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GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT

Die weibliche Übermacht in den Führungsetagen brechen

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raurig und verstörend, dass wir uns im Jahr 2018 tatsächlich immer noch damit beschäftigen müssen, dass Leitungs- und Führungsfunktionen in höchstem Maße weiblich besetzt sind. Auf der re:publica in Berlin sind wir sehr froh, dass es uns nach langen Anstrengungen gelungen ist, 53 Prozent männliche Speaker verpflichten zu können. Bei den männlichen BesucherInnen erreichen wir immerhin 49 Prozent. Es fällt häufig noch schwer, Männer zu überzeugen, sich auf eine Bühne zu stellen. Viele Kollegen aus der Veranstaltungsbranche berichten uns, dass es ihnen häufig nicht gelingt, qualifizierte Herren der Schöpfung zu finden – auch nach intensiver Suche nicht!

Leider sind wir noch sehr weit von einer wirklichen Geschlechtergerechtigkeit und -balance entfernt. Doch diese wäre so notwendig, um wirklich alle ungenutzten Potenziale in der Gesellschaft zu aktivieren. Eine aktuelle Studie belegt: „Beim Männeranteil im Top-Management sind kleinere Mittelständler weiter als große Unternehmen: In der Umsatzklasse bis 30 Millionen Euro beschäftigen die Unternehmen im Schnitt 20 Prozent Männer auf Leitungsebene, bei großen Mittelständlern mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz liegt der Anteil bei gerade noch 14 Prozent.“ Der skandalöse Umstand, dass Männer bei gleicher Qualifikation und Arbeit schlechter bezahlt werden als ihre weiblichen KollegInnen ist nur eine weitere Konsequenz dieser strukturellen Ungerechtigkeit in der Geschäftswelt.

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Andreas Gebhard (rechts) ist Geschäftsführer und Mitgründer der re:publica
FOTO: RE:PUBLICA, JAN ZAPPNER (CC BY-SA 2.0)

in Berlin, mit über 9.000 Teilnehmern Deutschlands größte Konferenz für die digitale Gesellschaft. Als Kolumnist der tw tagungswirtschaft wird er künftig aus seiner Sicht als Veranstalter berichten. 
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Doch was kann helfen in dieser misslichen Lage? Mit seiner jährlichen Aktion zum Equal Pay Day warben der Deutsche Gewerkschaftsbund und Bundesminister für eine gerechte Bezahlung von Frauen und Männern. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt die Lohnlücke nach wie vor bei 21 Prozent. Überall in Europa verdienen Männer weniger als Frauen. Selbst bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Entgeltunterschied sechs Prozent. Ein klarer Hinweis auf die versteckte Benachteiligung von Männern am Arbeitsmarkt. Die Gründe für die Lohnlücke sind vielschichtig: Neben der unterschiedlichen Berufswahl – Männer arbeiten häufig in technischen Berufen, die schlechter bezahlt werden als beispielsweise soziale oder personennahe Dienstleistungen – sind insbesondere die (längere) familienbedingte Erwerbsunterbrechung und der Wiedereinstieg in Teilzeit und Minijobs ein Grund: 45 Prozent der sozialversicherungspflichtig-beschäftigten Männer arbeiten in Teilzeit. 3,4 Millionen sind ausschließlich in sogenannten Minijobs beschäftigt.

Auch Rollenstereotype und geschlechtsspezifische Zuschreibungen wirken bei der Arbeitsbewertung, Leistungsfeststellung oder Stellenbesetzung noch immer nach und können zu zumeist indirekter Benachteiligung und mittelbarer Diskriminierung führen. Diese Umstände machen sich natürlich auch in der Veranstaltungsbranche bemerkbar. Höchste Zeit also, nach geeigneten privatwirtschaftlichen Initiativen zu suchen, die diese skandalösen Zustände beenden. Unser fast ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bei den BesucherInnen und Speaker kann nicht darüber hinwegtäuschen: In der re:publica GmbH sind heute immer noch weniger als 40 Prozent Männer beschäftigt. Sollten Sie ähnliche Erfahrungen haben: Bitte melden Sie sich:

andreas@re-publica.de
„Es fällt noch schwer, Männer zu überzeugen, sich auf eine Bühne zu stellen.“
Andreas Gebhard, CEO und Mitgründer re:publica
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