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INTERVIEW

„Ideales Testfeld”

Heike Mahmoud, Chief Operating Officer im CCH – Congress Center Hamburg, über zukunftsweisende Mobilitätskonzepte, das neue CCH und Zeit in der Natur.

tw: Bundesverkehrsminister Scheuer hat im Herbst Hamburgs Teststrecke für automatisiertes und vernetztes Fahren besucht. Gerade werden die Ampeln auf dem Rundkurs von Dammtor- Bahnhof über die Messehallen ausgerüstet. Verfolgen Sie das Treiben vor Ihrer Türe?
Heike Mahmoud: Ja, in jedem Fall. Das ist ein spannendes und wichtiges Thema. Ganz besonders auch, weil der ITS-Weltkongress vom 11. bis 15. Oktober 2021 im CCH – Congress Center Hamburg und in den Messehallen stattfindet. Bei dem Kongress werden den Besuchern auch auf der Teststrecke vielfältige Anwendungen präsentiert.

Der Hamburger Senat fördert rund 70 Projekte für Intelligente Verkehrssysteme und bekommt vom Bund dafür 37 Millionen Euro. Wieso der Fokus auf Mobilität?
Insgesamt erhält Hamburg 37 Millionen Euro Fördermittel für ITS-Projekte und über 50 Millionen Euro zum Ausbau der Elektromobilität. Unsere Stadt ist ein ideales Testfeld für zukunftsweisende Mobilitätskonzepte. Hamburg ist eine wachsende Metropole und bedeutende nordeuropäische Verkehrs- und Logistik- Drehscheibe. Die Mobilität steht hier wie in anderen Ballungsräumen vor großen Herausforderungen. Verkehr und Mobilität verändern sich und stellen die Städte vor neue Aufgaben. Dem digitalen Wandel und dem Einsatz digitaler Systeme kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Der Hamburger Senat setzt bereits seit 2016 auf Intelligente Verkehrs- und Transportsysteme. Aktuell sind bereits 36 ITS-Projekte abgeschlossen, über 70 laufen derzeit. Die Projekte zur Digitalisierung des Verkehrssystems werden über den ITS-Weltkongress 2021 hinaus bis in das Jahr 2030 einen besonderen Schwerpunkt der Stadt bilden.
   

ZUR PERSON

Heike Mahmoud ist seit März 2018 Chief Operating Officer im CCH – Congress Center Hamburg. Das CCH wird seit Januar 2017 für 230 Millionen Euro umfassend modernisiert und umgebaut. Ab August 2020 wird es 12.000 Sitzplätze in bis zu 50 Sälen, 12.000 qm Ausstellfläche und 12.000 qm Foyerfläche bieten. In der Halle H finden bis zu 6.240 Personen Platz und in Saal 1, dem größten Saal, 3.000 Personen. www.das-neue-cch.de
                          
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Heike Mahmoud und das neue CCH. Im August 2020 ist die Eröffnung.
FOTO: HAMBURG MESSE UND CONGRESS, FRANK SIEMERS

In welchen weiteren drei Themenfeldern positioniert sich Hamburg für die Einwerbung von internationalen Kongressen?
Hamburg ist dank seines medizinischen Netzwerks eine ausgezeichnete Plattform für Medizinkongresse. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie andere klinische Einrichtungen sind sehr aktiv im Wissensaustausch. Ein weiteres Themenfeld belegt die Wissenschaft. Die Universität Hamburg trägt seit August den Titel „Exzellenzuniversität“. Das wird sich sehr positiv auf unser Kongressgeschäft auswirken. Wir sind unmittelbare Nachbarn und können somit gemeinsam internationale Wissenschaftskongresse durchführen. Ein drittes Thema ist die Digital- und Startup-Szene in Hamburg. Nicht nur die großen Media-Brands wie Google und Facebook haben hier ihr Headquarter, sondern viele Startups. Veranstaltungen wie das OMR Festival, Europas größtes Marketing Event mit über 50.000 Teilnehmern auf unserem Messegelände, verändern das Marketing und die Kommunikation. Das hat Einfluss auf die Zukunft von Kongressen und Events in unserer Branche.

Die Hansestadt steckt 230 Millionen Euro in die Revitalisierung des CCH – Congress Center Hamburg. Wofür wird das Geld eingesetzt?
Das neue CCH wird in puncto Größe und Flexibilität in Europa Maßstäbe setzen. Alle Flächen lassen sich individuell auf die Anforderungen und Wünsche der Veranstalter ausrichten. Die vertikale und horizontale Aufgliederung über drei Veranstaltungsbereiche – CCH West, CCH Mitte und CCH Ost – sowie über vier Geschosse ermöglichen die zeitgleiche Durchführung mehrerer Events. Mit der Modernisierung bekommt das neue CCH eine großzügige Eingangshalle, ein lichtdurchflutetes Belvedere sowie eine barrierefreie Zuwegung. Mit dem neuen Ostteil entstehen auf vier Etagen Break-out-Rooms, Foyers und ein neuer Saal, ausgestattet mit State-of-theart-Technik. Unser Vorplatz wird künftig als Zugang vom Dammtorbahnhof gestaltet und als „Entree“ zum anliegenden Park genutzt. Mit dem Rückbau des Vorfahrtbauwerks entsteht Platz für Grünflächen und eine Verbindung zwischen dem Bahnhofsvorplatz, dem Botanischem Garten und dem Park „Planten un Blomen“. So entsteht wertvoller Raum mitten in der Stadt, nicht nur für unsere Kongressteilnehmer, sondern auch für die Hamburger.
      

Nicht nur Ihre Lage neben dem Park „Planten un Blomen“ verpflichtet, die Bewegung „Fridays For Future“ nimmt alle in die Pflicht. Wie nachhaltig ist das neue CCH?
Das Gebäude ist von den Architekten im höchsten Maß nachhaltig geplant worden und zwar auf Grundlage der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB. Das CCH – Congress Center Hamburg strebt die Zertifizierung in „Gold“ an. Zur Klimatisierung des Hauses soll beispielsweise die Luft von „Planten un Blomen“ genutzt werden. Mittels intelligenter Systeme verbrauchen wir weniger Energie, was für die Zukunft des Hauses ein wichtiger Aspekt ist.

Die Wiedereröffnung des Congress Centers Hamburg war für 2019 geplant, verschiebt sich aber um elf Monate auf August 2020. Was ist passiert?
Bei den Abbrucharbeiten des alten Gebäudeteils befanden sich in Betonteilen rund 50.000 Kubikmeter Asbest. Durch diesen Sondermüll kam es zu Störungen im Bauablauf. Zudem ist erst während der Sanierungsarbeiten festgestellt worden, dass sich die Tiefgarage in einem schlechteren baulichen Zustand befindet als ursprünglich angenommen. Der Zeitplan wurde von der Baugesellschaft Sprinkenhof/ CCH Immo, welche im Auftrag des Hamburger Senats das CCH umbaut, erstellt. Grundlage sind die neuen, abgestimmten Planungen für ein Ineinandergreifen aller Gewerke auf der Baustelle.
      


Für den Weltkongress der Endurologen am 26. August 2020 mit 1.500 Teilnehmern soll alles fertig sein – was wenn nicht?
Wir gehen davon aus, dass wir Ende August das neue CCH mit dem Weltkongress eröffnen werden.

Sie arbeiten auf Hamburgs größter Baustelle. Wie gehen Sie mit Stress um?
Ich gehe in die Natur. Hamburg hat unheimlich schöne Ecken. Planten un Blomen gehört dazu, aber auch die Außenalster und die Elbe. Die Hansestadt ist unglaublich grün. Ich beobachte und genieße die Natur – die Blumen, Pflanzen und Tiere. Diese Momente geben mir unglaublich viel Energie.

In der über 40-jährigen Unternehmensgeschichte des CCH sind Sie die erste Frau an der Spitze. Wie haben die Hamburger darauf reagiert?
Ich bin mit großer Freude und Herzlichkeit aufgenommen worden, nicht nur vom Management und dem Team der Hamburg Messe und Congress, sondern auch von der Hamburger Meetingindustrie und anderen Key Playern der Hansestadt. Das hat mich sehr positiv berührt. Ich erfahre seither eine große Wertschätzung.
KERSTIN WÜNSCH




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