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INTERVIEW

„Der Moment als ich wusste: ‚Wir sind oben!‘“

Anna Heuer, Upstalsboomerin im Bereich Sales bei der Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH & Co. KG, über ihre Polarexpedition zum Newtontoppen in der Arktis, ihre Angst und das Gewicht ihres Schlittens, „Pay what feels right“ und die Kleinsten im Unternehmen.

tw: Eisbären, Schnee, Eis und Gletscherspalten – seit einem Monat sind du, Bodo Janssen und zehn Auszubildende von eurer Polarexpedition
„Polar Rockstars, Tour des Lebens“
zurück. Welches Bild im Kopf begleitet dich seither?
Anna Heuer: Schön, dass du nach Bildern fragst, denn diese begleiten mich seither tagtäglich. Sie sind ganz unterschiedlich… In erster Linie sind es Bilder von den Menschen; wie ich mit meinen beiden Zeltmitbewohnern abends schallend lachend zusammengesessen habe, Azubis, die mich in den Arm genommen haben, als ich eine Umarmung brauchte, die komplette Gruppe, die an meinem Geburtstag vor meinem Zelt stand und gesungen hat. Und allem voran das Bild des Gipfels des Newtontoppen, in dem Moment als ich wusste: „Wir sind oben!“

„Der Newtontoppen liegt fernab von menschlichen Siedlungen in der unwegsamen und durchaus gefährlichen Arktis. Den Berg über den Landweg mit Skiern zu erreichen, hat Expeditionscharakter und dauert mehrere Tage.“ (Wikipedia) Hattest du Angst, das nicht zu schaffen?
Ja, ich hatte große Angst, es nicht zu schaffen. Bei dem Gipfel selbst war ich mir recht sicher, dass es klappen wird. Doch der Weg dorthin mit einem fast 50 kg schweren Schlitten über Eis und Schnee, davor hatte ich großen Respekt. In der Vorbereitung, die bei mir nur 14 Tage betrug, war es ein Auf und Ab zwischen „geil, das schaffe ich, ich bin fit“ und „oh Mann, ich hab echt Angst“. Kurz vor dem Start war die Euphorie riesig. Mit die krassesten Momente waren für mich die ersten Minuten, als wir die ersten Meter mit Steigeisen auf dem Eis waren, ich das wirkliche Gewicht des Schlittens gespürt habe. Da habe ich gedacht: Ich drehe jetzt um. Das ist meine letzte Möglichkeit, aufzugeben… wenn ich es nicht geschafft hätte, hätten auch die Azubis, die ihr Ziel über ein halbes Jahr konsequent verfolgt hatten, es vielleicht nicht mehr erreichen können. Das hätte mir das Herz gebrochen. Das gesamte Team hat mit allen möglichen Sätzen motiviert. Und ich bin weiter gegangen.

Während die Gruppe sich fast ein Jahr lang vorbereitete, bist du 14 Tage vorher als Begleiterin eingesprungen. Was war deine größte Herausforderung?
Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Die anderen hatten einigermaßen eine Idee, was den Ablauf, die Ausrüstung und das Zelten etc. angeht. Ich wusste erst einmal nichts, außer, dass wir zwölf Tage auf Skiern unterwegs sind. Es war eine große Überwindung, ins kalte Wasser zu springen.

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Anna Heuer: Es sind die Bilder der Menschen, die mich seit unserer Polarexpedition begleiten.
FOTO: LARS CHRISTIAN LARSSEN

ANNA HEUER...

... Upstalsboomerin im Bereich Sales bei der Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH & Co. KG mit Sitz in Emden. Als Betreiber von rund 70 Hotels und Ferienwohnanlagen im Drei- bis Fünf-Sterne-Segment an 18 Standorten an der Nord- und Ostsee. Heute zählt die 1976 gegründete Unternehmensgruppe rund 635 Mitarbeiter. Die werteorientierte Unternehmensphilosophie stellt den Mensch in den Mittelpunkt. Tugenden wie Demut und Respekt prägen die Führungskultur, um die Potenziale der Mitarbeiter zur Entfaltung zu bringen. Das Handeln von Upstalsboom beruht auf der Erkenntnis, dass sich durch die Potenzialentfaltung und Wertschätzung sowohl eine nachhaltige Wertschöpfung als auch eine hohe individuelle Zufriedenheit auf allen Ebenen erzeugen lässt. www.upstalsboom.de

Mussten die Teilnehmer für die Vorbereitung und die Expedition Urlaub nehmen?
Wir haben die Möglichkeit bekommen, unseren Urlaub im Anschluss an die Tour nach dem Prinzip „Pay what feels right“ zu nehmen. Das heißt, wir konnten selbst bestimmen, wie viele Urlaubstage es uns wert ist.

Upstalsboom bietet Hotels und Ferienwohnungen an der Nord- und Ostsee an und keine Abenteuer- Incentives. Wie kommt ihr auf die Polarexpedition „Polar Rockstars“?
Nachdem vor knapp eineinhalb Jahren die ersten Azubis auf dem Kilimandscharo waren, hat Bodo zusammen mit seiner Assistentin Anja nach einem neuen Ziel gesucht. Beim Kili und den „Kili-Rockstars“, wie wir sie nennen, ist die Idee durch Hubert Schwarz entstanden. Der Berg an sich hat dadurch als Sinnbild an Bedeutung gewonnen. Genau weiß ich nicht, wie auf einmal der Newtontoppen „aufgeploppt“ ist. Ich glaube, Bodo hat mit seinen Kindern eine Dokumentation auf Kika über eine „Arktis-Mission“ von norwegischen Schülern gesehen.

Die Polarexpedition ist eine große Investition in die Auszubildenden. Warum macht ihr das?
Der Wert der Investition richtet sich in diesem Fall nicht nach monetären Beträgen, sondern orientiert sich daran, was mit dem Menschen passiert, während sie sich vorbereiten, wie sie sich entwickeln, und wie es danach weiter geht. Das, was ich in diesen jungen Menschen gesehen habe, ist durch kein Geld der Welt zu bezahlen. Wie sagt Bodo immer so schön: Die Kleinsten bekommen in der Familie doch immer die größte Aufmerksamkeit – so ist es auch bei uns im Unternehmen.



Stichwort Employer Branding: Upstalsboom hat zwei Herausforderungen, arbeiten in der Hotellerie und Standorte wie Emden, Borkum, Wremen… Was tut ihr, um die besten Talente für euch zu gewinnen?
Der klassische Satz dazu ist „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“, aber uns ist schon klar, dass das in der heutigen Zeit nicht mehr so zieht. Daher wird bei uns den Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, sich auf allen Ebenen – und vor allem persönlich – weiterzuentwickeln und so sein zu dürfen, wie sie sind. Die Auszubildenden bekommen u.a. die Möglichkeit der „Tour des Lebens“, weswegen sie sich zum Teil explizit bei uns bewerben. Auch Projekte wie die Unterstützung von „fly & help“ ziehen sicher Menschen an. Wir sind zudem ein flexibler Arbeitgeber, bei dem in den Teams sehr auf die persönlichen Bedürfnisse und Herausforderungen des Einzelnen geachtet wird.

In deiner Signatur nennst du dich nicht Sales Managerin, sondern Upstalsboomerin im Bereich Sales. Wieso?
Weil der Titel völlig unwichtig ist. Das einzige, was Menschen wissen müssen, wenn sie z.B. eine E-Mail von mir erhalten, ist, welches mein Aufgabengebiet ist. Alles andere, ob ich meinen Job gut mache, oder ob ich ihnen in ihrem Anliegen weiterhelfen kann, sagt sicherlich nicht ein Wort wie „Manager“ aus, sondern ergibt sich, wenn wir uns kennen lernen. Wir sind alle Upstalsboomer, teilweise mit unterschiedlichen Aufgaben.

Zudem findet sich in deiner Signatur der Hinweis auf dein Homeoffice. Wie wichtig ist dir flexibles Arbeiten?
Das flexible Arbeiten ist für mich persönlich eines der höchsten Güter. Ich kann mir meine Ziele selbst setzen und meine Arbeit einteilen, kann da sein, wo meine Familie ist, wo ein Großteil meiner Freunde sind, und wo ich mich wohlfühle. Das ist ein riesengroßes Stück Lebensqualität.

Mit 33 Jahren zählst zur Generation Y und bist als Arbeitnehmerin begehrt in der Branche. Welche drei Kriterien sind dir bei deiner Arbeit wichtig?
Mitgestaltung, Weiterentwicklung (persönlich wie fachlich) und Team-Spirit.  KERSTIN WÜNSCH
 
„Das flexible Arbeiten ist für mich persönlich eines der höchsten Güter.“
Anna Heuer
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