Editorial

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reta Thunberg fliegt nicht zum UN-Klimagipfel nach New York, sie segelt. „A race we must win – climate action now” steht auf den Segeln der Rennjacht „Malizia II“, daneben sind die Farben der 17 Sustainable Development Goals der United Nations zu sehen. Die Medien berichten. Sie bringen Nachhaltigkeit auf ihre Titelseiten und uns zum Nachdenken: Wohin reisen wir? Und wie? Und muss das sein?

Für die Tagungsindustrie ist das eine Überlebensfrage. Bisher fliegen wir wie selbstverständlich durch die Welt, fliegen Menschen zu allen möglichen Anlässen ein. Angekommen, egal wo, setzen wir uns in das Taxi oder den Bus, der bei laufendem Motor unsere Wohlfühltemperatur regelt. Nur was wird, wenn das Klimagewissen die Teilnehmer plagt, ihnen überfüllte Flüge, Züge und verstopfte Straßen die An- und Abreise vergällen?

In aller Welt wird an der Mobilität der Zukunft gearbeitet, aber autonom fahrende Autos und Sharing-Modelle – ob Car, Bike oder Roller – sind nur so gut, wie wir unser Verhalten ändern und umsteigen. Laut der Umfrage zum Deutschen Mobilitätspreis würden nur 33 Prozent der Befragten auf ihr Auto verzichten und Sharing-Angebote nutzen. 62 Prozent nicht. Und das, obwohl ihr Auto 23 Stunden am Tag nicht fährt, sondern steht.

Hier müssen die Veranstalter von Kongressen und ihre Gastgeberstädte vorangehen und Alternativen vorstellen, damit sie nicht Teil des Problems, sondern der Lösung sind. Etwa die Nutzung des „ioki Hamburg Shuttle“ prämiert mit dem Deutschen Mobilitätspreis 2019. Nach der Bestellung per App setzt ein Algorithmus Fahrgäste mit ähnlicher Route zusammen. Die Hamburger bringen etliche Innovationen auf die Straße – schließlich naht der ITS-Weltkongress 2021 (Intelligent Transport Systems). Seine Themen wie automatisiertes und vernetztes Fahren bestimmen auch die Internationale Automobil Ausstellung (IAA).

„Die gesamte Automobilindustrie transformiert sich und auch das gesamtgesellschaftliche Verständnis von Mobilität wandelt sich stärker denn je“, sagt Dr. Martin Koers, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Diese neue Mobilität will die IAA mitgestalten. Muss sie auch, sonst wird sie nicht mehr gebraucht. Mercedes etwa senkt sein Standbudget und steckt sein Geld in einen eigenen Kongress. Auf der „me Convention“ wollen die Stuttgarter weg von der Einweg-Kommunikation in den Dialog gehen. Für die 3.000 Teilnehmer hat das Frankfurt Convention Bureau ÖPNV-Tickets gesponsert. Jutta Heinrich reagiert damit auf die zunehmende Bedeutung der Nachhaltigkeit im Tagungsgeschäft. Für Koers hält sie hoffentlich ein Ticket bereit, denn er nutzt für jeden Anlass das effizienteste Verkehrsmittel. In Frankfurt sind das S- und U-Bahnen.
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KERSTIN
WÜNSCH

Chefredakteurin
tw tagungswirtschaft
wuensch@tw-media.com
   
FOTO: DFV MEDIENGRUPPE
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