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ÖSTERREICH

Im Rampenlicht

Der EU-Ratsvorsitz setzt Konferenzstädte ins Rampenlicht. Europa blickt ein halbes Jahr auf Österreich: Wien, aber auch Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz und Bregenz sind Schauplatz der Konferenzen zur EU-Ratspräsidentschaft.

„E
in Europa, das schützt“: Unter dieses Motto hat Österreich seinen EU-Ratsvorsitz gestellt, der seit 1. Juli noch bis Ende 2018 dauert, also das gesamte zweite Halbjahr. Für die Meetings der EU-Ratspräsidentschaft ist ein Teil des Austria Center Vienna fest gebucht. Dort finden rund 130 Veranstaltungen statt in vom übrigen Kongressgeschehen klar abgetrennten Bereichen. Dr. Susanne Baumann- Söllner, Vorstand des Austria Center Vienna, sagt: „Der Ratsvorsitz ist sicher die größte Veranstaltung, die wir in der gesamten 30-jährigen Unternehmensgeschichte durchführen. Europa wird für ein halbes Jahr auf Österreich und Wien schauen und dabei natürlich auch auf unser Haus – das ist eine sehr große Ehre für uns!“

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Zu Gast im Austria Center Vienna: die EU-Kommission und die österreichische Regierung mit Bundeskanzler Sebastian Kurz.
FOTO: EU2018AT, GRUBER

Mit höchster politischer Beteiligung gehen insgesamt elf Veranstaltungen über die Bühne. Am 6. Juli tagte etwa das Kollegium der Europäischen Kommission zusammen mit der österreichischen Regierung vor Ort. Am 16. und 17. Juli fand ein informelles Treffen der Wettbewerbsminister für die Segmente Binnenmarkt und Forschung statt. Daran nahmen Wirtschafts- und Forschungsminister sowie zuständige Mitglieder der EU-Kommission teil. Dazu kam etwa die informelle Tagung der EU-Finanzminister am 7. und 8. September. Zur größten Veranstaltung während der EU-Präsidentschaft werden an die 6.000 Teilnehmer erwartet. Es handelt sich um die „Imagine Digital – Connect Europe“ (ICT 2018), die größte Forschungs- und Technologie-Veranstaltung der Europäischen Kommission überhaupt. Die ICT wird von 4. bis 6. Dezember 2018 als Kombination aus Konferenz, Ausstellung und Networking sowie als Plattform für die Betreuung der wichtigsten Akteure im Bereich der digitalen Politik im Austria Center Vienna (ACV) stattfinden. Der Zutritt zu den Räumlichkeiten für den EU-Ratsvorsitz im ACV ist nur mit entsprechender Akkreditierung möglich. Die übrigen Bereiche des Austria Center Vienna stehen gleichzeitig anderen Veranstaltern und deren Teilnehmern offen.


Der Leiter des Vienna Convention Bureau, Christian Mutschlechner, berichtet über einige begleitende, jedoch eher kleinere Veranstaltungen, die sich an die EU-Ratspräsidentschaft in der Stadt terminlich andocken. Veranstalter seien zum Beispiel wissenschaftliche Verbände, die im Lobbying gegenüber der EU aktiv sind. „Wien vermittelt in dieser Zeit jedoch nicht den Eindruck, als gäbe es nur die EUPräsidentschaft“, stellt Mutschlechner klar. Er verweist auf zahlreiche parallel zur Ratspräsidentschaft abgehaltene wissenschaftliche Veranstaltungen.

Dazu zählt etwa der Kongress der medizinischen Fachgesellschaft United European Gastroenterology, kurz „UEG Week“. Sie bringt jährlich rund 14.000 Teilnehmer aus rund 120 Ländern zu ihrer fünftägigen Tagung zusammen. Von 2014 bis 2019 richten Wien und Barcelona die Konferenz im Wechsel aus. 2018 sind die Donaumetropole und sein ACV an der Reihe von 20. bis 24. Oktober, parallel zum Veranstaltungsreigen der EU-Ratspräsidentschaft. Dr. Susanne Baumann-Söllner, Vorstand des Austria Center Vienna: „Wir haben in Wien gesehen, welch' enormen Imagegewinn etwa die Stadthalle durch die bravouröse Umsetzung des Eurovision Song Contest 2015 erfahren hat.“ Als internationales Kongresszentrum mache sich schon jetzt während des Ratsvorsitzes ein erhöhtes Kundeninteresse am Haus bemerkbar. „Entsprechend erwarten wir auch im Nachhinein sehr positive Auswirkungen auf das Kongressgeschäft“, so Baumann-Söllner. Das Haus habe durch seine direkte Anbindung an das UN-Headquarter eine lange Tradition als Ort hoher diplomatischer Treffen mit entsprechenden Sicherheitsstandards, so Baumann-Söllner weiter. „Mit 24 Sälen und 180 Meetingräumen können wir die Flexibilität anbieten, die eine so vielseitige Veranstaltung erfordert“, betont sie.



Doch nicht nur Österreichs Hauptstadt ist Schauplatz von Konferenzen und Veranstaltungen im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft. Im Oktober tagen etwa die Verkehrsminister der 28 EU-Staaten in Graz. Mitte November werden in der steirischen Landeshauptstadt zur „SME Assembly“ rund 4.000 Teilnehmer erwartet. Sie diskutieren über die künftige Wirtschaftspolitik für klein- und mittelständische Betriebe in der EU. „Es ist für uns eine große Auszeichnung, dass diese Tagung nicht in der Bundeshauptstadt Wien, sondern bei uns in Graz stattfindet. Und wir können uns sehr aktiv einbringen, was die Politik der Cluster oder die Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft betrifft“, sagt die steirische Europalandesrätin Barbara Eibinger- Miedl.

„Durch die ständige Erweiterung der Hotellerie in Graz ist es insgesamt einfacher geworden auch größere Tagungen gut in Graz zu beherbergen“, erklärt Heinz Kaltschmidt, Leiter des Graz Convention Bureau.“ 1.000 bis 3.000 Teilnehmer gelten dabei als ideale Größe wie etwa beim 48. Kongress für Allgemeinmedizin mit 2.100 Teilnehmern im November 2017 in der Stadthalle Graz oder beim 9. Kongress der Arbeitsgemeinschaft für Notfallmedizin vom 5. bis 7. April 2018 mit 1.400 Ärzten im Messecongress Graz. Gleichzeitig sei aber auch Airbnb ein großes Thema geworden. „Laut unseren Erhebungen nächtigen bei Kongressen mittlerweile zwischen 10 bis sogar 30 Prozent der Teilnehmer nicht mehr in gewerblichen Hotels, sondern in Privatunterkünften“, so Heinz Kaltschmidt.

„NATUR IN MEETINGS INTEGRIEREN“

Christina Moser vom CBT und Gernot Marx auf dem Event „Top of Austria – An Alpine MICE Experience“.FOTO: CBT/SCB
Christina Moser vom CBT und Gernot Marx auf dem Event „Top of Austria – An Alpine MICE Experience“.
FOTO: CBT/SCB
Veronika Handl, Leiterin des Convention Bureau Tirol (CBT), über Aktivitäten auf internationalen Märkten, Kooperationen und After-Work-Events in Skandinavien.

tw: Welche Ziele hat sich das Convention Bureau Tirol für die kommenden Jahre 2018 bis 2020 gesetzt?
Veronika Handl: Das übergeordnete Ziel lautet, Tirol zum begehrtesten Kongress-Tagungs- und Incentivekraftplatz der alpinen Welt zu machen. Uns geht es darum, aufzuzeigen, wie einfach die Natur in die Meetings integriert werden kann. Dies zeigt sich schon beim Blick aus dem Tagungsraum ins Freie oder bei Pausen und Rahmenaktivitäten. Kurze Wege zeichnen Tirol aus und verdeutlichen, wie schnell man mitten in der mächtigen Bergwelt ist.

Welche Maßnahmen führen Sie hierzu durch?
Unsere Aktivitäten stellen einen sehr guten Marketingmix dar, vor allem auf unseren Hauptmärkten Deutschland, Österreich, Großbritannien und Skandinavien, mit denen wir unterschiedliche Kundengruppen ansprechen und erreichen können. Mit einer großen Bandbreite an Eigenevents, Messeauftritten, internationalen Foren und Workshops können wir neue Kunden begeistern und bestehende Kundenbeziehungen vertiefen. In Wien und München haben wir etwa eigene Tirol-Veranstaltungen unter dem Motto „MICE Berg“ durchgeführt. Dabei haben die international bekannten Tiroler Alpinisten Wolfgang Nairz und Peter Habeler inhaltliche Impulse gesetzt, etwa, was man aus Extremsituationen für den Businessalltag mitnehmen kann.

Wie erschließen Sie allgemein internationale Märkte?
Für Aktivitäten auf internationalen Märkten, die sehr ressourcenintensiv sind, schließen wir uns gerne mit anderen österreichischen Convention Bureaus zusammen. Gemeinsam mit dem Salzburg Convention Bureau haben wir etwa zwei Kundenveranstaltungen in Kopenhagen und Stockholm als After-Work-Events durchgeführt, zu denen je 20 Top-Kunden aus Skandinavien eingeladen waren. Hierbei handelt sich um sehr individuelle und persönliche Begegnungen, die in Erinnerung bleiben.

Wie arbeiten Sie mit Ihren Mitgliedsbetrieben zusammen?
Wir stärken unser Netzwerk nach innen und außen mit gezielten Maßnahmen. Wir bieten Schulungen sowie Marketingberatungen an und bündeln Ressourcen. Wir stehen für einen einheitlichen Auftritt am Markt, ein erfolgreiches Miteinander und für eine klare Positionierung Tirols als Tagungsland. Die Kunden honorieren unsere seit Jahren betriebene Qualitätssicherung, zum Beispiel durch laufende Mystery Tests sowie Beratung und Unterstützung der Partner in MICE-relevanten Themen.



„NEUE TOUCHPOINTS“

Gernot Marx, Leiter des Salzburg Convention Bureau (SCB), über veränderte Kundenbedürfnisse und Conversational Marketing.

tw: Welche Ziele hat sich das Salzburg Convention Bureau für die kommenden Jahre 2018 bis 2020 gesetzt?
Gernot Marx: Wir haben einige strategische Handlungsfelder definiert. Neben unserem Webrelaunch digitalisieren wir schrittweise sämtliche Prozesse, um die Beratung unserer Kunden effizienter zu gestalten. Schon jetzt erhalten Kunden auf ihre Anfragen Angebote bis zum nächsten Werktag. Wir wollen die Customer Journey künftig mit noch mehr relevanten Informationen begleiten und schaffen neue Touchpoints und Kanäle, um in Echtzeit zu kommunizieren. Niemand hat mehr Zeit, lange nach Infos zu suchen. Da fragt man lieber gleich die richtigen Personen – ohne eine E-Mail zu schreiben oder zum Telefon greifen zu müssen. Den Kreis schließen wir durch Produkterfahrung. Potentielle Kunden sollen Salzburg vor Ort erleben, um sich ihr Bild zu machen. Hier verstärken wir unsere Aktivitäten gerade. Das hilft uns, digitale Kanäle durch Erlebnisse zu ergänzen und die Geschichten, die wir erzählen, glaubhaft zu vermitteln.


Welche Maßnahmen werden durchgeführt, um diese Ziele zu erreichen?

Wir arbeiten an unserem Webrelaunch und versuchen vieles für die User zu vereinfachen. Conversational Marketing und verstärktes Content Marketing sind unsere Schwerpunkte. Wir bringen unser Print-Magazin #meetSalzburg künftig auch online heraus. Unsere Live- Marketing-Aktivitäten werden zudem durch neue Erlebniselemente ergänzt. Das haben wir 2017 bereits durch einen Poetry Slam beim Österreichischen Fachkongress Convention4u erfolgreich getestet.  
FRANK WEWODA
 

https://www.salzburgcb.com/de

Auch Tirol profitiert von der der Ratspräsidentschaft: Im Congress Innsbruck fand am 12. und 13. Juli ein informelles Treffen der EU-Justizminister statt. Eines der zentralen Themen war der verstärkte Schutz der EU-Außengrenzen. Allgemein hat sich Tirol laut der österreichischen Statistik „Meeting Industry Report Austria“ (Mira) 2017 mit 482.579 durchs Kongress- und Tagungsgeschäft generierten Übernachtungen auf den zweiten Platz vorgeschoben hinter Wien (1,873 Mio.). Die Bundesländer Wien (802) und Tirol (310) waren 2017 die Spitzenreiter bei internationalen Kongressen in Österreich. Mit 100.834 Teilnehmern bei Kongressen rangiert Tirol auch hierbei vor Salzburg (89.437) und nach Wien (429.727).

Christian Mayerhofer, Direktor von Congress Messe Innsbruck hält es für eine bemerkenswerte Leistung „vor den starken Kongressdestinationen Salzburg und Graz platziert zu sein.“ Das belegt auch die aktuelle Statistik des Internationalen Kongressverbandes ICCA, der Innsbruck nach Wien als stärkste Kongressstadt ab 1.000 Teilnehmer je Kongress für 2017 ausweist. Als Beispiele dafür nennt Direktor Mayerhofer etwa den Kongress der Europäischen Thoraxgesellschaft ESTS mit rund 1.500 oder den Kongress der Internationalen Gesellschaft für Diabetes im Kindes- und Jugendalter ISPAD mit rund 1.450 internationalen Teilnehmern. „Tirol ist ein innovativer Wirtschafts- und Bildungsstandort, an dem viele Forscher und Vordenker leben und wirken. Dies bekannt zu machen und für unsere Zwecke noch mehr zu nutzen, ist unser Ziel“, sagt Veronika Handl, Leiterin des Convention Bureau Tirol.



In Bregenz wiederum wird am 15. und 16. November 2018 über das Thema Subsidiarität diskutiert.
Hochrangige Vertreter aus den Ländern der Union werden dabei beraten, wie sich die EU, Nationalstaaten, Länder und Kommunen Aufgaben teilen können. Im Auftrag der EU-Kommission prüft derzeit eine Arbeitsgruppe, welche Befugnisse auf nationaler oder lokaler Ebene besser angesiedelt sind. Langfristig soll sich Brüssel nur noch um jene Bereiche kümmern, die einzelne Staaten nicht lösen können. Europaminister Gernot Blümel von der Regierungspartei ÖVP nannte in einem Interview mit dem ORF als ein Beispiel die Migrationsfrage.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe bilden dann die Basis für die Konferenz im Festspielhaus Bregenz. Jüngst wurde das Kongresshaus am See vom Internationalen Verband der Kongresszentren (AIPC) mit dem AIPC-Award 2018 bedacht. Dabei werden 1.843 Referenzkunden aller teilnehmenden Kandidaten befragt. Diese bewerten unterschiedliche Kriterien wie technische Ausstattung, Veranstaltungsplanung, organisatorische Leistungen, Projektmanagement oder Catering. „Der Award hat für uns eine große Bedeutung, da er die hohe Zufriedenheit unserer Kunden ungefiltert widerspiegelt“, erklärt Gerhard Stübe, Direktor des Festspielhauses. Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner betont, der Konferenzort Bregenz habe Symbolkraft. Von hier aus könne man sehen, wie eine grenzüberschreitende Region funktioniere. Vorarlberg sei ein gutes Beispiel für die europäische Zusammenarbeit, ein „Labor für europäische Integration“. Die Subsidiaritätskonferenz in Bregenz dient als wichtiges Diskussionsforum, wer künftig für was in der EU zuständig sein soll. Am Ende des EU-Treffens soll dann die sogenannte „Erklärung von Bregenz“ stehen.

Die EU-Ratspräsidentschaft ist zum dritten Mal nach 1998 und 2006 in österreichischer Hand. Inhaltliche Schwerpunkte seines EU-Ratsvorsitzes setzt die Alpenrepublik bei Asyl- und Migrationsfragen, dem Schutz der Außengrenzen, der Bekämpfung von Radikalisierung, Terrorismus und organisierter Kriminalität, der digitalen Sicherheit sowie der Verteidigung der europäischen Werte. Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte die Präsidentschaft am 3. Juli 2018 im Europäischen Parlament in Straßburg mit einer Grundsatzrede eröffnet.  FRANK WEWODA
 

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„Tirol ist ein innovativer Wirtschafts- und Bildungsstandort.“
Veronika Handl, Leiterin Convention Bureau Tirol
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