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KONGRESSZENTREN

Wenn Technik zur Notwendigkeit wird

Virtual Reality, Exhibitor Portal und Bandbreite: Technologie spielt bei sämtlichen Eröffnungen oder Sanierungen von Kongresszentren die zentrale Rolle. Das ist in Karlsruhe nicht anders als in Sydney.

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as German Convention Bureau (GCB) identifiziert in seinem jährlichen Meeting- und Event-Barometer, dass der verstärkte Einsatz moderner Technologien ein Schlüsselthema für die Veranstaltungsbranche ist. Die Branchenmesse Imex nimmt mit einer neuen Eventtech Academy und einem Technology-Workshop am Vortag der Messe den Bereich Event-Technologie ganz prominent ins Programm. Nahezu jede aktuelle Branchenstudie räumt Digitalisierung großen inhaltlichen Raum ein. Und Prof. Dieter Kempf, Präsident des Digitalverbands Bitkom, nennt die Bewältigung des digitalen Wandels „die wichtigste Managementaufgabe unserer Zeit.“

Schaut man in die Kongresszentren weltweit, darf man das durchaus als verstandene Notwendigkeit interpretieren. In Sydney wurde beispielsweise das erst 1989 erbaute Kongresszentrum abgerissen, um dem neuen seit Dezember 2016 eröffneten International Convention Centre (ICC) Sydney Platz zu machen. Stuart Ayres, zum Zeitpunkt der Eröffnung noch Minister für Handel, Tourismus und Events des Staates New South Wales, erklärte den Schritt: In Sydney, Startup-Hochburg, wichtigstes Fintech- Zentrum der Asien-Pazifik-Region, Sitz von 35 Universitätscampi und somit auch zahlreichen Forschungseinrichtungen sei ein hochmodernes Veranstaltungszentrum schlicht eine Notwendigkeit.

„Wir haben in den ersten drei Monaten seit der Eröffnung 200 Veranstaltungen und über 300.000 Gäste im Haus gehabt“, freut sich Samantha Glass, Director of Communications des ICC Sydney. „Wir haben bei der Planung des neuen Kongresszentrums extrem viel Wert auf Eventtechnologie gelegt“, sagt sie und zählt auf: „Netzwerkinfrastruktur basierend auf unserer 10Gbps Glasfasertechnologie, WLAN-Kapazitäten mit 955 Zugangspunkten im gesamten Komplex und große Bandweite. Unser fest installiertes IT-Netz in allen Räumen ermöglicht diverse interaktive Abläufe, Videostreaming, den Transfer riesiger Datenmengen, usw.“

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Seit Dezember 2016 geöffnet. Das ICC in Sydney.
FOTO: ICC SYDNEY CONVENTION CENTRE

Das Kongresshaus im Darling Harbour direkt am Meer ist das Herzstück der über 2,1 Mrd. Euro teuren Neugestaltung des Hafenviertels. Insgesamt 8.000 Personen finden hier Platz in 70 verschiedenen Räumen, in Australiens größtem Ballsaal kommen allein 2.000 Gäste unter und die Gesamtausstellungsfläche beläuft sich auf 35.000 Quadratmeter.


Glass berichtet über kommende Features, zum Beispiel für Planer: „Eine wichtige Besonderheit, die demnächst in Betrieb geht, ist ein interaktiver Lageplan, der es Nutzern ermöglicht, sich virtuell durch die drei miteinander verbundenen Gebäude zu bewegen. Besucher können sich die Raumaufteilung dann auch im 360°-Modus anschauen.“ Auch Virtual Reality (VR) spielt eine Rolle: „Wir arbeiten gerade an einem VR-Projekt, das die Vorteile und Annehmlichkeiten unseres Standortes sowie die Nachbarschaft zum Hafen und der Stadtmitte hervorhebt. In einer zweiten Phase machen Besucher einen geführten Rundgang durch Räume und wichtige Einrichtungen des ICC und in der dritten Phase können Eventplaner mit Hilfe von diversen Raumdarstellungen verschiedene Einrichtungsoptionen durchspielen.“

Zudem ist das ICC Sydney gerade mit der Umsetzung zweier weiterer Neuerungen beschäftigt: Über das „Exhibitor Portal“ können Aussteller planen und direkt mit dem Center interagieren, um so In-house Services online zu bestellen, einschließlich Catering am Messestand und weiterer Infrastruktur. Und der webbasierte „Loading Dock Booking Service” ermöglicht es Kunden, Zeitfenster an den Laderampen zu reservieren. Die Ankunftszeit wird automatisch registriert und dem Kundenteam mitgeteilt, damit Mitarbeiter sich auf den Eingang der Waren einstellen können.

Auch in München ist man auf den digitalen Wandel eingestellt. Die Messe München mit ihren beiden Kongresshäusern ICM – Internationales Congress Center München und MOC Veranstaltungscenter München hat dazu den eigenen Geschäftsbereich Digital gegründet. Dafür wurde für Dr. Markus Dirr (33) die neue Position des Chief Digital Officer (CDO) geschaffen. Ziel des Geschäftsbereichs Digital ist es, attraktive digitale Produkte und Services sowie neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Wir wollen die Möglichkeiten gewinnbringend ausschöpfen, die die Digitalisierung in vielen Bereichen unseres Unternehmens bietet“, so Klaus Dittrich, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe München.



„Die Bedeutung Münchens als IT-Standort steigt ständig – vielfach ist sogar schon vom ‚Isar Valley‘ die Rede.“
Das kommt nicht von ungefähr: Immer mehr große Unternehmen aus diesem Bereich haben ihren Deutschlandsitz im Raum München. Erst kürzlich hat IBM an der Isar beispielsweise die weltweite Zentrale für den Supercomputer Watson in Betrieb genommen. Die starke Nachfrage von ITUnternehmen unterstreicht auch den Trend einer rasanten Digitalisierung. „Da entstehen gerade ganz neue, sehr verschiedenartige Veranstaltungsformate, die wir mit unseren drei Messe München Locations ICM – Internationales Congress Center München, MOC Veranstaltungscenter München und Messegelände optimal bedienen können“, sagt Reinhard Pfeiffer. „Was Bandbreite, Größe und Unterschiedlichkeit der Formate betrifft, ist die Messe München bestens aufgestellt.“

Mit der AWE Europe gastiert die weltgrößte Konferenz und Messe zu den Themen Augmented und Virtual Reality im MOC Veranstaltungscenter (19./ 20. Oktober 2017). Drei Wochen später dreht sich beim Machina Summit (8./9. November 2017) im MOC alles um künstliche Intelligenz.

Technologie spielt derzeit bei sämtlichen Eröffnungen, Sanierungen oder Umbauten von Kongresszentren die zentrale Rolle. „Die technische Gebäudeausrüstung ist in weiten Teilen veraltet und muss erneuert werden. Zudem wird seitens der Veranstalter eine höhere Flexibilität bei der Funktionalität gefordert“, sagt Edgar Hirt, Unternehmensbereichsleiter Kongresse und Veranstaltungen des Congress Center Hamburg (CCH), das derzeit runderneuert wird und 2019 wieder öffnet.

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In Karlsruhe wird ab 1. Juli 2017 die Stadthalle im Umfang von 58 Mio. Euro modernisiert.
FOTO: KMK KARLSRUHE MESSE UND KONGRESS

„Um auch zukünftig wettbewerbsfähig bleiben zu können, ist eine umfangreiche Umstrukturierung des Raum- und Flächenprogramms dringend notwendig“, ist er überzeugt. „Das neue CCH stellt sich ideal auf die variablen Anforderungen zukünftiger Veranstaltungsformate ein. Unsere Marketingstrategie heute und in der Zukunft zielt auf Veranstaltungen mit einer Personenzahl ab 1.000 Teilnehmern. Künftig können mehrere Parallelveranstaltungen fast ohne Einschränkungen stattfinden.“ Ab 2019 wird das CCH über 12.000 Plätze in 50 Räumen und über jeweils 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und Foyerfläche verfügen.

In Karlsruhe stimmte Ende 2016 der Gemeinderat mit großer Mehrheit einer Modernisierung der Stadthalle im Umfang von 58 Mio. Euro zu. Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress GmbH (KMK): „Das ist ein klares Bekenntnis zum Kongress-Standort Karlsruhe. Damit werden die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um uns zukünftig weiterhin erfolgreich als Kongress- und Tagungs-Destination zu positionieren.“

Bereits am 1. Juli 2017 starten die Bauarbeiten. Bis September 2019 wird die Halle nicht zur Verfügung stehen. In dieser Zeit kann auf alternative Räume, wie beispielsweise die Gartenhalle, ausgewichen werden. Dafür hat der Aufsichtsrat der KMK temporären Einbauten in die Gartenhalle zugestimmt, die im Jahr 2017 realisiert werden. Das Konferenz Center in der Messe steht als Option ebenfalls zur Verfügung.



In Künzelsau-Gaisbach investiert das Unternehmen Adolf Würth in eine neue Kultur- und Kongresshalle – benannt wird die Halle nach Carmen Würth. Die Investitionssumme für das Carmen-Würth-Forum, das am 18. Juli 2017 eröffnen soll, beläuft sich auf 58,5 Mio. Euro. „Das Kultur- und Kongresszentrum ist Begegnungsstätte für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns sowie für die Region. Es freut uns sehr, dass das Zentrum den Namen von Carmen Würth tragen wird. Niemand könnte durch sein Wirken besser beschreiben, wie wichtig es ist, Raum zu schaffen für Dialog, Begeisterung und Freude.“, so Bernd Herrmann, Mitglied der Konzernführung der Würth-Gruppe.

Genutzt wird die Halle für Firmen- und Kulturveranstaltungen von Würth. Zudem haben Gemeinden und Kommunen, Firmen und Sportvereine die Möglichkeit, das Forum für eigene Veranstaltungen zu mieten. Die Fläche umfasst insgesamt circa 11.000 Quadratmeter. Geplant sind eine Veranstaltungshalle, die für 2.500 Sitzplätze ausgelegt ist sowie ein Kammerkonzertsaal, der 500 Besucher fasst.

Welche Anforderungen Veranstaltungshäuser in Zukunft erfüllen müssen, danach forscht der Innovationsverbund „Future Meeting Space“, der just in die nächste Phase des Projekts geht. Untersucht werden soll, welche Teilnehmertypen es gibt, was der Gebrauch methodischer und technologischer Veranstaltungselemente bei den Teilnehmenden bewirkt und wie sie Nutzerakzeptanz, Wissensvermittlung, Lernfortschritt und Erlebniswert beeinflussen. Kongresszentren dürfen gespannt sein, denn auch hier ist Technologie das Schlüsselthema.  CHRISTIAN FUNK
 

www.iccsydney.com.auwww.messe-muenchen.dewww.das-neue-cch.dewww.messe-karlsruhe.dewww.carmen-wuerth-forum.de
Über das „Exhibitor Portal“ können Aussteller planen und direkt mit dem Center interagieren.

„Das neue CCH stellt sich auf die variablen Anforderungen zukünftiger Formate ein.“
Edgar Hirt, Unternehmensbereichsleiter Kongresse und Veranstaltungen des Congress Center Hamburg
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