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WELT-AIDS-KONGRESS 2018

Ein wütender Elton John

Die weltoffenen, toleranten Niederländer waren hervorragende Gastgeber. Ihre Hauptstadt liegt nahe an Deutschland und offeriert Venues von Weltrang. Amsterdams Hotellandschaft ist gut und preiswert – Hilton betreibt gleich vier Häuser.

G
rauer oder schwarzer Anzug, Krawatte, gewichtig umherblickende Herren, die sich zu zweit oder dritt leise unterhalten. Lachen verboten. Wissensvermittlung mit dem Trichter. So haben sie ja auch ihr Physikum bestanden, die erste und schwierigste Prüfung zu Beginn des Medizinstudiums. Also warum sollte ein typischer Ärztekongress anders laufen? Wer öfter auf Veranstaltungen für Mediziner weilt, dem hat sich dieses Bild eingeprägt.


Auf der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam vom 23. bis 27. Juli 2018 sieht es aber ganz anders aus. Bunt, fröhlich, manche krank aussehend. „Das liegt daran, dass auch viele Betroffene herkommen. Um sich auszutauschen und Neues über ihre Krankheit zu erfahren“, sagt Yipe de Jong. Sie arbeitet seit elf Jahren für das RAI, das Messe- und Kongresszentrum der Stadt Amsterdam.

RAI steht für Rijwiel en Auto Industrie, dem Verband der Fahrrad- und Automobilindustrie (RAI Vereniging). Sie ist der größte Anteilseigner des Messe- und Kongresskomplexes. Elf Hallen und 48 Konferenzräume stehen auf 87.000 Quadratmeter zur Verfügung. Diese Fläche braucht es auch – die Aids-Konferenz ist einer der größten Medizin-Kongresse der Welt. 18.000 Wissenschaftler, Aktivisten, Betroffene und Politiker beraten über Wege zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit.


RAI Amsterdam

Das weltweit größte Experten-Treffen zu HIV und Aids steht unter dem Motto „Barrieren durchbrechen – Brücken bauen“.


Yipe de Jong findet den Kongress auch so interessant, weil viele arme Menschen kommen. So wie in der „Positive Lounge“, die HIV-Positiven vorbehalten ist. Anne Gutmann ist eine von insgesamt 800 Freiwilligen, die bei der Organisation der Konferenz unentgeltlich hilft. Sie teilt am Eingang der „Positive Lounge“ Verzehr-Gutscheine im Wert von zwölf Euro aus. Das Geld für das Catering haben die Delegierten gespendet, die alle bei der Registration um einen kleinen Betrag dafür gebeten worden waren. In der Lounge gibt es Obst, Säfte, Brote und Aufläufe. In einem Zelt stehen gemütliche Betten, in denen erschöpfte Menschen tief schlafen. „Auf welchem Kongress gibt es das sonst“, sagt Anne Gutmann.

Hilary Kema leitet das Pressecenter. Mit ihren 50 Freiwilligen betreut sie 800 registrierte Journalisten. Die meisten sind an diesem Montag da. Das liegt auch an Prominenten, wie dem britischen Popsänger Elton John. Er reiste zusammen mit Prinz Harry und Bill Clinton zur Eröffnung der Welt-Aids-Konferenz an. Elton John gab sich sehr wütend über die politische Führung in Osteuropa. In Russland beispielsweise würden Homosexuelle diskriminiert. Sie hätten kaum die Möglichkeit, Medikamente oder sterile Spritzen zu bekommen.

Das bestätigte ein Sprecher der Vereinten Nationen. Allein in Russland gab es rund 100.000 Neuinfektionen im vergangenen Jahr. Elton John startete zusammen mit dem britischen Prinz eine neue Initiative. Sie richtet sich an junge Männer in Afrika. Diese sollen ermutigt werden, ihr Blut testen zu lassen und sich und ihre Partner beim Sex zu schützen.

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Elton John ärgert sich auf der Pressekonfernz über Politiker in Osteuropa: In Russland würden Homosexuelle diskriminiert.
FOTO: INTERNATIONAL AIDS SOCIETY, ROB HUIBERS

ROTTERDAM AHOY CONVENTION CENTRE IM BAU

Rotterdam ist mit etwa 650.000 Einwohnern nach Amsterdam die zweitgrößte Stadt der Niederlande. Sie hat den größten Seehafens Europas, ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt – und eine Empfehlung für ein ungewöhnliches Meeting. „Rotterdam ist eine junge dynamische Großstadt, die sich rasant entwickelt“ sagt Mark de Jong, Account Manager Business Events beim Rotterdam Partner Convention Bureau. „Wir haben einen unpolierten Charme und eine sich ständig verändernde Skyline.“ Seit mehr als 40 Jahren ist das Rotterdam Ahoy Bühne für Live Kommunikation, Business-Events und Unterhaltung. Das Kongress- und Meeting Zentrum hat sechs Ausstellungs- und Messe-Hallen. Die Ahoy Arena ist das größte multifunktionale Venue im Rotterdamer Zuid District. Die Kapazität reicht von 2 bis 11.300 Personen. Außerdem ist das Rotterdam Ahoy Convention Centre (RACC) im Bau. Seine Türen werden sich zum ersten Mal Ende 2020 öffnen. Dieses neue, internationale Tagungszentrum wird zusätzliche 35 Tagungsräume sowie ein Auditorium mit 2.750 Sitzen haben, welche vollständig versenkbar sind. Ohne Bestuhlung wird das Auditorium Platz für 7.000 Personen haben. Das neue RACC wird komplett in die bereits bestehende Struktur des Ahoy integriert. Seine Flexibilität des Auditoriums erlaubt es, tagsüber eine Konferenz und am gleichen Abend eine Theater-Produktion oder ein Konzert auf der Bühne planen zu können. Vom kleinen Meeting oder Training, über eine Messe bis zur Tagung mit tausenden Gästen: das Postillion Convention Centre im Herzen von Rotterdam ist an das World Trade Center angegliedert. Modernste Tagungstechnik und stilvolle Räume machen dieses Wahrzeichen von Rotterdam aus. 
www.ahoy.nl/en/business/rotterdam-conferences

Überraschungsgast war Conchita, die inzwischen ihren Nachnamen Wurst abgelegt hat. Sie eröffnete der Weltöffentlichkeit, dass sie auch HIV-positiv sei. Seit der Diagnose nehme sie Medikamente. Diese hielten das Virus so unter der Nachweisgrenze, dass sie es nicht weitergeben könne. „Ihr könnt mich anfassen, küssen, lieben wie jeden anderen auf der Welt“, sagte sie vor 8.000 Menschen in der Halle zwölf des Amsterdamer Konferenzzentrums. Die Zuschauer bejubelten Conchita.

Der Jubel verhallte, als durch die Sprecher verschiedener Hilfsorganisationen deutlich wurde, dass Aids noch lange nicht besiegt ist. Jedes Jahr sterben knapp eine Million Menschen weltweit an Aids. Und dies nur, weil sie kein Geld haben, sich Medikamente kaufen zu können. Wer indes in Ländern lebt, deren Gesundheitssystem die so genannte tägliche antiretrovirale Therapie bezahlt, hat die gleiche Lebenserwartung wie ein Gesunder. Das Medikament drängt das HI-Virus im Körper zurück und verhindert den Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids.

Nach der Eröffnungskonferenz feierten vier Männer aus Deutschland, die alle eine Aids-Schleife trugen und sich zur Gruppe der Betroffenen bekannten, im Grand Café vor dem RAI-Gebäude ihr Wiedersehen mit einem Bier. Sie stritten fröhlich darüber, welcher der Kellner wohl den schönsten Körperbau hat. „Amsterdam ist eine der tolerantesten Städte der Welt“, sagt Geerte Udo. „Denn wir treiben schon seit hunderten von Jahren Handel mit der ganzen Welt.“ Sie ist Marketing Associate bei Amsterdam Marketing und will Meeting Planern Argumente an die Hand geben, in der niederländischen Hauptstadt ein Kongress, ein Event oder Incentive zu planen.

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Die Aids-Konferenz, einer der größten Medizinkongresse der Welt, fand im RAI Amsterdam statt.
FOTO: RAI
     

Letzteres bietet das Hilton Amsterdam. Beatles-Fan können in der Suite übernachten, in der John Lennon und Yoko Ono vor 40 Jahren eine Woche lang im Bett vor den Kameras der Weltpresse für den Frieden demonstrierten. 1.700 Euro kostet die Übernachtung. Im schönen Garten des Hotels kann am Grachtenufer eines dieser alten Holzboote festmachen, von der Gruppen die Stadt vom Wasser her bestaunen kann. Kapitänin Mareijke hat ihr Holzboot von der Oma geerbt. Wer einsteigt, bekommt erstmal ein Heineken eingeschenkt und dann tuckert das Schiff je nach Wunsch auf den 100 Kilometern Wasserweg.

Wer als Planer Konzerte, aber auch große Hochzeiten oder Galaabende inszenieren möchte, der kommt nicht um das The Royal Concertgebouw herum. Aus den Konzertsälen lassen sich die Sitze herausnehmen.

Das wahrscheinlich beste Konferenzzentrum der niederländischen Metropole ist das Amsterdam Conference Center. Marcel Schonenberg leitet die 150 Jahre alte Börse, die vor zehn Jahren privatisiert wurde und 24 Räume bietet. „Wir haben für Jeden den ultimativen Fünf-Sterne-Konferenzraum“, behauptet Schonenberg. Im Jahr 2002 gaben sich hier im Grote Saal die Argentinierin Maxima und Prinz Willem- Alexander das Ja-Wort.

Erst dieser Tage eröffnete ein neues Hotel im Karim Rashid-Design: Das Park Inn by Radisson City West
hat 476 Zimmern und Suiten in zentraler Lage. Ein 680 Quadratmeter großer zweigeschossiger Ballsaal mit separatem Konferenzbereich und Balkon bietet Platz für bis zu 750 Personen mit Theaterbestuhlung und macht das Radisson in Amsterdam zu einem der größten Tagungshotels Europas. Darüber hinaus stehen 19 Tagungsräume mit drei verbundenen Vorkonferenzbereichen zur Verfügung.

Einen phantastischen Überblick über die Stadt der Grachten bietet der Adam Tower. Das ehemalige Shell-Europa-Headquarter stand lange Zeit leer und beherbergt jetzt unter anderem ein feines Drehrestaurant in 100 Meter Höhe.  THOMAS GRETHER
 

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