RE:PUBLICA

„Geschlechterparität ist in unserer DNA verankert“

Jeannine Koch, Direktorin der re:publica, über Diversität und Digitalität, über Frauen auf Podien und eine weibliche „Head-of-Ebene“.

D
u sprichst zur ersten She Means Business, „weil Geschlechterparität kein Schlagwort sein sollte, sondern gelebt werden sollte“. Was ist zu tun?
Genau das, was aktuell passiert: Es müssen mehr Formate in den Fokus gerückt werden, in denen es um diese „Ungerechtigkeit“ geht. Frauen machen 52 Prozent der Weltbevölkerung aus und sind im Arbeitsleben – vor allem auf Führungsebenen – und der gesellschaftlichen Debatte nach wie vor unterrepräsentiert. Umso wichtiger ist es, dass es Veranstaltungen gibt, auf denen wir in den Diskurs gehen – ohne andere auszuschließen. Ich wünsche mir, dass genauso viele männliche Vertreter diese Konferenz besuchen, um sich an dieser Entwicklung zu beteiligen. Es nützt nichts, wenn wir unter uns bleiben.

Diversität und Geschlechterparität sind zentrale Werte für die re:publica. Warum?
Geschlechterparität und Diversität müssen in der Gesellschaft und auf einer so großen und öffentlichkeitswirksamen Konferenz wie der re:publica eine große Relevanz haben. Dabei geht es uns um Fragen zum Herkunftsland, zum Geschlecht und zu Einschränkungen. Um hier ein Gleichgewicht zu erzeugen, überprüfen wir, ob wir unsere uns eigens auferlegten Quoten erfüllen. Dieses Jahr werden rund 15% der Speaker „People of Colour“ sein; wir werden die Frauenquote im Vergleich zum Vorjahr noch etwas steigern und „Challenged People“ werden zahlreich zu Wort kommen. Wir wollen die Welt auf der re:publica so abbilden, wie sie nun einmal ist: Divers!

FOTO: JAN FLORIAN DIETRICH

JEANNINE KOCH...

... ist Direktorin der re:publica, „The Most Inspiring Festival For The Digital Society”. Mehr als 9.000 Teilnehmer treffen sich vom 2. bis 4. Mai 2018 zur mittlerweile zwölften re:publica in der Station Berlin, dieses Jahr erweitert um Fachkonferenzen und das „Netzfest“. 
https://re-publica.com/de

Ihr habt 1.000 Speaker. 47 Prozent sind Frauen
. Das findet mancher beachtlich, da es um digitale Themen geht. Wie gewinnt ihr Rednerinnen?
Ich sehe das Thema Digitalität nicht als eine Herausforderung, um weibliche Teilnehmer und Speaker zu gewinnen. Es ist ja kein männlich besetztes Themenfeld. In der Branche gibt es viele tolle, professionelle Frauen, die jedoch nicht oft genug in den Vordergrund treten. Die Frage ist: Wie kann es uns gelingen, sie für die Bühne zu gewinnen? Die re:publica ist im Erscheinungsbild und in der Teilnehmerstruktur sehr viel „bunter“ und „heller“ als viele andere „Tech- Konferenzen“. Frauen fühlen sich nicht als „Quotenfrau“. Unser Programmteam ist sehr weiblich, was sich auf die Kommunikation auswirkt. Die Programmgestaltung sieht schon beim „Call for participations“ vor, dass z.B. Vorträge von Gruppen zur Hälfte mit Frauen besetzt sind. Dafür haben wir Session-Guidelines. Geschlechterparität ist in unserer DNA verankert. Neben den Gründern Tanja Haeusler, Johnny Haeusler, Markus Beckedahl, Andreas Gebhard als Geschäftsführer und mir als Direktorin, ist unsere „Head-of-Ebene“ überwiegend weiblich.



Warum tun sich andere Veranstalter so schwer?

Viele haben es schlichtweg noch immer nicht auf dem Schirm, dass es eine Rolle spielt, Frauen auf den Podien zu haben. Nicht nur, weil sie die Kompetenz auf ihren Gebieten haben, sondern weil es eben auch um Gerechtigkeit oder gerechte Verteilung geht! Frauen haben es schwerer ernst- bzw. wahrgenommen zu werden. Da wird lieber der männliche Kollege befragt oder geladen als die gleich oder besser informierte Frau. Das verunsichert. Frauen neigen dazu, erst in den Vordergrund zu treten, wenn sie 120-prozentig sicher sind, dass sie das Thema in allen Untiefen durchdringen. Frauen müssen stärker gefördert werden, um etwaige Ängste abzubauen.

Seit Januar verantwortest du die Gesamtleitung der re:publica. Frau und Digitalisierung – da schreckt die eine oder andere zurück. Du nicht?
Ich wüsste nicht, was an Digitalisierung geschlechterspezifisch ist und schrecke eher vor dieser Frage zurück… Im Ernst, Digitalisierung ist ein gesellschaftliches Anliegen, das uns alle betrifft – zum Glück. Es eröffnet uns viele neue Möglichkeiten.  KERSTIN WÜNSCH
 

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