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SMART CITIES

Smarter Together

Herausforderungen für die Stadt der Zukunft liegen vor allem im Bereich Energie und Digitalisierung. Veranstaltungen und Bürgerbeteiligung tragen ihren Teil dazu bei, Lösungen zu finden. Mit gutem Beispiel voran gehen Köln, Hamburg oder München.

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enn dieses Jahr die EXPO in Astana eröffnet, zeigt der deutsche Pavillon die Potenziale erneuerbarer Energien und gewährt Einblicke in die Stadt der Zukunft. Die Weltausstellung vom 10. Juni bis 10. September 2017 in der kasachischen Hauptstadt steht unter dem Motto „Energie der Zukunft“.


„Der deutsche Pavillon bildet die Leistungsfähigkeit und Lösungskompetenz Deutschlands im Bereich der zukünftigen Energieversorgung unseres Planeten ab. Darüber hinaus möchten wir uns als weltoffenes, sympathisches und innovationsfreudiges Gastland präsentieren“, sagt der Kommissar des deutschen Pavillons, Ministerialrat Dietmar Schmitz vom verantwortlichen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Beim Eintritt in den deutschen Pavillon erhalten die Besucher einen Smartstick in ihrer Sprache. Mit ihm können sie die Exponate der Ausstellung aktivieren, Hintergrundinformationen abrufen und Wissen sammeln. Vorgestellt werden innovative Lösungen und Verfahren aus den Bereichen Solarenergie, Windkraft, Geothermie und Wasserkraft. Auch Themen wie die intelligente Vernetzung und die Energiespeicherung der Zukunft werden dargestellt.



Im Ausstellungsraum zur Stadt der Zukunft lenkt der deutsche Pavillon den Blick auf die Lebenswelt der Besucher. Interaktive Inszenierungen und aktuelle Beispiele aus Deutschland verdeutlichen, welche Auswirkungen die Umstellung auf Erneuerbare Energien auf das alltägliche Leben hat, vom Smart Home bis zur Mobilität. Abschluss des Pavillon-Besuchs ist eine Energy-Show: In einem zwölfeckigen Raum legen die Besucher ihre Smartsticks auf einen großen runden Tisch und aktivieren mit ihren gesammelten Smartpoints zusammen eine Lasershow mit spektakulären Bildern.

Organisiert wird der Pavillon von Hamburg Messe und Congress (HMC). Die Hamburger zeichneten bereits für die deutschen Beteiligungen auf den Weltausstellungen 2008 in Saragossa und 2012 in Yeosu verantwortlich.

Hamburg präsentiert sich auch im Smart City Forum der Digitalmesse Cebit am 22. März 2017 in Hannover und stellt das gemeinsam von Hamburg, Helsinki und Nantes entwickelte und von der Europäischen Union geförderte Projekt „mySmartLife“ vor. Darin werden Lösungen entwickelt für Herausforderungen, denen sich europäische Metropolen in Zukunft stellen müssen: Wachsende Zuwanderungszahlen, die Folgen des Klimawandels und die Notwendigkeit zu CO2-Einsparungen. Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, gewinnen digitale Lösungen immer stärker an Bedeutung.



Fünf Jahre lang werden die drei Partnerstädte sowie die so genannten Follower-Städte Varna, Bydgoszcz, Rijeka und Palencia anhand konkreter Maßnahmen und Projekte neue Wege und Strategien aufzeigen, wie sich die Städte den aktuellen Herausforderungen stellen und die Bürgerinnen und Bürger aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen können.

In Hamburg wird das Projekt, hinter dem ein Konsortium aus 14 Partnern steht – darunter die Deutsche Telekom, Volkswagen, die HafenCity Universität, Stromnetz Hamburg, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie die Verkehrsbetriebe Hamburg-Schleswig-Holstein – im Bezirk Bergedorf durchgeführt. In den Stadtquartieren Schleusengraben und Bergedorf-Süd (Stadtteil Bergedorf) entwickeln die auf bestimmte Entwicklungsbereiche spezialisierten Partner gemeinsam Lösungsansätze, für eine digitale Stadt.


Unter anderem wird der Bereich der Elektromobilität ausgebaut durch Carsharing-Konzepte und die Neuanschaffung von Elektrobussen für den öffentlichen Personennahverkehr. Neben den Säulen Energie/Infrastruktur und Bürgerbeteiligung – das Hamburger Forschungsinstitut Konsalt hat zur Kommunikation zwischen Bevölkerung und den beteiligten Akteuren im ersten Quartal 2017 zehn Foren in der Hamburger HafenCity veranstaltet – liegt der Fokus zudem auf Kommunikation/ ICT. Um eine transparente Kommunikation zu ermöglichen und Informationen bereitzustellen, steht in Hamburg eine urbane Daten-Plattform zur Verfügung. Diese besteht aus Geodaten bzw. Datenbeständen aus den Bereichen Energie, Mobilität und digitaler Infrastruktur.

Welche Bedeutung Geoinformationstechnik und dynamische Indoor- bzw. Outdoor-Karten für die Digitalisierung im urbanen Raum haben, zeigt Heidelberg Mobil International auf der Cebit. „Geoinformationen liefern für die Entwicklung neuer Stadtkonzepte unverzichtbare Erkenntnisse. Wenn Städteplaner, Kommunen und Dienstleister die großen dynamischen Datenmengen, die mittels Sensoren, Social Media oder Crowdsourcing generiert werden, klug auswerten und effizient nutzen wollen, müssen diese Nutzer- und Systemdaten in einen räumlichen und zeitlichen Kontext gesetzt werden“, erklärt Geschäftsführer Dr. Matthias Jöst.



Smarte Geo-Services bereichern die digitale Stadt nicht nur durch eine dynamische Wegdarstellung in 3D. Auch Belegungs- und Bestellsysteme von Räumen, Carsharing-Fahrzeugen, Sitzplätzen oder Parkplätzen greifen auf räumliche Informationen zu. Kontext- und ortsbezogene Dienste, sogenannte Location-based Services, informieren über Angebote, liefern die passende Busverbindung oder geben andere auf den Standort zugeschnittene Hinweise. Für Städteplaner und Dienstleister sind außerdem Erkenntnisse zur Auslastung essenziell. Kontextbezogenes Reporting liefert über Standorterfassung und -verfolgung präzise Analysen zum Personen-, Fahrzeug- oder Objektfluss, die durch Punktwolken und Heatmaps anschaulich visualisiert werden.


Thomas Apfelthaler, Leiter Marketing, Vertrieb & Produktmanagement des Unternehmens, erklärt, wie diese Technologie für Veranstaltungen genutzt wird. „Mit unserer Deep-Map-Technologie visualisieren wir Daten im räumlichen Kontext. Digitalisiert werden nicht nur statische Objekte wie Gebäude oder Räume, sondern auch bewegliche wie Personen.“ Apfelthaler zeigt Livebilder des Messegeländes in Hannover – auf der Cebit selbst ist die Technologie im Einsatz –, man sieht freie Meetingräume oder überfüllte Hallen. Heidelberg Mobil stehe auch in Gesprächen mit Kongresshäusern, die sich für den Einsatz dieser Technologie interessieren, bestätigt Apfelthaler.

Im Smart City Forum der Cebit wird das ebenfalls von der EU geförderte Smart-City-Projekt von München, Lyon und Wien „Smarter Together“ vorgestellt. Damit plant die Landeshauptstadt München gemeinsam mit städtischen Gesellschaften und Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft den Stadtteil der Zukunft, um höchste Energieeffizienz und vernetzte Mobilität zu erreichen. „Mit ,Smarter Together‘ entwickeln wir die Stadt von morgen“, sagt Josef Schmid, Bürgermeister und Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft. „München kann mit seinen Partnerstädten in diesem Projekt innovative Maßstäbe setzen und neue Modelle für andere Städte oder Quartiere schaffen.“


Modellregionen des Projekts sind Neuaubing- Westkreuz und Freiham. Ein besonderes Augenmerk liegt auch hier auf der Bürgerbeteiligung: Mit der Eröffnung des ersten Stadtteillabors in München im letzten Jahr, betreut von der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS), entwickeln Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils gemeinsam mit Experten und Partnern aus Industrie und Forschung konkrete Lösungen für die Herausforderungen des urbanen Lebens. Josef Schmid: „Es geht darum, das alltägliche Leben der Münchnerinnen und Münchner zu verbessern und zu erleichtern. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger das Projekt mitgestalten. Es gibt dazu viele Ansätze und Ideen, aber was letztendlich gebraucht wird, entscheiden sie selbst. Wir schaffen dafür interessante Beteiligungsmöglichkeiten.“

Die Beteiligung, der „Ko-Gestaltungs-Workshops“ im Stadtteillabor, wird von Professor Ignacio Farias und seinen Mitarbeitern vom „Munich Center for Technology in Society“ der TU München gemeinsam mit der MGS betreut. Hier werden Konzepte getestet. Im Bereich Mobilität sollen bis 2018 insgesamt acht E-Mobilitätsstationen entstehen. Denkbar seien dabei viele Kombinationen: Carsharing-Fahrzeuge, Lastenpedelecs, E-Dreiräder, Paket-Verteilstationen, Ladesäulen für Elektro-Autos, Digitale Informationsstelen oder eine lernende City-App.



Im Bereich Technologie kann diskutiert werden, mit welcher intelligenten Sensorik Lichtmasten ausgestattet werden sollen. Welche Daten sollen im Stadtteil erfasst werden, etwa zum Verkehr oder Wetter? Wie soll die mobile Bezahlung und Authentifizierung für den Zugriff auf digitale Dienste und auf die City-App gestaltet werden? Wie wird der Datenschutz garantiert? 

Schmid: „Wir müssen ganz neue Wege gehen. Bei ,Smarter Together‘ geht es im Kern darum, Neues, noch nicht Dagewesenes mit bereits Geplantem zu verbinden. Nur, wenn der Austausch mit den Menschen vor Ort funktioniert, erreichen wir die optimale Verbindung aus smarter Technologie und Erhöhung der Lebensqualität, die wir uns wünschen.“

Köln ist neben Stockholm und Barcelona eine der drei Leuchtturmstädte des EU-Projekts Grow Smarter, das noch bis 2019 läuft. Grow Smarter vernetzt Städte mit Industriepartnern, um Smart- City-Lösungen in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Transport zu integrieren und zu demonstrieren. Ziel ist es, einen soliden Markt für diese Lösungen zu etablieren. Kölns Interesse an Grow Smarter beinhaltet vorrangig die Bereiche nachhaltige Mobilität, Energieeffizienz von Gebäuden, emissionsarme Heizeinrichtungen und das Sicherstellen einer integrierten Infrastruktur. Die Lösungen werden im Kölner Stadtteil Mühlheim angewandt, der gerade einem Veränderungsprozess unterliegt.


Die Stadt hat sich verpflichtet, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 20% zu reduzieren, während gleichzeitig die Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbaren Energien um 20% gesteigert werden soll. Das Projekt Grow Smarter wurde nun Ende 2016 mit dem Sonderpreis des Bundeswirtschaftsministeriums im Bereich „Sektorübergreifend“ bedacht. Die Auszeichnung wurde im Rahmen der Digitalkonferenz „de.digital“ in Berlin überreicht.

Die deutsche Kongresswirtschaft hat im Rahmen der Fraunhofer-Initiative „Morgenstadt“ in einem Workshop „Veranstaltungen als Innovationstreiber für die Morgenstadt“ identifiziert. „Veranstaltungen sind nicht nur ein entscheidender Wirtschaftsfaktor für Städte und Regionen, sondern auch eine Chance, deren Profil durch Themen zu schärfen“, sagt Anke Pruust, Director of Marketing des German Convention Bureaus (GCB).



Das zeigen zum einen reine Smart-City-Konferenzen wie zuletzt in Köln am 26. April 2017 zum Thema „Köln mobil 2025plus“ oder das Smart- City-Forum im Rahmen der Cebit. Zum anderen aber auch Veranstaltungen, die die jeweilige Branchenkompetenz einer Stadt oder einer Region widerspiegeln. Denn Veranstalter im In- und Ausland legen immer mehr Wert auf eine Vernetzung ihrer Veranstaltung mit ansässigen Industrieunternehmen und Forschungsinstituten ihrer Branche: 73,7% der in der Studie Meeting & EventBarometer 2016 befragten Organisatoren sind der Meinung, dass diese Vernetzung immer wichtiger wird.

Anke Pruust ist überzeugt, dass es besonders wichtig ist, eine interdisziplinäre Plattform wie die „Morgenstadt Werkstatt“ zu nutzen, um an der Stadt aber auch der Tagung der Zukunft sowie deren Berührungspunkten zu arbeiten. „Mit dem Fraunhofer IAO arbeiten wir bereits seit Januar 2015 im Innovationsverbund ,Future Meeting Space‘ zusammen, um mit Blick auf die Technisierung der Tagungsbranche die technischen, organisatorischen und räumlichen Anforderungen für Veranstaltungen der Zukunft zu erarbeiten.“

Wie die Beispiele aus Köln, München, Hamburg oder Hannover zeigen, könnte sich dafür ein Blick in den deutschen Pavillon auf der EXPO in Astana lohnen.  CHRISTIAN FUNK
 

www.cebit.dewww.muenchen.dewww.staedtebauseminar.dewww.hamburg.de/mysmartlifewww.heidelberg-mobil.comhttp://smarter-together.euwww.grow-smarter.eu
„Geoinformationen liefern für die Entwicklung neuer Stadtkonzepte unverzichtbare Erkenntnisse.“
Dr. Matthias Jöst
Geschäftsführer, Heidelberg Mobil International

Um eine transparente Kommunikation zu ermöglichen, steht in Hamburg eine urbane Daten-Plattform zur Verfügung.

„Wir müssen ganz neue Wege gehen.“
Josef Schmid
Bürgermeister, München

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