Editorial

Liebe Leser*innen,

W
as das Sternchen soll? Gewöhnen Sie sich ruhig schon einmal daran. „Wir legen großen Wert darauf, in unserer Sprache und Kommunikation richtig zu gendern. Es gibt schließlich noch mehr, als die zwei Kategorien ‚männlich‘ und ‚weiblich‘“, erklärt Linda Dudacy (26) im Interview. Bei der 
TINCON
, dem Festival für digitale Jugendkultur, leitet sie das Programm und das U21-Projekt. U21 steht für unter 21 Jahre. Am dritten Tag öffnet sich die Konferenz für Eltern und Ältere, und ich finde mich im Columbia Theater Berlin inmitten der Generation Z wieder. Leicht komme ich mit drei Jugendlichen aus dem U21-Beirat ins Gespräch. Die zwei Themen, die sie beschäftigen sind Coding – auch für Mädchen – und LGBT. „Und warum braucht ihr im Internet groß gewordenen dafür eine Konferenz?“ frage ich. „Im Netz tragen viele Masken, da können wir uns nicht zeigen“, erfahre ich – und staune über den reflektierten Umgang mit den neuen Medien.

Das Spektrum der 110 TINCON-Speakers reicht von Virtual Reality, Hass im Internet bis zu Heimat. Das Programm ist interaktiv und das Wurfmikrofon ständig im Einsatz. Programmieren müsse ein Schulfach werden, höre ich die Jungen sagen, die starre Fächerstruktur Themenbereichen weichen und praxisnah gelernt werden. Später sagt Rubin Lind (19) der WELT: „Die Arbeitswelt wird sich ändern, wir müssen uns jetzt Kompetenzen aneignen, die nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden können.“ Er ist Gründer von Skills4School, einer E-Learning Plattform und Lern-App. Was ich längst vermutet habe, wird nun zur Gewissheit: Wir können und müssen von den Jüngeren lernen, mehr als jede Generation vor uns. Dass Jugendliche digital gebildeter sind, bestätigt eine Studie von Eurostat: Während in Deutschland 37% aller Befragten höhere digitale Kenntnisse haben, sind es 61% bei den 16- bis 19-Jährigen.

Es ist absehbar, dass die Millennials die Mehrheit der Belegschaft stellen. Doch ist unsere Branche gut aufgestellt im Kampf um Talente mit neuen Arbeitskonzepten wie „New Work“ und im Kampf um Teilnehmer mit interaktiven Tagungsformaten? Wer sind sie, die neuen Mitarbeiter, Mitglieder, Kunden, die Besucher von Veranstaltungen? Bemerkenswert finde ich, dass die Meetingindustrie die Millennials nicht auf die Bühne bittet. Mir jedenfalls fallen überwiegend Branchenkonferenzen ein, auf denen wir über die Millennials sprechen, nicht mit ihnen.

Wie handhaben Sie das auf Ihren Veranstaltungen? Gerne berichten wir über Ihre Best-Practice-Beispiele oder darüber, dass das eine echt blöde Idee ist... Leser*innen wie Hartwig von Saß, dem Pressesprecher der Cebit, der die Digitalentscheider von morgen treffen will, lege ich die nächste TINCON ans Herz.
KERSTIN WÜNSCH
Chefredakteurin
tw tagungswirtschaft
wuensch@tw-media.com


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