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FEHLERKULTUR

Die Frau, die Fehler feiert

Nicole Kobjoll, Geschäftsführerin des Hotels Schindlerhof in Nürnberg, über Fehlerkultur, Innovation und den „Fehler des Quartals“.

tw: Sie feiern im Hotel Schindlerhof regelmäßig Fehler. Wieso tun Sie das?
Nicole Kobjoll: Wir tun das, um die Innovation zu fördern. Roman Herzog, Bundespräsident a.D., hat einmal gesagt: „Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal.“ Nur fällt es als Unternehmen schwer zu sagen: Ab heute sind wir innovativ! Das funktioniert nicht. Es braucht eine Art Grundvoraussetzung, damit Innovation in der Organisation gelebt werden kann. Dazu gehört nach meiner Meinung neben der Mitarbeiterführung und Mitarbeiterauswahl, die Bereitschaft zu „neuen Ufern“ aufzubrechen, eine Unternehmenskultur und vor allem Fehlerkultur im Unternehmen. Inspiriert hat uns Jack Welch: „Ich habe Fehler honoriert, indem ich den Leuten Belohnungen gegeben habe, die Fehlschläge erlitten haben, denn sie haben Schwung in die Bude gebracht.“

Die meisten Menschen haben Angst davor, im Beruf Fehler zu machen. Wie kann man ihnen diese nehmen?
Wir haben den „Fehler des Quartals“ eingeführt, um den Mitarbeitern die Angst vor Fehlern zu nehmen. Es braucht ein großes Umdenken, um Fehler als etwas Gutes zu sehen! Als Erstes hatten wir in der Familie den Fehler des Quartals, danach die Teamleader und schließlich auch die Mitarbeiter. Wir stoßen alle drei Monate bei der Teamparty mit Champagner darauf an. Letztes Jahr hatten wir von unserem Team über 1.000 Ideenblätter – nur aus dem Bereich „Vorschlagswesen im Kernprozess“ und eine 76-prozentige Umsetzungsquote. Die firmeneigene (Fehler-)Kultur zu ändern, geht nicht von heute auf morgen. Das ist ein Prozess. In unserer „Spielkultur“ steht: „Der Aufbau einer lernenden Organisation verpflichtet uns zu außergewöhnlichem Engagement und Innovation.“ Dieser Satz muss gelebt und vorgelebt werden. Und wenn wir es schaffen, damit einen guten Umgang zu bekommen, dann werden wir leichter mit den heutigen Rahmenbedingungen in der Wirtschaft umgehen können.

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FOTO: SCHINDLERHOF KOBJOLL GMBH

Was meinen Sie?
Wir müssen uns immer schneller auf Änderungen einstellen und darauf intelligent reagieren. Ich denke, dass auch das Thema „selbstgeführte Organisation“ ein spannendes Thema ist! Im Zuge der Digitalisierung werden nach und nach immer mehr Jobs digital ausgeführt. Alles dreht sich schneller – und wir müssen damit umgehen! Eine der vielen möglichen Antworten auf die Digitalisierung, die wir gefunden haben ist: Lass dich nicht von der Technik führen, sondern führe die Technik. Wir haben unsere eigene Mitarbeiter-App entwickelt, für unser Ideenmanagement, den „Max“ (Mitarbeiter- Aktien-Index) und für unser internes Wikipedia. Alle aus dem Team sind dazu aufgerufen, ihre Ideen abzugeben. Wir haben das nicht geplant – aber die App wurde inzwischen an über 300 Firmen europaweit verkauft. So kann es gehen, wenn eine Idee richtig gut einschlägt. Aber bis es dazu kommt, floppen viele Ideen. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen! Die (neue) Fehlerkultur soll dazu beitragen, Ideen auszuprobieren – nicht theoretisch, sondern praktisch.  KERSTIN WÜNSCH




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