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CSR IN ZENTREN UND KOMMUNEN

Pilotprojekt: Die wiederverwertete Bread&Butter

Der Eventbereich und kommunale Veranstaltungshäuser im deutschsprachigen Raum sind Zukunftswerkstatt für Nachhaltigkeit, wie das 

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ie Integration von Zuwanderern bedeutet eine Herkulesaufgabe für Städte und Gemeinden. Vor Ort in den Kommunen wird sich entscheiden, ob es gelingt, die große Zahl an geflüchteten Menschen in die Gesellschaft zu integrieren“, sagte Hans-Joachim Grote, Deutscher Städte- und Gemeindebund, beim Bundeskongress „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ im Convention Center der Messe in- Hannover. Dort diskutierte die Veranstaltung vom 14. bis 16. September 2016 Themen wie Zuwanderung, Integration und angespannte Wohnungsmärkte unter dem Motto „Städtische Energien – Zusammenhalt gestalten“. Umwelt- und Bauministerin Hendricks meinte: „Inzwischen haben viele Flüchtlinge ihre Erstaufnahmeeinrichtungen verlassen können. Sie müssen nun in die Stadtquartiere und Nachbarschaften integriert werden. Das bleibt die Hauptaufgabe.“

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Dank QR-Codes und Smartphones konnte die Bread&Butter 2016 fast papierlos stattfinden. Wiederverwertete Stände gehen noch einen Schritt weiter.
FOTO: BREAD&BUTTER

Ein Pilotprojekt der Agenda Nationale Stadtentwicklungspolitik, die während des Kongresses diskutiert wurde, ist das Projekt „reusecity – Urban Recycling Networks“. Dieses Pilotprojekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik wurde als Initialzündung im Zeitraum von November 2013 bis November 2016 gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt und wird jetzt fortgesetzt. Es beschäftigt sich mit der Wiederverwendung von Wertstoffen im Veranstaltungsbereich. Bei Messen und Events fallen nach einer zeitlich eng begrenzten Nutzung oft unbelastete, sortenreine Wertstoffe an, die sogar in Brandsicherheit zertifiziert sind – ein ideales Feld für den Bereich Recycling.

Robert K. Huber, geschaftsführender Gesellschafter der „zukunftsgeraeusche GbR“, entwickelte daraus ein Projekt für die Messe- und Event-Location Tempelhofer Flughafen. Als studierter Architekt und Stadtplaner liegt das Augenmerk bei Robert K. Huber naturgemäß stark auf Abriss, Bau und Umnutzung von Gebäuden. Aus Bauschutt wiederverwendbare Materialien zu gewinnen, ist jedoch eine große Herausforderung.



So stießen die Recycling-Experten bei ihren Recherchen für neue Projekte auf den Bereich Messeund Veranstaltungsbau. Robert K. Huber: „Wir haben anhand verschiedener praktischer Testläufe und Wertstoffe, wie Ausstellungswände, Textilien oder Holzwerkstoffe, erprobt, wie ein alternativer Recycling- Service mit vielen Ausstellern bei großen Messen umgesetzt werden kann.“ Die größten Herausforderungen dabei waren Kommunikation und Logistik in Anbetracht von knapper Zeit und Raum sowie auch begrenzter finanzieller Spielräume, die bei einer Weitergabe der Materialien mit sozialem Anspruch naturgemäß nicht groß ausfallen.

„Gut funktionierten vor allem Modelle bei denen die Dienstleistung mit einem kooperativen Ansatz verbunden wurde. Ebenso war – auch heute immer noch – die Bewusstseinsbildung für die Trennung von Müll und Restmaterialien ein zentrales Thema“, so Robert K. Huber. Aus der Weiterverwertung der nicht mehr gebrauchten Wertstoffe eine „alternative Wertschöpfung“ zu generieren und diese in ein wirtschaftlich tragfähiges funktionierendes Recyclingmodell zu überführen, setzten sich Huber und seine Mitarbeiter zum Ziel. Neben der Modemesse Bread & Butter 2014/2015 und dem DMY Design Festival von 2013 bis 2016 gehörte auch die „abc – art berlin contemporary“ als größte Kunstmesse Berlins in den Jahren von 2014 bis 2016 zu den im Projekt vertretenen Veranstaltungen. Die Recyclingbilanz bei der „abc“ im Jahr 2016 lautet so: 385 Ausstellungswände konnten gesammelt und für die Wiederverwertung bereitgestellt werden, insgesamt rund 2.450 qm.

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Was bleibt nach Veranstaltungen? Das Pilotprojekt „reusecity“ erprobte systematisch die Wiederverwertung von Ständen am Berliner Tempelhof.
FOTO: ZKG

Zu solchen Pionierleistungen in der Veranstaltungsbranche anspornen wollen auch die „Meeting Experts Green Awards“.
Die Nachhaltigkeitspreise der deutschsprachigen Veranstaltungsbranche wurden zuletzt am 13. Februar 2017 im Waiblinger Bürgerzentrum verliehen. Ausrichter sind das German Convention Bureau (GCB) und der Europäische Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC). Die Preise wurden von einer unabhängigen Jury in fünf Kategorien vergeben. Neben dem Hannover Congress Centrum (HCC) in der Kategorie Energiemanagement gewannen der Österreichische Rundfunk mit dem Eurovision Song Contest 2015 als Nachhaltige Veranstaltung, das „LindenGut“ als nachhaltiges Veranstaltungs-Zentrum, „Esslingen live – Kultur und Kongress“ in der Kategorie „nachhaltiges Personalmanagement“ und die Fairgourmet GmbH als nachhaltiges Unternehmen.

Das Hannover Congress Centrum gewann den Preis 2017 durch die Umrüstung seiner historischen Kronleuchter auf ein modernes Energiemanagement- System. Der historische Kuppelsaal des HCC verfügt über sieben Kronleuchter mit jeweils 180 Leuchtmitteln à 100 Watt.



Die Dimmung der LED-Leuchten erfolgt durch elektronische Dimmtechnik, die im Vergleich zu den bestehenden Last- und Leistungsdimmern eine Stromeinsparung von 93% pro Stunde bedeutet bei einem Veranstaltungsbetrieb inklusive Regiezeiten wie Reinigung, Aufbau, Abbau von 20 Stunden. Dies addiert sich auf eine Stromkosteneinsparung von 53.000 Euro. Joachim König, HCC-Direktor, sagt: „Nachhaltigkeit ist aus meiner Sicht von Anfang an eine Managementfrage, ein Vorhaben, das Kosten spart. Wer immer noch meint, dem Thema in Kongresszentren keine Aufmerksamkeit schenken zu müssen, hat den Managementauftrag nicht verstanden.“ Das HCC habe in zwei Jahren das Ergebnis nach Beginn der Zertifizierung mit Green Globe alles in allem in Höhe einer sechsstelligen Summe verbessert. Joachim König: „Ich habe in den ersten Jahren keine durch Green Globe eingeleitete Maßnahme erlebt, bei der wir kein Geld gespart hätten!“

Nominiert wurden in derselben Kategorie wie das HCC darüber hinaus das Messe und Congress Centrum Halle Münsterland und die „m:con – mannheim: congress“. Aus der Kategorie „Nachhaltige(s) Veranstaltungs-Zentrum/ Location/ Hotel“ ging das „LindenGut“ als Gewinner hervor. Das erste zertifizierte Bio-Gästehaus liegt in der hessischen Rhön am Fuß eines Biosphärenreservats. Hausherr und Bio-Pionier Wolfgang Gutberlet hat aus dem Bio- Bauernhof mit viel Engagement ein nachhaltiges Refugium mit zehn Zimmern und Tagungskapazität für bis zu 20 Personen entwickelt.

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Meeting Experts Green Awards: Bio-Pionier Wolfgang Gutberlet (links) siegte mit dem Biogästehaus „Linden- Gut“, daneben die Nominierten der Halle Münsterland und des Congress Centrum Alpbach.
FOTO: GERMAN CONVENTION BUREAU

Von der baubiologischen Architektur, eigener Wasserversorgung sowie Wärme- und Energieerzeugung, eigener Demeter-Landwirtschaft unter strenger Berücksichtigung des Tierwohls, Ressourcenschonung, Abfallvermeidung bis hin zu fairen Textilien und zertifizierter Naturkosmetik wird hier nachhaltig an jedes Detail zur Schonung der Natur gedacht. Die Jury lobte das „tolle Nutzungskonzept, von den Initiatoren akribisch und konsequent auf alle Handlungsfelder der Nachhaltigkeit ausgerichtet“.

Als nachhaltiges Unternehmen wurde in Waiblingen die Fairgourmet GmbH ausgezeichnet. Fairgourmet ist exklusiver Caterer für das Congress Center Leipzig und hat sich einem selbst entwickelten Nachhaltigkeitskonzept verschrieben, das für die jährlich rund 220 Veranstaltungen mit über 1,1 Millionen Besuchern und 11.000 Ausstellern umgesetzt wird. Dabei werden innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette qualitativ hochwertige Produkte und Leistungen nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten erbracht. So werden die Handlungsfelder Einkauf, Logistik, Qualitätssicherung, Ressourcenschonung, soziale Beziehungen und Kommunikation permanent auf ihren Nachhaltigkeitswert überprüft und optimiert. Innovationen wie ein Catering-Online-Shop ergänzen das Nachhaltigkeitsengagement. „Das umfassende Engagement der Fairgourmet GmbH zum Thema Nachhaltigkeit und der Komponentenzertifzierung in Bio ist vorbildhaft.“ Nominiert wurden in dieser Kategorie außerdem die marbet Marion & Bettina Würth GmbH & Co.KG und die GreenLine Hotels.  FRANK WEWODA
 

www.reusecity.comwww.meeting-experts-award.dewww.mcc-halle-muensterland.dewww.hcc.dewww.linden-gut.euwww.ccl-leipzig.de/services/catering
Nach Events bleiben viele hochwertige sortenreine Wertstoffe übrig - ideal für das Recycling.

53.000 Euro Kosten gespart dank LED in Kronleuchtern.

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