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WISSENSSTÄDTE

Globale Debatten führen

Im Wettbewerb der Wissensgesellschaften der Welt gelten internationale Kongresse als Schaufenster. Sie zeigen die Inhalte, Ideen und Innovationen einer Region. Immer mehr Destinationen werben in Bids mit ihren Kompetenzfeldern.

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ls die „olympischen Spiele“ der Öl- und Gasindustrie bekannt, mobilisiert der World Petroleum Congress (WPC) mehr als 6.000 Delegierte, 500 CEOs, 50 Minister und rund 25.000 Besucher zur World Petroleum Exhibition an. Den Zuschlag für den World Petroleum Congress (WPC) 2020 erhielt Houston. „Houston ist das Epizentrum für Energie auf globaler Ebene, hier werden die neuen Technologien entwickelt“, so Houstons Bürgermeister Sylvester Turner bei der Bekanntgabe in Bahrain. „Wir haben sechs Jahre damit verbracht, Beziehungen zu den WPC-Delegierten aufzubauen, das hat sich ausgezahlt“. Seine Freude ist umso größer, als die Texaner 2014 Moskau unterlagen und 2017 Istanbul. Die US-Stadt rechnet zum WPC2020 mit einem Wirtschaftseffekt von bis zu 80 Mio. USD und der Teilnahme von 10.000 Führungskräften der Ölindustrie.

„Wir freuen uns, die WPC National Committees aus aller Welt bei uns in Houston zu begrüßen, wo an vielen Innovationen im Energiesektor, technologischen Entwicklung und Sicherheitsinitiativen gearbeitet wird“, bekräftigt Ashley White, Greater Houston Partnership. Houston ist eine der Welt-Energie-Hauptstädte und mit 26,6% der Jobs in der Öl- und Gasförderung US-Energie- Hauptsitz sowie die Heimat von BP’s Center For High Computing und Dow Chemical’s Texas Innovation. Houstons Golfküste steht mit 4,5 Mio. Barrel Öl pro Tag für 25% der Raffineriekapazität der Nation. „Wir sind das zu Hause der Offshore Technology Conference (OTC), CERA Week und aktuell des Sekretariats des World Energy Cities Partnership (WECP) aus 19 Energie- Städten“, zählt White auf. WECP sucht den Austausch über die Energiewirtschaft hinaus in Bereichen wie Bildung, Umwelttechnik, Medizin und Bio-Wissenschaft. „Diese Ressourcen planen wir, den WPC2020-Delegierten zur Verfügung zu stellen“, kündigt sie an.

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Houston is among the world's energy capitals, US energy headquarters and home of the World Petroleum Congress 2020.
FOTO: VISIT HOUSTON

„Für WPC2020 hat Houston viel investiert, um die Stadt auf die Weltkarte für Meetings zu setzen“, berichtet Jorge Franz, Senior Vice President für Tourismus und das Greater Houston CVB. 1,5 Mrd. USD sind in den neuen „Downtown Convention District“


geflossen; in das renovierte George R. Brown Convention Center (GRBCC) – siehe auch Seite 6 – das neue 1.000-Zimmer- Marriott Marquis Houston und das neue 1.200-Zimmer Hilton Americas- Houston, beide verbunden mit dem Kongresszentrum. Somit liegen rund 7.600 Zimmer in Laufentfernung zum GRBCC, umgeben von den drei Stadien Minute Maid Park, Toyota Center und BBVA Compass Bank. „Neben einem begehbaren Tagungsviertel nahe von Oper, Ballett, Symphonie und darstellenden Künsten, mehr als 80.000 Hotelzimmern, der Anbindung an 187 Städte aus der Welt, sind wir bereit, den Delegierten ein unvergleichliches Erlebnis während dem WPC2020 zu bieten“, ergänzt Ashley White.

„Visit Houston hilft Planern aus Verbänden und Firmen bei der Identifizierung lokaler Stakeholder zur Zusammenarbeit“, informiert Daniel Palomo von Visit Houston. „Internationale Verbände brauchen starke wissenschaftliche und lokale Organisationskomitees, Tagungsplaner Hilfe bei der Sponsorensuche.“ Zudem öffnet Visit Houston die Türen zu Technical-Tours. Das gilt nicht nur für den Energiesektor. White betont: „Houston ist viel mehr als Energie. Es ist auch Amerikas dritter Standort für Life Sciences, dank des Texas Medical Center, des größten in der Welt. Aufgrund unserer Stärken in diesen Schlüsselindustrien, gilt Houston vermehrt als ‚Brutstätte der Innovation‘.” Als Mitglied der BestCities Global Alliance mit zwölf Partner- CVBs wie Berlin, Dubai, Melbourne, Singapur und Vancouver strebt Houston nach der besten Dienstleistungsqualität für internationale Verbandsplaner.

Vancouver gratuliert seinem Allianz-Partner Houston zum WPC2020, selbst wenn die Kanadier im Finale verloren. „Auf der WPC2017 in Istanbul habe die Mitglieder Vancouver ermutigt, erneut anzutreten“, berichtet Chantal Sturk-Nadeau. Die Direktorin von Business Events Canada versichert: „Tourismus Vancouver engagiert sich weiterhin für WPC Kanada und eine neue Bewerbung erörtern.“ Ist doch Kanada stark im Energiesektor und Vancouver nicht nur gut erreichbar im Asien-Pazifik-Raum, sondern engagiert in Sachen Nachhaltigkeit. Die Stadt hat die niedrigste CO2-Bilanz der Städte Nordamerikas und bezieht 90 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen. Bis 2020 will sie die grünste Stadt der Welt werden.

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World Future Energy Summit 2018 will take place at the Abu Dhabi National Convention Centre (ADNEC).
FOTO: ADNEC

Gerade bewirbt sich Tourism Vancouver um die International Gas Union 2024. Seit 2013 konzentriert sich Business Events Canada bei Bids auf sieben Schlüsselsektoren wie Informations- und Kommunikationstechnologie, Life Sciences, Infrastruktur und Ingenieurwesen, Agrikultur und Lebensmittelindustrie. „Diese Prioritäten stehen im Einklang mit den Bereichen, in denen Kanada international als Kompetenzzentrum anerkannt ist“, begründet Sturk-Nadeau die Auswahl. „Jede Einheit spiegelt die Bedeutung eines Sektors wider und die Rolle von Konferenzen – weit über das Füllen von Hotelzimmern und Kongresszentren hinaus –in der Unterstützung von Kanadas internationaler Prioritäten bei Geschäften und Investitionen.“

Deutschland folgt derselben Logik. „Neben der hervorragenden Infrastruktur und dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis tragen vor allem die Kompetenzen deutscher Städte und Regionen in wichtigen Branchen aus Wissenschaft und Wirtschaft zu diesem unverwechselbaren Profil bei“, weiß Matthias Schultze. Der Geschäftsführer des German Convention Bureaus (GCB) hat 
sechs Branchenschwerpunkte
 gesetzt: Medizin und Gesundheit, Transport, Logistik und Verkehr, Chemie und Pharma, Technologie und Innovation, Energie und Umwelt sowie Finanzdienstleistungen. Diese bildet der GCB-Kompetenzfelder-Atlas auf sieben Landkarten ab, sechs weitere Karten zeigen die regionalen Branchenschwerpunkte innerhalb der einzelnen Kompetenzfelder.



Beispiel Mainz: Die Landeshauptstadt prägen zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen. Das trug der ihr 2011 den Titel „Stadt der Wissenschaft“ ein. Aushängeschild des Hochschul- und Wissensstandorts ist die Johannes-Gutenberg-Universität. Dank der ihrer renommierten Unimedizin hat Mainz bei Medizin und Gesundheit eine hohe Kompetenz. „Als Kongressveranstalter und Locationmanager profitieren wir sehr von unseren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Innerhalb dieses Netzwerks sind wir eng mit den Akteuren verbunden und erster Ansprechpartner für Kongressplanungen“, sagt August Moderer, Geschäftsführer von mainzplus Citymarketing. Seine Mitarbeiter stehen Partnern aus Wissenschaft und Forschung bei Kongressen zur Seite wie im September zur Third International Cancer lmmunotherapy Conference in der Mainzer Rheingoldhalle.

Veranstalter sind das Cancer Research Institute (CRI), die Association for Cancer lmmunotherapy (CIMT), die European Academy of Tumor Immunology (EATI) und die American Association for Cancer Research (AACR). Mehrfach hatten die Mainzer die Association for Cancer lmmunotherapy (CIMT) zu Gast und haben als PCO vor zehn Jahren mit Prof. em. Dr. Christoph Huber, ehemaliger Leiter der Abteilung für Hämatologie und Onkologie an der Johannes Gutenberg Universitätsklinik und seinem Team die CIMT-Konferenz aufgebaut.

„Für uns als international ausgerichteter Verein mit Sitz in Mainz war es ausgesprochen wichtig, einen Standort für unsere Konferenz zu finden, der beide Aspekte verbindet: Die Internationalität durch die zentrale Lage in Europa mit hervorragender Anbindung an den Frankfurter Flughafen sowie die Verbundenheit zu Mainz als eines der europaweit führenden Forschungszentren im Bereich der Krebsimmuntherapie“, bestätigt Prof. em. Huber. Nicht zuletzt hat die langjährige Zusammenarbeit mit mainzplus bei der Durchführung des jährlichen wissenschaftlichen Kongresses den Ausschlag gegeben, diesen zu den weltweit führenden internationalen Kongress seiner Art zählt, in Mainz stattfinden zu lassen.

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Als die Houston- Delegation im Juli nach Frankfurt kam, war die Welt noch in Ordnung (siehe Seite 6) v. l.: Andy Icken (City of Houston), Jorge Franz (Visit Houston), Bürgermeister Sylvester Turner, Bill McKeon (Texas Medical Center), Bob Harvey (Greater Houston Partnership).
FOTO: VISIT HOUSTON

Die „Abu Dhabi 2030 Economic Vision“ umfasst zwölf Zukunftsfelder wie Energie, aber auch Biotechnologie und Life Sciences, Transport und Telekommunikation. Bei internationalen Kongressen und Events aus einem diesem Themenbereiche, die die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Emirates fördern, greift das „Advantage Abu Dhabi“ des Abu Dhabi Convention Bureaus. „Im Rahmen unseres Förderprogramms unterstützen wir Planer in allen Belangen bei der Organisation“, erläutert Frank J. Müllauer, Abu Dhabi Tourism & Culture Authority. Als relevante Themen für Tagungen nennt der Senior MICE Promotion Executive, Germany, Austria, Switzerland & the Netherlands, Energie. Schließlich zählt das größte der Emirate zu den reichsten Ländern an Öl und Gas, was die Abu Dhabi International Petroleum Exhibition and Conference (ADIPEC) und der World Future Energy Summit (WFES) 2017 unterstreichen. Auch Healthcare und Pharmaceuticals verlassen viele Meetings.

Müllauer: „Bisher haben wir dieses Jahr zehn Bids in den Bereichen Medizin, Infrastruktur, Tourismus, Statistik & Information eingereicht und drei gewonnen.” Darunter sind der World Congress of the International Federation of Esthetic Dentistry 2021 und das World Urban Forum 2020. Der Zuschlag für den World Energy Congress 2019 liegt etwas zurück. „Wir haben den Kongress 2014 gewonnen und arbeiten eng mit dem Komitee zusammen”, erinnert sich Müllauer. Das Flaggschiff-Event des World Energy Councils, der alle drei Jahre stattfindende World Energy Congress, hat sich seit 1924 als globales Forum für Lösungen zu Energiefragen etabliert und bringt Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um die globale Energiedebatte zu führen. Der Energieminister der VAE Seine Exzellenz Suhail Al Mazrouei erklärt: “Als die Vereinigten Arabischen Emirate beschlossen, sich um den World Energy Congress 2019 zu bewerben, taten sie das mit der Vision, den besten Kongress in seiner über 90-jährigen Geschichte zu liefern.”  KERSTIN WÜNSCH
 

www.visithoustontexas.com/meetingswww.businesseventscanada.cawww.gcb.dehttp://abudhabi-cb.ae/en
The "Abu Dhabi 2030 Economic Vision" includes twelve key technologies such as energy or life sciences.
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Christoph Huber is professor emeritus and former Head of the department of Hematology and Oncology at the Johannes Gutenberg University Medical School in Mainz.

FOTO: IMMUNOLOGISCHE KREBS-THERAPIE E.V. / CIMT
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