Über dem Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) namens Al Wasl Plaza thront eine riesige Kuppel. Sie dient als 360-Grad-Projektionsfläche.
Über dem Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) namens Al Wasl Plaza thront eine riesige Kuppel. Sie dient als 360-Grad-Projektionsfläche.

EXPO 2020 DUBAI

DUBAI Weltausstellung wird die Wirtschaft beflügeln

Vom 20. Oktober 2020 bis zum 10. April 2021 findet im Emirat die Weltausstellung statt. Deutsche Autobauer, Messemacher, Ingenieure, MICE-Spezialisten sind dann in Dubai gefragt. Vor, während und nach der Show. Selbst der deutsche Dax-Konzern Siemens mischt mit. 

W
enn im Oktober 2020 für sechs Monate die erste Weltausstellung im arabischen Raum überhaupt eröffnet, dann werden mehr als 25 Millionen Besucher erwartet. „Connecting Minds, Creating the Future“ lautet das Motto. Die Weltausstellung in Dubai soll ihren Besuchern Anstöße vermitteln, nachhaltiger zu werden und große soziale sowie ökonomische Probleme dieser Welt helfen zu lösen. Dubai will sieben Milliarden US-Dollar in die Weltausstellung investieren. Nach Hochrechnungen aus Dubai werde die Expo etwa 300.000 neue Arbeitsplätze dauerhaft schaffen und die Wirtschaft durch neue Projekte langfristig ankurbeln. Die cleveren Herrscher in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben schon lange erkannt, dass deren Öl- und Gasreserven endlich sind. „Die Expo 2020 wird ein Festival des menschlichen Erfindergeistes“, sagt seine Hoheit Scheich Ahmed Bin Saeed Al Maktoum. Der Top-Manager ist Vorsitzender von Emirates Airline, Präsident der Luftfahrtbehörde von Dubai und verbindet mit der Weltausstellung in drei Jahren große Erwartungen. Um den heißen Temperaturen im Sommer zu entgehen, findet die Expo in den Wintermonaten statt, vom 20. Oktober 2020 bis zum 10. April 2021: Dann steigt die Quecksilbersäule in der Regel nicht über 30 Grad. Dubai hatte sich im Expo-Vergabefahren mit 116 zu 47 Stimmen gegen die russische Stadt Jekaterinburg durchgesetzt.

In einer ersten Runde des Verfahrens waren die türkische Stadt Izmir und Sao Paulo in Brasilien ausgeschieden, teilte das Expo-Büro in Paris mit. Die Franzosen unterscheiden zwischen einer größeren „World Expo“ und einer kleineren „International Expo“. Eine große Expo – wie die in Dubai – findet alle fünf Jahre statt und dauert sechs Monate. Die Teilnehmer bauen dafür ihre eigenen Pavillons. Die Pavillons zu den Expo-Themen „Sustainability“ (Grimshaw Architects) „Opportunity“ (Architekt: BIG – Bjarke Ingels Group) und „Mobility“ (Foster + Partners) sind zwischen 13.000 und 17.000 Quadratmeter groß und sollen jeweils 30 Mio. US-Dollar kosten. Die Bauarbeiten haben schon begonnen.

Die Koelnmesse hat vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) den Zuschlag für die Organisation und den Betrieb des Deutschen Pavillons auf der Weltausstellung erhalten. Bereits seit 1986 in Vancouver hat die Messe Köln immer wieder deutsche Auftritte auf Weltausstellungen im Auftrag des Ministeriums betreut. Neben ihrer Expo-Erfahrung bringen die Kölner aus ihrem internationalen Geschäft gute Verbindungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten mit – aus Messen wie Gamescom, Dmexco und Photokina. Schon haben die Kölner die Arbeit aufgenommen. Sie managen nun die komplette Vorbereitung, die Ausschreibung und Begleitung der baulichen und inhaltlichen Gestaltung des Pavillons, die Rekrutierung des Pavillonpersonals und die Öffentlichkeitsarbeit.

Für die Bebauung und die Ausrichtung der Expo 2020 ist Dubais Messegesellschaft Dubai World Trade Center (DWTC) zuständig. Sie betreibt bereits das Messegelände in Dubai-Stadt. Dabei setzen die Betreiber aus Dubai stark auf deutsches Know-how. So ein Wissensträger ist auch die Bruchsaler Flugtaxi-Firma Volocopter. Sie will noch in diesem Jahr eine fünfjährige Testphase in Dubai starten. Im Emirat sollen die fliegenden E-Taxis Teil des normalen Linienverkehrs, auch zur Expo, werden.

Aber ebenso herkömmliche Verkehrsmittel aus Deutschland werden eine gewichtige Rolle spielen. Gefragt sind Limousinen für den Transport von VIP-Gästen. Bauunternehmen, die sich auf die Nutzung von Fotovoltaik spezialisiert haben oder Dienstleistungen anbieten, sind ebenso gefragt, berichtet Germany Trade & Invest (GTAI). Bei dieser Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik heißt es, die Messegesellschaft in Dubai benötige für den laufenden Expo-Betrieb die Experten, die sich mit MICE auskennen: Catering genauso wie Veranstaltungstechnik. Ebenso würden aber auch Spezialisten aus Deutschland gesucht, die sich mit Crowd Management, Verkehrsplanung und Verkehrsmanagement auskennen.

Vor der Expo ist nach der Expo. Denn nach der Expo muss das Gelände für eine weitere Nutzung umgebaut werden. Dabei wird MICE eine Schlüsselrolle spielen. Aber auch das Dax-Schwergewicht Siemens engagiert sich im Emirat – nach der Weltausstellung. Der Elektrokonzern errichtet eine weltweite Zentrale für sein Logistikgeschäft im Emirat Dubai. Nach Abschluss der Expo soll auf dem Ausstellungsgelände die Entwicklung von Digitalisierungssoftware für Häfen und Flughäfen sowie Montage, Fertigung und Vertrieb von Anlagen gebündelt werden. Mit Digitalisierung und cloudbasierten Betriebssystemen will Siemens das Wachstum seiner Kunden ankurbeln und die Effizienz im Logistikbereich erhöhen. Der weltweite Logistikmarkt und die Region Naher Osten bieten dem deutschen Konzern großes Wachstumspotenzial, heißt es in der Siemens-Pressestelle. Das Expo-Gelände ist dem Unternehmen „eine perfekte Lösung“, sagte ein Siemens-Sprecher. Es verfüge über eine hochmoderne Infrastruktur sowie eine „beneidenswerte Verkehrsanbindung.“ Der Konzern rücke hier, in Dubais Süden, näher an wichtige Kunden und Märkte heran. . Von der perfekten Infrastruktur sollen vor allem Besucher und Aussteller profitieren. Das Gros von ihnen wird sicherlich mit der U-Bahn kommen.

Beide existierenden U-Bahn-Linien wurden von einem Konsortium unter Führung des japanischen Industriekonzerns Mitsubishi gebaut. Ein von Alstom geführtes Konsortium errichtete außerdem die 2014 eröffnete Straßenbahnlinie. Jetzt wird am Expo-Gelände eine gigantische Metrostation gebaut, die 46.000 Menschen in der Stunde locker verdauen kann – so viel wie in einer deutschen Kleinstadt leben. Der französische Konzern Alstom soll zusammen mit dem spanischen Bauunternehmen Acciona und dem türkischen Transportkonzern Gulermak die Verlängerung der U-Bahn zum Gelände der Expo 2020 bauen. Der Vertrag mit einem Wert von drei Milliarden US-Dollar umfasst den Bau einer 15 Kilometer langen Strecke und die Beschaffung von 50 Zügen.

FALKE ALS HAUSTIER UND ALS EXPO-PAVILLON  

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Er symbolisiert einen Raubvogel – und er wird eine architektonische Sensation: der Expo-Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Diesen baut der schweizerisch-spanische Star-Architekt Santiago Calatrava. Der Falken-Pavillon wird eine Fläche von rund 15.000 Quadratmetern überdecken und zahlreiche Ausstellungsflächen, ein Auditorium, gastronomische Einrichtungen und VIP-Lounges umfassen. Der fliegende Raubvogel bringt die Geschichte der VAE zum Ausdruck, sagte Staatsminister Sultan Ahmed Al Jaber. Denn mittels der Falknerei seien Kontakte zwischen verschiedenen Stämmen geknüpft worden. Das habe zur Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate geführt. Mehr als 20.000 Falken soll es in den VAE als Haustiere geben. Falkner finden sich in allen Schichten. Im November 2010 hat die Unesco die Falknerei als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Über dem Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) namens Al Wasl Plaza thront eine riesige Kuppel. Sie dient als 360-Grad-Projektionsfläche.
Über dem Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) namens Al Wasl Plaza thront eine riesige Kuppel. Sie dient als 360-Grad-Projektionsfläche.
„Wir wollen mit dem Messegelände der Expo 2020 im Süden Dubais ein Ökosystem für die Menschen, aber auch für Unternehmen kreieren: Eine globale Drehscheibe für Inspiration und Aktivität werden, die weiter besteht, wenn die Weltausstellung 2021 schließt.“ Marjan Faraidooni, Senior Vice President bei der Expo 2020.“
Marjan Faraidooni, Senior Vice President bei der Expo 2020.

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