DHBW RAVENSBURG

„Ich mag den schwäbischen Lifestyle“

Juliette Wangalachi aus Kenia studiert an der DHBW Ravensburg BWL – Messe-, Kongress- und Eventmanagement. Ihr fehlt manchmal die afrikanische Entspanntheit, aber die schwäbische Mentalität kann mithalten. Aus der Serie 
„40 Jahre DHBW Ravensburg: 40 Jahre//40 Gesichter“
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„I
ch bin in Kenia geboren und aufgewachsen. Weil ich als Kind in der Schule in Kenia etwas unterfordert war und viel Blödsinn gemacht habe, hat meine Mutter vorgeschlagen, ich könnte mich doch auf ein Stipendium bei der deutschen Schule in Nairobi bewerben. Ich habe mit elf den Aufnahmetest gemacht und wurde angenommen. Es war aber immer noch schwierig, denn es gab im Schuljahr sehr strenge Regeln, um an der Schule bleiben zu können. Von hundert Bewerbern blieben nur noch fünf übrig – in meiner Klasse war ich die einzige Kenianerin. Ich habe also Deutsch gelernt und das internationale deutsche Abitur gemacht. Studieren wollte ich eigentlich nicht, sondern in Deutschland eine Ausbildung machen. Eine Stelle in Stuttgart hatte ich gefunden, aber wegen Missverständnissen mit der Ausländerbehörde konnte ich die leider nicht antreten.

Ich bin wieder zurück nach Kenia, um mich neu zu orientieren. Ich wollte immer nach Baden-Württemberg, weil mir der schwäbische Lifestyle und die schwäbische Küche sehr gut gefallen, das habe ich bei einer Studienfahrt mit der Schule gemerkt. Außerdem sind ein paar Leute meiner alten Schule in Stuttgart gelandet. Ich habe an der Uni Hohenheim angefangen zu studieren, aber das war mir zu theoretisch. Ich wollte lieber etwas Interaktives machen.

Juliette Wangalachi (21) studiert im 2. Semester in Ravensburg.
FOTO: DHBW

Also habe ich nochmal überlegt, wie es weitergehen kann und bin auf die DHBW Ravensburg gekommen. Ich organisiere gerne, das habe ich schon in der Schule gemacht und Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Da passt der Studiengang Messe-, Kongress- und Eventmanagement perfekt. Mein Arbeitgeber ist die RAM Regio Ausstellungs GmbH, die sitzen zwar in Erfurt, aber als ich mir das angeschaut habe, fand ich es doch super. Mein Oberchef kommt aus dem Schwabenland, also hat alles gut gepasst. Ich habe gleich wohlgefühlt und wollte immer zu einem kleinen Unternehmen, wo man alle kennt – das ist hier ideal mit elf Mitarbeitern.

Kenia hat Englisch und Suahili als Nationalsprachen, aber viel Suahili wurde in meiner Familie nicht gesprochen. Wir haben uns eigentlich immer auf Englisch unterhalten. Deutsch sprechen ist für mich schon anstrengend, auch wenn man das nicht hört. Ich überlege viel, ob das jetzt das richtige Verb und die richtige Form ist. Ich bin ganz froh, wenn ich ab und zu Englisch sprechen kann. Mein Vater sagt, je länger ich weg bin, desto besser wird mein Suahili – vielleicht, weil ich mich noch mehr anstrenge, um es nicht zu verlernen. Seit ich hier bin, war ich erst zweimal bei meiner Familie, das fehlt mir schon. Die Leute hier haben eine andere Mentalität. Wenn ich ein bisschen kenianische Gelassenheit erleben will, treffe ich mich mit Leuten, die mit mir auf die deutsche Schule gegangen und jetzt auch in Baden-Württemberg sind. Wenn man mich so fragt, könnte ich nicht sagen, was mein ‚Zuhause‘ ist. Ich könnte mir vorstellen, nach meinem Studium in Deutschland zu bleiben.“  JULIETTE WANGALACHI
 

www.ravensburg.dhbw.de
„Ich organisiere gerne, das habe ich schon in der Schule gemacht.“
Juliette Wangalachi
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