Wie finde ich das? Image 1

KOLUMNE

Wie finde ich das?

I
ch kümmere mich um Events, Konzerte, Konferenzen und verschiedenste Veranstaltungen. Als Veranstalter kennt ihr das: Wenn das Event einmal angefangen hat, ist es schnell vorbei. Wie ein Schnellzug rauscht das lange und umfangreich organisierte „Ding“ an einem vorbei. In den wenigsten Fällen hat man selber Spaß dabei. Kleine und große Katastrophen passieren in einer Regelmäßigkeit. Doch mit welcher Haltung gehen wir an die Durchführung unserer Events? Die Basics sind klar: Der Laden muss laufen. Speaker, Künstler oder Politiker werden in Szene gesetzt. Der Ort soll einen gewissen Glanz ausstrahlen, die Verpflegung muss stimmen und die TeilnehmerInnen sollen vom Event so beeindruckt sein, dass sie darüber in ihren Social-Media-Kanälen positiv berichten, und dass sie wiederkommen. Willkommen im Hamsterrad! Doch was wäre, wenn wir eine Veranstaltung organisieren würden, auf die wir auch selber gerne gingen? Es klingt einfach: Wir organisieren etwas, das uns auch ansprechen würde, und dann… Oh wait: Das Thema ist am Markt ausgerichtet, die Location gesetzt, die Partner reden mit, der Vertrieb hat sich schon so viel Mühe gemacht, und wir machen ja eigentlich „nur“ unseren Job.

Doch wie organisiere ich eine Veranstaltung, auf die ich auch selber gehen würde? Ich bereite etwas vor, und damit muss ich es ja auch gut finden, oder? Ganz ehrlich ist man da wohl nicht mit sich, denn die Zwänge, in denen Veranstalter stecken sind enorm. Immer wieder erfahre ich Verwunderung, wenn ich zum „Erfolgsrezept“ der re:publica befragt werde. Die Aufenthaltsqualität, die wir durch unsere persönliche Perspektive schaffen, ist der Schlüssel! Sie ist unsere Richtschnur bei der Frage: Wie fühlt sich das an? Wenn man sich auf diese Fragestellung eingelassen hat, wird es komplex! Denn es geht ja nicht um das Offensichtliche oder Naheliegende. Es geht für uns jedes Jahr darum, eine völlig neue Erfahrung für die BesucherInnen zu schaffen. Dazu gehört das komplett eigenständige Design. BesucherInnen können anhand eines Fotos leicht das Jahr der Veranstaltung feststellen. Derart bieten wir ihnen immer wieder eine neue Leinwand, auf die sie ihre Erfahrungen und Kontakte verankern können. Zur Aufenthaltsqualität gehört auch, dass wir Nischen und Freiräume lassen, die die TeilnehmerInnen selber füllen können.
           
Wie finde ich das? Image 2
Vor der Papierrolle „Moby Dick“ treffen sich auf der re:publica 2019 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r.) und Andreas Gebhard.
FOTO: RE:PUBLICA, STEFANIE LOOS
Andreas Gebhard ist Geschäftsführer und Mitgründer der re:publica in Berlin, mit über 10.000 Teilnehmern Deutschlands größte Konferenz für die digitale Gesellschaft. Als Kolumnist der tw tagungswirtschaft schreibt er als Veranstalter, was ihn gerade beschäftigt.

Menschen sind neugierig! Nicht nur durch immer wieder neue Designs regen wir unsere Gäste an, sondern durch viele Dinge zum Ausprobieren. Bestes Beispiel ist unser „Bällebad“ mit grünen Plastikkugeln, die via App (Greenscreen!) mit eigenen Bildern bespielt werden können. Was für eine Verknüpfung von Spiel und Technologie! Natürlich muss diese Freiheit in einen Rahmen gebracht werden. Für die re:publica definiert diese unser „Code of Conduct“. Er regelt den Aufenthalt von Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Herkunft, denn für freie Entfaltung braucht es persönliche Sicherheit. An dieser Stelle wollte ich euch einen Einblick geben, was es bedeutet immer wieder darüber nachzudenken: Wie finde ich das? Das darf nie enden. Deshalb erfinden wir uns bei der re:publica immer wieder neu – und kommen auch immer wieder selber gerne!
„Die Aufenthaltsqualität ist der Schlüssel.“
Andreas Gebhard,
CEO und Mitgründer re:publica
Datenschutz