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ITB MICE DAY

Back to Basics

Der MICE Day ist längst integraler Bestandteil der Business Travel Days der ITB Berlin. Besucher der internationalen Tourismusmesse schauen vorbei und schnuppern in Tagungsthemen hinein. 1.322 Teilnehmer sind gekommen und bringen zur Eröffnung den Saal fast zum Platzen.

"T
ut uns leid, Sie kommen nicht mehr rein“, weisen drei Hostessen Interessierte freundlich aber bestimmt ab. „Wir haben die härteste Tür Berlins!“ postet Bernd Fritzges wenig später mit einem Augenzwinkern auf Facebook. Der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Veranstaltungsorganisatoren meint die Türen von Saal New York 3 in Halle 7.1a der Messe Berlin zum 
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, durch die am 8. März 1.322 Teilnehmer gehen. Das sind 422 mehr als 2016. Eine Steigerung, mit der andere hausieren gingen. Mandy Hännes’chen nicht. Die Leiterin der Geschäftsstelle der Vereinigung Deutscher Veranstaltungsorganisatoren erklärt: „Eine Schwankung in der Teilnehmerzahl ist nichts Neues und stark themenabhängig. Während wir letztes Jahr mit ‚Mensch vs. Maschine‘ ein sehr spezielles Thema aufgegriffen haben, ging es uns dieses Jahr eher um die ‚Basics‘. Das diesjährige Thema „Meetings, Incentives, Convention und Events im Spannungsfeld zwischen Effektivität und Effizienz“ zieht sich durch alle Bereiche der Veranstaltungsorganisation.

„Unabhängig in welchem Planungsschritt sich der Veranstaltungsplaner befindet, muss es das Ziel sein, sowohl die Wirtschaftlichkeit der Veranstaltung als auch die Wirkung, die bei den Teilnehmern erzielt werden soll, zu steigern“, verdeutlicht Hännes’chen. Das sei zwar nicht neu, doch fehle es Planern oft an Umsetzungsempfehlungen. Zumal unter den Besuchern neben Veranstaltungsplanern und ihre Dienstleister, überwiegend Fachbesucher der ITB sind. Vor vollen Reihen hält Anja Förster ihre Keynote „Der Wandel fängt im Kopf an – Anstiftung zum Querdenken!“ Die Geschäftsführerin, Bestsellerautorin und Business-Querdenkerin beschreibt das Abweichen von der Norm als Wegbereiter des Fortschritts. Selbst wenn das eher allgemeiner Natur ist und wenig neu, kommt der Vortrag bei den Zuhörern gut an.

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Anja Förster ermutigt mit ihrer Keynote „Der Wandel fängt im Kopf an“ beim ITB MICE Day zum Querdenken.
FOTO: ITB BERLIN

Die acht Vorträge im Stundentakt betrachten Megatrends und Buzzwords wie Digitalisierung, demografischer Wandel und Disruption, welche die Tagungsplaner antreiben. An der Symbiose von Nachhaltigkeit und Digitalisierung probiert sich Dr. Charles M. Savage und plädiert für ein neues „Buzzword“: MICE 4.0. „Warum verwenden wir nicht MICE 4.0?”, fragt der Präsident von Knowledge Era Enterprising International. Seinen Denkansatz führt der Baby Boomer auf einem Chart zusammen: vier Kreise „Incentives – Inspiring insights“, „Conferences – Co-Creating Options“, „Exhibitions – Emerging Possibilities“ und „Meetings – Exploring Meanigs“ mit MICE 4.0 als Schnittmenge, umgeben von Künstlicher Intelligenz, Internet der Dinge und Big Data.

„Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess“, legen Felix Undeutsch und Bernd Fritzges zur Digitalisierung nach. Der Titel ihrer Session macht nicht nur ihnen Freude, auch wenn der Satz nicht von ihnen stammt, sondern dem ehemaligen Vorsitzenden der Teléfonica Deutschland Thorsten Dirks. Die beiden übertragen ihn auf Buchungsplattformen. Selbst wenn sich Buchungsportale in firmeneigene Lösungen wie MICE Portal oder Cvent und öffentliche wie Tagungsplaner.de oder Meetingmasters unterschieden, sei der Anfrageweg der alte geblieben, kritisiert Fritzges. „Früher war es die Faxanfrage, heute ist es der RFP-Prozess. Wir sind jetzt zwar im Internet unterwegs, aber der Prozess hat sich nicht verändert.“



Hier greift Felix Undeutsch ein. Der Head of MICE & Groups von Expedia hat sich in Industrien wie Retail, Banking und Dating umgesehen. Transaktionen laufen dort im Internet 24/7 und haben drei Dinge gemeinsam: „Speed wins, Simplicity wins, Automation wins“, so Undeutsch. Er ist überzeugt, dass Echtzeit die Tagungswelt mit Live-Preisen, -Verfügbarkeiten und-Buchung revolutioniert. „Wenn wir diese drei Prozesse hinbekommen, haben wir einen digitalen Prozess und keinen scheiß digitalen Prozess.“ Undeutsch berichtet von der Deutschen Bahn, die 7.000 Events mit besagtem „Scheißprozess“ mache und dieses jetzt ändern wolle.

Die Buchung ist das eine, doch wie sieht er aus, der „Kongress der Zukunft“? „Es gibt ein paar Kongresse, die die Zukunft aufzeigen“, befindet Ronald Kötteritzsch. Der Director Marketing & Sales der Leipziger Messe stellt den internationalen Gefäßmedizinerkongress 
„LINC – Leipzig Interventional Course“
 vor. „2012 haben wir der Kongress neu gedacht und aus dem Congress Center Leipzig (CCL) in die Halle 5 der Leipziger Messe umgezogen“, erzählt Kötteritzsch. Darauf dass die mittlerweile 4.900 Besucher ihre Teilnahme individueller, interaktiver und selektiver gestalten wollen, reagiert LINC mit offenen und interaktiven Raumkonzepten: Bauliche Grenzen zwischen Sälen und Foyers, Ausstellungs-, Poster- und Cateringbereich verschwinden, die Teilnehmer können mühelos wechseln. Vortragsforen in verschiedenen Formen und Farben geben Orientierung. Gleichzeitig erhöhen sich beim LINC die technischen Anforderungen. Über 90 Operationen werden live per Kamera-Stream und Röntgen-Live-Stream in Full- HD-Qualität beispielsweise aus Sao Paolo übertragen und auf 24 mal 8 Meter große Screens projiziert.

Per Livestream war auch der ITB MICE Day zu verfolgen. 651 Besucher riefen 1.207 Seiten auf. Für alle, die den ITB MICE Day verpasst haben, verweist Mandy Hännes’chen auf Youtube: 
https://www.youtube.com/ c/VeranstaltungsplanerDe
. KERSTIN WÜNSCH 

www.veranstaltungsplaner.de

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