadt, das auch das Fundament für die Vexcon geliefert hat. Trotz der gewonnenen Reisezeit sollte aber der Vorbereitungsaufwand für eine virtuelle Messe nicht unterschätzt werden. Auch ein digitaler Stand will entworfen werden und alle Kommunikationsmaterialien gilt es zu erstellen, wie für eine physische Veranstaltung auch. Ebenso sind Mitarbeiter für das Event zu schulen und müssen zeitlich zur Verfügung stehen, wenn Besucher an den Stand kommen.

Bei allem Erfolg stuft Antje Schwuchow das Format virtuelle Messe allerdings als Ergänzung im Marketing Mix ein und nicht als Ersatz für physische Präsenzveranstaltungen. Zudem eignet sich das Tool vor allem für die Kontaktanbahnung und Neukundengewinnung, weniger für die Kundenbindung. Dass die Pflege von Bestandskunden auch zukünftig, sogar mehr noch als bisher, analoge Messen übernehmen werden, davon ist Roland Kümin ebenfalls überzeugt. Der Chief Executive Officer vom digitalen Plattform-Anbieter Balluun beobachtet, dass sich die Customer Journey verändert hat und Kunden über digitale Kanäle sehr viel umfassender informiert sind. Der persönlichen Begegnung kommt somit der vertrauensbildende Moment zu, der für einen Vertragsabschluss erforderlich ist. Die Stufen davor können digital abgebildet und begleitet werden, ist der Schweizer überzeugt. Etwa durch den Aufbau von branchenspezifischen Social-Commerce-Plattformen, auf denen ein kontinuierlicher Austausch stattfindet und so die Interaktion innerhalb der Branche zwischen Messeterminen aufrechterhalten wird, wie sie Balluun technisch realisiert. Sicherlich ein möglicher Weg für Messeveranstalter, digitale Kanäle für sich einzunehmen, auch wenn die Technologieaffinität in Deutschland im Vergleich zu Asien noch etwas verhalten ist. GWEN KAUFMANN
 

www.xing-events.comwww.worldbit.dewww.balluun.com

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