COP23

„Ein wichtiges Signal für eine Konferenz“

COP23, die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es in Deutschland je gegeben hat, drehte sich nicht nur um Umweltschutz, sie wurde auch selbst auf ihre Umweltfreundlichkeit geprüft und nach EMAS zertifiziert.

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ie COP23 in Bonn ist die erste Weltklimakonferenz, die sich offiziell als umweltfreundlich bezeichnen darf. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Ovais Sarmad, Vize-Exekutivsekretär des UN-Klimasekretariats nahmen eine entsprechende EMAS-Zertifzierungsurkunde am Ende der UN-Klimakonferenz entgegen. EMAS (Eco Management and Audit Scheme) ist ein freiwilliges Umweltmanagementsystem der Europäischen Union. Von 6. bis 17. November 2017 war die Weltklimakonferenz COP23 mit knapp 25.000 Teilnehmern aus aller Welt – darunter rund 500 NGOs und mehr als 1.000 Pressevertreter – die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es in Deutschland je gegeben hat.


Mit der Urkunde wird dem Veranstaltungsmanagement des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) die erfolgreiche und umweltfreundliche Ausrichtung der COP23 bestätigt. Das Veranstaltungsmanagement hatte ein Jahr auf die konsequente Vermeidung von Umweltbelastungen hingearbeitet und dies in der vorgeschriebenen Umwelterklärung dokumentiert. Ein Team von über 60 Personen wirkte bei den Vorbereitungen der Veranstaltung mit.

Die COP23 in Bonn ist die erste Weltklimakonferenz, die nach EMAS zertifiziert wurde und sich damit offiziell als umweltfreundlich bezeichnen darf.
FOTO: BMUB

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN ZUR COP23

● 55.000 m2 Fläche
● Raum für 25.000 Teilnehmer aus 196 Ländern
● Rund 400 Veranstaltungen
● 160 Ausstellerflächen
● 39 LänderPavillons
● Über 70 beschäftigte Betriebe aus Handwerk und Baugewerbe
● 100-köpfiges Organisationsteam von Vagedes & Schmid
● 600 kostenfreie Fahrräder für die Delegierten

„Es ist uns gelungen, die Klimakonferenz umweltfreundlich und nachhaltig auszurichten. Das ist ein wichtiges Signal für eine Konferenz, bei der es nicht nur auf das Verhandeln, sondern auch auf das Handeln ankommt“, sagt dazu Bundesumweltministerin Hendricks. „Natürlich gibt es in manchen Bereichen Luft nach oben – die Lernkurve hat mit dieser COP gerade erst begonnen. Ich würde sehr empfehlen, EMAS als Maßstab für künftige klimafreundliche Klimakonferenzen zu nutzen.“ Ovais Sarmad fügt hinzu: „Die EMAS-Zertifizierung ist keine Selbstverständlichkeit. Ich glaube, dass wir die zukünftige Messlatte für die Nachhaltigkeit solcher großen UN-Konferenzen damit deutlich höher gelegt haben. Ich bin mir sicher, dass sich viele Menschen davon inspirieren lassen werden.“

Alle für das „Eco Management and Audit Scheme“ festgelegten Ziele und Maßnahmen sind in der Umwelterklärung dokumentiert. Sie wurden von einem Umweltgutachter mehrere Tage vor Ort geprüft und schließlich bestätigt: Schwerpunkte waren etwa die Abfallvermeidung und die strikte Mülltrennung, eine klimafreundliche Verpflegung, ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr, klimaneutrale Shuttle- Services sowie umweltverträgliche und wieder verwendbare Materialien auch bei den temporären Bauten. Energieversorgung und Wasserverbrauch gehören ebenfalls zu den im Nachgang zu überprüfenden Kennzahlen.



Im Auftrag des Umweltministeriums war die Agentur Vagedes & Schmid für die EMAS-Zertifizierung der Veranstaltung verantwortlich. Die COP23 war erst die vierte Großveranstaltung mit EMAS-Audit, die zweite davon für Vagedes & Schmid. „Wir haben ein gigantisches Projekt gestemmt: Die COP hat im Jahr 1999 schon einmal in Bonn stattgefunden, aber mit wesentlich weniger Teilnehmern. Die schiere Größe des Gipfels 2017 allein ist ein ,Jahrhundertprojekt‘ für jede Agentur“, erklärt Michael Vagedes. „Die Erfahrungen, die wir schon 2016 beim ,Festival der Zukunft‘ des BMUB mit dem Nachhaltigkeits-Audit sammeln konnten, haben uns geholfen, dieses Mammutprojekt in nur zehn Monaten zum Erfolg zu führen“, so der Geschäftsführer der Agentur. Sein Unternehmen war zudem für die Errichtung des Konferenzgeländes verantwortlich: Neben dem Hauptgebäude, dem World Conference Center Bonn (WCCB), waren dies 20.000 Quadratmeter temporäre Bauten auf dem UN-Campus sowie eine 35.000 Quadratmeter große Zeltstadt in der Rheinaue. Ein 100-köpfiges Organisationsteam der Agentur war mit der Aufgabe betraut. Weil die EMAS-Zertifizierung verlangt, Verfahren jeder Art umweltverträglich zu organisieren, mussten alle an der Umsetzung Beteiligten im Rahmen des Umweltmanagementsystems für Umweltschutz und Nachhaltigkeit sensibilisiert werden. „EMAS ist eines der anspruchsvollsten und international anwendbaren europäischen Umweltmanagement-Audits. Es dient dazu, bei allen Beteiligten eine positive Haltungsänderung im Umgang mit Nachhaltigkeit zu bewirken“, so Vagedes. „Die größte Herausforderung ist definitiv, dabei alle Teilnehmer und Mitarbeiter mitzunehmen. Hier braucht es intensive Kommunikation, um Bewusstsein für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu schaffen.“


Ovais Sarmad vom UN-Klimasekretariat nimmt das EMAS-Zertifikat zur COP23 entgegen.
FOTO: BMUB

Im Vorfeld der Veranstaltung wurde ein entsprechendes Konzept entwickelt, um etwa den Reiseverkehr vor Ort umweltverträglich zu organisieren, Abfall zu vermeiden, Druckerzeugnisse zu reduzieren, eine gewissenhafte Abfalltrennung zu gewährleisten, auf Wiederverwendbarkeit der für Aufbauten genutzten Materialien zu setzen und regionale Essensangebote einzubeziehen. Außerdem wird die Veranstaltung treibhausgasneutral gestellt, das heißt, dass noch einige Kompensationsprojekte nachgelagert werden.

Das Projekt ist im übrigen noch gar nicht abgeschlossen. Die Renaturierung wird nämlich noch eine Zeit lang in Anspruch nehmen. Begonnen wird damit im Frühjahr, der Winter muss noch abgewartet werden. Für Michael Vagedes war die COP23 ein Paradebeispiel der Begegnungs-Kommunikation. „Die Weltklimakonferenz ist ein sehr gutes Beispiel für die Veränderungen in der Live-Kommunikation“, so Michael Vagedes. „Wir haben konzeptionell ein Umfeld geschaffen, in dem man verhandelt, sich persönlich trifft und sich vernetzt. Sicher wären alternative Konzepte wie Web-Konferenzen günstiger, klimafreundlicher und schneller geplant – verbindliche Verhandlungen sind jedoch nur nachhaltig, wenn tatsächliche Begegnung möglich ist und sich die Teilnehmer in die Augen sehen.“ 
CHRISTIAN FUNK
 

www.cop23.dewww.vagedes-schmid.dewww.emas.de

Umweltfreundliche und nachhaltige Klimakonferenz

I. Allgemeines
Die Konferenz wurde nach EMAS, dem Eco Management and Audit Scheme, auf der Grundlage der EU-Verordnung 1221/ 2009 zertifiziert. Alleinstellungsmerkmale von EMAS sind vor allem die Beachtung konkreter inhaltlicher Umwelt-Kernindikatoren, die Prüfung durch einen staatlich zugelassenen Umweltgutachter, Rechtskonformität, die Erstellung eines Umweltberichts, die Beteiligung der Vollzugsbehörden und die Eintragung ins EMAS-Register. Die EMAS enthält gleichzeitig die Anforderungen der ISO 14001 (ISO-Norm zum Umweltmanagement).

II. Die Umweltaspekte

Es wurden alle wesentlichen Auswirkungen in Bezug auf Treibhausgasemissionen, Energieeffizienz mit Anteil erneuerbarer Energien, Materialeffizienz, Wasser, Abfall und Biodiversität dahingehend geprüft, ob sie vermieden oder so gering wie möglich gehalten wurden. Desweiteren einbezogen waren Kriterien für die öffentliche Beschaffung von Material für die Konferenz, das Catering oder die Materialverwendung für die temporären Bauten, aber auch die Bewusstseinsbildung bei Besuchern.

III. Die Umweltleitlinien
Übergeordnete Umweltleitlinien für die Klimakonferenz waren der Maßstab für die umweltfreundliche Ausrichtung (Bestandteil des Entwurfs der Umwelterklärung):
● Die 23. Klimakonferenz der Vereinten Nationen wird umweltverträglich und nachhaltig ausgerichtet. Treibhausgasemissionen sollen so weit wie möglich vermieden werden. Nicht vermeidbare Treibhausgasemissionen werden durch anspruchsvolle Klimaschutzprojekte kompensiert.
● Wir gehen verantwortungsvoll und effizient mit Ressourcen um. Wir wollen Wasser- und Energieverbrauch, Abfall sowie Lärm vermeiden bzw. reduzieren und Verkehr vermeiden. Soweit wie möglich sollen erneuerbare Energien genutzt werden.
● Wir wollen bevorzugt die in Herstellung, Gebrauch und Entsorgung umweltverträglichsten Waren und Dienstleistungen beschaffen. Dies betrifft auch das Speisenangebot. Wir berücksichtigen soweit wie möglich anerkannte Zertifizierungsprogramme.

● Bedürfnisse von Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, unterschiedlicher Nationalität, Ethnie und Religion, sowie von Menschen mit Behinderung/Beeinträchtigung werden berücksichtigt. Wir wollen die Klimakonferenz weitgehend barrierefrei ausgestalten. Außerdem haben wir uns das Ziel gesetzt, bis zu 15 % der Arbeitsplätze der freiwilligen Helfer mit Menschen mit Behinderung zu besetzen.
● Alle Vertragspartner werden angehalten, unsere Kriterien für die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit der Konferenz anzuwenden und dies auch ihren Unterauftragnehmern zu vermitteln.
● Wir wollen das umweltgerechte Verhalten aller an der Klimakonferenz Beteiligten fördern und setzen entsprechende Kommunikationsmittel und –maßnahmen ein. Die Konferenz soll papierarm stattfinden.
● Die Einhaltung von Gesetzen und Verordnungen dient uns als Mindeststandard, den wir wo immer möglich übertreffen wollen.
● Wir überprüfen den Erfolg unserer Umweltmaßnahmen und werden, wo erforderlich, Verbesserungen bei künftigen Großveranstaltungen vornehmen. Über die Ergebnisse unserer Leistungen im Umweltschutz werden wir transparent informieren.

Diese Grundsätze legen wir der Planung, Vorbereitung und Durchführung der COP 23/23. Weltklimakonferenz zugrunde. Mitarbeiterbelange sind als ein Element sozial verantwortlichen Handels in unser Umweltmanagementsystem integriert.

IV. Beispiele für Umweltmaßnahmen
Klimaschutz: An- und Abreise von bis zu 25.000 Teilnehmenden der Konferenz erzeugen den mit Abstand größten Anteil an Treibhausgasemissionen und sind nicht vermeidbar. Die Veranstalter nutzten daher Kompensationsprojekte, um die Konferenz weitgehend klimaneutral zu stellen.
Mobilität während der Konferenz: Den Delegierten standen 600 kostenlose Leihfahrräder zur Verfügung. Der Shuttleverkehr zwischen DB-Station und den beiden Konferenzzonen wurde ausschließlich elektrisch betrieben.
Papiernutzung: Das UN-Klimasekretariat und die Bundesregierung als technischer Gastgeber verzichteten weitgehend auf gedruckte Publikationen und Materialien und nutzten Wege der elektronischen Datenübertragung. Alle Veranstalter wurden gebeten, entsprechend zu verfahren.
Beim Catering wurde überwiegend vegetarisches Essen angeboten, mindestens 50 % der angebotenen Speisen waren bio-zertifiziert. Jeder Teilnehmer bekam eine Trinkflasche aus recyceltem Material, um sich während der Konferenz an Wasserspendern zu versorgen. Auch ansonsten wurde Mehrweggeschirr benutzt.
Temporäre Bauten: In der „Bula Zone“ wurde das WCCB mit aus wieder zu verwendenden Materialien bestehenden temporären Bauten im Umfang von 20.000 qm ergänzt. In der „Bonn Zone“ wurden 35.000 qm temporär bebaut. Verbunden werden die beiden Zonen über einen CO2-neutralen Shuttleverkehr (Elektrobusse). Zudem stehen 600 kostenfreie Fahrräder für die Delegierten zur Verfügung. Die Fläche wird nach der Konferenz wieder vollständig renaturiert.

V. Nachhaltigkeit
Inklusion: Bei der Planung und Durchführung der Konferenz wurden die Bedürfnisse von Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, unterschiedlicher Nationalität und Ethnie, Religion sowie von Menschen mit Behinderung/Beeinträchtigung berücksichtigt. Inklusion soll gelebt und sichtbar werden. 15 % der 650 Freiwilligenstellen des Freiwilligenprogramms der Vereinten Nationen waren für Bewerber und Bewerberinnen mit Beeinträchtigung vorgesehen.
Vertragspartner und Lieferanten: Alle Vertragspartner und Lieferanten des BMUB und des Klimasekretariates waren angehalten, den UN Code of Conduct der Vereinten Nationen bzw. entsprechende Empfehlungen der Bundesregierung und der Stadt Bonn zu unterschreiben, in denen sie sich zur Einhaltung von gesetzlichen Regelungen, Umwelt- und sozialen Standards verpflichten.
„Sustainable Bonn“: Die Klimakonferenz wurde zum Anlass genommen, das Projekt „Sustainable Bonn“ auszubauen. Langfristig sollen alle Bonner Hotels auf den Weg zu mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gebracht werden.
„Die EMAS-Zertifizierung ist keine Selbstverständlichkeit.“
Ovais Sarmad,
UN-Klimasekretariat
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