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ERREICHBARKEIT

Unter Strom an Donau und Bodensee

In acht Elektrofahrzeuge surrten die Organisatoren beim World Future Forum in Bregenz zu ihren Einsätzen, um etwa Dr. Auma Obama, Schwester von Barack Obama, emissionsfrei ans Rednerpult zu bringen. Vorarlberg versteht sich als Modellregion für Elektromobilität, Oberösterreich und „Tirol auf Schiene“ möchten mehr Verkehr von der Straße bringen, darunter Kongressdelegierte.

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as österreichische Verkehrs- und das Umweltministerium haben zusammen mit der Automobilbranche für 2017 ein Paket zur Förderung von Elektromobilität in Höhe von 72 Millionen Euro geschnürt. Das Maßnahmenpaket umfasst Anreize für den Kauf von Elektro-Fahrzeugen, den Aufbau von E-Ladestationen und eine eigene Nummerntafel für E-Autos. Seit März 2017 stehen die Ankaufprämien für Elektrofahrzeuge österreichweit zur Verfügung.

Insgesamt könnten mit dem Paket bis zu 16.000 zusätzliche E-Autos auf die Straße gebracht werden, so die erhoffte Wirkung. Auf 100 E-Rollern von „Solide Neutrale Energie“ im Einsatz sein werden Helfer und sonstiges Personal bereits zur Weltgymnaestrada 2019, dem größten internationalen Turnfestival der Welt. Zwölf Kilometer südlich von Bregenz und dem Bodensee erwarten die Veranstalter von 7. bis 13. Juli 2019 über 20.000 Teilnehmer im österreichischen Dornbirn. „Solide Neutrale Energie“ heißt das Vorarlberger Startup, das Anfang Mai 2017 das erste Modell seines Elektro- Rollers auf den Markt brachte.

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Österreich: Nah tagen, mit und aus der Region lernen
FOTO: ARS ELECTRONICA, ROBERT BAUERNHANSL

Das Projekt fügt sich in einen viel größeren Vorarlberger Zusammenhang: „Vlotte“, so der Name des 2008 gestarteten Projekts, soll Vorarlberg zu einer der größten Modellregionen für Elektromobilität in Europa machen. Nach den ersten drei Jahren der Projektlaufzeit stand fest: Elektromobilität funktioniert und kommt immer mehr im Alltag der Vorarlberger an. „Parallel zum Ausbau der Elektromobilität wollen und müssen wir die erneuerbaren Energien in Vorarlberg weiter ausbauen, denn Elektromobilität kann ihre Vorteile am besten ausspielen, wenn sie aus heimischer und erneuerbarer Energie angetrieben wird“, erklärte Landesrat Erich Schwärzler.

Aktuell fahren in Vorarlberg laut österreichischem Umweltministerium bereits 979 E-Autos, 242 Ladestationen sind über das gesamte Bundesland verteilt. Bis 2020 sollen in Vorarlberg schon bis zu 10.000 Elektroautos über die Straßen surren, zudem 20 Elektrobusse und 500 elektrische Nutzfahrzeuge, so die Zielvorgabe. Privatpersonen, Unternehmen, Institutionen und Gemeinden stehen auf der Kundenliste bei „Vlotte“. Von der elektrisch betriebenen Mobilität profitieren entsprechend auch Veranstalter in Vorarlberg. Dies war etwa beim „World Future Forum“ vom 30. März bis 2. April in Bregenz der Fall. Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart sagte dazu: „Der World Future Council kümmert sich um die Anliegen der künftigen Generationen auf globaler Ebene. Vieles setzen wir bei uns lokal bereits um.“ Das Organisationskomitee der Konferenz fuhr mit acht Elektroautos aus dem „Vlotte“-Fuhrpark.

In ihrer „Bregenzer Erklärung“ zum Abschluss der Veranstaltung nannten die Ratsmitglieder den Klimawandel und nukleare Bedrohungen als „existentielle und akute Gefahr für die Menschheit“. Und weiter: „Wenn wir den Kurs nicht ändern, steuern wir auf nie dagewesene Gefahren und Konflikte zu, die – in absehbarer Zeit – sogar das Ende der menschlichen Zivilisation einschließen.“


FOTOS: VLK A. SERRA; KONGRESSKULTUR BREGENZ; KONGRESSKULTUR BREGENZ, DIETMAR MATHIS; CONVENTION BUREAU TIROL; INTERALPIN, THOMAS STEINLECHNER; CONVENTION PARTNER VORARLBERG


Bei der Managementfachtagung des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren (EVVC) vom 17. bis 19. September 2017 teilt sich das Programm grenzüberschreitend auf die Veranstaltungsorte Bregenz und Lindau auf. Als Anreiz für die Bahnanreise können die Gäste ihr in der Kongressgebühr bereits inkludiertes Ticket des Verkehrsverbunds Vorarlberg zu Hause selbst herunterladen und schon zur Anreise ab dem Grenzbahnhof Lindau nutzen.

Das Potenzial für die Anreise von Delegierten auf der Schiene wächst aber in Zukunft noch deutlich in Vorarlberg. Urs Treuthardt, Geschäftsführer Convention Partner Vorarlberg: „Bis 2020 wird die Bahnstrecke von München nach Zürich massiv ausgebaut und elektrifiziert. Dank geplantem Halt in Lindau/Bregenz ist die Tagungsregion Vorarlberg dann von beiden Metropolen extrem schnell und einfach zu erreichen. Auch innerhalb der Region ist das öffentliche Verkehrsnetz eine echte Alternative zum Auto. Zusätzlich haben wir den Vorteil der kleinen Städte – alles ist nahe beieinander und ein Großteil der Wege kann zu Fuß gemacht werden.“

Zu Fuß vom Tagungszentrum in die Stadtmitte kommen Delegierte auch in Linz.
Von 7. bis 11. September konnten sie etwa am Rande ihrer Veranstaltung wieder in die Atmosphäre des „Ars Electronica Festival“ eintauchen. Das Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft fand in der Postcity Linz statt. Fünf Tage lang bietet es jedes Jahr bei über 500 Events einen Querschnitt durch die Medienkunst der Gegenwart. Angedockt an die Hauptveranstaltung ist unter anderem der Future Innovators Summit (FIS) als dynamischer Thinktank und Programmschwerpunkt. Im nunmehr vierten Jahr der Veranstaltung trafen sich auch 2017 Future Innovators aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund – Künstler, Designer, Wissenschaftler, Techniker, Startup-Unternehmer, Sozialaktivisten und Philosophen. Sie erörterten neue Wege kollektiven Brainstormings und kreativer Prototypenentwicklung zu großen Zukunftsfragen.



In kleinerem Maßstab ist auch die „WearFair“ als Messe zu nachhaltigem Lebensstil seit nunmehr zehn Jahren eine Linzer Institution,
zuletzt mit rund 200 Ausstellern und 13.000 Besuchern. Nach eigenem Selbstverständnis erfüllt die Veranstaltung einen Informations- und Bildungsauftrag „zu zentralen sozialen und ökologischen Herausforderungen“. Von 6. bis 8. Oktober 2017 bezieht sie nun Quartier in der Linzer Tabakfabrik. Dort öffnete am 19. Juni 2017 der erste Startup- Campus Österreichs. Auf 80.000 Quadratmetern ist hier Platz für Startup- und Karriereevents, Workshop-Serien, Netzwerk-Treffen, Konferenzen und Beratung. Die neue Direktverbindung vom Flughafen Wien nach Linz ermöglicht Teilnehmern die Weiterreise auf der Schiene. Im neuen Kombiticket der Österreichischen Bundesbahnen ist sogar die Linz Card mit Vergünstigungen für Museen und die Gastronomie inkludiert. Mit dem AirRail-Ticket lässt sich die Zugstrecke von Linz zum Flughafen Wien über die Vertriebskanäle der Austrian Airlines inklusive Anschlussflug als AirRail-Verbindung buchen. Ein weiterer Vorteil ist dabei der Check-In direkt am Linzer Hauptbahnhof.

In Oberösterreich bezeichnet sich Wels als einzige Stadt im Land, in der sämtliche Seminarhotels mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet sind. Das heimische Unternehmen Holter richtete in Wels etwa seine Kundentage am 28. Februar 2017 mit rund 300 Teilnehmern ebenfalls gemäß den Umweltzeichen-Anforderungen aus. Auch für Großveranstaltungen bietet Wels fußläufig untereinander erreichbare Hotels und Locations. Die Stadt hat eine überschaubare Größe, so dass Veranstaltungen ins Stadtleben integriert und im Stadtbild präsent sind. Das ist außerhalb der Großstädte in Tirol genauso der Fall. Die Anreise der Teilnehmer soll sich in Zukunft aber mehr auf die Schiene verlagern. Nur rund fünf Prozent aller Gäste reisen derzeit per Bahn zu Veranstaltungen nach Tirol. Bis 2020 soll sich dieser Anteil verdoppeln dank des Projekts „Tirol auf Schiene“, das die Tirol Werbung mit den Österreichischen Bundesbahnen, der Deutschen Bahn und den Schweizerischen Bundesbahnen auf den Weg gebracht hat. „Tirol soll zum österreichischen Bahnreiseland Nummer eins werden“, betont Katleen Johne, Projektleiterin Tirol Werbung.



„Tirol auf Schiene“ orientiert sich an einem bereits gut ausgebauten Bahnangebot im Land. 29 Mal täglich durchqueren Hochgeschwindigkeitszüge der Marke „ÖBB railjet“ Tirol, im Zweistundentakt verbinden sie etwa Wien und Zürich. Aus Deutschland gibt es acht Mal täglich Verbindungen mit Eurocity, Intercity oder ICE nach Tirol. Dazu kommen zahlreiche Regionalzüge. Für Regionen besteht die Möglichkeit, einen „Mobilitätscoach“ zu engagieren, der Betriebe in den Regionen berät, um Anreise mit der Bahn zu ermöglichen oder Anreize dafür zu setzen. Bereits in der ersten Planungsphase einer Veranstaltung stehen Koordinatoren für alle Mobilitätsfragen zur Verfügung. Ihre Aufgabe ist es, Möglichkeiten umweltfreundlicher Mobilität in allen Phasen der Veranstaltungsorganisation zu berücksichtigen und geeignete Maßnahmen zu entwickeln. Sie dienen als Ansprechpersonen für alle Fragen im Bereich der Mitarbeiter- und Besucher-Mobilität und organisieren den Delegierten-Transport. Dazu nehmen sie Kontakt zu den öffentlichen Verkehrsträgern auf und setzen Anreize für die Wahl klimaschonender und sozialverträglicher Mobilitätsformen.

Ein neues Angebot für die öffentliche Anreise zum Europäischen Forum Alpbach, das 2017 vom 16. August bis 1. September stattfand, bedeutete zuletzt einen wichtigen Schritt zu mehr Klimaschutz: Die Postbus AG hat einen Shuttle-Service eingerichtet, der Teilnehmer bis in die späten Abendstunden auch ohne eigenes Auto innerhalb des Alpbachtals befördert. Ebenso stellt eine Buslinie die Anbindung an den Fernverkehr im Bahnhof Wörgl sicher. 102 Nationen waren beim Europäischen Forum Alpbach 2016 vertreten, das genau 5.340 Teilnehmer ins frisch erweiterte Congress Centrum Alpbach brachte. Unter den Rednern waren Nobelpreisträger, Geistesgrößen aus der Wirtschaft wie US-Ökonom Jeffrey D. Sachs, aktuelle und ausgeschiedene Politiker wie der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. Nach seiner Erweiterung 2016 wurde das Congress Centrum Alpbach durch Bundesminister Rupprechter als „Green Location“ und neun Hotels und Gästehäuser im Ort als „Green Hotels“ mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet.



In einzelnen Regionen gibt es auch über bestimmte Veranstaltungen hinaus einen 24h-Transfer- Service für Bahnreisende unter der Bezeichnung „FourSeasonsTravel“, die eine Abholung inklusive Gepäckservice am Bahnhof ermöglicht. Dass dies auch den Veranstaltungsgästen zugutekommt, davon ist Veronika Handl, Leiterin des Convention Bureau Tirol, überzeugt. „Gerade das internationale Publikum ist immer wieder überrascht, wie kurz die Wege hier in Tirol sind und dass man überallhin zu Fuß gelangt“, bringt es die Leiterin des Convention Bureau Tirol auf den Punkt. „Mit den Öffis in 20 Minuten von der Stadt aus auf knapp 2.000 Meter Seehöhe, die Mittagspause mit grandiosem Ausblick zum Abschalten und Krafttanken nützen, dies ist der besondere Wow- Effekt, der nachhaltig in Erinnerung bleibt“, ist Handl überzeugt. Auch der Flughafen in Innsbruck trage zur internationalen Erschließung Tirols bei und garantiere angesichts seiner unkomplizierten Anreise und der zentralen Lage einen stressfreien Einstieg ins Meeting.

Das zahlt sich insbesondere aus bei Veranstaltungen mit hohem internationalen Besucheranteil wie der alle zwei Jahre in Innsbruck stattfindenden Interalpin. Die Weltleitmesse für alpine Technologien fand am 25. und 26. April 2017 zusammen mit der Österreichischen Seilbahntagung in der Messe Innsbruck statt. „Die immense Innovations- und Investitionskraft der Branche hat sich auf der Interalpin unverkennbar widergespiegelt“, sagte Projektleiter Stefan Kleinlercher. 26.400 Fachbesucher, über zehn Prozent mehr als 2015, kamen dazu in die Landeshauptstadt Tirols. Rund zwei Drittel der Besucher waren Entscheider und etwa 75 Prozent kamen davon mit konkreten Investitionsvorhaben auf die Interalpin laut Statistik der Messe Innsbruck.



REGIONALITÄT IN WELS

Bereits zum siebten Mal findet 2017 in der Messe Wels die Biogast Messe statt, die sich als Treffpunkt der österreichischen Bio-Szene etabliert hat. Zielgruppe ist das Fachpublikum des Naturkostfachhandels sowie der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Erstmals wird 2017 der gemeinsame Abend der 300 Aussteller von der Business Touristik Wels als „Green Meeting“ zertifiziert. Nachhaltigkeit spielt bei Green Meetings & Events generell eine wesentliche Rolle in Wels. Das bedeutet unter anderem: regionale Bio-Lebensmittel für das Catering, Angebote zur umweltverträglichen Anreise, umweltfreundliche Unterkünfte und ein nachhaltiges Material- und Abfallmanagement sowie – natürlich – regionale Wertschöpfung. So führt „Business Touristik Wels“ die Zertifizierung von Green Meetings & Events für Firmen durch, berät als Marketing- und Vertriebsgemeinschaft aber in allen Fragen rund um Veranstaltungen. www.wels.at/welsmarketing/business-touristik

Vielfach brechen die Gäste bereits vor der Veranstaltung oder gleich danach zu Fachexkursionen in die umliegenden Hochalpen auf. Die Interalpin informiert unter anderem über aktuelle Seilbahntechnik, Verfahren der Schneeerzeugung, Pistenfahrzeuge, IT-Lösungen und das alpine Sicherheitswesen für Sommer - und Winternutzung. „Die 22. Auflage hat imposant unter Beweis gestellt, dass die Fachmesse zu einem wichtigen Bestandteil der Branche geworden ist.

Die Aussteller haben auf dieser führenden Innovationsplattform ihre Neuheiten der Seilbahnbranche eindrucksvoll präsentiert“, kommentierte Congress- und Messedirektor Christian Mayerhofer. Insgesamt waren über 650 Aussteller präsent aus rund 50 Nationen, die rund 40.000 Quadratmeter auf dem Innsbrucker Messegelände belegten. In Österreich werden laut den Statistiken der Wirtschaftskammer jährlich über 700 Millionen Euro von der Seilbahnwirtschaft investiert – und mit ihnen auch in Infrastruktur für eine die umliegende Region und ihre Bewohner schonende Anreise zur jeweiligen Talstation.  FRANK WEWODA
 

www.interalpin.atwww.worldfuturecouncil.org/dewww.greenevents-tirol.atwww.alpbach.orgwww.aec.at/ai/de/fiswww.kongresskultur.com
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FOTO: CONVENTION BUREAU TIROL
„Gerade das internationale Publikum ist immer wieder überrascht, wie kurz die Wege hier in Tirol sind und dass man überallhin zu Fuß gelangt.“ 
Veronika Handl, Convention Bureau Tirol
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