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EVVC-FACHTAGUNG

„Vertrauen schafft Möglichkeiten“

Seine Fachtagung setzt der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC) unter das Motto Vertrauen und wählt dabei Ansätze aus der Welt der Luftfahrt, der Corporates und der Dreidimensionalität. Für 320 Besucher der richtige Ansatz.

A
ls die Hintertür aufspringt und das m:con- Team in Mannheim auf die Bühne rennt, wird es laut. Die Besucher der EVVC Fachtagung vom 15. bis 17. September 2019 im Congress Center Rosengarten spenden der Truppe von Geschäftsführer Bastian Fiedler wohlwollenden und verdienten Applaus. Zuvor sehen die Gäste auf der Leinwand ein Video, wie Fiedler seine Mitarbeiter im gesamten Haus zusammentrommelt, damit es alle noch rechtzeitig zur Veranstaltung schaffen. In letzter Sekunde klappt es, das Timing stimmt und die Inszenierung gelingt. Fiedler vertraut seinem Team soll dieser Film untermauern und gleichzeitig die Brücke schlagen zum Motto, unter das der Europäische Verband der Veranstaltungs- Centren (EVVC) seine Fachtagung gestellt hat: „Vertrauen schafft Möglichkeiten“.

Vertrauen ist im Anschluss dann Thema der Keynote des Piloten Philip Keil. Er berichtet, wie er als junger Pilot 2009 in buchstäblich letzter Sekunde eine Katastrophe verhindern konnte, als er bei einem Routineflug mit 190 Passagieren an Bord in Ägypten bei einer plötzlich auftretenden Windscherung richtig reagierte, die Maschine gen Boden drückte und nochmals durchstartete. Er erklärt, dass er in diesem Moment innerhalb von Bruchteilen von Sekunden entscheiden musste und er von Glück sagen kann, richtig entschieden zu haben. „In diesem Moment konnte ich die richtige Entscheidung deswegen treffen, weil ich zuvor trotz meines verhältnismäßig jungen Alters bereits viele Erfahrungen sammeln und ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln konnte. Man hat mir Vertrauen geschenkt. Zum Glück, denn eines ist sicher: Fliegen lernt man erst durch Fliegen“, so Keil. Eine gute Führungskraft schaffe es, dass die Mitarbeiter sich selbst vertrauen und Verantwortung übernehmen. Seine Botschaft Nummer eins an die Führungskräfte der Veranstaltungshäuser: Dem Nachwuchs Vertrauen schenken und Raum, sich zu entwickeln.

Eine weitere bekannte Geschichte aus der Welt des Fliegens nutzt er dann für seine zweite Botschaft, nämlich auf Teams zu setzen und Vertrauen zu schenken. Er lässt einen Live-Mitschnitt aus dem Cockpit des US-Airways-Flugs 1549 während einer Notlandung auf dem New Yorker Hudson River laufen, 2016 mit Tom Hanks in der Rolle des „Sully“ verfilmt. Dabei konnten die Gäste hören, wie der Pilot Chesley Sullenberger gemeinsam mit seinem Co-Piloten Jeff Skiles und Kollegen der amerikanischen Flugsicherheitsbehörde NTSB im Team die richtigen Entscheidungen traf, die allen geltenden Gesetzen widersprachen. Sullenberger vollzog nach einem Vogelschlag und dem Ausfall beider Triebwerke eine sogenannte Notwasserung. Etwas, das zuvor noch niemals – und danach auch nie wieder – mit einem Passagierflugzeug gemacht wurde. Alle 155 Personen an Bord haben überlebt. „Teams scheitern nicht an der Aufgabe, sondern an sich selbst.“
        
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Pilot Philip Keil überträgt Erfahrungen aus der Luftfahrt auf die Welt der Veranstaltungen.
FOTO: EVVC

Nach diesem launigen Ausflug landet die Gesellschaft mit insgesamt 320 Teilnehmern wieder in der Welt der Veranstaltungsstätten: „Das ist das beste Besucherergebnis seit 2011 und zeigt, dass wir das Thema richtig gesetzt haben“, freut sich EVVC-Vizepräsident Jan Jansen, der gemeinsam mit der Geschäftsstelle und EVVC-Geschäftsführer Timo Feuerbach die Planung und Umsetzung der Fachtagung verantwortet, und direkt überleitet zur Podiumsdiskussion „Was erwarten unsere Kunden von Veranstaltungsstätten?“. Dabei plaudern Dr. Laura Brager, Global Congresses & Events Manager beim Pharma-Riesen Roche Diagnostics International, Robert Sarga, Director Servicecenter Media and Communication beim Chemiekonzern BASF und Lars Sommer, Prokurist und Bereichsleiter Messen von redblue, der Eventlocation von Intersport Deutschland in Heilbronn, aus dem Nähkästchen. Befragt von m:con-Geschäftsführer Bastian Fiedler und Gerhard Stübe, Geschäftsführer des Festspielhaus Bregenz, erzählen die Corporates, wie Themen wie Compliance und Budgetkürzungen, dazu führen, dass sie ihre Veranstaltungen immer häufiger in die konzerneigene Räumen verlagern. Aber auch hybride Veranstaltungen gewännen mehr und mehr an Bedeutung, insbesondere, um Reisekosten einzusparen. Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Zwischenzeit zunehmend als Selbstverständlichkeit und kaum als Alleinstellungsmerkmal gesehen.

In einem Punkt sind sich die Teilnehmer der Talkrunde einig: Das entscheidende Kriterium bei der Wahl einer Veranstaltungsstätte ist der vertrauensvolle und kompetente Ansprechpartner, der einen professionellen Full Service vor Ort bieten kann. „Der persönliche Kontakt und auch die Sympathie zum Ansprechpartner vor Ort sind für mich entscheidend bei der Auswahl“, erklärt Dr. Laura Brager. Trotz oder vielleicht gerade durch die sich immer weiter entwickelnden technischen Möglichkeiten stehe bei jeder Veranstaltung nach wie vor der Mensch im Vordergrund. „Die persönliche Interaktion und die Kommunikation sind der Kern unserer Branche“, schließt Bastian Fiedler, bevor sich die Konferenzteilnehmer den vier Themensträngen widmen: „Recht“, „Führung“, „Technologie & Digitalisierung“ und „Marketing & Kommunikation“.

Neben den klassischen Rechtsthemen der Veranstaltungsbranche wie Versammlungsstättenrecht und GEMA werden auch übergeordnete Themen wie Scheinselbständigkeit und Aspekte des Arbeitsrechts behandelt. „Changemanagement für Führungskräfte“ ist das Thema von Markus Milz. „Jeden zweiten Beruf wird es in 20 Jahren nicht mehr geben“, so Milz. Es sei unabdinglich, Ziele und Strategien zu entwickeln, um das eigene Unternehmen der sich wandelnden Zeit anzupassen: „Kultur und Spielregeln kann man nicht verordnen, sie müssen vorgelebt werden.“ Wie dies in der Praxis aussehen kann, berichten Kristina Wulf (Eurogress Aachen), Petra Roser (Stadthalle Reutlingen) und Jacqueline Stranzky (Stadthalle Bremerhaven) mit Beispielen ihrer Veränderungsprozessen in den eigenen Häusern. Die Ansätze reichen von technologischen Anpassungen bis hin zu mehr Diversität in den Teams.
                  

M:CON - NEUE GESCHÄFTSFÜHRUNG AB 2020

Bastian Fiedler übernimmt ab 1. Januar 2020 die alleinige Geschäftsführung der m:con – mannheim:congress GmbH. Unterstützung erhält er dabei von den zukünftigen Prokuristen Benedikt Füssel und Thorsten Frank. Während Füssel als Leiter der Abteilung Business Development den gesamten operativen Bereich verantwortet, übernimmt Frank die kaufmännische Leitung. Das bestätigte der Aufsichtsrat der Mannheimer Kongress- und Eventagentur. Bastian Fiedler ist 2002 in die Firma eingetreten und war seitdem in verschiedenen verantwortlichen Positionen tätig, seit 2017 gemeinsam mit Johann W. Wagner als Geschäftsführer, der zum Jahresende aus der Geschäftsführung ausscheiden wird. „Wir blicken im Jahr 2018 auf einen neuen Umsatzrekord zurück, auch die Saalauslastung im Rosengarten ist erneut um 13% gestiegen“, so Fiedler. „Diese erfolgreiche Entwicklung wollen wir auch 2020 gemeinsam vorantreiben.“ Ein wichtiger Teil davon sei die geplante Kapazitätserweiterung. Als weitere strategische Ziele seien die Mitarbeiterentwicklung und Optimierung interner Projektprozesse im Rahmen der Kommunikations- und Digitalisierungsstrategie im Fokus.
www.mcon-mannheim.de

In die Welt von 3D, Virtual und Augmented Reality entführt Hans Elstner, Geschäftsführer von Rooom, die für ihr Projekt SaurierPfad Jena mit dem Thüringer Tourismuspreis ausgezeichnet wurden. „Wir sind so etwas wie das Wordpress für 3D-Inhalte“, stellt Elstner seine „Do-it-yourself-Plattform“ vor und erklärt, wie die Veranstaltungshäuser dreidimensionale Inhalte für die eigene Vermarktung erstellen und nutzen können. Die Ideen reichen von sprechenden Tickets, über die virtuell begehbare Location, 3D-Sitzplatzreservierung bis hin zu Augmented-Reality-Anwendungen in gedruckten Flyern. Um zu demonstrieren, wie unkompliziert die neuen Technologien inzwischen zu handhaben sind, erstellt Elstner mit einem Tablet innerhalb von Minuten ein 3D-Modell von Carsten Müller von JenaKultur. „Da muss man auch mal ein bisschen Vertrauen in die Technik haben und das einfach mal machen“, scherzt Modell Müller und erinnert einmal mehr an das Thema der Veranstaltung.

Vertrauen schenkt der EVVC auch zwölf Partnerbetrieben, die in unterschiedlichen Kurz-Seminaren beziehungsweise Workshops ihr fachliches Knowhow zu einem selbst bestimmten Fachthema präsentieren. Die thematische Bandbreite reicht von „Barrierefreiheit jenseits von Rampen – Sprache verständlich machen“ und „Human Resources“ bis hin zu und „Safety first!“. Sicherheit steht als übergeordnetes Thema der parallel zur Konferenz laufenden Site Inspections, die der EVVC erstmals anbietet. Dabei stellt der BASF-Konzern in Ludwigshafen sein Responsible Care Managementsystem zur Arbeitssicherheit vor, während die Mannheimer SAP-Arena den anderen Veranstaltungshäusern sein eigenes Sicherheitskonzept präsentiert.

Die Ergebnisse der gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO erstellten Studie zur sogenannten Plattformökonomie stellt Matthias Schultze, Geschäftsführer des German Convention Bureau, vor. Dieses zentrale Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft, das die direkte digitale Interaktion zwischen Anbietern und Kunden ermöglicht, habe sich für den Veranstaltungssektor zu einer entscheidenden Herausforderung entwickelt, die erhebliche Chancen biete, auf die sich Anbieter Locations, Hotels und natürlich Veranstaltungshäuser, wie es die Mitglieder des EVVC sind, einstellen müssten. „Entscheidend wird sein, dass die Akteure einerseits KI und Algorithmen verstehen und sich andererseits mit ihren USPs entlang der Customer Journey entsprechend positionieren“, so Schultze.

        


Abschließend vertraut der EVVC noch einmal voll und ganz seinen Mitgliedern, als er – Stichwort Plattformen – die neu gestaltete Verbandswebseite samt Datenbank und Location-Portal vorstellt und sich offener und konstruktiver Kritik öffnet und Verbesserungsvorschläge entgegennimmt. Schließlich soll der gemeinsam mit der Kölner Agentur für Werbung und Software cekom gestaltete Relaunch die Grundidee des Verbandes versinnbildlichen: „Dialog und Netzwerk sind zentrales Element des EVVC, Offenheit, Vertrauen und Transparenz sind ebenso wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe essentielle Bestandteile der Verbandsarbeit.“

„Die Fachtagung 2019 war unter der Federführung von Jan Jansen, der Geschäftsstelle, den Gastgebern und letztlich allen Teilnehmenden eine tolle Teamarbeit. Mit gelebter Wertschätzung und Interaktion werden im EVVC frische Wege gegangen“, fasst EVVC-Präsidentin Ilona Jarabek die Veranstaltung zusammen und übergibt den symbolischen Staffelstab für die nächste Fachtagung Jochen Meschke, Geschäftsführer der Dortmunder Westfalenhallen GmbH. Er und sein Team werden Gastgeber der EVVC-Fachtagung vom 20. bis 22. September 2020 in der Westfalenhalle Dortmund sein.
CHRISTIAN FUNK
                      
www.evvc.org
„Eines ist sicher: Fliegen lernt man erst durch Fliegen.“
Philip Keil,
Pilot
„Teams scheitern nicht an ihren Aufgaben, sondern an sich selbst.“
Philip Keil,
Pilot
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