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SCHIFFE UND CLUBS

Kurs auf das Klima

Die Klimadiskussion stellt das Reisen in Frage. Der Beliebtheit von Kreuzfahrten tut das bisher keinen Abbruch, aber die Reeder wissen, dass sie etwas für die Umwelt tun müssen. Das gilt für die „schwimmenden Clubs“ ebenso wie für die Clubs an Land. Sind doch Meere wie Berge Teil ihres Geschäftsmodells.

G
reta Thunberg fliegt nicht zum UN-Klimagipfel nach New York, sie segelt. „A race we must win – climate action now” steht auf den Segeln der Rennjacht „Malizia II“, daneben die Farben der 17 Sustainable Development Goals der United Nations. Alle Medien berichten darüber. Sie bringen Nachhaltigkeit auf ihre Titelseiten. Der Spiegel etwa mit „Der Kreuzfahrt-Wahnsinn – Schiffe verschmutzen Luft und Ozeane“. Gretas Segeltörn betrachtet Peter Cramer als „eine tolle Aktion, um auf das Thema Nachhaltigkeit weiter aufmerksam zu machen.“ Der Geschäftsführer von „PeC – Kontor für Kommunikation“ verfolgt die Klimadiskussion genau, denn er veranstaltet das „MICE Boat“ an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Mary 2.

Das nächste Mal sticht das MICE Boat von Hamburg nach Southampton in See. Unter den 2.691 Passagieren an Bord des Luxusliners werden vom 1. bis 3. November 2019 rund 100 Eventplaner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sein, die internationale Veranstaltungen durchführen, sowie ihre Dienstleister aus verschiedenen Ländern.

Zum Konflikt Klima und Kreuzfahrten kommen laut Cramer von den Teilnehmern keine kritischen Fragen. Und außerdem meint er: „Kreuzfahrtschiffe machen nur einen kleinen Anteil der Schifffahrt aus, bieten sich aber für eine mediale Diskussion besser an als die vielen Fracht- und Containerschiffe oder etwa Cargo-Flugzeuge voll beladen mit bequem online bestellter Ware von Amazon und Co.“

Dem Tourismusindex des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) zufolge zeigt der Klimawandel bisher keine Wirkung auf das Reiseverhalten. Im Gegenteil: Von Januar bis April 2019 haben die Deutschen 25 Prozent mehr Reisetage als im Vorjahr auf einem Kreuzfahrtschiff verbracht. Waren es vor zwanzig Jahren nur ungefähr 300.000 deutsche Passagiere, sind es 2018 rund 2,23 Millionen. Dennoch haben Kreuzfahrten nur einen kleinen Anteil am internationalen Reiseaufkommen: 2018 machten 28,5 Millionen Menschen weltweit eine Kreuzfahrt, laut dem UNWTO World Tourism Barometer 2018 sind das zwei Prozent der weltweit Reisenden. Wegen ihrer schlechten Klimabilanz jedoch und ihrer Präsenz geraten Kreuzfahrtschiffe in den Fokus der Öffentlichkeit.
       

MICE BOAT

Das „MICE Boat“ an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Mary 2 sticht erneut von Hamburg nach Southampton in See. Am 1. November 2019 legt das MICE Boat in Hamburg ab, der Folgetag ist ein Seetag zum Networking, der 3. November Ankunftstag in Southampton. Unter den 2.691 Passgieren an Bord des Luxusliners sind rund 100 Eventplaner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die internationale Veranstaltungen durchführen, sowie ihre Dienstleister aus verschiedenen Ländern. Für qualifizierte Veranstaltungsplaner ist die Teilnahme kostenfrei. www.miceboard.com/event/the-mice-boat
              
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Die AIDAnova ist das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das mit Flüssiggas (LNG) betrieben wird.
FOTO: AIDA CRUISES

Der Branchenverband Cruise Lines International Association (CLIA) und seine Mitgliedsreedereien wollen als Teil des Tourismus- und Schifffahrtssektors ihren Teil zum Umwelt- und Meeresumweltschutz beitragen. Schließlich sind der nachhaltige Umgang mit den Meeren und attraktive Reiseziele nicht nur wichtige Umweltziele, sondern schlicht die Voraussetzung für ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Für 22 Mrd. US-Dollar sind neue Kreuzfahrtschiffe mit umweltfreundlicherem LNG-Antrieb bestellt, die geringere Emissionen und eine höhere Energieeffizienz versprechen. 111 Kreuzfahrtschiffe sind bereits mit Abgasnachbehandlungssystemen ausgestattet. „Die Forschung innerhalb des Kreuzfahrtsektors und erhebliche Investitionen in neue Technologien sind entscheidende Komponenten für die Marktfähigkeit und Serienreife dieser modernen Technologien für die gesamte Schifffahrt“, weiß Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland. In den letzten 20 Jahren hat die Kreuzfahrtbranche den Treibstoffverbrauch um 70 Prozent gesenkt und sich verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren.

Das weltweit erste Kreuzfahrtschiff mit Hybridantrieb, die MS Roald Amundsen, hat am 3. Juli 2019 seine Jungfernfahrt in Tromsø angetreten. Mit an Bord das Science Center, ein Forschungszentrum mit moderner Ausrüstung und Ort für lehrreiche Aktivitäten. Das neue Flaggschiff der Reederei Hurtigruten soll durch den innovativen Antrieb 20 Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen. Es ist das erste von drei Schiffen, die mit Fokus auf Klimaund Umweltfreundlichkeit gebaut werden. 2020 soll die MS Fridtjof Nansen vom Stapel laufen. Die Postschiffe im Liniendienst beispielsweise nach Norwegen, Grönland, Island oder Spitzbergen sind für Meetings und Incentives nutzbar.

Neben Hurtigruten bemühen sich andere Reedereien um Nachhaltigkeit wie AIDA Cruises. Mit der Meyer Werft haben die Rostocker das weltweit erste Kreuzfahrtschiff gebaut, das mit Flüssiggas (LNG) betrieben wird, und 2018 in den Dienst gestellt: die AIDAnova. Flüssiggas ist bislang der emissionsärmste Treibstoff für Schiffe. Seine Nutzung vermeidet die Emissionen von Feinstaub und Schwefeloxiden nahezu vollständig und verringert den Ausstoß von Stickoxiden und CO2-Emissionen. Mit weiteren technischen Innovationen hat die AIDAnova die Jury des Blauen Engels überzeugt. „Wir freuen uns sehr über diese Würdigung unseres langjährigen Engagements zum Schutz der Meeresumwelt und der Verringerung von Emissionen“, erklärt AIDA-Präsident Felix Eichhorn zur Verleihung des Blauen Engels durch Vertreter des Umweltbundesamtes und der Jury. Eichhorn ergänzt: „Bis 2023 werden wir zwei weitere dieser innovativen Kreuzfahrtschiffe in Dienst stellen.“

Auch in anderen Bereichen will AIDA Cruises einen Beitrag zur Energiewende leisten. Seit 2017 bezieht die AIDAsol grünen Landstrom in Hamburg-Altona. Bis Ende 2020 sollen zwölf von 14 AIDA-Schiffen Landstrom aus regenerativen Energien nutzen. Die Reederei will an den für 2020 geplanten Landstromanlagen in Kiel und Rostock den Testbetrieb aufnehmen. 2023 sollen 94 Prozent aller AIDA-Passagiere auf Schiffen reisen, die mit emissionsarmem Flüssiggas oder im Hafen mit grünem Landstrom betrieben werden.
           

„KOMPLEXE ZUSAMMENHÄNGE“

Peter Cramer ruft zum Boarding beim Networking-Event MICE Boat an Bord der Queen Mary 2 auf.FOTO: MICE BOAT
Peter Cramer ruft zum Boarding beim Networking-Event MICE Boat an Bord der Queen Mary 2 auf.
FOTO: MICE BOAT
Peter Cramer, Veranstalter des MICE Boats, über den Konflikt Kreuzfahrten und Klimafolgen.

tw: Greta Thunberg fliegt nicht zum UN-Klimagipfel nach New York, sie segelt. Wie finden Sie das?
Peter Cramer: Super! Tolle Aktion um auf das Thema weiter und breiter aufmerksam zu machen.

Die Bewegung „Fridays for Future“ und Hitzewellen in Europe entfachen die Diskussion um den Klimawandel und hinterfragen umweltunfreundliche Reiseformen wie Flüge oder Fahrten mit Kreuzfahrtschiffen. Wie stehen Sie dazu?
Positiv! Von Hamburg bis runter nach Frankfurt, nehme ich Termine ausschließlich mit der Bahn war. Es sind stets komplexe Zusammenhänge, die in der Klimadiskussion betrachtet werden sollten. Kreuzfahrtschiffe machen nur einen kleinen Anteil der Schifffahrt aus, bieten sich aber für eine mediale Diskussion besser an als die vielen Frachtund Containerschiffe, aber auch Flugzeuge voll beladen mit bequem online bestellter Ware von Amazon und Co. Auch der neue Hybrid-PKW aus Asien wird vielleicht nicht sonderlich umweltfreundlich über die Meere geschippert. Leider bestreiten einige Politiker im In- und Ausland den Klimawandel. Hier hoffe ich, dass Bewegungen wie „Fridays for Future“ die Menschen aufwecken und dazu beitragen, diesen Politikern bei den nächsten Wahlen die rote Karte zu zeigen.

Kommen denn seitens Ihrer Teilnehmer des MICE Boats auf der Queen Mary 2 oder anderer Meeting Professionals hier kritische Fragen?
Nein, gar nicht.

Was macht Events auf See so besonders, dass man mögliche Klimafolgen rechtfertigen kann?
Alles, was mögliche negative Klimafolgen mit sich bringt, lässt sich schwer rechtfertigen. Genauso ließe sich fragen: Was macht Events an Land so besonders, dass sie mögliche Klimafolgen rechtfertigen? Ich denke da z.B. an den Formel-1-Zirkus oder an eine MICE-Messe im fernen Las Vegas, die in Europa um Hosted Buyer wirbt, obwohl die Messe auch in Frankfurt stattfindet. Was rechtfertigt die Flugreisen in die USA? Da vermisse ich ein kritisches Hinterfragen. Events sind etwas Besonderes, wenn sie damit glänzen, was gute Events ausmachen: emotional, einzigartig, wertvoll und nachhaltig in den Köpfen der Teilnehmer wirkend. Sie sollten ihre Ziele erreichen und das effizient. Das gelingt uns ausgezeichnet mit dem MICE Boat auf der Queen Mary 2.
KERSTIN WÜNSCH
              
                     


Auf sämtlichen Schiffen der Flotte reisen Konferenzräume mit. Die Schwesterschiffe AIDAaura und AIDAvita tragen sogar das „Certified Conference Ship“-Siegel von „Certified“ und sind 54 Prüfkriterien durchlaufen, darunter die professionelle Veranstaltungsbetreuung, zusätzliche Gruppenarbeitsräume und eine moderne Standardausstattung. Die Prüfung hat Holger Leisewitz, Conference & Event Manager bei Beiersdorf, abgenommen. Der Chefprüfer fasst zusammen: „AIDA bietet mit seinen modernen Schiffen ein tolles Angebot, ein unvergessliches Tagungs- und Veranstaltungserlebnis zu kreieren in Kombination mit einem attraktiven Preis- und Leistungsverhältnis.“

Tagungsplaner, die sich für die „schwimmenden Clubs“ und Clubs an Land entscheiden, schätzen – bis auf die Seereise – ähnliche Vorteile: Den Abstand vom Alltag, die Arbeit mit Vergnügen und die Tatsache, dass sie tagen und sich unterhalten lassen können, schlafen und essen können und das alles unter einem Dach. Die Kostentransparenz ist bei „All-Inclusive“-Pauschalen gegeben und der Preis pro Tag und Teilnehmer nicht unbedingt höher, als wenn alle Leistungen von der An- bis zur Abreise eingekauft werden müssen.

Wer zeitlich flexibel ist und kurz entschlossen, profitiert bei Club Med in ausgewählten Resorts bis Jahresende von Preisermäßigungen. Im „Club Med Marrakesch La Palmeraie“ kostet eine Übernachtung pro Person im Doppelzimmer mit All-Inclusive Verpflegung ab 112 Euro – verfügbar für bis zu 300 Personen. Die Clubanlage bietet sieben Tagungsräume und Angebote für Teambuilding-Aktivitäten. Im „Club Med Opio en Provence“ in Südfrankreich beginnt der All-Inclusive-Preis vom 15. November bis 20. Dezember 2019 pro Person und Tag bei 139 Euro (Verfügbarkeit bis 400 Personen). Im neuen Konferenzzentrum mit 30 modernen Räumen haben knapp 600 Personen Platz. Zu den 65 Club-Resorts in 26 Ländern kommt im Mittelmeer ein Segelschiff hinzu, die „Club Med 2“. Ob auf dem Fünfmaster oder an Land wirbt „Club Med Meetings & Events“ mit über 40 Jahren Erfahrung.

Bei Aldiana begleiten Eventmanager geschulte Mitarbeiter der Gruppenabteilung; von der Anfrage bis zur Abwicklung vor Ort. Ein Ansprechpartner ist in Kontakt mit den Kollegen im Club, die Entertainment-Teams helfen bei der Umsetzung der Kundenwünsche. Als besonderen Service unterbreitet Aldiana Pauschalangebote für Gruppen: Zu Unterkunft, Tagungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten erhalten Kunden auf Wunsch Flug und Transfer in einem Komplettpaket. Seit 2019 setzt Aldiana verstärkt auf das MICE-Geschäft. „Meetings und Incentives bei Aldiana sind die perfekte Art, Arbeit mit Vergnügen zu kombinieren“, sagt Stephanie Kubik, Leiterin MICE bei der Aldiana. Gruppen sind mindestens zehn vollzahlende Gäste mit gleicher Leistung.
                  
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Meetings und Incentives bei Aldiana kombinieren Arbeit mit Vergnügen.
FOTO: ALDIANA GMBH

Besonders in den drei Aldiana Clubs in Österreich lassen sich Tagung und Team-Ausflug kombinieren. Im Aldiana Club Hochkönig, mitten in den Alpen in Mühlbach, etwa ein Ski-Incentive mit einer Tagung, da der Mindestaufenthalt nur zwei Nächte beträgt. Der Aldiana Club Ampflwang in Oberösterreich bietet ein Tagungszentrum mit neun Räumen und eine Multifunktionshalle für 500 Personen. Der Terrassenzugang ist Ausgangspunkt für Workshops in der Natur, Incentive- oder Teambuilding-Programme wie Führungskräfte-Trainings mit Pferden, Bogenschießen oder Stockschießen und für größere Gruppen Teamevents wie Drachenboot-Bauen oder Geo-Caching-Touren.

Der Aldiana Club Costa del Sol in Spanien gilt als „Top Seller im MICE Bereich“ in Strandlage mit fünf Räumen für bis zu 350 Personen. Das Golf Clubhaus bietet Platz für 500 Gäste am Meer, der Beachclub für 300. Kleine Gruppen lädt das Restaurant „La Fista Beach by Frank Rosin“ zum Get-Together ein mit Blick auf Gibraltar. Erst im Juni hat der Aldiana Club Calabria in Süditalien eröffnet. Die kurze Flugzeit und seine gute Erreichbarkeit machen den Club attraktiv für Firmenevents für zwei bis drei Nächte. Das Theater mit 400 Plätzen ermöglicht dank einer LED-Wand auch anspruchsvollere Präsentationen. Der Beachclub für 150 Gäste lockt mit „Sea Breeze Partys“ unter freiem Himmel ein.

Die Lage in der Natur verpflichtet, weshalb Nachhaltigkeit für Aldiana ein sehr wichtiges Thema ist. In den Clubanlagen wird auf Produkte aus der Region zurückgegriffen, lange Transportwege werden vermieden. Seit April läuft das Projekt „plastikfrei“. Getränke in Einweg-Plastikflaschen werden durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt und so bis zu 225.000 Plastikflaschen eingespart. Pilot ist der Aldiana Club Andalusien: Bei Anreise im erhalten die Gäste eine Mehrweg-Trinkflasche aus Tritan, auffüllbar an elf Wasserspendern. Bei Abreise können die Trinkflaschen mit Aldiana-Logo als Erinnerung mitgenommen und weitergenutzt werden.

„Bereits seit vielen Jahren servieren wir unseren Gästen zu den Mahlzeiten Wasser ausschließlich in Glaskaraffen und zählen damit in Sachen Nachhaltigkeit zu den Vorreitern in der Hotellerie“, berichtet Stefanie Brandes, Geschäftsführerin von Aldiana. „Mit unserem neuen Konzept ‚plastikfrei‘ tragen wir in großem Maße zur Müllvermeidung bei.“ Ihr Ziel ist es, das Projekt „plastikfrei“ bis zum nächsten Geschäftsjahr auf bis dann alle zehn Aldiana Club Resorts auszurollen.
KERSTIN WÜNSCH
                   
https://www.miceboard.com/event/the-mice-boatwww.aida.dewww.meetings-events-clubmed.dewww.aldiana.com/de-de/gruppen
„Alles, was mögliche negative Klimafolgen mit sich bringt, lässt sich schwer rechtfertigen.“
Peter Cramer,
Veranstalter des MICE Boats
AIDAaura und AIDAvita tragen das „Certified Conference Ship“-Siegel.
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