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CVENT CONNECT

„Wenn Du siebenmal fällst, steh’ achtmal wieder auf”

Auf der Konferenz „Cvent Connect Europe“ blickt der Gründer Reggie Aggarval des Eventtechnologie-Anbieters an die eigenen Anfänge zurück, appelliert an den Unternehmergeist der Teilnehmer und lässt sie in die Zukunft der Veranstaltungswelt blicken.

„D
iese kleinen grauen Kästchen hier oben an der Decke zeichnen Eure Bewegungsmuster genau auf. Falls Ihr Euch gefragt habt, wofür die RFID-Chips in Euren Badges gut sind.“ Senior Product Manager Nathan Chin führt eine Gruppe von 20 Interessierten bei einer „Tech Tour“ durch die Konferenzräumlichkeiten des Intercontinental The O2 während der CventConnect in London, um die Produkte des amerikanischen Eventtechnologie-Anbieters in Aktion zu präsentieren. „Für die gesamte Konferenz nutzen wir ausschließlich unsere eigenen Features“, sagt Chin und erklärt sämtliche Onsite-Lösungen wie das Badging, das Teilnehmer-Tracking, die App oder Lead Capture quasi am Objekt. Alle anderen Tools für die Organisation von Konferenzen, fürs Marketing oder den Webauftritt werden in der angeschlossenen Ausstellung erklärt.

Die Eventtechnologie-Konferenz hat die Teilnehmerzahl seit ihrer Premiere im Oktober 2017 auf 1.200 Besucher mehr als verdreifacht und bietet nicht nur die Gelegenheit, die Produktinnovationen von Cvent kennenzulernen. Über 70 Workshops, Panelsessions und Diskussionsrunden werden während der Konferenz abgehalten. Dabei geht es um aktuelle Branchentrends, Best Practices aus den Bereichen Marketing, Event Design und Apps, um das Geschäftsklima, Nachhaltigkeit, Sozialpsychologie oder Datenschutz. Apropos Datenschutz: Dass die Teilnehmer dank ihrer RFID-Chips getrackt werden dürfen, wird zunächst bei der Anmeldung abgefragt, bei der Ausgabe der Badges noch einmal. „In den USA sind die Teilnehmer bezüglich ihrer Daten etwas freizügiger“, sagt Senior Vice President Sales Brian Ludwig, „aber wir stellen auch in Europa eine zunehmende Bereitschaft fest, sich neuen Technologien zu öffnen“.
                  
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Cvent-CEO Reggie Aggarwal wagt auf der Bühne ein Tänzchen.
FOTO: CVENT

„Ja, die Konferenz hier in London ist insgesamt schon etwas anders als in den USA“, sagt CEO und Gründer des Unternehmens Reggie Aggarwal. „Für meine Keynote hat mir das Team einige typisch amerikanische Elemente raus gestrichen, also das Tanzen und so. Während wir Amerikaner manchmal etwas zu enthusiastisch werden, ist es bei manchen Europäern üblich, innerlich zu lachen“, scherzt er. Ganz ohne Show kommt seine Keynote zwar schließlich doch nicht aus, aber dennoch nutzt er seinen Vortrag, um im 20. Jahr des Bestehens von Cvent zurückzublicken: „Als ich das Unternehmen gegründet habe, hatten wir genau ein Produkt, aber auch eine Vision: Online Event-Registrierung,” so Aggarwal. „Innerhalb von 20 Jahren sind wir von einer Handvoll Leute, die im Keller des Hauses meiner Eltern gearbeitet haben, zu einem Unternehmen mit 4.300 Angestellten gewachsen, das eine vollumfängliche Event-Management-Plattform anbietet für Planer, Marketeers und Hoteliers rund um den Globus. Der Weg dorthin war voller Höhen und Tiefen, aber wir sind unglaublich stolz darauf, was wir heute darstellen.“ Cvent hat über 27.000 Kunden und 300.000 Anwender weltweit. Über 3,5 Mio. Veranstaltungen sind mit der Hilfe von Cvent-Technologien über die Bühne gegangen, immer mehr inzwischen auch in Europa, wo das Unternehmen einen 50-prozentigen Wachstum pro Jahr verbucht, bereits 200 Mitarbeiter beschäftigt und jüngst ein Büro in Frankfurt eröffnet hat.
                   

Aggarwal appelliert in seiner Keynote an den Unternehmergeist der Besucher und teilt die fünf wichtigsten Lektionen seines eigenen Werdegangs mit Cvent: „Lektion Eins: Finde den ,Pain Point‘ und entwickle das Aspirin dazu.“ Als er damals als Rechtsanwalt nebenberuflich 30 Stunden die Woche Veranstaltungen organisierte – „mit Excel, Outlook, Papier und unzähligen Post-its“ – identifizierte er die vielen manuellen Prozesse als „Pain Point“ und entwickelte Cvent als das „Aspirin“ gegen die Organisationsschmerzen. Seine weiteren Lektionen: „Die DNA Deines Unternehmens sind die Mitarbeiter.” Und: „Wenn Du siebenmal fällst, steh’ achtmal wieder auf” – dabei sprach er sehr offen über schwierige Zeiten mit Cvent, als er 2001 350.000 US-Dollar Schulden angehäuft hatte, auch gegenüber seiner Familie. „Erschaffe eine ‚intrapreneuriale‘ Kultur“, also eine Unternehmenskultur, in der auch die Angestellten wie Unternehmer denken und handeln. „Um eine ,intrapreneuriale‘ Kultur zu schaffen, muss man die Mitarbeiter befähigen zu handeln, Risiken einzugehen und Entscheidungen zu treffen, als ob es sich um ihr eigenes Unternehmen handeln würde. Mitarbeiter müssen so agieren, als ob das Geld, das sie ausgeben, ihr eigenes ist, und das Verhalten sollte von Werten und nicht von Regeln bestimmt werden. „Sei mutig. Gehe Risiken ein. Schieße übers Ziel hinaus.“ Und die letzte Lektion: „Stelle die besten Leute ein, baue die besten Produkte und höre nie auf, auf deine Kunden einzugehen.“ Sein Schluss: „Alle MICE-Profis, die eine Idee haben, ermutige ich, Risiken einzugehen, ihre Komfortzone zu verlassen, hinzufallen, wieder aufzustehen und nie den Glauben an ihre Fähigkeit zu verlieren.“ Mit seiner Keynote lässt Reggie Aggarwal bereits durchblicken, wo die Reise für das Unternehmen künftig hingehen soll. „Es ist unser Wunsch, das ,Ökosystem‘ innerhalb der Meetingindustrie zu stärken. Wir wollen eine Vordenkerrolle innerhalb der Branche einnehmen“, verrät er im Interview.
           


Andere Konferenzinhalte drehen sich um Frauen in Führungspositionen oder das wachsende Bedürfnis nach grünen Events. So erörtert ein Experten- Panel, wie die Veranstaltungswelt die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreichen kann und präsentiert Ergebnisse der Initiative „Acceleration Commitment, Engaging the global events industry with the United Nations Sustainable Development Goals“. Bislang haben sich mehr als 7.500 Veranstaltungsprofis zu einem nachhaltigen Commitment bekannt, indem sie an einer an die Initiative geknüpften Umfrage teilgenommen haben. Die Teilnehmer nannten „Climate Action“ als oberste Priorität. Weitere Schwerpunkte waren Lebensmittel, Gesundheit sowie Bildung. Fiona Pelham, CEO von Positive Impact: „Die potenziellen Auswirkungen der Veranstaltungsbranche sind erheblich. Im August haben Event-Profis aus 58 Ländern die My World Survey ausgefüllt, und uns damit eine Vorstellung davon vermittelt: So wissen wir beispielsweise, dass in den nächsten zwölf Monaten über eine Million Kilogramm Treibhausgasemissionen vermieden werden, weil Planer auf ihren Veranstaltungen pflanzliche Lebensmittel statt Fleisch anbieten“, sagt der Kopf hinter der Initiative und wirbt um mehr Engagement: „Je mehr Wissen wir austauschen und Daten teilen, desto mehr können wir das Profil der globalen Veranstaltungsbranche schärfen und verantwortungsbewusstes Handeln im Rahmen von Veranstaltungen fördern.“

Während sich verschiedene Sessions um den Return on Investment von Events drehen oder aufzeigen, was Travel Manager von Hotels erwarten, erklärt Brian Ludwig, wie Veranstaltungen in der Zukunft aussehen könnten, und spricht von allerlei Spielereien mit Biometrie – sogar dem Tracking von Emotionen von Event-Teilnehmern – von Sprachsteuerungsfunktionen, Mixed Reality und autonomem Transport, von virtuellen Events und Chatbots. „Wir können die gesamte ,Attendee Journey‘ digital abbilden und bekommen für jeden einzelnen Schritt Daten. Die Frage ist nur, was wir mit diesen Daten anfangen.“ Zum Beispiel mit den Bewegungsmustern der Tech Tour-Teilnehmer. Die meisten gehen im Anschluss in einen völlig überfüllten Saal zum Panel zu Nachhaltigkeit. Ludwig: „Jetzt wissen wir, in welchem Saal die Session im nächsten Jahr stattfindet.“
CHRISTIAN FUNK
                                       
www.cvent.com/de
„Lektion Eins: Finde den ,Pain Point‘ und entwickle das Aspirin dazu.“
Reggie Aggarwal,
CEO Cvent
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