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ASERBAIDSCHAN

Wo der Osten mit dem Westen verschmilzt

So groß wie Österreich und mit Weltklasse-Infrastruktur: Eine international ausgestrahlte Fernsehsendung im Jahr 2012 war der Zündfunken für die noch junge Meeting- und Event-Industrie in der Kaukasus-Republik.

A
n den singenden Industriemechaniker Roman Lob wird sich heute kaum jemand mehr erinnern. Aber schon an den Ort, wo Lob als Vertreter Deutschlands beim European Song Contest (ESC) im Mai 2012 auftrat: Baku, Hauptstadt Aserbaidschans. Wer seinen Kollegen erzählt, er flöge demnächst für einen Kongress in diese Stadt in Vorderasien, dem wird fast immer beschieden, mit Baku den Gesangswettbewerb in Erinnerung zu haben. Der ESC in Baku war ein Spektakel der Superlative, Aserbaidschan ein großartiger Gastgeber. Die Hauptstadt der Kaukasus- Republik hatte sich mit hunderten Millionen Euro auf die größte Fernseh- Unterhaltungsshow der Welt vorbereitet. Eigens für die Show war die Kristallhalle direkt am Kaspischen Meer in nur acht Monaten hochgezogen worden – fast ausschließlich von deutschen Unternehmen und Architekten.
              

Jetzt steht sie da, diese High- Tech-Halle für 23.000 Menschen, die ihre Außenhülle per Computersteuerung in die Farben jedweder Nationalflagge oder auch Firmenlogos verwandeln kann. Es ist diese Mischung zwischen Ultramodernität und historischen Gebäuden. Dieser Mix macht Aserbaidschan so reizvoll. Irgendwie ist das Land ein bisschen Kaukasus, Türkei, Persien und eine ordentlichen Prise Russland. Der Osten verschmilzt mit dem Westen. Die Hauptstadt Baku ist, – auch wegen des Erdöl-Booms – hip und reich.

Die unübersehbaren Flame Towers sind ein markanter Hochhauskomplex aus drei Türmen, die nachts wie züngelnde Flammen beleuchtet werden. Sie stehen im reizvollen Kontrast von Moscheen. Der ummauerte Teil der historischen Altstadt von Baku mit Shirwan Shah Palast und Mädchenturm ist zum Weltkulturerbe deklariert worden.

Auch die Hotels sind meist eine Augenweide – und mit riesiger Betten- und Tagungskapazität. Deswegen kann sich das Land nun schick machen für Planer aus Deutschland. Wie ein kleines Schloss sieht das Four Saisons im Beau-Art-Stil aus. Die 172 Zimmer haben alle ein Marmorbad und Blick auf das Kaspische Meer oder die Altstadt. Das Haus mit seinen acht Tagungsräumen eignet sich für Corporate Events für bis zu 800 Teilnehmer.

Wer Gruppen sehr exklusiv mit eigenem Flur und unbehelligt durch andere Gäste in einem privaten Restaurant dinieren lassen möchte, ist im Hilton Baku mit der modernen Glasfassade richtig. Das Hilton hat sechs Konferenzräume. Der größte nennt sich Sevda Ballroom und hat eine Kapazität für bis zu 500 Teilnehmer. Große Gruppen sind gut im JW Marriott Absheron Baku aufgehoben. Wenn die Ölindustrie zu exklusiven Treffen einlädt, dann bucht sie hier, weil Platz für mehr als 1.000 Gäste ist.
             
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Baku, Aserbaidschans Hauptstadt, besticht architektonisch durch den Mix aus alten und neuen Gebäuden.
FOTO: AZERBAIJAN CONVENTION BUREAU

Hotel und Kunst-Museum zugleich: Einfach fabelhaft ist das Fairmont Baku in den Flame Towers mit dem grandiosen Ausblick aus der raumhohen Glasfassade. In den öffentlichen Bereichen des Hotels, aber auch auf den 318 Zimmern ist moderne Kunst ausgestellt. Der Wert alleine der Exponate wird auf eine dreiviertel Milliarde US-Dollar geschätzt. Schon in der Lobby wird das sichtbar; in luftiger Höhe hängt eine 15 mal 15 Meter große Lampe aus zehnttausenden Swarovski-Kristallen im Wert von zwei Millionen US-Dollar. Dieser Kronleuchter wiegt 1,5 Tonnen.

Noch mehr Platz hat das Boulevard Hotel – es ist mit 818 Zimmern das größte in Baku. In den Ball Room passen 1.000 Delegierte an runden Tischen, im Theater-Set-up sogar 1.500. Der Service im Haus arbeitet unter der Regie des deutschen Hoteldirektors Patrick Iserlohe geräuschlos und perfekt. Die Bar im Erdgeschoss ist gemütlich, offeriert bei schönem Wetter eine Außenterrasse mit Blick auf das Kaspische Meer.

Von hier ist es nur ein Katzensprung zum Baku Convention Center. Die mega-moderne Architektur mit viel Aluminium und feinziseliertem, hellem Marmor erinnert an die der Europäischen Zentralbank in Frankfurt oder die BMW-Welt in München. Und das ist kein Wunder. Architekt war der Österreicher Wolf D. Prix mit seinem Büro Coop Himmelb(l)au. Geld dürfte beim Bau keine Rolle gespielt haben, Prix durfte sich austoben, so dass das Convention Center ein Superlativ nach dem anderen erfüllt: In der Eingangshalle begrüßt eine der größten LED-Bildschirme der Welt die Besucher, die Garderobe ist ein Robot, der Mäntel und Jacken vollautomatisch verstaut. Besonders stolz ist Center-Managerin Nasrin Shamkalova auf die 15 Break-Out-Räume, die mittels elektrisch verstellbaren, computergesteuerten Solarspiegeln auf dem Dach mit Tageslicht geflutet werden können. Im Auditorium versenken sich die Stufen hydraulisch; der Raum verwandelt sich auf Knopfdruck zum gigantischen Ballsaal. Im Sommer erst tagten hier 2.500 Teilnehmer des Unesco-Weltkulturerbe-Komitees.
          
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Fuad Nagiyev (links) und Florian Sengstschmid, ein aserbaidschanisch-österreichisches Dream-Team.
FOTO: THOMAS GRETHER

Gegenüber des Convention Centers steht ein nicht minder beeindruckender Bau, das Heydar Aliyev Center. Dieses 2013 eröffnete Kulturzentrum birgt das neue Nationalmuseum, eine Bibliothek sowie Konzert- und Konferenzsäle in sich. Der größte Saal, die Auditorium Hall, hat dank ihrer Auskleidung mit kanadischer Eiche eine hervorragende Akustik. Schon viele internationale Symphonieorchester haben sich im Orchestergraben für 120 Musiker wohl gefühlt. Der amtierende Präsident Ilham Aliyev ließ das Gebäude in Erinnerung an seinen verstorbenen Vater, den ehemaligen Präsidenten Heydar Aliyev, errichten. Nun steht der fließende Baukörper als Sinnbild für die Erneuerung und Modernisierung der aserbaidschanischen Gesellschaft.

Diese Gesellschaft in Baku ist jung und gut ausgebildet. Zwar ist die vorherrschende Religion der schiitische Islam. Das merkt der Tagungsteilnehmer in der ehemaligen Sowjet-Republik aber nicht; die meisten Frauen tragen weder eine Verschleierung noch ein Kopftuch, doch zumeist westliche Marken-Kleidung. Wer sich in eines der vielen guten Restaurants der City setzt, der sieht besonders die Jüngeren an einem Wein oder Bier nippen. Das Essen kann der Gast am ehesten mit der jüngeren Küche der Türkei vergleichen. Und auch die Sprache, die offiziell aserbaidschanisch heißt, darf als alt-türkisch bezeichnet werden.

Das Straßenbild wirkt aber dank kräftig sprudelnder Gas- und Ölvorkommen viel wohlhabender als das der nahen türkischen Republik – und westlicher: Paare schlendern händchenhaltend durch die City. Voll verschleiert mit Burka sind nur die Touristen aus dem Nachbarland Iran. Sie machen besonders in den Sommermonaten des milden Klimas wegen Kälte-Urlaub. Während es im Iran in den Mittagsstunden leicht 50 Grad haben kann, ist das Klima in Baku eher mediterran. Die Gegend um die Ferienregion Gabala, etwa zweieinhalb Autostunden von der Hauptstadt entfernt, hat für Veranstaltungsplaner viel zu bieten. Das Shamaxi Palace ist das Hotel einer türkischen Investorengruppe und offeriert für Meeting-Gruppen mit bis etwa 350 Teilnehmern neben moderner Konferenztechnik viel Natur.
    

“THE NEXT STEP IS BUSINESS EVENTS”

Die Gesellschaft in Baku ist jung und gut ausgebildet, ganz wie Sevda Aliyeva.FOTO: AZERBAIJAN CONVENTION BUREAU
Die Gesellschaft in Baku ist jung und gut ausgebildet, ganz wie Sevda Aliyeva.
FOTO: AZERBAIJAN CONVENTION BUREAU
Sevda Aliyeva, Director of the Azerbaijan Convention Bureau, about the meeting industry in her country and the International Astronautical Congress 2022 in Baku.

tw: You are a member of the International Congress and Convention Association (ICCA). Why is this membership important for you?
Sevda Aliyeva: We are a member of ICCA since we have been established. So far, using the platform, we have researched 365 potential business events for destination Azerbaijan and currently our team works extremely hard to transform their status from “potential leads” to “won bids”. Last but not least, by being a member of ICCA, we get aquatinted with our peers and colleagues all over the word. ICCA allows us to study and learn international standards and share experiences. There are several annual events held by ICCA that are informative, experiential and educational in nature. As such, we were attending ICCA Congress this year in Houston.

What has been your latest big project?
Currently, we are working on many different association business events. However, the biggest attention was dedicated towards bidding for the International Astronautical Congress with more than 6,000 delegates for 2022 – which we just won! We are working on this project together with the local member of International Astronautical Federation – “AzerCosmos”. A working group has been created and thanks to this enthusiastic and professional team that works extremely hard we will welcome the congress in our beautiful capital city Baku.

What major international congresses did just take place in Azerbaijan or will take place over the next months?
For the last year, we have put a lot of efforts to raise public awareness of Azerbaijan as a destination. As a result, Azerbaijan already became a host country for numerous association business events; International Pediatric Conference, World Custom Organization IT&TI Conference and Exhibition, Union of International Architects Forum, and many others. Over the next months, we will be hosting Association for Computing Machinery Wom Encourage Conference, IEEE Conference on Information Application, IATA Safety and Flight Ops Conference and many others.

Please tell us in a few sentences why international meeting planners should keep Azerbaijan in mind for their meetings.
As a professional in this industry, I know Azerbaijan has everything to become one of the most appealing destinations for both international participants as well as the event owners and organizers. As many other destinations, we definitely offer variety of world-class conference facilities, international and local hotel chains and on-site activities, however what make us a really unique destination are our culture and people! Azerbaijan is an Eastern country, but with a Western outlook – this exceptional combination of antiquity and novelty added by warm hospitality of people invite its guests to get unforgettable experiences. Our rich cultural heritage, welcoming spirit, and modern city life leave a lasting impression…

What are you doing in Germany to make you known as a meeting destination and how is Germany developing as a source country for you?
Firstly, I would like to mention that, currently Azerbaijan Convention Bureau operates under the umbrella of the Azerbaijan Tourism Board, but targets the segment related to business events only. With the help of colleagues from our representative office in Germany, we constantly study the German market and actively promote Azerbaijan by participating in different tradeshows, exhibitions, seminars, workshops, roadshows as well as by organizing our own events, sales calls and missions.

What about your future plans?
We have great abilities and records in organizing world’s major sporting and cultural events and the next step is – Business Events! Azerbaijan is fully equipped and willing to host major business events. We are maybe not be a large country but is one with great ambition, diverse culture, and world-class infrastructure. A little bit more time and Azerbaijan will be transformed to the worlds’ most competitive Business Events Destination.
THOMAS GRETHER
                


Wer durchs Gebirge fährt, sieht zahlreiche einfache Hütten zum Übernachten. Komfortabler geht das im Qafqaz Riverside Hotel, wo die Mahlzeiten in offenen Hütten am rauschenden Bergbach serviert werden. Nach zwei Minuten Fahrt führt eine Rolltreppe an gelben Glaselementen hoch zur Gabala Congress Hall. Sie fasst bis zu 1.200 Delegierte. Weil die Architektur sehr russisch anmutet, planen Meeting-Experten des speziellen Ost-Feelings wegen hier gerne Tagungen für Ministeriumsmitarbeiter aus aller Welt: die hohen Fenster geben den Blick frei auf spektakuläre Gebirgsansichten.

Der westliche Geist kann Schießübungen während eines Business Events zwar kritisch beäugen. Ausprobieren sollte man das im Gabala Shooting Center dennoch auf alle Fälle – weil es zur aserbaidschanischen Kultur dazu gehört. Die Freunde daheim werden staunen, wenn sie Berichte hören, wie es im Trommelfell hallt, wenn die Schüsse mit einer echten Kalaschnikow die Zielscheibe zerfetzen. Pistolen und Jagdgewehre zuhauf lagern in den Waffenschränken des Schieß- Event-Centers genauso wie Jagdgewehre. Letztere nutzen besonders gerne die Wüstensöhne und -töchter aus den arabischen Nachbarstaaten zum Training, die anreisen, um in Gabala gegen gute Bezahlung zur Jagd zu gehen.

Etwas „westlicher“ mutet hingegen eine Führung mit einer Weinprobe bei der Aspi Winery Salavan an. Sommelier Gafur Jalilov offeriert 21 Sorten Wein (Geheimtipp: der trockne Chardonnay). Danach macht ein Trip per Seilbahn in die Berge doppelt so viel Spaß, wo man ein gutes Abendessen mit noch besserer Fernsicht genießen kann.
               

Zum Schluss noch, zurück in Baku, besuchen wir Florian Sengstschmid. Er ist ein typisches Beispiel, wie Aserbaidschan es versteht, die besten ausländischen Experten anzuheuern, damit es mit der Wirtschaft weiter steil bergauf geht. Sengstschmid ist CEO des Azerbaijan Tourism Board (ATB) und Chef-Berater der Regierung für Alles, was mit Tourismus und MICE zu tun hat. Außenstehende loben, wie schnell der Österreicher Dinge im Land durchsetzen kann, wenn es um Besuchergruppen geht. Da ist es von ungeheurem Vorteil, dass im Nachbarbüro Sengstschmids der Aserbaidschaner Fuad Nagiyev sitzt. Er ist Chairman der State Tourism Agency des Landes, hat Ministerrang und sitzt am Kabinettstisch von Staatspräsident Ilham Aliyev.
THOMAS GRETHER
  
https://meetinazerbaijan.com
“Azerbaijan is fully equipped and willing to host major business events.”
Sevda Aliyeva,
Director of the Azerbaijan Convention Bureau
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