Editorial

Finde den Fehler

„A
ll-Male History Conference. This goes for the Guinness Book of the century! A team of 30 white male historians will discuss Applied History at @Stanford. What a shame.“ twittert Ana Lucia Araujo, eine Professorin für Geschichte an der Howard University in Washington. 2.670 Menschen gefällt das, 1.582 retweeten das, die New York Times interessiert das. Sie titelt: „Stanford History Event Was ‘Too White and Too Male,’ Organizer Admits“. Noch aufgeregter reagiert das Netz auf die Keynote Speaker der Consumer Electronics Show (CES): sechs Männer. Anlass für „Gender Avenger“ das Augenmerk auf Konferenzen zu richten. Die Initiative will Frauen im öffentlichen Diskurs sichtbar machen. In der USA Today erklärt Gründerin Gina Glantz: „Es kommt wirklich darauf an, wer auf der CES, der weltgrößten Messe für Verbrauchertechnologie, auf der Bühne steht und eine Industrie vertritt, die 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA ausmacht. Konferenzen wie CES sind Teil einer riesigen Industrie im Wert von etwa 30 Milliarden US-Dollar.”

Ich stimme ihr zu. Schließlich verändert sich unsere Arbeitswelt: Sie wird vielfältig. Verursacher sind der demografische Wandel, die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen, Globalisierung und Zuwanderung. Laut der „Charta der Vielfalt“ ist in Deutschland nur jedes dritte Unternehmen auf die Veränderungen durch eine vielfältige Arbeitswelt vorbereitet. Die Unternehmensinitiative und ihre 2.800 Unterzeichner bekennen sich zum wirtschaftlichen Nutzen von Vielfalt sowie zu Toleranz, Fairness und Wertschätzung in der Arbeitswelt und Gesellschaft – nicht nur auf dem Papier. Auf mehr als 1.000 Veranstaltungen zum Deutschen Diversity-Tag „Vielfalt unternehmen: Wir zeigen Flagge!“ am 5. Juni 2018 schaffen sie Aufmerksamkeit; mit „Gay and Pray – It is ok!“ die AOK Hessen, „Jung, Alt oder was? – Generationen und Alter im Fokus“ die Kreisverwaltung Wetterau und „Diversity als Innovationstreiber“ die Zeiss AG.

Doch was ist an den anderen 364 Tagen im Jahr? Bilden Unternehmen und Verbände auf ihren Veranstaltungen die Vielfalt ihrer Communities ab? Sehe ich „einfältig“ besetzte Podien, denke ich mir „finde den Fehler“ und „wie schade“, denn ihre Signalwirkung ist sehr groß. Für Jeannine Koch müssen Diversität und Geschlechterparität in der Gesellschaft und auf öffentlichkeitswirksamen Konferenzen wie ihrer re:publica große Relevanz haben. Die Direktorin der Digitalkonferenz und ihr Team haben sich Quoten bei Rednern auferlegt, ob für Frauen, „People of Colour“ oder „Challenged People“. Koch: „Wir wollen die Welt auf der re:publica so abbilden, wie sie nun einmal ist: divers!“ Like.
KERSTIN WÜNSCH
Chefredakteurin
tw tagungswirtschaft
wuensch@tw-media.com

FOTO: DFV MEDIENGRUPPE
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