Editorial

Triff’ uns am Selfie-Point

E
s ist einer dieser Arbeitstage mit Abendtermin. Ein wenig angestrengt mache ich mich auf zum „Pop-Kultur“ Festival in Berlin auf dem Gelände der Kulturbrauerei. Im Hof treffe ich auf Kätzchen. Überall hängen sie herum, die Bilder der Kleinen – putzige Selfie-Points. Wie die meisten hier mache ich erst einmal ein Foto von mir und bin sofort im Gespräch. Was machst du hier? Und was machst du so? Nichts muss, alles kann. Das fühlt sich gut an. Sind doch alle gefordert, neue Ideen und Partner für Geschäfte zu finden. Nur wie und mit wem? Für den Soziologen Niklas Luhmann ist Vertrauen ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Vertrauen braucht allerdings Offenheit. Diese gilt es auf Veranstaltungen zu schaffen. Darüber sinniere ich, als ich Rücken an Rücken mit Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters auf der Bierbank sitze und im Programmheft lese, was ich erlebe: Pop-Kultur versammelt wichtige Akteure der Musikindustrie und Kreativwirtschaft in einem zwanglosen Rahmen und bringt sie ins Gespräch. Mehr als 70 Konzerte, DJ-Sets, Ausstellungen, Installationen, Talks und Filme regen zum interdisziplinären Austausch an.

Das fördert das Netzwerken sehr, befindet Iris Lanz. Die stellvertretende Direktorin im Berlin Convention Office weiß um die vielfältige Kultur ihrer Stadt als Markenzeichen. Sie ist ein „bedeutender Grund“ für Kongressplaner, sich für Berlin zu entscheiden. Lanz: „Wenn es thematisch passt, fördert Festivalatmosphäre erheblich den Austausch zwischen Teilnehmern und damit den Erfolg einer Veranstaltung.“ Bestes Beispiel ist die re:publica. Auf dem Festival der digitalen Gesellschaft erfindet sich Automobilbauer Daimler als Mobilitätsanbieter neu. Und geht noch weiter:



Heute launcht Mercedes-Benz zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) die „me Convention“. Überraschend ist der Partner: das texanische Festival South by Southwest (SXSW). Ihre gemeinsame Konferenz will dem gesellschaftlichen Diskurs über Themen der Zukunft neue Impulse geben. „Das Herausragende bei SXSW ist ja die Tatsache, dass sie sozusagen den Content der Zukunft in Form eines Festivals zeigen“, sagt Prof. Dr. Marcus S. Kleiner, Studiengangleiter Erlebniskommunikation an der SRH Hochschule der populären Künste in Berlin. „Die Veranstalter haben verstanden, durch die Festivalisierung des Inhalts Zukunftsthemen bzw. Zukunftsprojekte zu präsentieren.“ Die SXSW Conference & Festivals feiert zehn Tage lang die Konvergenz von Interaktion, Film und Musik. 2017 sind 421.900 Teilnehmer nach Austin gekommen, darunter 70.696 zur Konferenz, 74.519 zur Fachmesse und 167.800 zum SXSW Official Music Showcase. 1.084 (!) Partys und Events haben das Treiben begleitet. Ob der Mercedes-Stern am Partyhimmel der Messe Frankfurt aufgehen wird? Halten Sie Ausschau nach unserem Redakteur Christian Funk. Sagen Sie ihm, was Sie von all dem halten. Und senden Sie uns Ihr Selfie...
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KERSTIN WÜNSCH
Chefredakteurin
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FOTO: SELFIE KERSTIN WÜNSCH
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