Editorial

Females for Future

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reta Thunberg betritt die Bühne vor dem Brandenburger Tor. Ihr Blick schweift über 25.000 überwiegend junge Menschen, die in Berlin für das Klima streiken. „Wenn wir ihnen sagen, dass wir uns Sorgen um die Zukunft unserer Zivilisation machen, streicheln sie uns über den Kopf und sagen, dass alles in Ordnung ist – macht euch keine Sorgen. Aber wir sollten uns Sorgen machen. Wir sollten in Panik geraten“, sagt die Schülerin. An ihrer Seite sind in Deutschland Luisa Neubauer, in Belgien Anuna De Wever und andere Mitstreiterinnen. Durch ihre Protestbewegung „Fridays for Future“ bringen die jungen Frauen ganz nebenbei die alte Hackordnung ins Wanken und mit ihr tradierte Rollenbilder.

100 Jahre bevor Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg in Schweden geboren wird, gründet Emmeline Pankhurst 1903 in England die Women’s Social and Political Union und geht für das Frauenwahlrecht auf die Straße. Meine Urgroßmutter Anna Helling ist später die erste Frau in unserer Familie, die wählen darf. Selbst wenn schon viel erreicht ist: Es gibt noch viel zu tun. Kein Land der Erde hat bisher Gender Equality erreicht. In seinem Global Gender Gap Report geht das World Economic Forum von weiteren 108 Jahren aus, bis diese Kluft weltweit geschlossen ist. Das ist erstaunlich, schließlich bringen Frauen die „Skills von morgen“ wie soziale Kompetenzen mit – unverzichtbar in Zeiten der Transformation.

Chancengleichheit ist ein Wirtschaftsthema und ein handfester Wettbewerbsfaktor für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Zum Weltfrauentag 2019 lädt sein Ministerium erstmals zur Veranstaltung „Starke Frauen. Starke Wirtschaft“ ein – und nicht jenes für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ein wichtiges Signal. Dort, im Wirtschaftsministerium, komme ich sofort ins Gespräch mit Frauen aus allen Branchen. Wir stellen fest, dass wir mit denselben Problemen kämpfen, etwa die Gläserne Decke, Führung in Teilzeit und neue Arbeitszeitmodelle. Die Eventindustrie ist besonders betroffen, da hier überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten. Der Austausch tut gut und macht mir klar: Wir müssen uns vernetzen, wenn wir Diversität und Geschlechtergerechtigkeit erreichen wollen – und zwar mit den Männern. Nur wenn wir uns begegnen, können wir etwas bewegen. Die nächste Gelegenheit ist die „She Means Business“-Konferenz am 20. Mai 2019 zur IMEX. Frauen wie Männer sind herzlich willkommen!
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KERSTIN WÜNSCH
Chefredakteurin
tw tagungswirtschaft
wuensch@tw-media.com

FOTO: DFV MEDIENGRUPPE
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