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USER EXPERIENCE DESIGN

Event-Technologie sollte intuitiv sein

Event-Technologie-Experte Miguel Neves erläutert, warum es beim Einsatz von Technologien bei Veranstaltungen mehr zu beachten gibt als reine Funktionalität.

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ir hat ein Freund mal gesagt, dass er keine „ugly Software“ verwenden würde. Er bezog sich dabei auf Audio-Software zu Beginn dieses Jahrtausends, aber der Kern der Aussage war – und ist auch heute noch – richtig. Wenn wir das Wort „hässlich“ durch den Ausdruck „schlecht entworfen“ ersetzen, dann kriegen wir eine erste Ahnung von der Welt des User Experience Designs (UX), derzeit ein gängiger Begriff in Software- und Webdesign. Wenn es um Event-Technologie geht, dann ist es immer noch üblich, dass das Teilnehmererlebnis nicht den Erwartungen entspricht. Und das ist ein Problem, schafft es doch ein großes Hindernis für die Nutzer-Adaption. Wir alle wollen Veranstaltungen mit nahtloser Integration von Technologien und umfassender Adaption durch Teilnehmer, aber dies funktioniert nicht, solange die Erfahrungen der User nicht überwiegend positiv sind.

Event-Technologie sollte intuitiv sein, ähnlich wie Computerspiele. Wenn jemand zum ersten Mal ein Computerspiel spielt, dann will er nicht erst nachlesen müssen, wie das Spiel funktioniert und welcher Knopf was tut. Ein gut gestaltetes Spiel funktioniert intuitiv. Beste Beispiele dafür sind „Candy Crush“ oder „Tetris“, aber auch komplexere Games wie „Call of Duty“ sind ebenfalls intuitiv, und Spieler verstehen ziemlich mühelos die Funktionsweise.

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User Experience Design sollte auch für Event-Technologie wichtig sein.
FOTO: BOB NEWMAN / UNSPLASH

Das iPhone ist vielleicht das beste Beispiel für ein intuitives Produkt. Dieses Produkt und sein Betriebssystem sind unglaublich gut designed. Es gibt keine ausgedruckte Betriebsanleitung und doch wird es intuitiv von Millionen Usern in der ganzen Welt benutzt. Mehr noch, Antippen und Wischen sind zu allgegenwärtigen Bewegungsabläufen geworden, die ohne Nachzudenken auch von Kleinkindern und Senioren durchgeführt werden. Es gibt noch weitere Faktoren, die gleichzeitig mit der Betrachtung von UX ins Spiel kommen. Einer der wichtigsten ist Vertrautheit. Für Event-Apps bedeutet dies, dass sie viel einfacher adaptiert werden, wenn sie wie andere Apps, mit denen der Anwender vertraut ist, ausgelegt sind. Dies ist besonders wichtig, wenn Teilnehmer nur wenig Zeit haben, eine App kennenzulernen: hier macht Vertrautheit den Unterschied.

In der Praxis bedeutet dies, dass Event-Apps, die Network-Funktionalitäten mit einem Interface, das dem von Facebook oder Linkedin ähnelt, bieten, im Vorteil sind. Desgleichen sollte für die Navigation das Interface etwa Google Maps ähneln, damit Vertrautheit zu einem Verkaufsargument wird. EventCollab ist ein gutes Beispiel dafür, wie Event-Technologie den Vorteil der Vertrautheit nutzt. Dieses Event-Projektmanagement-Tool ist im Google-Ökosystem eingebettet. Nicht nur, dass es vollständig mit Google-Funktionen wie Documents und Sheets interagiert, es funktioniert und reagiert auch wie Google-Software. Dadurch erzielen Personen, die mit Google vertraut sind, ganz andere Lernerfolge.

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Autor und Event-Technologie-Experte Miguel Neves, Head Chef bei Social Media Chefs. Bekannt als Senior Online Community Manager der Imex Group und Jurymitglied der Startup Competition der Fachmesse.
FOTO: SOCIAL MEDIA CHEFS

Ein ansprechendes Produkt in aktuellem Design ist wichtig: stellen Sie sich einfach vor, Sie würden Veranstaltungssoftware verwenden, die wie Windows 95 auf einem modernen PC erlebt wird. Selbst wenn das Registrierungs-Tool einwandfrei funktioniert, so ist es doch optisch nicht ansprechend, und ob Anwender es gut finden oder nicht macht für sie den Unterschied. Bei fast jeder Software wird grundsätzlich vorausgesetzt, dass sie mit den verschiedensten Browsern, Bildschirmgrößen, Betriebssystemen oder Mobilgeräten kompatibel ist. Für Event-Apps bedeutet dies, dass es verschiedene Versionen der gleichen App gibt, die alle ein wenig unterschiedlich funktionieren. Das ist natürlich eine enorme Herausforderung an Event-App-Entwickler, da mit umfangreichen Tests sichergestellt werden muss, dass UX durchgängig gleich ist. Wenn es um Onlinetools und Apps geht, müssen viele andere Faktoren berücksichtigt werden, zum Beispiel Durchgängigkeit, Navigation und Geschwindigkeit.

Interaktion mit dem Publikum ist ein Bereich, in dem verschiedene Event-Technologien auch mit einem Augenmerk auf UX entwickelt worden sind. Für Softwaretools wie Slido, Glisser oder Crowd Mics ist eine Menge Arbeit für die UX aufgewendet worden, und das Ergebnis für die Anwender ist beachtlich. Catchbox, das erste werfbare Mikrofon weltweit, bietet zwar nicht die gleichen Möglichkeiten wie andere Softwaretools, aber seine UX ist makellos. In den meisten Fällen hat die für eine einzige Funktion ausgelegte Veranstaltungstechnologie höhere Adaptionsraten als die für mehrere Dienste. Dies ist besonders relevant für Hersteller neuer Technologien, die schon an der nächsten Generation von Event-Apps arbeiten. Ein Problem sehr gut zu lösen oder eine Funktion sehr gut zu erfüllen, ist besser als mehrere Dinge halbwegs gut zu erledigen.

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Technologien werden dann gut adaptiert, wenn sie vertraut und intuitiv funktionieren.
FOTO: CEBIT

Bei fortschreitender Entwicklung der Event-Technologie ist es wichtig, dass Veranstaltungsprofis zur Ermittlung der besten User Experience gehört werden. So sind sowohl der Anbieter wie auch der Planer dafür verantwortlich, dass Anmeldeverfahren für Veranstaltungen reibungslos ablaufen. Häufig wird versucht, bei der Registrierung mehr Daten als erforderlich zu sammeln, aber das stört eher bei der Durchführung der eigentlichen Aufgabe: der Anmeldung für das Event. Wenn zu viele Felder hinzugefügt werden und die Registrierung nicht auf den User fokussiert ist, steigt das Risiko negativer Auswirkungen auf Teilnehmerzahlen und Wirtschaftlichkeit.

Letztendlich beruht positive User Experience nie ausschließlich auf der Event-Technologie selbst. Damit Technologie von den Teilnehmern benutzt werden kann, ist entsprechende vorherige Kommunikation empfehlenswert. Alle Veranstaltungen, die eine hohe Nutzeradaption gewährleisten wollen, sollten erwägen, Mitarbeiter abzustellen, die Teilnehmern helfen können, mit der Event-App oder anderer Veranstaltungstechnologie umzugehen. Wenn technikbasierter Austausch mit Teilnehmern stattfinden soll, ist es unerlässlich, einen technisch versierten Moderator einzusetzen, der mit dem Publikum professionell interagieren kann. Gutes UX Design ihrer internen Tools wird ebenfalls Veranstaltungsprofis zugutekommen. Gut gestaltete Software spart Zeit, rationalisiert Prozesse und hilft dabei, Teilnehmern eine lohnenswerte (User) Experience zu bieten. Der Wille zur Schaffung guter User Experiences ist die Grundlage zur Schaffung eines positiven Ergebnisses für alle Beteiligten. MIGUEL NEVES
 

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