„Vir“-Gefühl Image 1

VIRTUAL REALITY

„Vir“-Gefühl

Virtual Reality begegnet man bei Messen und Konferenzen noch nicht regelmäßig. Dabei ist es genau das, was sich Millennials auf Veranstaltungen wünschen. Der Schlüssel liegt in der Weckung von Emotionen.

V
irtual Reality wird seit Jahren als das „Next Big Thing“ in der Veranstaltungswelt angepriesen. Doch in der Praxis lassen sich virtuelle Erlebnisse für Gruppen auf Veranstaltungen nur sehr schwer umsetzen. „Häufig ist das Problem, dass – wenn man ein virtuelles Gruppenerlebnis inszenieren möchte – die Gäste nicht das Gefühl haben, Teil einer Gruppe zu sein. Durch die Kopfhörer, die in der Regel genutzt werden, erleben die Teilnehmer eine virtuelle Inszenierung isoliert für sich selbst“, sagt Axel Steinkuhle, CEO des Technologie-Unternehmens Evrbit. „Auf Veranstaltungen funktioniert Virtual Reality meiner Meinung nach aber am besten, wenn sie als Gruppe gemeinsam erlebt wird. Denn Menschen lieben es, ihre Emotionen und damit ein einmaliges Erlebnis zu teilen.“


Der „Trigger“ Emotion war die Herangehensweise für die Lösung VR Sync, die Evrbit für Veranstaltungen entwickelt hat. Durch Audio- und Video-Synchronität unterstützt VR Sync die Wirkung einer Geschichte in der virtuellen Welt. „Nichts verbindet ein Publikum mehr als miteinander geteilte Gefühle. Emotionen machen ein Event erst zu einem unvergesslichen Ereignis“, erklärt Steinkuhle.

Da die Lösung ohne Kopfhörer und ohne Kabel funktioniert – der Surround-Sound wird über eine Anlage gesteuert – lässt sich im sogenannten VR Sync Cinema eine „emotionale Atmosphäre“ schaffen, wie der Evrbit-CEO erläutert. „Der Bezug zum Raum bleibt bestehen, weil ich die anderen Teilnehmer ebenfalls höre und deren Reaktionen wahrnehme, die Anspannung spüre. Das Erlebnis wird so um eine komplette Dimension erweitert.“ Das Unternehmen versucht Virtual Reality durch simultanes Hören und Sehen als Gemeinschaftsgefühl zu inszenieren. Steinkuhle ist von diesem Weg überzeugt: „Wir erschaffen ein emotionales Gemeinschaftserlebnis, das Menschen inspiriert, es in ihren persönlichen Netzwerken zu teilen. Mit den maßgeschneiderten Präsentationslösungen für Virtual Reality sorgen Marketeers für Gespräche und sichern ihrer Marke einen bleibenden Eindruck. Das was wir machen, ist in dieser Form weltweit einzigartig.“ Genutzt wurde die Lösung das erste Mal auf der re- :publica 2016 und wird seitdem von Unternehmen wie Telekom, Porsche oder Danone für Produktpräsentationen, Recruiting oder Incentives eingesetzt.

Die Lösung ist skalierbar, das heißt für 20 Zuschauer genauso nutzbar wie für 1.000 und kompatibel mit jeder Soundanlage. Zudem lassen sich Klang- und Duftwelten sowie weitere haptische Erlebnisse synchron zuschalten. Steinkuhle: „Unser Ziel ist es, die analoge mit der digitalen Welt so zu verbinden, als wären sie eine. Durch die reale Wirkung lassen sich Emotionen wecken. Wenn das gelingt, ist Virtual Reality ein absoluter Mehrwert für Veranstaltungen.“

„Vir“-Gefühl Image 2
Auf dem Handelsblatt-Autogipfel in Sindelfingen erleben 500 Teilnehmer eine Präsentation von Ford in Virtual Reality.
FOTO: EVRBIT

Das deckt sich mit den Ergebnissen einer gerade veröffentlichten Untersuchung der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. In Kooperation mit der Messe Frankfurt haben Studierende der EBS untersucht, was sich Millennials – und damit potenzielle zukünftige Messeteilnehmer – von Messen der Zukunft wünschen. Das Resultat: Messen sollten sich noch stärker zu (emotionaleren) Events entwickeln, die man unter keinen Umständen verpassen will, oder im Fachjargon: „FOMO“ (Fear of Missing Out). „Veranstalter sollten sich das ,FOMO-Prinzip‘, also die Angst, etwas zu verpassen, zunutze machen und Messen so gestalten, dass Besucher und Aussteller unbedingt Teil dieser Gemeinschaft sein möchten – und das bestenfalls vor, während und nach der Messe“, schlussfolgert Prof. Dr. Diane Isabelle Robers von der EBS. Hochkarätige Redner und der Einsatz von Virtual sowie Augmented Reality seien Programmpunkte, die Millennials sich auf Messen wünschten.

Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) gelten als wichtige Zukunftstechnologien. 
Eine Studie des Forschungsunternehmens Ecory aus dem Mai 2017
 prognostiziert in Europa bis zu 480.000 neue Arbeitsplätze in diesem Bereich bis 2020 und eine Steigerung des Produktionswerts von VR und AR zwischen 15 und 34 Mrd. Euro. Die Digital Hub Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat zwölf Kompetenzstandorte in Deutschland ernannt, an denen gezielt Mittelstand und Corporates mit neuen Innovationspartnern aus Wissenschaft und Gründerszene vernetzt werden. Jeder Ort positioniert sich dabei mit einem anderen Branchenschwerpunkt. Beim MediaTech Hub Potsdam stehen als einzigem Hub bundesweit Medientechnologien, Digital Engineering und eben Virtual sowie Augmented Reality im Mittelpunkt.

Die Akteure des MediaTech Hub initiieren und entwickeln eigenständig gemeinsame Leuchtturm-Projekte. Sie zeigen, wie stark der Innovationsschub sein kann, wenn unterschiedliche Branchen gemeinsam und industrieübergreifend an Lösungen arbeiten. Diese Projekte werden bei zukünftigen Veranstaltungen vorgestellt und über die Kanäle der Partner kommuniziert. Damit wird sich der MediaTech Hub Potsdam als einzigartige Anlaufstelle für diejenigen etablieren, die sich für die Zukunft von Medientechnologien, die Möglichkeiten von Virtual Reality und Augmented Reality in Entertainment und Digital Engineering interessieren. Einen besonderen Fokus wird das MediaTech Hub Potsdam dabei auch auf die Kooperation mit der Industrie legen.


Einer der Partner des Konsortiums ist der Virtual Reality e.V. Berlin-Brandenburg. Dessen Vorstandsvorsitzender Stephan Schindler ist der Kopf hinter der VR Now Con & Awards, die gemeinsam mit dem European Film Market (EFM) zur Berlinale 2016 aus der Taufe gehoben wurde. „Ziel der Veranstaltung ist, dass wir das Netzwerk stärken. Die Idee des Vereins ist ja, dass wir ein virtuelles Konglomerat verschiedener Player und auch verschiedener Disziplinen zusammenbringen“, erklärt Schindler. „Und der EFM, bzw. die Berlinale macht besonders deswegen Sinn, weil hier die Player sind, die nicht aus der Technologieszene sind, sondern vom Storytelling her kommen. Das ist ein Element, was sehr wichtig sein wird für die weitere Entwicklung von Virtual Reality“, so Schindler über den interdisziplinären Gedanken hinter der Konferenz. Die nächste VR Now Con & Awards wird am 14. und 15. November in Potsdam stattfinden. Dabei wird es zum einen die Konferenz geben, auf der neue Entwicklungen der Branche, Trends, aufkommende Technologien von Speakern mit unterschiedlichem Hintergrund vorgestellt werden, und zum anderen auch einen Award und eine Ausstellung. Das übergeordnete Ziel der Veranstaltung ist es, Virtual Reality in ihre Anwendbarkeit in Wissenschaft und Wirtschaft in der Entwicklung voranzubringen.


Erste Player der Meetingindustrie wenden virtuelle Erlebnisse inzwischen bereits in der Praxis an. So ermöglicht Leipzig bereits seit 2017 mit der Virtual Site Inspection eine 360-Grad-Darstellung der Leipziger Veranstaltungsräume. Die Kongressinitiative „Feel the spirit… do-it-at-leipzig.de“ hat eine Web-applikation entwickelt, mit der Veranstalter Leipziger Locations in VR interaktiv und individuell erkunden können. Ausgangspunkt der virtuellen Begehung ist das Serviceportal www.do-it-at-leipzig. de. Ausgestattet mit einer VR-Brille oder einem Cardboard landet der User nach einem Klick hoch über den Dächern Leipzigs und kann seinen Blick über die City schweifen lassen. Von verschiedenen Standpunkten aus ermöglichen Panoramen 360- Grad-Ansichten der Stadt und einen Überblick über die Leipziger Locations und Hotels sowie ihre Lage in der Stadt. Nur einen Klick weiter geht es dann auch schon jeweils zu den Anbietern. Die Form der virtuellen Site-Inspection verbreitet sich derzeit schnell. Viele Locations weltweit nutzen Animationen, um Interessenten ihre Räumlichkeiten zeit- und ortsunabhängig zu präsentieren. Wie im Fall des sich im Bau befindlichen Congress Center Hamburg (CCH). Seit 2017 können Besucher im CCH-Showroom eine virtuelle Tour durch das modernisierte Kongresszentrum machen. 360°-Panorama-Bilder und verschiedene Videos zeigen das neue CCH bereits vor Fertigstellung.

Das Darmstadtium hat auf der IMEX in Frankfurt ebenfalls seine virtuelle Site-Inspection vorgestellt. Diese geht allerdings einen Schritt weiter. In Kooperation mit dem Unternehmen vsonix, spezialisiert auf Videoproduktion und Webcast-Lösungen, ist eine Begehung während einer Veranstaltung entstanden. Der virtuelle Besucher schlängelt sich an Kongressteilnehmern vorbei, entdeckt die Räume und sieht beim Bühnenprogramm zu. Vermutlich noch im September wird die VR-Live-Begehung auf der Homepage des Kongresszentrums eingebettet sein. „Damit erweitern wir die Präsentation unseres Hauses um eine emotionale Komponente“, sagt Marketing-Leiter Michael Cordt. Das scheint im Trend zu liegen.   CHRISTIAN FUNK
 

http://mediatechhub-potsdam.dewww.vrnowcon.iowww.virtualrealitybb.orgwww.do-it-at-leipzig.de
„Veranstalter sollten sich das ,FOMO-Prinzip‘ (Fear of Missing Out), also die Angst etwas zu verpassen, zunutze machen.“

Prof. Dr. Diane Isabelle Robers,
EBS Universität für Wirtschaft und Recht

Datenschutz