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“Wissenschaft hat keine Grenzen“

Thomas (Tom) Reiser, Geschäftsführer der International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) über den XXVI ISTH-Kongress 2017 und den neuen Einjahres-Rhythmus ab 2020.

tw: Thrombose und Hämostase für Nicht-Mediziner: Womit beschäftigen sich Ihre Mitglieder und Teilnehmer?
Thomas Reiser:
Im Wesentlichen beschäftigen sich unsere Mitglieder und Teilnehmer mit der Blutgerinnung, die durch sehr viele Einflüsse gestört werden kann. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Thrombosen und Hämophilie. Besonders die Thrombose, eine Gefäßerkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel bildet, ist eine Volkskrankheit und verursacht – in der einen oder anderen Form – 25 Prozent aller Todesfälle. Werden Thrombosen frühzeitig erkannt oder vorbeugend behandelt, sind sie vermeidbar bzw. behandelbar. Deshalb haben wir den „World Thrombosis Day“ ins Leben gerufen, eine ganzjährige öffentliche Kampagne zur Aufklärung. In Zusammenarbeit mit weltweit knapp 1.000 Partnern weisen wir auf Thrombosen, ihre Risiken, Früherkennung und Prävention hin. Am 13. Oktober 2017 werden tausende von Aktionen wie Seminare, Awareness-Runs, Pressekonferenzen und TV-Interviews für eine große Breitenwirkung überall auf der Welt sorgen.

Der ISTH-Kongress ist die größte Konferenz zu Thrombose und Hämostase. Wie wichtig ist er für dieses medizinische Gebiet?
Unsere Gesellschaft gibt es bereit seit 1954. Wir sind wissenschaftlich federführend –sei es durch unsere Kongresse und Fortbildungen, unseren wissenschaftlichen Publikationen oder unsere Laboroder klinischen Standards und Leitlinien. Auf dem ISTH-Kongress vorzutragen, ist selbst für sehr etablierte Wissenschaftler und Ärzte eine Ehre. Für unsere Industriepartner sind unsere Gesellschaft und Konferenz die ideale Plattform um sich vorzustellen, über neue Entwicklungen und Produkte zu informieren und wichtige Kontakte zu knüpfen. Kein anderer Kongress in unserem Gebiet deckt das Feld ab wie die ISTH. Noch dazu ist unser Kongress fast doppelt zu groß wie andere Konferenzen in diesem Feld.

War großpolitische Wetterlage mit Brexit und US-Präsident Trump auf dem ISTH-Kongress 2017 ein Thema?
Natürlich. Unsere Teilnehmer, Wissenschaftler und Ärzte, sind besonders stark an internationalen Kooperationen interessiert, denn Wissenschaft hat keine Grenzen. Alles was dieser internationalen Zusammenarbeit und Forschung im Wege steht, ist problematisch. Vor allem die Situation mit den Einreise-Restriktionen in die USA wird sehr kritisch gesehen. Wie der Brexit am Ende aussehen wird und sich auf die Unterstützung von Forschungsprojekten und die internationale Zusammenarbeit auswirkt, beschäftigt uns auch. Was uns als Veranstalter zudem sehr stark besorgt, ist die Sicherheit unserer Teilnehmer und die Auswirkung von Terroranschlägen auf Kongresse. Security und Risk Management rücken immer mehr in den Vordergrund.



Umso mehr, als der ISTH-Jahreskongress vom zwei- in den einjährigen Turnus wechselt und ab 2020 jedes Jahr stattfinden soll. Wieso das?
Das ist ein sehr wichtiger Schritt für unsere Gesellschaft und unseren wissenschaftlichen Bereich. Die Forschungsentwicklung verläuft immer rasanter, zwei Jahre auf einen Kongress zu warten um eine Studie zu präsentieren oder ein Produkt vorzustellen, ist da einfach nicht realistisch. Noch dazu sind wir als internationale Gesellschaft mit unseren Kongressen auf der ganzen Welt unterwegs, da ist ein Zwei-Jahres-Rhythmus nicht mehr zeitgemäß. Außerdem zwingt uns dieser mehr Inhalte aufzuarbeiten, was den Kongress lang und extrem voll werden lässt. Beim einflussreichsten Kongress im Bereich Thrombose und Hämostase ist eine jährliche Rotation extrem wichtig.

Das Format des ISTH-Kongresses soll kürzer, kompakter werden und zeitgemäßer werden. Wie soll das aussehen?
Wir sind gerade dabei das auszuarbeiten und führen eine sehr umfangreiche wissenschaftliche Studie durch („Educational needs assessments“). Diese ganzjährige Studie wird uns helfen, die Bedürfnisse unserer Teilnehmer besser zu verstehen und durch gezielte Inhalte und Formate darauf einzugehen. Die Resultate werden all unsere Fortbildungsaktivitäten beeinflussen. Die meisten Gesellschaften folgen noch dem „opinion based approach“ einer kleinen elitären Gruppe. Wir erwarten uns große Änderungen, die für unsere Mitglieder und Teilnehmer neue und bessere Ansätze bieten und unsere Gesellschaft und unseren Kongress noch wertvoller machen. CHRISTIAN FUNK 
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FOTO: ISTH, DIRK MICHAEL DECKBAR
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