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„EVENT-FUCKUPS“

Es ist nicht leicht, seine Fehler und Fehlentscheidungen einzugestehen – erst recht nicht, diese mit anderen zu teilen. Fünf Mutige aus der Meetingindustrie trauen sich.
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FOTO: VAGEDES & SCHMID GMBH
„Ich bin jetzt seit ziemlich genau 30 Jahren Unternehmer und weiß, dass Erfolg und Misserfolg oft eng miteinander verbunden sind. Als ich mich mit meiner damaligen Agentur Michael Vagedes Kommunikation während der New-Economy-Phase Ende der 90er Jahre als eine der ersten Eventagenturen einem internationalen Agenturnetzwerk mit großen Plänen anschloss, stand schnell alles unter der Devise „Höher, schneller, weiter“. Expansion mit diversen Niederlassungen um jeden Preis hatte damals oberste Priorität. Meine ursprünglichen Beweggründe für die Selbstständigkeit wie Unabhängigkeit, Wirkungskraft und Gestaltungsdrang gerieten dabei ins Hintertreffen, denn das passte nicht zur Struktur eines Netzwerks. Der Weg zurück ins Modell „Inhabergeführte Agentur“ war für mich daher die logische Konsequenz und aus heutiger Sicht auch die definitiv richtige Entscheidung. Die Quintessenz daraus? Bleibe bei dem, was Dich positiv motiviert, gestehe Dir Fehler ein und korrigiere sie!“
Michael Vagedes, Geschäftsführer Vagedes & Schmid


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FOTO: MESSE BERLIN


„Wir wollen mutige Ideen auch zügig umsetzen und dabei passieren natürlich Fehler. Fest bei mir eingebrannt hat sich eine Erfahrung mit dem CityCube Berlin. Die erste Veranstaltung 2014 folgte quasi direkt auf den Tag der Fertigstellung unseres Kongressgebäudes. Das war ein Fehler, den wir nur mit übermenschlichen Anstrengungen gerade biegen konnten. Am Ende haben wir – wie es in unserem Geschäft nun mal so ist – die Veranstaltung sogar recht gut über die Bühne bekommen. Unserem Anspruch sind wir aber nicht gerecht geworden. So etwas wollen wir weder einem Kunden noch unseren Kolleginnen und Kollegen nochmals zumuten, und das passiert mir mit unserem neuen Veranstaltungsgebäude hub27Berlin, wenn es 2019 eröffnet, definitiv nicht noch mal!“

Dr. Ralf Kleinhenz, Senior Vice President Messe Berlin


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FOTO: PETER LÜHR
„Seit Ende 2014 machte Pegida Schlagzeilen. Ich war damals Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH und musste miterleben, wie unsere Kampagnen ‚Dresden. Gibt dem Winter Glanz‘ und ‚Dresden. Umwerfend anders‘ unglaubwürdig wurden. Ich bekam Post von Menschen, die unsere Werbung nicht nachvollziehen konnten und Dresden plötzlich sehr kritisch sahen. Ich habe es zum einen nicht geschafft, die wichtigen Stakeholder in Stadt und Land von einer einheitlichen positiven Kommunikation nach außen zu überzeugen. Zum anderen war mein Fehler zu denken, mit vorhandenem Personal und Budget würden wir es schon irgendwie schaffen. Die Auswirkungen habe ich unterschätzt. Gelernt habe ich aus der Zeit, erstens offensichtliche Probleme deutlicher zu artikulieren, zweitens einen funktionsfähigen Krisen-PR-Plan zu haben und drittens von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung mehr Unterstützung einzufordern, wenn der eigene Handlungsrahmen begrenzt ist. Sehr geholfen hat mir in dieser Zeit der Austausch mit krisenerprobten Kollegen aus aller Welt.“
Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein GmbH
 
   

Mein teuerster Fehler war die Einführung eines Systems in den 24 Ryokan-Zimmern, in dem der Gast auf dem Fernseher auschecken konnte. Allerdings verloren wir dadurch den direkten Kontakt beim Check-out. Das ist für uns besonders schlecht. Schließlich schreiben wir uns „Wahre Herzlichkeit“ auf die Fahne! Zum Glück hat es kaum ein Gast gemacht. Ich bin auf einige Stammgäste zugegangen und habe sie gefragt, warum sie das nicht nutzen. Die meisten meinten, dass sie lieber (so der O-Ton damals von einigen ;)) noch eine Runde an der Rezeption flirten, bevor sie in ihren Alltag starten. Wir haben das System wieder herausgenommen. Das war mein teuerster Fehler!!!“

Nicole Kobjoll, Direktorin Schindlerhof in Nürnberg



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FOTO: CLEMENS G. SCHILDBERGER
„Wir hatten ein Bidbook fertig und haben es noch einmal unserem lokalen Vertreter der europäischen Gesellschaft geschickt, um noch einmal einen Blick darüber zu werfen und ihn gebeten, das Bidbook dann abzugeben (dachten wir!). Nach der Abgabe-Deadline hörten wir nichts von der europäischen Gesellschaft und haben nachgefragt. Zu unserem Erstaunen wurde uns mitgeteilt, dass Wien keine Bewerbung abgegeben hat. Was war passiert? Unsere E-Mail an den lokalen Vertreter war unklar formuliert, so dass jeder glaubte, dass der andere das Bidbook schickt. Was wir daraus gelernt haben: Seit damals wird von uns immer vor der Deadline gecheckt, ob der Kunde unser Bid auch wirklich bekommen hat – egal, wer es schicken soll – bzw. bei der elektronischen Variante, ob der Download auch wirklich funktioniert hat. Lesson learned: Du bist nicht perfekt und kannst immer besser werden.“
Christian Mutschlechner, Leiter Vienna Convention Bureau
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