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BRANCHENSCHRECK TRUMP

Meet in America?

Meet in America, buy American? Darauf könnte vielen EU-Bürgern bald die Lust vergehen. Donald Trumps Regierung plant „Extreme Vetting“, extreme Sicherheitsprüfungen für alle EU-Bürger. Sie sollen Passwörter ihrer Social- Media-Profile und Anruflisten übergeben, wenn sie in die USA einreisen.

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IBTM America
 findet vom 14. bis 16. Juni in Florida statt. Vielen aus der Geschäftsreise- und Meetingbranche, die heute Florida und USA hören, ist die Lust auf Tagen in den USA allerdings längst vergangen. Sie denken weniger an entspannte Lebensart unter Palmen und Sonne, sondern an Donald Trump. Der Immobilien-Milliardär ist in den wenigen Wochen seiner Amtszeit zum Sinnbild für alles geworden, was der globalen Reise- und Meetingbranche das Leben schwer macht oder direkt das Geschäft verdirbt.

Einreisestopp für Bürger ausgewählter muslimischer Länder, Laptop-Verbot auf US-Direktflügen, Kontrolle der Social-Media-Profile von Einreisenden. Das neueste Schreckgespenst, mit dem die Trump-Regierung allen Vielreisenden in die USA das Gruseln lehrt, nennt sich „Extreme Vetting“, „extreme Sicherheitsüberprüfungen“. Delegierte wie Reisende aus Deutschland und anderen EU-Staaten, die Geschäfts- und Forschungskontakte pflegen, könnten von US-Grenzbeamten wie alle anderen bald generell zur Herausgabe von Passwörtern ihrer Social-Media-Profile und Anruflisten auf ihren Smartphones aufgefordert werden. Außerdem sollen sie zu ihren religiösen Ansichten befragt werden. Das berichtet das Wall Street Journal. Die Inspektion von Smartphones an US-Grenzen wird bereits derzeit durchgeführt, die geplanten neuen Regeln würden aber noch gründlichere Durchsuchungen erlauben.

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Ist die Party vorbei für Meetings in den USA angesichts von Einreisehürden, hier die IBTM America?
FOTO: RTE

Das Präsidialdekret zu Einreisestopps in seiner zweiten Fassung vom 16. März 2017 ist zudem eine Zeitbombe, die tickt. Es würde, wenn es doch noch die US-Gerichte passiert, international tätige Großkonzerne und deutsche Mittelständler betreffen, die Mitarbeiter aus Syrien, Libyen, Somalia, Iran, Irak, Sudan beschäftigen. Das deutsche Auswärtige Amt empfiehlt, die Entwicklung der Einreisebestimmungen „weiter zu verfolgen“. Reisende müssten mit verstärkten Kontrollen und Befragungen bei der Einreise rechnen. Ob die Einreise erlaubt wird, stehe wie üblich im Ermessen des jeweiligen US-Grenzbeamten.

Meet in America oder Meet American? Paul van Deventer, Meeting Professionals International (MPI), sagt: „Wir sind besorgt, dass das kürzlich erlassene Dekret zu Einwanderung und Flüchtlingen negative Auswirkungen haben könnte auf unsere globale Mitgliedschaft und die Kongress- und Tagungswirtschaft insgesamt.“ Eine mehr als berechtigte Sorge. Dirk Gerdom, Präsident des Verbands der deutschen Reisewirtschaft: „Wir fordern den US-Präsidenten im Sinne unserer Mitglieder auf, die ungerechte und willkürliche Benachteiligungspolitik sofort zu beenden und appellieren gleichzeitig an die deutschen Unternehmen, sich mit aller Macht für die Belange der betroffenen Mitarbeiter einzusetzen.“ Ob’s hilft? Buy American, meet in America? No, thanks, könnten sich viele in Europa bald denken.
„Extreme Vetting“ lehrt die Kongressbranche das Gruseln.
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AUFGESPIESST

tw-Redakteur Frank Wewoda (40) blickt in dieser Rubrik hinter die Kulissen oder spießt bei seinen Recherchen im Konferenzalltag Hintergründiges und Abseitiges auf.
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