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DIGITALES MARKETING

Von Mack und Muck und Facebook

Soziale Medien schaffen Aufmerksamkeit und sind ein Marketing-Tool für Veranstaltungen. Claudia Bauhuber von Accor Hotels Deutschland rät, auf die Kompetenz der Digital Natives zu setzen.

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ie sozialen Netzwerke sind in Entenhausen angekommen.  Im
„Lustigen Taschenbuch“ 488
 vom Dezember 2016 dreht sich alles um Faceduck, Zwitscher und Duckagram: Donald Duck postet peinliche Bilder auf Faceduck und verbreitet versehentlich Betriebsinterna aus dem Unternehmen seines Onkels Dagobert. In einer anderen Geschichte legt ein Ganove ein Zwitscherprofil unter dem Namen Micky Maus an und treibt mit der geklauten Identität allerhand Schabernack. Und Goofy muss sich mit Smartphone und Internet erst einmal vertraut machen. Eines haben all die Geschichten aus der Welt der Social Media in Entenhausen gemeinsam: Am Ende sind es stets die Digital Natives Tick, Trick und Track oder Mack und Muck, die helfen und die Probleme lösen.

Ein Lehrstück für Messen und Kongresse? Claudia Bauhuber, Director Social Media & Community Management bei Accor Hotels Deutschland, empfiehlt Unternehmen der Veranstaltungsbranche, digital affine Personen ernst zu nehmen: „Ob das in den Strukturen einer mittleren oder oberen Führungsebene ist oder in sonstigen Organisationseinheiten. Der Einfluss der jungen Zielgruppen ist aktuell durch die digitale Transformation sehr groß, denn die Digital Natives sind mit digitalen Gewohnheiten aufgewachsen und haben gelernt, sich diese zu Nutze zu machen.“ Dadurch gebe es zum einen eine Vielzahl an Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten und zum anderen digitale Tools, die als Informationsquellen dienen. „Die Messe- und Kongresswirtschaft muss sich auf die neuen Anforderungen der Digital Natives in Form von offenen Formaten zum Austausch, aber auch kürzerem Buchungsverhalten und eine transparente Live-Kommunikation einstimmen.“

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Selfiiiieee: Und ab damit auf Facebook, oder? Social Media dient aber nicht nur der Selbstdarstellung.
FOTO: CES
Bauhuber erklärt, wie Accor Hotels Deutschland die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten nutzt: „Die größte Community im deutschsprachigen Raum pflegen wir auf Facebook.“ Alle Corporate-Meldungen werden über Twitter geteilt, via LinkedIn und Xing/kununu wird über job-Angebote informiert. „Für unsere Aktivitäten im Bereich Blogger und Influencer Relations agieren wir vor allem auf Instagram. Mit Snapchat möchten wir vorrangig die junge Zielgruppe erreichen, um auf unsere Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen.“ Ein breites Feld.

Messe- und Kongressveranstalter finden ihre Zielgruppen vor allem auf den B2B-relevanten Plattformen wie Xing, LinkedIn und Twitter, ist Bauhuber überzeugt. „Ich möchte aber nicht ausschließen, dass auch Facebook für die Kommunikation auf Messen und Kongressen genutzt werden kann. je nach Zielgruppe ist hier das beste Targeting möglich, um auf eine Veranstaltung aufmerksam zu machen.“ Außerdem sei die Live-Kommunikation vor Ort ein immer wichtiger werdender Faktor, um Aufmerksamkeit zu generieren. Die Redaktion der tw tagungswirtschaft hat dies mit ihrer Live-Berichterstattung zur Messe Best of Events (BOE) International in den Westfalenhallen Dortmund getestet und Videos, Fotos und Posts geteilt. Die nackten Zahlen: Über Twitter und Facebook wurde am 18. und 19. Januar 2017 kumuliert eine Reichweite von etwas über 15.000 erzielt. Anhand der Tatsache, dass der zur Messe gehörende Hashtag #BoE17 zwischenzeitlich Platz 1 der deutschen Twittertrends belegte, lässt sich allerdings ableiten, dass mit der erzielten Reichweite auch einiges an Aufwand verbunden war.

Die tw tagungswirtschaft hat die sozialen Medien während der Messe genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. Veranstalter sollten diese Plattformen vor allem für das eigene Marketing nutzen: „Aus meiner Sicht ist digitales Marketing für Veranstaltungen unabdingbar. Gerade große Kongresse können es sich nicht mehr leisten, rein offline zu agieren. Zielgruppen – sowohl neue als auch erfahrene Kunden – informieren sich zunehmend über digitale und soziale Medien“, so Claudia Bauhuber.

SOCIAL MEDIA MANAGERIN

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FOTO: ACCOR HOTELS
Claudia Bauhuber verantwortet bei AccorHotels als Director Social Media & Community Management Central Europe alle Social-Media-Aktivitäten in Deutschland, Österreich & Schweden. Dazu gehören sowohl Community Management, die Beratung der ca. 400 Hotels für Facebook, Instagram, Snapchat (ein Kanal, der unter anderem auch von Auszubildenden bespielt wird), Twitter usw. als auch die Bereiche Influencer Relations, Social Media Monitoring und Social Customer Care. Bauhuber tritt als Speakerin auf Konferenzen (z.B. Year of the X) auf und setzt sich bei den Digital Media Women für die Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalwirtschaft ein.

Robin Lokerman, Group President der internationalen Veranstaltungsagentur MCI und Dekan der „Incon University“ (einer jährlich stattfindenden Weiterbildungsplattform im Bereich des Konferenzmanagements) berichtet von einem Beispiel eines internationalen Medizin-Kongresses. Neben klassischem E-Mail-Marketing und SEO-Maßnahmen für die Website des veranstaltenden Verbandes wurden auch strategisch die Social-Media-Plattformen des Verbands bespielt, um auf den Kongress hinzuweisen. Über dieses Tool erzielte MCI eine Reichweite von 45.000 im Vorfeld der Veranstaltung. Der Lohn: Insgesamt 6.000 Gäste, die erstmals die Konferenz besuchten. „Grundsätzlich ist Social Media der Grundstein für eine erfolgreiche Rundum-Digital- Marketing-Kampagne. Soziale Netzwerke können nicht nur die Medienpräsenz und die Markenbekanntheit erhöhen, sondern eben auch die Anzahl der Teilnehmer“, so Lokerman über Digital-Marketing-Strategien im Zuge von Konferenzen.

Claudia Bauhuber ist überzeugt, dass sich die Digitalisierung noch in ganz anderen Formen nachhaltig auf Messen und Kongressen auswirken wird. „Während Veranstaltungs-Tickets von digitalen Treff en bereits jetzt via Eventbrite, Xing-Events & Co. distribuiert werden, sind vor allem Barcamps, Fishbowl-Panel, Pecha Kucha oder Fuck-up Nights die neuen Veranstaltungsformate, die die Digital Natives interessieren. Meistens werde ich dabei von meinen Social Graph – sprich meinen Freunden in Social Media oder relevante Blogs – darauf aufmerksam und weniger über große Veranstalter.“ Das wäre für die Veranstalter doch mal ein Anlass, sich von Mack und Muck helfen zu lassen. CHRISTIAN FUNK
 

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„Aus meiner Sicht ist digitales Marketing für Veranstaltungen unabdingbar.“
Claudia Bauhuber

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