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INTERVIEW

„Hamburg musste eine Menge aushalten“

Während des von Gewalt überschatteten G20-Gipfels führte Thorsten Kausch, bis 2016 Chef des Hamburg Convention Bureau (HCB), die Demonstration „Hamburg zeigt Haltung“ an. Im Interview erklärt der heutige Berater, was der G20-Gipfel für Hamburg und die Meeting-Branche bedeutet.

tw: Was bedeutet der G20-Gipfel für die Veranstaltungswirtschaft in Hamburg generell?
Thorsten Kausch:
Den G20-Gipfel kann man nicht mit anderen Veranstaltungen vergleichen. Vom Aufwand und den Konsequenzen für die ausrichtende Stadt ist er einzigartig. Hintergrund sind nicht nur die 20 Regierungschefs und ihre Entourage. Es sind weitere Länder und internationale Organisationen sowie Wirtschaftsdelegationen von bis zu 800 Teilnehmern je Land vertreten. Durch einige Reizfiguren des politischen Parketts hat eine unglaubliche Polarisierung stattgefunden, die ihresgleichen sucht. Mir ist kein anderes Format bekannt, welches so viel Aktionismus und Emotionalität auf der einen und schlimmste Brutalität auf der anderen Seite ausgelöst hat. Aus der Perspektive der Veranstalter ist der G20 dagegen gut gelaufen. Der Gipfel ist nicht eingeschränkt, sondern komplett durchgeführt worden. Ohne Zweifel haben auch die logistischen Ströme gut funktioniert. Die Stadt war dafür professionell aufgestellt und bot als Veranstaltungsstandort ein positives Bild. Bei der Sicherung der Bevölkerung gab es hingegen große Probleme, die zu Zorn, Verärgerung und teilweise Angst führten und die Akzeptanz von Großevents dieser Art in Hamburg in Frage stellen.

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Thorsten Kausch als Politaktivist hinter einem Transparent (ganz rechts)
FOTO: HAMBURGZEIGTHALTUNG

Was haben Sie als größte Schwierigkeiten und Herausforderungen wahrgenommen bei der Durchführung des G20-Gipfels vor Ort?
An erster Stelle die unglaubliche Gewaltbereitschaft und Zerstörungswut und die mangelnde Sicherheit. Aber auch die Verkehrsbehinderungen sowie eingeschränkten Erreichbarkeiten (z.B. der City) müssen erwähnt werden. Doch bedeutet es eine Haltung, trotz dieser schwierigen Umstände die Veranstaltung durchzuführen und zu sagen: Dieser Kongress gehört in diese Stadt! Über diese Haltung kann aber politisch diskutiert werden. Es zeigt sich, dass die Frage „Welches Event passt in meine Stadt und wird angenommen?“ auch hier seine Berechtigung hat.

Sie würden sagen, hier wurde Demokratie ermöglicht und die Versammlungsfreiheit geschützt während des G20-Gipfels?
Es war ein schwieriger Spagat zwischen der Gewährung unserer Grundrechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit einerseits und der gleichzeitigen Gewährleistung der Durchführung des G20-Gipfels andererseits. Das ist gut gelungen. Dabei muss man sich ansehen, wie viele Demonstrationen an den Tagen stattgefunden haben, die alle friedlich verlaufen sind. Auch unsere Initiative hat bereits im Vorwege ein Zeichen setzen und die Hamburger motivieren können, sich zu engagieren. Wie viele Menschen am Ende auf die Straße gegangen sind, war schon beeindruckend. Diese Stadt musste im Zuge des G20-Gipfels sicher eine Menge aushalten. Sie hat aber auch bewiesen, dass sie einen solchen Gipfel durchführen kann, sogar eine große Toleranz dafür aufbringt. Auch der Ärger der Hamburger, dass sie in Bussen, Bahnen, vor allem aber auch ihren Autos oft stecken geblieben sind, hielt sich insgesamt in Grenzen. Die große Mehrheit hatte Verständnis, auch, weil es eine gute Informationspolitik seitens des Veranstalters dafür gab. Völlig klar ist aber auch, dass aus der Sicherheitsperspektive betrachtet vieles nicht gut lief. Die Gewaltausbrüche waren natürlich katastrophal.

Und was überwiegt – hat Hamburg als Veranstaltungsstandort einen Imageschaden erlitten, oder können Veranstaltungsplaner das Ganze tatsächlich rein positiv sehen?
Rein positiv kann man das sicher alles nicht betrachten! Ich würde es mit Licht und sehr viel Schatten bewerten.  INTERVIEW: FRANK WEWODA
 

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