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NAHER OSTEN

Visionen

Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen durch Veranstaltungen wie der EXPO 2020 oder der Abu Dhabi Sustainability Week eine „Innovationskultur“ im Nahen Osten verbreiten. Progressive Töne kommen neuerdings aus Saudi-Arabien, wo Studenten Eventmanager werden wollen.

S
audi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman, schon mal bei seinen Initialen „MBS“ genannt, macht in den vergangenen Monaten immer häufiger von sich reden. Denn der Verteidigungsminister und stellvertretende Premierminister engagiert sich für eine Liberalisierung seines Landes. Bin Salman ist der prominente Kopf hinter der saudischen „Vision 2030“. Der Plan hinter dem gigantischen wirtschaftlichen Projekt, unter anderem mit der Gründung des größten Staatsfonds der Welt verknüpft (rund zwei Billionen US-Dollar!), sieht nicht nur den Ausbau erneuerbarer Energien vor, um die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern. Auch der Frauenanteil der Beschäftigten soll von 22 auf 30 Prozent steigen – stellt doch der weibliche Anteil der Bevölkerung laut Angaben der Regierung bereits über die Hälfte der Hochschulabsolventen.

Die Stellung der Frauen im Land verbessern zu wollen, ist insofern bemerkenswert und ehrgeizig, als dass Saudi-Arabien im Gleichberechtigungsranking des World Economic Forums lediglich Rang 138 von 144 Plätzen belegt. Doch der Kronprinz setzt sich öffentlichkeitswirksam für Verbesserungen der Frauenrechte ein. Wie zur Bestätigung dieses Bestrebens wurde Ende Februar Tamadur bint Youssef al-Ramah zur stellvertretenden Ministerin für Arbeit und Soziales ernannt. Ab Mitte 2018 sollen Frauen Auto fahren dürfen und jüngst werden gar Stellen für Frauen in der Armee ausgeschrieben. Zudem stößt der Thronfolger Debatten an. So erklärt er im März im Rahmen einer USA-Reise, dass Frauen künftig selbst darüber entscheiden sollten, ob sie eine Abaya – ein fußlanger schwarzer Umhang – in der Öffentlichkeit tragen. Und Anfang April erkennt bin Salman in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin „The Atlantic“ das Existenzrecht Israels an. Es ist das erste Mal, dass sich ein hoher politischer Vertreter des Königreichs öffentlich dafür ausgesprochen hat. Zwar lässt sich über die tatsächlichen Beweggründe hinter diesen Signalen diskutieren, aber allein die Ankündigung, sich öffnen zu wollen, sehen auch Experten als positives Zeichen.

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Frauen auf der Bühne in Dubai – bald auch in Saudi-Arabien? Die Weltausstellung nimmt die Region in die Pflicht.
FOTO: EXPO2020 DUBAI

Positive Signale empfängt und sendet zudem Saudi-Arabiens Meetingindustrie. Eine Chronologie der Entwicklungen: Nach der Gründung des Saudi Exhibition and Convention Bureaus (SECB) im September 2013 baut das Königreich seine Infrastruktur auf mehr als 500 Hotels, Kongress- und Veranstaltungseinrichtungen aus. Viele internationale Hotelgruppen haben inzwischen Immobilien in den großen Städten. Im März 2017 wird in der Hauptstadt Riad die „Saudi Academy for Event Management“ gegründet. Zwei Monate später stellt die erste saudische Delegation mit einem Pavillon auf der IMEX in Frankfurt aus. Und im Januar 2018 wird Saudi-Arabien Mitglied der ICCA (International Congress and Convention Association).

Tariq A. Al Essa, erklärt den Stellenwert von Meetings in Saudi-Arabien und die Rolle des Saudi Exhibition and Convention Bureaus (SECB): „Saudis treffen sich leidenschaftlich gern mit anderen, unsere Religion und Kultur fördern Interaktion und Kommunikation. Eine Studie des saudischen Arbeitsministeriums hat ergeben, dass saudische Hochschulabsolventen ,Eventmanager‘ zu einem der attraktivsten Berufe gewählt haben“, so der Executive Director des SECB. “Das SECB sieht sich als Vorreiter, und zwar nicht nur im Marketing, sondern auch was die Entwicklung der saudischen Tagungswirtschaft und deren Positionierung als globales Schwergewicht angeht.”

Gelegenheit hat das SECB als neues Verbandsmitglied beim nächsten ICCA-Kongress in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Der Kongress findet vom 11. bis 14. November 2018 im Dubai World Trade Center statt. Issam Kazim, CEO der Dubai Corporation for Tourism and Commerce Marketing, erklärt die Bedeutung der Konferenz für das Emirat: „Business Events auszurichten ist ein zentrales Element unserer Bemühungen um nachhaltige Wirtschaftsdiversifizierung und ein Schlüsselfaktor der Tourism Vision 2020.”

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Abu Dhabi hat die Plattform „Abu Dhabi Culture“ gelauncht.
FOTO: ABU DHABI DEPARTMENT OF CULTURE AND TOURISM

IBTM ARABIA: 2,700 INTERVIEWS

More than 2,700 interviews were registered at IBTM Arabia, staged at the Jumeirah Etihad Towers in Abu Dhabi from 5 - 7 February 2018. Several new features were in effect at this year's show, among these an expansion of the hosted-buyer-program. Stricter screening by the IBTM team prior to the show had been implemented to streamline the profile of event planners to accurately meet exhibitor requirements. Moreover, buyers originating from the United Arab Emirates had a one-day option. "We're delighted with the immediate feedback from our customers on the success of this year's event, in terms of the quality of meetings, the networking opportunities and the results of the enhancements we've made," said Shinu Pillai, Event Director IBTM Arabia, after the show. "IBTM Arabia is all about connections. We know that our attendees value the opportunity to build meaningful, long-term business relationships and the formula of this event is a clear conduit for this." 
www.ibtmarabia.com

In Dubai steigt die Zahl der Touristen stetig, 2016 war die Stadt mit 14,9 Millionen Übernachtungsgästen eine der am meisten besuchten Metropolen der Welt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 begrüßte die Stadt 11,58 Millionen internationale Besucher, mehr als 7,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ein Faktor für die steigenden Besucherzahlen könnten die massiven Investitionen in Dubais Infrastruktur sein, die wiederum Teil der „UAE Vision 2021“ sind: Während die VAE zu den größten Energieproduzenten zählen, arbeiten die sieben Emirate Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra’s al-Chaima, Schardscha und Umm al Qaiwain daran, ihre Wirtschaft zu diversifizieren, um ihre Position als logistischer, finanzieller und touristischer Mittelpunkt des Nahen Ostens zu festigen.

Als Katalysator wirkt die Weltausstellung Expo 2020 in Dubai mit ihrem Motto „Connecting Minds, Creating the Future“,


die 25 Millionen Besucher aus aller Welt erwartet. „Wir wollen einen Beitrag für eine bessere Zukunft leisten, indem eine Plattform geschaffen wird, die eine Zusammenarbeit zwischen Menschen und ihren Ideen auf neuartige Weise ermöglicht und bleibende Wirkung zeigt“, erklärt Ihre Exzellenz Reem Al Hashimi, Staatsministerin der VAE mit Zuständigkeit für internationale Zusammenarbeit und Generaldirektorin des Organisationskomitees für die Expo Dubai 2020, ihre Vision. Zuletzt findet im Februar der erste „UAE Innovation Month“ statt. Während des gesamten Monats organisiert und beteiligt sich die Expo 2020 an mehr als 20 Veranstaltungen, um eine „Innovationskultur“ in den VAE zu verbreiten. „UAE Innovation Month ist eines der weltweit umfangreichsten Programme mit Fokus auf Kreativität und Erfindungsgabe und trägt so erheblich zur Etablierung unseres Landes als globales Innovationszentrum bei“, erläutert Najeeb Mohammed Al-Ali, Executive Director des Dubai Expo 2020 Bureau, und fügt hinzu: „Innovation ist in unserer DNA.“

Auch Nachhaltigkeit soll eine wichtige Rolle spielen: „Uns ist es ebenso wichtig, dass wir bei der Schaffung einer smarten Infrastruktur für die Expo künftigen Generationen ein sinnvolles und nachhaltiges Erbe hinterlassen können.” Für die Weltausstellung soll unter anderem die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Helfen kann dabei der nach Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum benannte Solarpark. Im März hat der Premierminister der VAE und Herrscher von Dubai den Baubeginn der vierten Phase des Solarparks eingeleitet. Es handelt sich um das weltweit größte CSP-Investitionsprojekt (Concentrated Solar Power), ein Solarwärmekraftwerk, das an einem einzigen Standort 700 Megawatt Leistung erzeugen wird. Es wird den mit 260 Metern höchsten Solarturm und die größte thermische Energiespeicherkapazität der Welt haben. Es soll saubere Energie für 270.000 Wohnstätten bereitstellen, womit jährlich 1,4 Millionen Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden. Al Maktums Vision geht aber weiter: Bis 2030 soll die Anlage auf ganze 5.000 Megawatt Leistung ausgebaut werden. Zum Vergleich: Die derzeit größten Solarparks der Welt, Solar Star I und II in den USA, verfügen über eine Kapazität von 579 Megawatt.



Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien sind häufig Thema bei Projekten und Bauvorhaben auf der Arabischen Halbinsel. Von 13. bis 20. Januar 2018 vereint die Abu Dhabi Sustainability Week (ADSW) insgesamt 22 Events, darunter den World Future Energy Summit (WFES). Rund 38.000 Besucher besuchen die von der Abu Dhabi National Exhibitions Company (ADNEC) veranstalteten Woche. Das Motto: „Driving the Global Energy Transformation“. Großveranstaltungen wie die Sustainability Week tragen dazu bei, das Profil Abu Dhabis zu schärfen. Das schlägt sich auch in den Zahlen der Übernachtungsgäste nieder: 2017 übernachteten rund fünf Millionen Gäste in den 162 Hotels und Hotelapartments des Emirats. Dies entspricht einem Plus von knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Nicht nur der Tourismus und Nachhaltigkeits- Themen beschäftigen die Behörden des Emirats. Im Zuge des „UAE Innovation Month“ hat das Department of Culture and Tourism – Abu Dhabi (DCT Abu Dhabi) den Launch einer digitalen Plattform bekannt gegeben, „Abu Dhabi Culture“. „Die Abu Dhabi Culture Platform ist ein wichtiger Bestandteil unseres Bestrebens, Abu Dhabis Kulturreichtum der Welt zu präsentieren. Sie hilft uns bei unseren Anstrengungen, die kulturelle und intellektuelle Bedeutung des Emirates hervorzuheben und unterstreicht den internationalen Rang der VAE in der Umsetzung des technischen und digitalen Wandels", beschreibt Mohamed Khalifa Al Mubarak die Initiative. „Durch die Einrichtung einer zugänglichen Digitalplattform mit einem so hohen Maß an Diversität und Inklusivität fördern wir Kreativität und unterstützen so die Verbreitung innovativen Denkens innerhalb der Gesellschaft“, betont der Chairman des DCT Abu Dhabi. Solche Sätze hört man aus Saudi-Arabien zwar noch nicht, aber die Vision 2030 könnte ein Anfang sein.  CHRISTIAN FUNK
 

www.secb.gov.sawww.expo2020dubai.comwww.uaeinnovates.gov.aewww.visitabudhabi.ae

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