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EVENT-APPS

„Tonnenweise Daten“

Anbieter wie Eventmobi, Heidelberg Mobil oder Double Dutch programmieren längst nicht mehr einfach nur Event-Apps. Datenbeschaffung und Integration in Datenbanken oder CRM-Systeme sind die aktuellen Trends.

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aten zu beschaffen, ist kein Problem. Die Kunst ist es, Daten zu verstehen.“ Thorben Grosser, General Manager Europe des App-Anbieters Eventmobi, weiß, worauf es Kunden ankommt. Smart Data heißt das vielversprechende Zauberwort. Veranstalter erhoffen sich durch den Einsatz einer Event-App, aussagekräftige Daten über die Besucher zu erhalten. Je mehr man über den Teilnehmer weiß, desto erfolgreicher lassen sich Veranstaltungen gestalten. In einem aktuellen Report des Forrester Instituts bezeichnet Analystin und B2B-Marketing-Expertin Laura Ramos Personalisierung als einen der besten Wege, um Events ansprechender zu gestalten: „Im sogenannten Kundenzeitalter verlangen informierte Käufer und Teilnehmer, dass Events ihre Erwartungen erfüllen.“ Datenbasierende Kenntnisse unterstützen diesen Weg der Personalisierung.

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Smart Data: Veranstalter erhoffen sich durch Apps aussagekräftige Besucherdaten.
FOTO: CEBIT
 
Lawrence Coburn, CEO des Event-App-Anbieters Doubledutch, bringt das Thema Leadgenerierung durch Daten ins Spiel: „Das wirkliche Potential von Events für Leadgenerierung liegt darin, wie Ihr Unternehmen die nach der Veranstaltung gesammelten Teilnehmerdaten nutzt.“ Durch Umfragen oder Abstimmungen über Event-Apps ließen sich “tonnenweise Daten” über die Teilnehmer, deren Ansichten und Absichten generieren, so Coburn. Man könne beispielsweise aus Daten von Umfragen während eines Events wichtige Schlüsse ziehen: „Dies hilft bei der Identifizierung von Themen und Anliegen, die bei den auf das Event folgenden Aktivitäten berücksichtigt werden sollten. Weil diese Ideen auf dem direkten Feedback von Interessenten und Kunden beruhen, kommen sie sogar bei Nichtteilnehmern gut an.“


Auch Abstimmungen würden viel über die Teilnehmer verraten: „Während sich eine Umfrage üblicherweise mit der Eventerfahrung allgemein befasst, kann eine Abstimmung über Ihre App während der Veranstaltung alles Mögliche zum Thema haben, wie Geschäftsprioritäten und Meinungen zu bestimmten Themen”, erläutert Coburn. Im Anschluss müsste man diese Daten dann mit individuellen Teilnehmerdaten kombinieren: „Darauf basierend können Sie dann gezielt auf Gruppierungen zugeschnittene Maßnahmen ergreifen, bei denen Leute zusammengefasst werden, die Branche, Interesse oder Geschäftspriorität gemeinsam haben“, erklärt der Co-Founder des Unternehmens. Würden Veranstalter ihre „Hausaufgaben“ in dieser Richtung erledigen, ließen sich jede Menge Leads generieren. Alles basierend auf Daten, die aus einer Event-App gewonnen werden können.

Was Smart Data ebenfalls bedeuten kann, wissen die Software-Entwickler von Heidelberg Mobil International. Für Thomas Apfelthaler, Leiter Marketing, Vertrieb & Produktmanagement des Unternehmens, liegt der Schlüssel für den Erfolg von Veranstaltungen in der Beschaffung von Daten. „Das beginnt mit einem webbasierten System zur Teilnehmerregistrierung, Terminvereinbarung und dem Abfragen von Präferenzen, um Besuchertypen klassifizieren zu können. Beides funktioniert beispielsweise durch die Integration der unterschiedlichen Eventmanagement- Lösungen eines Veranstalters zu einem System und kann bereits heute auch innerhalb einer Event- App eingesetzt werden.“ Die „EventApp360" von Heidelberg Mobil biete hier verschiedene Möglichkeiten, Erkenntnisse zu gewinnen.

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Auf „Deep Map“ lassen sich Ausstellerdaten, Veranstaltungsdaten, Produktdaten oder Nutzerdaten bündeln.
FOTO: HEIDELBERG MOBIL

Zu den Punkten, die sein Kollege Coburn aus den USA nennt, fügt Apfelthaler die unmittelbare Interaktion auf einer Veranstaltung an: „Schaffen es die Veranstalter, die Teilnehmer durch einen spielerischen Ablauf – etwa durch Umfragen, Rallyes und Challenges – aktiv in das Event einzubinden, lassen sich wertvolle Informationen generieren“, sagt Apfelthaler. Auch er ist überzeugt, dass Besucher individuell auf sie zugeschnittene Informationen erwarten: „Das kann ein interessanter Vortrag, der günstigste Deal beim Mittagessen oder ein guter Gesprächspartner sein.“ Für Veranstalter sei das Wissen um die Bedürfnisse der verschiedenen Teilnehmer ihrer Events daher unerlässlich. Die Lösung, die sein Unternehmen hierfür entwickelt hat, nennt sich „Deep Map". Auf dieser Plattform lassen sich Ausstellerdaten, Veranstaltungsdaten, Produktdaten oder Nutzerdaten bündeln und analysieren.


Ein Partner, mit dem Heidelberg Mobil zusammenarbeitet, um sogar Bewegungsdaten von Besuchern auszuwerten, ist die Deutsche Messe AG. Mit Hilfe von Geo-Analytics und unter dem Einsatz der Event-App können Besucherströme auf dem Messegelände in Hannover anonymisiert erfasst und entsprechend ausgewertet werden. Thorben Grossers Eventmobi investiert viel Energie in die Auswertung von Daten, die im Zuge einer Konferenz entstehen, und legt seinen Kunden das eigene Reporting-Tool nahe.

„Auf entsprechenden Performance Dashboards werden Echtzeit-Statistiken aufgeführt, die datengesteuerte Entscheidungen wesentlich einfacher machen“, so Grosser. Sein Unternehmen beschäftigt dazu eigens Statistik-Experten. Der Trend, dass Kunden immer mehr Daten gewinnen und auch nutzen wollen, zeichne sich deutlich ab, erklärt Grosser, der sowohl Rohdaten als auch aufbereitete Daten an seine Kunden weiter gibt.

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Daten zu beschaffen ist kein Problem. Die Kunst ist es, sie zu verstehen.
FOTO: CEBIT
 
Den zweiten großen Trend im Bereich der Event- Applikationen, den der Spezialist für Veranstaltungs- Applikationen ausmacht, ist der der Integration. „Prozessoptimierung steht gerade im Hinblick auf die Organisation bei vielen Veranstaltungsplanern ganz oben auf der Agenda“, so Grosser. Vom Event-Einkauf über die Durchführung bis zur Nachbereitung sind unterschiedliche Software-Lösungen im Einsatz. „In der Praxis ist es nämlich selten der Fall, dass lediglich ein System im Einsatz ist“, erklärt Grosser. „Und wenn Daten manuell zwischen verschiedenen Programmen hin- und hergeschoben werden, entstehen nun mal Fehler.“ Der Trend ginge daher eindeutig zur Verknüpfung von Eventmanagement-Systemen oder Buchungs-Plattformen mit dem eigenen CRM-System (Customer-Relationship-Management). Auch Apps betreffe das. Grosser nennt Einlassmanagement oder Badge-Druck in Echtzeit als anschauliche Beispiele.

„Wir möchten eine Plattform schaffen, mit der wir möglichst viele Schritte der Eventplanung abgedeckt haben“, 

 
erklärt Grosser die strategische Ausrichtung von Eventmobi. „Wir haben bereits intensiv in Schnittstellen investiert.“ Etouches, a2z und Salesforce sind nur einige der Systeme, in die Daten aus der Eventmobi- App nahtlos integriert werden können.

Heidelberg Mobil denkt das Thema Integration ebenfalls einen Schritt weiter und plant, künftig verstärkt Marken wie Roadshows oder Konferenzen ganzheitlich zu begleiten. „Thematisch wie inhaltlich“, sagt Thomas Apfelthaler. „Das heißt, für eine Veranstaltungsreihe gibt es dann immer die gleiche Landingpage, die gleiche App, die gleiche Ticketing- Lösung und so weiter.“ Die Vorteile lägen auf der Hand. Apfelthaler zählt auf: Daten müssten nur einmal erfasst werden, es gäbe zentralisierte Nutzer- Accounts, ein Passwort statt vieren und die Teilnehmer könnten eine Veranstaltung in ihrer Region physisch besuchen, an anderen virtuell teilnehmen und sich mit anderen Besuchern vernetzen.

Auch hier verstehen die App-Anbieter Integration als Schlüssel zur Vereinfachung: „Der Einsatz neuer, verschiedener Technologien ist nachvollziehbarerweise kompliziert und funktioniert nicht immer reibungslos – das ist für Veranstaltungsplaner mitunter frustrierend“, sagt Thorben Grosser. „Es ist unser Anspruch als Anbieter, grundsätzlich simple Lösungen zu schaffen.“ Auch das ist eine Kunst. CHRISTIAN FUNK
 

www.eventmobi.dewww.heidelberg-mobil.comwww.doubledutch.me
Ein großer Trend im Bereich der Event-Apps ist Integration.

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