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INTERVIEW

„Wir hatten zu viel Respekt“

Im Pitch: ucm.agency-Gründer Amin Guellil über den mitunter steinigen Weg der Gründung seiner Personalvermittllungs-Agentur, das dazugehörige Portal und schwarze Schafe.

tw: Was macht die ucm.agency?
Amin Guellil: Wir stellen temporäres Personal für den Eventbereich und andere kurzfristige Einsätze. Dazu nutzen wir unsere eigene Onlineplattform. Es gibt nicht mal eine Handvoll Wettbewerber, die mit ähnlichen "Digital"-Modellen rechtskonforme Leistungen anbieten.

Welches Eventpersonal kann ich über Euch buchen?

Wir sagen immer gern: Von A wie Aufbau bis Z wie Zervice! Spaß beiseite, wir decken die Tätigkeiten am Kunden ab (Empfang, Wegeleitung, Übersetzung, Betreuung, gastronomischer Service, Produkterläuterung oder Verkaufsberatung), aber auch die Tätigkeiten im Hintergrund (Aufbau, Lager oder Stewards)

Warum sollte ich ausgerechnet über Eure Plattform buchen?
Bei uns sind Prozesse bestens aufeinander abgestimmt. So können wir effizient, hochwertig und kostengünstig liefern. Außerdem haben wir ein super Team an Projektmanagern, welches unsere Kunden bestens in allen Belangen unterstützt.

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Amin Guellil vermittelt Eventpersonal mit seiner Agentur.
FOTO: UCM.AGENCY

Du sagtest, dass viele Vermittlungsagenturen illegal arbeiten…
Leider schon. Bisher haben viele das vermutlich unbewusst getan. Mittlerweile verbreitet sich langsam das Wissen über die Anpassungsnotwendigkeit. Dennoch sind viele Agenturen wie gelähmt und machen im Zweifelsfall das Schlimmste – nichts.

Muss ich als Veranstalter mit Strafen rechnen, wenn die Mitarbeiter nicht rechtskonform angestellt sind?
Ja. Die neu beschlossenen Konsequenzen, die sich aus dem Gesetz ergeben sind drastisch. Hohe Bußgelder von 30.000 bis 500.000, hohe Nachzahlungen an Fiskus und Kasse, Fingierung von hunderten von Arbeitsverhältnissen, sowie Einträge im Zentralregister sind beispielhafte Konsequenzen.

Anders Thema: Wie war Euer Businessplan?
Vier Seiten sind es nur geworden, dann ging es schon an die Umsetzung. Später kam dann noch ein Pitchdeck hinzu. Das ursprüngliche Geschäftsmodell hatte den Fokus auf der Vermittlung von Models und Darstellern.



Hattet Ihr Angst, Geld zu verlieren?
Angst ist vielleicht das falsche Wort, aber die sogenannte Burn-Rate, also das Geld, was jeden Monat weniger als vorher da ist, hat mir im ersten Jahr mental schon ein wenig zu schaffen gemacht.

Was war Euer größter Fehler?
Wir hatten zu viel Respekt vor dem tatsächlichen Start des Geschäfts und haben uns mit vielen Kleinigkeiten aufgehalten. Wir hätten hier wesentlich pragmatischer loslegen können. Das hat uns viel Zeit und Geld gekostet. Als wir dann in die Vollen gegangen sind, hat es nicht mal ein Jahr bis zur Rentabilität gedauert.

Was habt Ihr daraus gelernt?
An manchen Stellen den Perfektionismus ablegen. Keinen Menschen interessiert am Ende des Tages, wenn der vorletzte Facebook-Post doch einen kleinen Tippfehler hatte.

Wie geht es für Eure Agentur weiter?
Erst mal kommen physische Standorte in Frankfurt und München dazu. Zeitgleich bauen wir weiter am Vorhaben: Deutschland – Europa – die Welt! INTERVIEW: CHRISTIAN FUNK
 

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